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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 165 Aufreizung zum Boykott gegen Juden — keine unsittliche Handlung. Aus Prag, 23. Februar, wird uns berichtet: Nach Verhängung des Standrechtes in Prag fanden in Rakonitz durch drei Tage Voltsaufläufe statt, in welchen der Nationalsoziale Jezek auf dem Marktplätze das Volk vor „Gewalttätigkeiten" gegen die Juden warnte, da andere Waffen zu Gebote stehen. Mehrere Kaufleute bezeugten, datz Jezek zum Boykott der jüdischen Kaufleute aufgereizt habe, und darum stand er wegen Uebertretung des § 305 (Aufreizung zu ungesetzlichen Handlungen) heute vor dem Prager Strafgerichte. Alle Belastungszeugen erklärten, datz Jezeks Reden revolutionär waren, was Jezek bestreitet. Sein Verteidiger Doktor Hübschmann erklärte, datz es kein Gesetz gebe, das den Boykott verbiete. Er verlangte, datz der Gerichtshof seine Inkompetenz erkläre, da die Tat des Angeklagten nicht auf den § 305 (Verleitung zu unsittlichen Handlungen) bezogen werden könne, sondern höchstens auf § 302 (Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen die Juden), welcher aber unter die Kompetenz der Schwurgerichte falle. Der Gerichtshof schlotz. sich nach kurzer Beratung dieser Anschauung an, erklärte sich als nicht kompetent und begründete das durch seinen Vorsitzenden LGR S v a st a folgendermatzen: Der Gerichtshof sieht im Boykott nichts Gesetzwidriges >und Unsittliches, wie es im § 305 enthalten ist, auch besteht weder ein Gesetz noch eine Vorschrift, die den Boykott verbieten würden. Die unsittliche Tat erweckt Abscheu, aber der wirtschaftliche Boykott oder das Streben nach Lohnerhöhung der Arbeiter kann nicht als eine solche Abscheu erregende Tat angesehen werden. Der Boykott wäre dann unsittlich und abscheulich, wenn er so wie in Irland betrieben würde, Datz nämlich entweder ein Volk oder eine bestimmte Volksklaffe oder ein einzelner vernichtet würde. In Rakonitz wurde aber ein ähnlicher-Boykott nicht durchgeführt und darum kann das Vorgehen des Angeklagten nicht als unsittlich bezeichnet werden. Darum mutzte der Gerichtshof seine Inkompetenz erklären. Ein jüdischer Chinese. In Bombay in Indien lebt in sehr guten Verhältnissen ein jüdischer „Chinamann", namens Schalom David. Seine Geschichte, die in einem Vombayer Blatt aus Anlatz der Baronffierung Sassoons, in dessen Diensten David steht, erschien, ist eine recht romantische. Er wurde in Hong-^Kong, China, im Jahre 1854 geboren. Seine Eltern waren jüdische Chinesen. Heute leben selbst in China nur noch wenige solcher „chinesischer Gerim". Wann diese Chinesen den jüdischen Glauben annahmen, lätzt söch heute nicht mehr genau feststellen. Mr. Schalom David hietz ursprünglich Fe-be. Er war der älteste von drei Geschwistern und erinnert sich, wie ihm als Kind der Eintritt in die chinesischen Tempel verweigert wurde, weil er Jude sei. Als er acht Jahre alt war, brach in seiner Heimat ein Aufstand aus. Seine Familie flüchtete in die Wälder. Die Aufständischen hatten jedoch ihre Spur entdeckt, und seine ganze Familie fand den Tod. Fe-be wurde von den noch rechtzeitig herbeigeeilten englischen Truppen gerettet. Fe-be kam in die Obhut des reichen englischen Juden Mr. Schalom David, dessen Namen der Knabe später angenommen hatte. Ein anderes jüdisches Chinesen-Waisenkind, das Mr. David gleichfalls zu sich genommen hatte, starb nach einiger Zeit. Mr. David liefe den jüdischen Chinesen nach Bombay bringen, wo an ihm die Zirkumzision vorgenommen wurde. Fe-be, nunmehr Schalom David erhielt eine sehr gute Erziehung in einer jüdischen Anstalt und kam dann als Angestellter in das Haus des indisch - jüdischen Multimillionärs Jakob S a s s o o n. woselbst er sich jetzt noch in leitender Stellung befindet. Schalom David hat als zwanzigjähriger junger Mann Chababa Moses aus Bagdad geheiratet. Mr. David zählt zu den besten Juden von Bombay, an deren jüdischen Angelegenheiten er regen Anteil nimmt. Er interessiert sich auch für die Lage der Juden in Palästina und ist ein führendes Mitglied der „Gesellschaft zur Rettung der chinesischen Juden." Eine Kernerknrrg;ttr Kerrrbalrel-Slrrdie. Von Karl Fuchs (Prekburg). Herr Dr. Gelbhaus in seiner fesselnden Studie über die Anfänge des zweiten jüdischen Königtums zitiert eine besonders interessante Iesaiasstelle. Sie hat die Form eines Zwiegespräches zwischen dem Propheten, den man sich etwa vor den Toren der Stadt lustwandelnd denken mag, und dem Herrn, den man etwa auf der grotzen Heerstratze oder in den Wolken nahend sich vorstellen kann. Vollständig lautet die Stelle so: Der Prophet: Wer ist’s, der vou Edom kommt Mit rötlichen Kleidern von Bozra? Der so geschmückt ist in seinen Kleidern Und einhertritt in seiner grossen Kraft? Der Herr: Ich bins, der Gerechtigkeit lehret Und ein Meister bin zu helfen. Der Prophet: Warum ist denn dein Gewand so rotfarb Und dein Kleid wie eines Keltertreters? Der Herr: Ich trete die Kelter allein Und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorne Und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Vermögen auf meine Kleider gespritzt Und ich habe mein Gewand besudelt. Denn ich habe einen Tag der Rache mir vorgenommen Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen. Denn ich sah mich um Und da war kein Helfer; Und ich war in Schrecken Und niemand enthielt mich; Sondern mein Arm musste mir helfen Und mein Zorn enthielt mich. Darum habe ich die Völker zertreten in meinem Zorne Und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm Und ihr Vermögen zu Boden gestossen. Dieses dröhnende Lied wird von hundert und hundert „Ariern" zitiert, als angeblicher Beweis, welch brutale Vorstellung die Juden von Gott hätten. Vor wenig Jahren war es der berühmte Berliner Universitätsprofessor Delitzsch, der eben dieses Lied anführte, um zu beweisen, wie tief der Judengott unter dem christlichen Gott der Liebe stehe, und Tausende klatschten ihm Beifall. Nun liegt die Sache aber so. D e r G o t t d e r Liebe ist eben der Gott der Juden. Jeremia lätzt Gott sprechen: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Liebe." Vom verlorenen Sohne Ephraim, vom zerknirschten Israel aber lätzt er Gott sprechen: „Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich denke noch mal daran, was ich ihm geredet habe. Darum bricht mir mein Herz gegen ihn, datz ich mich seiner erbarmen mutz." Solcher Stellen aber sind die Propheten voll. Wenn die „Arier" den Gott der Liebe schildern wollen, wissen sie es nicht anders zu tun, als

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