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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 166 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 10 daß sie — Moses und die Propheten zitieren. Wie sie dann noch sagen können, der Gott der Juden wäre nicht der Gott der Liebe, das weiß ich nicht. Wohl gibt es bei den Propheten Stellen — das zitierte Lied gehört auch dazu — wo Gott als Gott der Rache erscheint. Wenn aber Gott als Gott des Zornes und der Rache erscheint, dann kommt das so. Die alten Juden stellten alle h i st o r i s ch e n Ereignisse als Taten Gottes dar. Wenn sie einen Feind zertraten, dann sagten sie, Gott habe ihn zertreten: wenn sie aber selber vom Feinde zertreten wurden, dann sagten sie, Gott habe sie zertreten. Das gab freilich harte Bilder. So haben es ja aber die Europäer, die Arier, im Kriege auch immer gemacht. Wer auf Grund solcher Darstellungen ruft: seht den Iudengott, den Gott des Zornes! der muß konseguenterweise auch rufen: seht den arischen Gott, den Gott des Zornes! Insbesondere liebten es die alten Juden, Taten der Könige als Taten Gottes darzustellen. Man lese doch die wunderbaren Gesänge zur Verherrlichung des Kyros: Was Kyros tut, das tut der Herr durch Kyros. In dem Jesaiasliede, das ich zitiert habe, werden die Taten des Königs direkt als Taten des Herrn erzählt: der Herr wird gesagt, und der König ist gemeint. Es wäre Torheit, auf Grund dieses Liedes zu sagen, der Gott, zu dem die Juden beteten, habe sich in Schrecken und äußerster Bedrängnis um Hilfe umgesehen. Wer sollte auch den Judengott, den Schöpfer der Welt, bedrängen oder ihm helfen? Wohl aber war der König bedrängt und sah sich um Hilfe um in äußerster Not. Dieser König aber war des großen Kyros großer Sohn K a m b y s e s. Unser Lied ist ein Jubellied zur Begrüßung des Kambyses, als er nach blutiger Vernichtung des schrecklichen Smerdisaufstandes als Triumphator heimkehrte. Die Sache geschah so. Der Sohn des großen Kyros, der jugendliche Kambyses, war herrlich und gewaltig „wie ein Gott". Als er ganz kurz nach seiner Thronbesteigung in Aegypten weilte, brach in Babylon der furchtbare Aufstand des „falschen Smerdis" aus: die alten Babylonier wollten das Joch der verhaßten Perser abschütteln. Kambyses war in verzweifelter Lage, denn er hatte nichts, als seine nächste Umgebung, seine Generale, und kein Fürst im weiten Reiche wollte für ihn eintreten. Da brach er los, stolz wie ein verwundeter Löwe: er ertränkte in Blut seine Feinde: er war wieder Alleinherrscher. Dieses Ereignis feiert unser Lied. Unser Lied will also nicht ein Charakterbild des Gottes der Juden geben: es gibt ein Charakterbild des gewaltigen Kambyses: und zwar schildert es diesen stolzen, in gewissem Sinne gottesfrohen Fürsten genau so. wie ihn auch die Griechen lHerodot) schildern. Es ist also ein großer Irrtum, wenn gewisse Arier behaupten, die Juden hätten sich ihren Gott so vorgestellt wie den blutigen Kambyses. Es scheint mir nicht wahrscheinlich, was Herr Dr. Gelbhaus andeutet, daß Serubabel aus unserem Liede Anregung für seine eigenen Entwürfe genommen hätte. Ihm mußte der Sinn des Liedes völlig klar sein: hatte er ja doch den Smerdisaufstand wahrscheinlich selber miterlebt. Die Kibeischule und der Wuterricht an derselbe«. Vortrafl, gehalten im israel. Religionslehrervereine „Esra" in Wien. Von Religionslehrer L. Wiesner. (Fortsetzuno) Das Lehrprogramm der Bibelschule ist von selbst gegeben, es ist die Bibel. Wir leben zwar nicht mehr in der guten alten Zeit, in welcher der „Siderllcrmden" belächelt wurde, sondern haben leider die betrübende Tatsache vor Augen, daß eine Vertrautheit mit dem Gebetbuche und den synagogalen Formen des Gottesdienstes einem großen Teile unserer Jugend abgeht. So hegreiflich daher auch der Wunsch erscheint, daß die Bibelschule neben der Bibel auch dem Gebeibuche ihre Aufmerksamkeit zuwende, und so wenig wir selbst die Bedeutung des Gebetbuches als eines wichtigen Faktors der religiösen Belehrung verkennen oder unterschätzen, so müssen wir uns nichtsdestoweniger unter den gegebenen Verhältnissen in den untersten Knabenabteilungen für den ausschließlichen Unterricht in der Bibel aussprechen. Wäre es möglich, die Kinder zu einem drei- oder vierstündigen Unterrichte in der Woche heranzuziehen, so. könnte allerdings ein Teil der Zeit dem Gebetbuche gewidmet werden. Da aber auf eine mehr als zweistündige wöchentliche Unterrichtsdauer in der Regel nicht zu rechnen ist, so halten wir es für zweckmäßiger und ersprießlicher, die Kräfte der Schüler auf einen Gegenstand zu konzentrieren, um darin das Möglichste zu erzielen, als die ohnehin knappe Zeit nach zwei Richtungen hin ohne erhebliche Resultate zu zersplittern. Außerdem scheint es uns auch pädagogisch richtiger, den ersten Unterricht im Uebersetzen mit leichteren Vibelstellen historischen Inhaltes, als mit dem Gebetbuche zu beginnen. Wenn man bedenkt, wie schwer es ist, das Interesse des Kindes an den hebräischen Unterricht zu fesseln und wie es gerade hier, wo der Schulbesuch fakultativ ist, mehr als anderwärts darauf ankommt, das Lernen dem Kinde zu einer Lust zu machen, so wird man bei der stofflichen Wahl für den Uebersetzungsunterricht auf der ersten Stufe unbedingt der Bibel den Vorzug geben miijjen. Mit Ausnahme weniger Stücke weicht die Diktion der Gebete von der flüssigen Sprache des Pentateuch wesentlich ab. Die bildlichen Ausdrücke, die vielen Abstrakta und mannigfachen sprachlichen Eigentümlichkeiten müssen erläutert werden und übersteigen oft das Fassungsvermögen der Kinder auf dieser Stufe. Es fehlt dem Kinde, namentlich aber Knaben, die tiefernste Stimmung, aus der so viele Gebete sprechen, welche deshalb nur von einem nachempfindenden Gemüte ganz erfaßt werden können. Der Ernst der Eebetsprache liegt der Gedankenwelt des Kindes ziemlich ferne. Für das Verständnis vieler Gebete muß erst der historische Grund gelegt werden. Die Synonyma erschweren vollends den Unterricht. wie überhaupt die Eintönigkeit des Inhaltes die Frische und Empfänglichkeit des Kindes ertöten, anstatt sie zu beleben. — Für reifere Schüler allerdings gibt es kaum ein geeigneteres Lehrbuch der Religion als unser Gebetbuch es ist. Dieses, zur alleinigen Basis des Religionsunterrichtes gemacht, derart, daß Geschichte, Reliaionslehre in den Dienst des Gebetbuches gestellt würden, wird bei Schülern, die einiges Sprachempfinden aufweisen und der Erhabenheit der Tragik unserer Geschichte und der hohen - Mission unseres Volkes ein gewisses Verständnis entgegenbringen, an der Hand eines seiner Aufgabe gewachsenen Lehrers die schönsten Erfolge erzielen. Das Gebet '2 ms* als Negierung des Dogmas der Erbsünde erfaßt, den letzten"Teil des Tischgebetes rram aus der Geschichte des Bar- K^chbaischen Aufstandes erklärt, an V"&' 'das Wirken der Männer der großen Versammlung angeknüpst, bei den ergreifenden Worten bzr rctsS s8L2 i32®n3 die Schrecken der Kreuzzüge geschildert (siehe Värs Siddur zur Stellet, bei und beit “3r<“! wrrn - Gebeten die Hoffnung Israels erläutert, gelegentlich der Venediktion die Geschichte des Elisa ben Abuja und die Verhaftung des R. Lippmann Heller erzählt, zu schweigen von den vielen Bibelstellen im G^etbuche. die Anknüpfungspunkte für Geschichte :"'d Neliaionslehre bieten, kurz, das Gebetbuch zur

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