Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Bwchs Wochenschrin. Seite 151 wo die Leiche des Entschlafenen aufgebahrt war, begann bereits um 11 Uhr vormittags. Die Teilnahme war so zahlreich, datz das geräumige Gotteshaus nicht, alle aufzunehmen vermochte, die gekommen waren, dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Nebst den leidtragenden Familienangehörigen waren erschienen.- Der Vertreter des Handels- und Eisenbahnministeriums Sektionschef Dr. Roll und Sektionschef Dr. Brosche, der Statthalter, der Landeshauptmann und einige Landesausschutzbeisitzer sowie die in Brünn Weilenden Reichsrats- und Landtagsabgeordneteiff die Spitzen der Behörden, der Bürgermeister, sejne beiden Stellvertreter und mehrere Stadt- und Gemeinderäte, die Mitglieder der Brünner Handels- und Gewerbekammer und Vertreter der Wiener, Prager. Reichenberger. Egerer, Krakauer, Grazer. Olmützer und Troppauer Kammer sowie der Brünner und auswärtiger industrieller Verbände, der Bankinstitute, die Vorstände und zahlreiche Mitglieder aller Körperschaften und Vereine, denen der Verblichene angehörte, weiters die Kultusvorstehung und viele Persönlichkeiten der Gesellschaft, darunter Vertreter der Kunst, der Wissenschaften und der Presse. Rabbiner Doktor Lewy Hielt >i»e ergreifende Trauerrede, dann nahm in tiefempfundenen Worten der Präsident des Kultusvorstandes, Doktor Hieronymus Fialla, Abschied von seinem dahingeschiedenen Amtsvorgänger. Nach einem stimmungsvollen Trauerchor, den Mitglieder des Brünner Musikvereines sangen, wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und der Zug setzte sich in Bewegung. Der schier endlose Wagenzug nahm seinen Weg über die Kröna- und die Olmützergasse, in denen die Gaslaternen brannten und eine grotze Menschenmenge Spalier bildete, nach dem israelitischen Friedhofe. In der Zeremonienhalle widmeten nach den rituellen Gesängen Abg. Baron d'Elvert namens der deutschen Fortichschriltspartei Mährens und der erste Bürgermeisterstellvertreter R o h r e r als provisorischer Vorsitzender der Brünner Kammer im Namen derselben dem Dahingeschiedenen warme Nachrufe. Seitens der Kabinettskanzlei des Kaisers ist an Frau Karoline von Gomperz nachstehendes Telegramm eingelangt: „Se. k. und k. Apostolische Majestät haben die Nachricht von dem Ableben Ihres Herrn Gemahls mit Bedauern vernommen und sprechen Euer Hochwohlgeboren Allerhöchstihr Beileid aus. Im Allerhöchsten Aufträge Schießt." Weilers kondolierten: Die Minister Freiherr von Aehrenthal. Graf S türgkh. Ritter v. B ilinski. Ritter von Hyerdtl, Dr. Braf, Korpskommandant Ritter von S u c c o v a t y, der Präsident des Reichsgerichtes Dr. Unger, der frühere Unterrichtsminister Dr. M a r ch e t, Oberlandesgerichtspräsident in Böhmen Ritter v. Wessel y, die Sektionschefs Dr. S i e g h a r 1. Baron B a n h a n s und Dr . Müller, Landespräsident in der Bukowina Ritter v. Bleyleben, Kammerpräsident Herrenhausmilglied Neumann (Reichenberg) und viele andere. Saaz. (Dr. Adolf Anspach gestorben.) Der Advokat und langjährige Vorsteher der isr. Kultusgemeinde, Stadtrat Dr. Adolf Anspach, ist gestorben. Diese Kunde hat innigste Teilnahme und schmerzlichste Trauer hervorgerufen. Um dieses alkseitige lebhafte Mitgefühl . würdigen zu können, mutz man ermessen, welche bedeutende Stellung Dr. Anspach sowohl im politischen wie im kommunalen Leben der Stadt Saaz seit vielen Jahren eingenommen hat und welch allgemeinen und großen Ansehens er sich Hier erfreute. Dr. Anspach, der am 27. November 1856 in KomotaU.geboren wurde, trat nach Beendigung feiner Studien 1679 zum hiesigen angesehenen Advokaten Dr. Bernt in die Praris ein, wo er bis 1886 verblieb, worauf er feine eigene Advokatenlauzlet m Saaz eröffaete. Einige ^z..^re später wurde Dr. Anspach zum Vorsteher der isr. Kultusgemeinde gewählt, welche Ehrenstelle er seither ununterbrochen durch volle 17 Jahre bekleidete und in der er sich um die Gemeinde die größten Verdienste erworben hat. Um dieselbe Zeit wurde er auch in die> Stadtvertretung, den Ortsschulrat. Bezirksschulrat und die Repräsentanz der Landesjudenschaft Böhmens gewählt, welchen Körperschaften er*bis zu seinem Tode angehörte. 1900 wurde er zum Stadtrat und Mitglied des Bezirksausschusses gewählt und 1905 in diese Stellungen, in denen er sich das allseitige Vertrauen der gesamten Bevölkerung zu erwerben und zu erhalten wusste, wiedergewählt. Seit vielen Jahren ist Dr. Anspach auch.eines der arbeitsfreudigsten Mitglieder des Kuratoriums der städtischen Handelsichule ce.vejeu. Emen wahryasr „ejteu Menschen" nannte ihn Christ und Jude. Von allen öffentlichen Gebäuden wehten aus Anlaß seines Todes Trauerfahnen. Der Stadtrat in Saaz widmete, eb.uso wie die Kultusgemeinde, dem veibkichenen Stadtrate einen ehrenden Nachruf, in dem es unter anderem heißt: „Sein verdienstvolles Wirken zum Wohle der Stadt Saaz und seiner Mitglieder, seine Arbeitssreudigkeit und opferwillige Pflichterfüllung sichern dem Verblichenen in allen deutschen Herzen ein stets ehrenvolles Gedenken und unmandeldare Dankbarkeit.' Böhmisch-Leipa. Der Rabbinerverband in Böhmen hielt am 15. d. M. in Prag seine Jahreshauptversammlung ab. Autzer einer ansehnlichen Zahl von Verbandsmitgliederr^ erschienen in Vertretung des mährisch-schlesischen Rabbmerverbandes dessen Vizepräsident Dr. Oppenheim-Olmütz und Dr. Günzig- Loschitz. ferner war Herr Rabbiner Dr. Bretthol z- Triest anwesend. Der Vorsitzende Prof. Dr. Kurrein- Teplitz eröffnete die Sitzung mit einem Hoch auf Se. Majestät, worauf er dem verstorbenen- Mitglieds Rabb. Weiner- Kuttenplan einen ehrenden Nachruf hielt. Aus dem Tätigkeitsberichte des Präsidenten ist besonders hervorzuheben. datz die hohe k. k. Statthalterei in Böhmen in einem Antwortschreiben auf eine Eingabe des Rabbinerverbandes diesen aufforderte, positive Vorschläge zur Verbesserung der Lage der Rabbiner vorzulegen, da die Regierung die Absicht habe, zu gunsten der Rabbiner Schritte zu unternehmen. Der wichtigste Gegenstand, der in der diesjährigen Generalversammlung zur Verhandlung kam, war der von Dr. K r e n g e l-Böhm.- Leipa eingebrachte Antrag auf Gründung eines Gesamtverbandes der Rabbiner aller österreichischen Kronländer. In der Begründung seines Antrages führte der Antragsteller unter anderem aus: Die religiösen Verhältnisse unter den österreichischen Juden werden von Jahr zu Jahr misslicher und sind bereits in hohem Grade besorgniserregend. Es ist daher unabweisliche Pflicht der Rabbiner, alles zu tun-, um eine Neubelebung des religiösen Lebens und eine Regeneration des Judentums herbeizuführen. Die damit verbundenen Aufgaben sind aber so gross, mannigfach und kompliziert, dah sie nur von einer Gesamtorganisation der Rabbiner Oesterreichs mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden können. Sollen ferner die Rabbiner den schweren Anforderungen, welche unsere Zeit an sie stellt, gewachsen sein, so mutz der Rabbinerstand selbst auf eine höhere Stufe des Wertes und der Würde gebracht werden. Das österreichische Gesetz fordert wohl von dem Rabbiner Maturitätsprüfung, aber keinerlei Nachweis über jüdisches Wissen. Ein Jurist oder Mediziner im ersten Semester kann Rabbiner werden, wenn er von einer Gemeinde dazu gewählt wird. Selbst größere Gemeinden begnügen sich oft mit akademischer Bildung und der bloßen Tatsache, datz der Kandidat eine zeitkang Hörer eines Rah-