Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021828--18105-3043015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 160 Dr, Blochs Wochenschrift. Rr. 9 Tupfer und Silber. Trotz des erst dreijährigen Be? standes der Künstgewerbeschule, welche unter der ausgezeichneten Leitung des Professors Boris Schatz steht, geben die meisten der zierlichen Gegenstände mit ihrem reizvollen ornamentalen Schmuck im maurischen Stile und der sinnreichen Einflechtung von hebräischen Buchstaben in das Gewebe der Ornamentik Zeugnis von den Fortschritten der Technik und der künstlerischen Auffassung der Schüler, welche zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Die Sammlung ist ein Geschenk des jüdischen Kolonisationsvereines an das Museum. Tempelbau-Verein des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. VIII., Neudeggergasse 12. Die Generalversammlung dieses Vereines fand am 17. Februar d. 2. in den Räumen des Tempelgebäudes, VIII., Neudeggergasse 12, bei zahlreichem Besuche statt. Der Präsident des Vereines Hermann Beck hielt die Eröffnungsansprache und begrüßte den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Kommerzialrat Simon, Herrn kais. Rat Lichten st ad t. den Präses des Tempelvereines im IX. Bezirk Gottlieb Bettelheim, den Vorstand des Josefstädter Frauenvereines, Frau Amalie B e ck, Frau Josefine Adler und Frau Nina Nobel. Der Vorsitzende gedenkt der Heimgegangenen langjährigen Vorstandsmitglieder, der Herren Heinrich Rosenbaum, und Isidor Mintz, die mit dem regsten Eifer für den Verein tätig waren, ferner des Baumeisters Karl Mayer und der Mitglieder Dr. L. Berg, Wilhelm Maas und Daniel Neurath. Der verdienstvolle Schriftführer des Vereines Herr Dr. Sigmund Goldberger referiert sodann über die Jahresgebarung und teilt mit, daß am 1. und 2. Dezember v. I. drei solenne F-mgott^sdienste anläßlich des sechzigjährigen Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers abgehalten wurden, die durch den Besuch des 1 Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn, anderer hervorragender Festgäste und zahlreicher Vereinsmitglieder sowie der Schuljugend ausgezeichnet waren. Nach dem Berichte des Revisors werden Rechnungsabschluß und Bilanz einstimmig zur Kenntnis genommen und dem Gesamtvorstande das Absolutorium erteilt. Der Vertreter der Kultusgemeinde dankt für die ihm seitens des Präsidenten zuteil gewordene herzliche Begrüßung und fügt hinzu, er habe mit Vergnügen den Bericht über die umsichtige Leitung des Vereines vernommen und er hege den Wunsch, daß das Ziel des Vereines, Gutes und Ersprießliches zu schaffen, stets in Erfüllung gehe. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden zu Allsschußmitgliedern die Herren: Adolf Beck, Adolf Getreuer, Leopold Robicsek, S. Steiner, Lazzaro V i t a l i und Heinrich Wagner zu Ausschußstellvertretern die Herren Heinrich Kohn und Friedrich Schiller und zu Revisoren die Herren Salomon Bauer, Ignaz Rosenbaum und Filipp Weiß gewählt. Zur Koscherfleisch-Frage. Der Wiener Fleischermeister Schwarzbach erfuhr, daß eine ihm abtrünnig gewordene Kundschaft seither den Bedarf an Koscherfleisch bet seinem Konkurrenten, dem Fleischer Weinwurm, beziehe und er begab sich zur betreffenden Familie, um zu bitten, wieder bei ihm einzukaufen. Hiebei erklärte er, das Fleisch bei Weintvurm sei -gar nicht koscher, denn er kaufe in der Markthalle „Trefe"-Fleisch ein, Las er fälschlich als „koscher" ausschrote. Weinwurm, der hievon erfuhr, brachte gegen Schwarzbach die Ehrcnbeleidigungsklage ein, die kürzlich den Bezirksrichter der Josefstädt Dr..Stolz beschäftigte. Der Angeklagte brachte vor. laut Beschlusses der israelitischen "Kultusglmeinde und des Wiener Rabbinates sei das Fleisch nur dann ^koscher", wenn sich der betreffende Fleischhauer einer besonderen Kontrolle der Kultusgemeinde unterwerfe, die dann ein eigenes Organ mit der Ueberjvachnng betraue; in diesem Fall allein erhalte auch der betreffende Fleischhauer eine offizielle Tafel mit d r Aufschrift „Koscherfleisch". Der Kläger bestritt die Richtigkeit dieser Behauptung, vielmehr habe die Kultusgemeinde kein Recht, jemanden zu dieser Unterwerfung zu zwingen oder ihm den Verkauf von „Koscherfleisch" zu verbieten; »nenn er auch in der Markthalle einkaufe, so sei zu bedenken, daß er ja auch Kunden für Nicht-„Koscher"steisch habe, für welche diese Einkäufe bestimmt sind. Klager: „Ich kann beweisen, daß meine Behauptung richtig ist I Herr Weinwurm verkauft ja auch Samstag Koscherfleisch, schon .durch diese Tatsache allein ist er laut Verordnung des Rabbinats zuni Ver? kauf von Koscherfleisch untauglich. Der dichter beschloß die Vertagung der Verhandlung, um vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde und vom Rabbinate Auskünfte respektive Gutachten zu requirieren. Bei der zweiten Verhandlung brachte der Klager eine Bestätigung des Knltusvorstandes. Der Richter fand dies nicht für ausreichend, er wünschte ein Gutachten des Rabbinats und legte den Klageparteien nahe, durch einen Ausgleich die Angelegenheit zu erledigen. Herrenhausmitglied Julius Ritter von Gomperz. Herrenhausmitglied und 1 Präsident der Brünner Handels- und Gewerbekammer Julius Ritter von Gomperz ist am 21. d. M. nachts nach kurzer Krankheit irrt Alter von 85 Jahren gestorben. Gomperz, einer der ältesten und hervorragendsten Industriellen Mährens, war am 21. November 1824 zu Brünn geboren. Gleich nach Schaffung der Handelskammern in Oesterreich wurde Gomperz im Jahre 1859 von der Brünner Handelskammer zu ihrem ersten Präsidenten gewählt, welches Ehrenamt er bis zu seinem Tode bekleidete. Seine Mitbürger wählten ihn auch eine lange Reihe von Jahren hindurch in die Gemeindevertretung der mährischen Landeshauptstadt und zum Mitglieds des Landesschulrates. Der Verblichene war ferner Jahrzehnte hindurch Vorsteher der Jsraelitengemeinde Brünns und Kurator des mährisch-jüdischen Landesmassefonds. Die Handels¬ und Eewerbekammer in Brünn entsendete ihn seit Beginn der parlamentarischen Aera in den mährischen Landtag und seit 1671 in das Abgeordnetenhaus, wo er sich als ein verläßliches Mitglied der deutsch-fortschrittlichen Partei bewährte. Am 1. November 1892 vom Kaiser als lebenslängliches Mitglied ins Herrenhaus berufen, schloß sich Gomperz hier der Verfassungspartei an. Seine reiche Erfahrung auf wirtschaftlichem Gebiete befähigte ihn, in allen diesen Fragen ein entscheidendes Wort in den parlamentarischen Körperschaften mitzusprechen. Sein Wissen betätigt er ferner auch als Mitglied des Staatseisenbahnrates. Die von ihm geleitete große Feintuchfabrik zeichnete sich durch viele moderne Institutionen zum Wohle der hier beschäftigten Arbeiterschaft aus. Das Etablissement erfreute sich auch einmal des Besuches des Monarchen, der seine Anerkennung über das Gesehene aussprach. R. v. Gomperz war Komtur des Franz Josefordens mit dem Sterne, des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse und Offizier der französischen Ehrenlegion. Ritter von Gomperz war Eigentümer des landtäflichen Gutes Habrowan in Mähren. Seit 1867 war er mit der einst hochgefeierten Kammersängerin Karoline Bettelheim vermählt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat Montag vormittag um 1 lx/a Uhr eine Trümrsitzung abgehalten, in welcher der Präsident, Herr Dr. Hieronymus Fialla, seinem verewigten Vorgänger m diesem Amte einen warmempfundenen Nachruf widmete und die besonderen Verdienste, die sich Herrenhausmitglied Ritter von Gomperz durch sein hervorragendes Wirken in den verschiedenen öffentlichen Stellungen erworben hat, hervorhob. Die Versammlung hörte diesen Nachruf stehend an.. Die Kultusgemeinde widmete dem Verewigten ein Ehrengrab. Das Leichenbegängnis, welches Dienstag sstattfänd, gestaltete sich zu einer imposanten Trauermanifestation. Die Auffahrt, der Trauergäste vor dem alten Tempel,