Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. io Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 16' stofflichen Grundlage und zum Mittelpunkte des ganzen Religionsunterrichtes gemacht, würde das Interesse reiferer Schüler fesseln und auf ihre religiöse Bildung nicht ohne nachhaltigen Einfluß sein. Für Anfänger im Uebersetzen jedoch wird ein derartiger Unterricht unverständlich und wertlos sein. Hingegen werden erzählende Stücke des Pentateuchs, beispielsweise die Geschichte Josefs, diese Binder schon nach wenigen Sätzen fesseln. Der Inhalt zieht die Kinder an. der Fortschritt der Erzählung erhöht ihr Interesse am Unterrichte, die häufige Wiederkehr derselben Worte bewirkt, daß sich der Sprachschatz auf eine angenehm-leichte Art dem Gedächtnisse der Kinder einprägt und versetzt den Lehrer in die angenehme Lage, dem Schüler dadurch Freude zu bereiten, daß er ihn mit Hilfe der bereits vorgekommenen Wörter zuweilen einen neuen Satz selbständig übersetzen läßt. Der leichtere erzählende Stil macht es möglich, in einer Stunde eine größere Anzahl von Versen, die organisch Zusammenhängen, durchzunehmen, was in den Kindern ein gewisses instinktives Sprachgefühl erzeugt und sie mit der biblischen Ausdrucksweise einigermaßen vertraut macht. Was die Behandlung des Lehrstoffes auf der unteren Stufe der Bibelschule anlangt, so glauben wir, ungeachtet des Mißtrauens, welches man häufig gegen das Alte hegt, dennoch an der alten, bewährten Lehrmethode festhalten zu sollen, nach welcher der Lehrer einen Satz vorträgt, den hierauf ein oder mehrere Schüler wiederholen. Man soll nicht immer vor dem abschreckenden Verdammungsurteile, welches man in das Wort „Mechanismus" hineinlegt, entsetzt zurückweichen. Ein gewisser Mechanismus läßt sich beim Unterrichte auf der ersten Stufe nicht vermeiden. Das Gedächtnis des Kindes ist stärker als sein Begriffsvermögen. Beim Erwachsenen führt der Weg zum Gedächtnis durch das Verständnis, beim Kinde ist es umgekehrt, erst Gedächtnis dann Verständnis, “i-cb (Sabbath 63 a). Es kann daher nicht schaden, wenn man diesem Entwicklungsgänge der Natur folgt und dem Gedächtnisse des Kindes etwas mehr anvertraut, als seinem Verstände auf der jetzigen Altersstufe entspricht. Damit will nicht gesagt sein, daß der einfache Sinn des Satzes und der einzelnen Worte dem Schüler unklar bleiben dürfe, sondern daß beim Unterrichte auf dieser Stufe das Hauptgewicht darauf gelegt werde, daß der vorgetragene Vers vom Schüler scharf artikuliert nachgesprochen und dessen Uebersetzung treu wiedergegeben werde. Auf Einzelheiten sachlicher und sprachlicher Natur hat sich der Lehrer nicht einzulassen. Dies würde die Aufmerksamkeit des Schülers zersplittern und ihn daran hindern, dieselbe ungeteilt auf richtige Wiedergabe der Uebersetzung, worauf es hier zunächst ankommt, zu konzentrieren. Die Erfahrung zeigt, daß häufige Bemerkungen, die der Lehrer aus übergroßem Lehreifer dem schlichten Bibelworte hinzuzufügen sich bemüssigt glaubt, die Kinder verwirren oder zumindest von der Hauptsache ablenken. Mit der historischen Unterlage des Stoffes sind die Kinder schnell vertraut gemacht, und verlangt man dann von ihnen nicht mehr, als eine klare Aussprache des Hebräischen und den einfachen Wortsinn, so werden die meisten unter ihnen das Verlangte zu leisten imstande sein. Auch die Schwachen und Schüchternen fühlen bald ihre Schwingen wachsen und beginnen allmählich an dem Unterrichte aktiv teilzunehmen und mit den Mitschülern zu wetteifern. Mein grammatikalisches Inventar dieser Abteilung ist also sehr gering. Denn, wenn es wahr ist, daß die Grammatik aus der Sprache entstanden ist und der Tert zur Grammatik sich verhält wie ein Haus zum Torschlüssel, so müssen die Kinder schon recht viel Hebräisch gelernt haben, ehe man von Grammatik zu sprechen beginnt. Hier gilt es zunächst, einen Wortvorrat zu sammeln, weshalb die Kinder auf neue Vokabeln aufmerksam zu machen sind, die Grammatik aber bleibe so lange ausgeschaltet, bis die Schüler durch vieles Uebersetzen darin eine gewisse Routine und mechanische Fertigkeit erlangt haben. Nach etwa einem halben Jahre erscheint es angezeigt, an der Hand der Lektüre einige Elemente der Grammatik, jedoch ohne die übliche Terminologie, vorzuführen. Der Schüler soll, nach einem sehr trefflichen Worte unseres hochverehrten Herrn Rabbiners Dr. Schmiedl, gar nicht merken, daß er Grammatik lernt. Es genügt, wenn die Schüler der unteren Abteilung am Schlüsse des ersten Jahres den Artikel, die Mehrzahl erkennen, die Verbindungsform n^“-) begreifen, ein Substantiv mit den Personalsuffiren und ein reguläres Verb in der Vergangenheit, wenn möglich auch in der Zukunft eingeübt haben. Schon diese grammatikalischen Kenntnisse entsprechen bei weitem einem größeren Quantum von Lehrstoff aus dem Pentateuch, als die Schüler bisher durchgenommen haben und werden daher, ohne wesentlich erweitert zu werden, auch für das zweite Jahr reichen. In der höheren Abteilung, etwa im dritten Jahrgänge, dessen Schüler zum größten Teile die Mittelschule besuchen und mit grammatikalischen Begriffen und Ausdrücken schon vertraut sind, kann im Interesse größerer Gründlichkeit auf grammatikalisches^Verständnis nicht verzichtet werden. Schüler auf dieser <->tufe, die aus anderen Sprachen her gewohnt sind, den Sinn eines Wortes aus dessen Analyse zu gewinnen, kann ein auf Treu und Glauben beruhendes Uebersetzungsverfahren nicht befriedigen. Man habe sich nur vor dem Zuviel zu hüten und darauf zu achten, daß das Verständnis durch die Grammatik nicht erstickt, sondern gefördert werde. Auf vollkommen korrektes Einüben grammatikalischer Formen, wie in der öffentlichen Schule, kann nun einmal, unter den gegebenen Umständen, in der Bibelschule nicht gedrungen werden. Wir werden uns daher zufrieden geben, wenn sich die Schüler das Charakteristische der Form und die Grundbedeutung der beim, regelmäßigen Verb, vielleicht auch etwas vom unregelmäßigen Verb, das Substantiv mit den Personalsulfiren allmählich merken, wobei ihnen übersichtliche Tabellen gute Dienste leisten werden. Man verlange nicht, daß der Schüler beliebige Formen reproduziere, er soll die Formen in den Hauptzügen bei der Lektüre nur wiedererkennen. Die Hauptaufgabe des grammatikalischen Unterrichtes soll darin liegen, den eigentümlichen Vau der hebräischen Sprache an der Hand der Lektüre zu veranschaulichen. Wichtig ist, die Schüler zum Gebrauche eines hebräischen Wörterbuches anzuleiten, weshalb ein solches in der Bibelschule nicht fehlen soll. Es ist bei der Lektüre nicht nötig, jeden Satz grammatikalisch zu zergliedern, es genügt, wenn ein bis zwei Verse aus dem in einer Stunde durchgenommenen Pensum in dieser Weise behandelt, zeitweilig aber dürfen oder sollen vielmehr größere Partien ohne eingehende sprachliche oder sachliche Erläuterungen nur kursorisch übersetzt werden. Bei der Uebersetzung Stätigkeit wird von allem Anfang an die Mitarbeiterschaft der einzelnen Schüler, je nach dem Grade ihrer Kenntnisse, in Anspruch genommen, derart, daß das gewonnene Resultat mehr oder weniger das Werk des Schülers sei. Unter Anleitung des Lehrers wird alles zusammengetragen und vorbereitet, was den betreffenden Schüler befähigt, den Vers oder einen Teil desselben zu übersetzen. Je größer der Anteil eines Schülers an der Uebersetzung eines Verses ist, desto größer ist seine Befriedigung über die von ihm vollbrachte Leistung. Daß dieser Vorgang, namentlich im Anfänge, keine geringe Arbeit erfordert und daß es hierbei dem Lehrer an Geduld, Gesagtes oft