Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 152 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 9 bmerseminars gewesen. Eine Gesamtorganisation der Rabbiner wäre am besten geeignet die Vorbedingungen zur Beseitigung dieses großen Uebelstandes zu schaffen. Eine solche Organisation hätte auch genügenden Einfluß, um die gesamten Standesinteressen, die namentlich in bezug auf Solidarität, standesgemäßes Verhalten und materielle Lage viel zu wünschen übrig lassen, in wirksamer Weise zu fördern. An das Referat des Antragstellers knüpfte sich eine mehrstündige Debatte, an der sich die Herren DDr. Stern-Saaz, (als Korreferent), Ziegle r-Karlsbad, Oppenhei m-Olmütz, Brett? h o l z-Triest, Thieberge r-Budweis, B i a ch - Brür, Golin ski-Pilsen, Kisch und Schwarz-Prag. A r j e - Smichow und der Präsident beteiligten. Alle Redner anerkannten die Nützlichkeit und Notwendigkeit einer Gesamtorganisation, mehrere wären jedoch der Ansicht, daß die Verhältnisse in einzelnen Kronländern die Gründung eines einheitlichen Gesamtverbandes unmöglich machen. .Es wurde schließlich auf Grund eines Antrages Oppenheim, dem sich auch der Referent anschloß, folgende, von Dr. Ziegler verfaßte Resolution mit Stimmeneinhelligkeit angenommen: „Von dem Wunsche beseelt, die religiösen Interessen des Judentums in unserem Vaterlande zu fördern, halten wir es für zweckdienlich,, daß in jedem Kronlande ein Rabbinerverband gebildet werde, daß ferner die Vorstände sämtlicher Verbände jährlich mindestens einmal abwechselnd in den verschiedenen Hauptstädten zur Besprechung der gemeinsamen Interessen Zusammenkommen. Die Anregungen der Gesamtvorstände sollen den einzelnen Verbänden zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt werden, um so ein einheitliches und zielbewußtes Vorgehen im Dienste des Judentums herbeizuführen." Bei der Wahl des Vorstandes wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt, und zwar die Herren Prof. Dr. K u r r e i n - Teplitz (Präsident), Prof. Dr. S t e r n-Saaz (1. Vizepräsident), Prof. Dr. Kisch-Prag (2. Vizepräsident). Dr. K r e n g e l - Vömisch-Leipa (Schriftführer), Dr. Thieberger-Budweis (Kassier), Prof. Dr. B i ach - Brür und Dr. Emanuel Schwarz- Prag. Am Abend hielt Dr. Thieberger -Budweis einen öffentlichen Vortrag über das Thema: „Ein einheitliches Gebetbuch." Nachdem der Redner eine kurze Geschichte des Gebetbuches gegeben hatte, besprach er die Gebete von dem dreifachen Gesichtspunkte der Sprache, des Umfanges und des Inhaltes. Während er die Gebete für zu lang und in diesem Punkte eine Reform für erstrebenswert erklärte, trat er mit großer Wärme für die Beibehaltung des Hebräischen als Gebetssprache ein und bemühte sich, die Aussetzungen, die in bezug auf den Inhalt der Gebete gemacht werden, zu widerlegen. Reicher Beifall lohnte die von großer Redegewandtheit zeugenden, trefflichen Ausführungen des Redners. Dippelbaumbraud im ifrael. Tempel in Pilsen. Im hiesigen israelitischen Tempel kam während des Abendgottesdienstes am 19. Februar ein Dippelbaumbrand zum Ausbruche. Der Umsicht und Geistesgegenwart einer Reihe von Personen ist es zu danken, daß keinerlei Panik entstand und die Besucher in vollster Ruhe und Ordnung das Gotteshaus verließen. Der Brand selbst wurde nach Bloßlegung des Dippelbaumes gelöscht. Da für de» Abeudgottesdienst eine Predigt angesagt war, war das Gotteshaus in allen Teilen dicht besetzt. Auf den Galerien hatten zahlreiche Damen Platz genommen. Wahrend des Gottesdienstes, etwa gegen halb 6 Uhr abends, verspürten der Tempeldiener Pausar und andere Personen einen Brandgeruch. Er ging der Ursache nach und konstatierte, daß aus dem Fußboden auf der linken Galerie nächst dem Rauchfang der Luftheizung Rauch auffteige. Sofort setzte er die im Foyer befindliche Feuerlöschvorrichtung in Tätigkeit und führte den Schlauch bis zur Biandstelle. Mittlerweile hatte der Tempelvorsteher Ed. Tmrzer das Aufsteigen der Rauchwölkchen bemerkt. Er begab fich, nachdem er den Rabbiner und den Äultusvorsteher Dr. Schanzer unauffällig von seiner Wahrnehmung verständigt hatte, auf die Galerie und veranlaßte, unterstützt von'den Herren Dr. Zentner, Inspektor Rind, Sekretär Arnstein, Maffarek, L. Schächter, welch letzterer sich auch um die Löschung des Grandes sehr verdient machte, unanderen, die Damen, die Galerie zu verlassen. Die Räumung vollzog sich in musterhafter Ordnung und in wenigen Minuten waren die Besucherinnen der Galerie im Freien. Kultusvorsteher Dr. Schanzer traf mit vollster Ruhe und Umsicht die Anordnung, daß die angesetzte Predigt des Rabbiners Dr. Golinski zu entfallen habe und veranlaßte auch, daß der Gottesdienst durch Weglaffung des Orgelspielens eine raschere Beendigung fand. Nach Schluß des Gottesdienstes leerte sich der Tempel und in wenigen Minuten hatten die Besucher durch die zahlreichen Ausgänge das Foyer und die Straße erreicht. Auch hier gab es kein Hasten nnd Drängen und keine Spur einer Panik, Mittlerweile war an der Löschung des Feuers weiter gearbeitet worden. Es wurde auch die städtische Feuerwehr verständigt. Die Feuerwehrmänner rissen den doppelten Fußboden auf, entfernten den glimmenden Dippelbaum, worauf die gänzliche Dämpfung erfolgte, und legten überhaupt das Holzgerüst nächst dem Kamin bloß. Dadurch war jedes weitere Umsichgreifen des Feueis und somit jegliche Gefahr beseitigt. Der Schaden ist ziemlich erheblich, erscheint jedoch durch Versicherung gedeckt. Berlin. (Sechste Tagung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle.) Am Dienstag. 16. Februar, hat die aus den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universe le bestehende Deutsche Konferenzgemeinschaft der A. I. U. ihre sechste Jahrestagung in Berlin im grossen Sitzungssaale im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokalkomitees waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentralkomitee in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führten die Präsidenten der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin und Philipp Schiff-Frankfurt a. M., die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für das Jahr 1908 erstatteten und den Arbeitsplan für 1909 entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, dass die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder erheblich gewachsen ist, dank der früher beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten strafferen Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung des Organs der Konferenzgemeinschaft, der illustrierten Monatsschrift „Ost und West“. Im Laufe des Jahres 1908 sind 28 neue Lokalkomitees der Alliance geschaffen, 30 bestehende erweitert, worden. Die Entwicklung der'Mitgliedschaft in Deutschland zeigt in einem Zeiträume von drei Jahien'eine Vermehrung um 40-5%, die der Beiträge, und Spenden, in derselben Frist eine Zunahme um 64%. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Israelite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre über drei Erdteile verbleitet; es wurden 45.000 Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat 15 Millionen Franks, im ausserordentlichen Etat 500 000 Franks, zusammen zwei Millionen Franks aufgewendet. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenzgemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen und namentlich den Ausgewiesenen widmete sie ihre unterstützende und fördernde Fürsorge. An allen Hilfsorganisationen in den Einzelstaaten und in den Provinzen hat die Deutsche Konferenzgemeinschaft im vergangenen Jahr in führender Weise Anteil genommen. — Die Deutsche Konferenzgemeinschaft erörterte, wie in früheren Jahren, eingehend und in bejahendem Sinne die Frage der Ausdehnung beziehentlich Einführung deutschen Sprachunterrichts in einzelnen Allianceschulen, u. a. in Marokko, und der erweiterten Entsendung von Zöglingen des Pariser Lehrerseminars der Alliance nach Deutschland zum Zweck der «Erlernung der deutschen Sprache. Dem allgemeinen Bericht schlossen sich die Sonderberichte der einzelnen Bezirks-, Provinzial- und Landeskomitees an. Ueberall konnte grosse Regsamkeit und-erneuter Aufschwung konstatiert werden. Herr Rabbiner Dr. Porges-Leipzig, der in den Monaten November,. Dezember, Jänner mit Herrn Professor Levi-Paris die Orientschujen der Alliance inspiziert hatte, erstattete vorläufigen persönlichen Bericht. Der Bericht wurde mit lebhaftestem Interesse entgegengenommen. Mit grosser Befriedigung und Genugtuung vernahm man, dass die Allianceschulen im Orient jede unbefangene Prüfung vertragen können hinsichtlich des Unterrichisplans, der Unterrichtsmethode, der Unterrichts- und Erziehungsergebnisse, und nicht zuletzt hinsichtlich,des in ihnen waltenden vom traditionellen Geist getragenen religiösen Sinnes. Kroatien. Auf dem kroatischen Freidenkerkongreß, der Ende Dezember vorigen Jahres in Zagreb (Agram) tagte, äußerte fich Dr. Hinkovic, einer der hervorragendsten österreichischen Kriminalisten, über die Judenfrage: „Es ist wahr, -aß die Juden verfolgt wurden, aber gerade durch diese Verfolgungen erzielten sie so viel Widerstandskraft, so viel Solidaritätsgefühl, daß fie allen anderen Völkern.als Vorbild dienen könnten. Wahr ist es auch, daß fie Christum weder verurteilt noch