Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021828--18102-3043012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Leite 147 die vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden, ihr Gedeihen aus allen Kräften zu fördern und sie auf jenes Niveau zu heben,' das ihrem Zuckunftswerte entspricht. Denn der Bibelschule scheint es Vorbehalten zu sein, die Rettungsinsel des hebräischen Unterrichtes zu werden. — Bis nun sind diese Unterrichtsanstalten, die ihre segensreiche Tätigkeit im Stillen entfallen, unseres Wissens einer fachlichen Besprechung nicht unterzogen worden. Und dennoch bieten dieselben hinsichtlich ihrer Organisation, ihres Lehrprogrammes, der Lehrmethode, der Disziplin und noch in vielen anderen Punkten eine Fülle von Fragen dar, deren Behandlung auf pädagogisches Interesse berechtigten Anspruch erheben darf und für den Lehrer der Religion eine dankbare Aufgabe bildet. Es gilt, hier einen Boden urbar zu machen, der es wert ist, daß ihm ernste Arbeit gewidmet werde. Unsere Bibelschule bildet eine ganz neue, eigenartige Schultype. Was sie von der öffentlichen Schule wesentlich unterscheidet, ist vor allem der fakultative Schulbesuch und das Fehlen aller jener äußeren Behelfe, welche den Unterrichtsbetrieb an den öffentlichen Anstalten unterstützen. Es ist klar, daß dort, wo ein regelmäßiger Schulbesuch nicht zu erzwingen ist, ja gar nicht erzwungen werden soll, dem Lehrer keine Disziplinarmittel zu Gebote stehen, Klassifikation und gütige Zeugnisse auf den Fleiß und die Aufmerksamkeit der Schüler nicht einwirken, sich wesentlich geänderte Schulverhältnisse ergeben, die eine entsprechende Modifikation der Basis der Schule bedingen. Ein weiteres Moment, welches die Bibelschule charakterisiert, ist das ungleichmäßige Schülermaterial, das sich aus den verschiedenen Jahrgängen dreier Schulkategorien, der Volks-, Vürger- und Mittelschule, rekrutiert. Da die Bibelschule in der Regel nur wenige Abteilungen hat und das ganze Sckmlermaterial in diesen Abteilungen unterbringen muß, so liegt es in der Natur der Sache, daß innerhalb der einzelnen Abteilungen hinsichtlich der Vorbildung sehr merkliche Unterschiede herrschen. Nicht zu übersehen ist ferner der Umstand, daß an der Bibelschule der Unterricht an Tagen und Stunden erteilt wird, die eigentlich Erholungstage und Erholungsstunden für die Kinder sein sollen. Das Unterrichtsverfahren wird also, indem es den erwähnten Umständen Rechnung trägt, von dem an der öffentlichen Schule üblichen abweichen müssen. An den Lehrer aber wird die Bibelschule Anforderungen stellen, die nicht nur seine pädagogischen Fähigkeiten, sondern auch seine physische Kraft in hohem Maße in Anspruch nehmen, so daß mit vollem Rechte behauptet werden könne: die Bibelschule, das ist der Lehrer. Um nun all die Fragen und Schwierigkeiten, welche die Bibelschule bietet, zu lösen, muß in erster Linie die Hauptfrage beantwortet werden: Was soll die Bibelschule leisten? Die Bibelschule würde ihre Aufgabe entschieden verkennen und ihren Zweck ganz verfehlen, wenn sie sich dazu hergeben würde, für den öffentlichen Religionsunterricht Korrepetitordienste zu leisten und die schlechten Ausweise lässiger Schüler zu korrigieren. Die Bibelschule soll vielmehr erst an der Grenze der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Unterrichtes einsetzen und an das Lehrprogramm desselben anknüpfen. Allen, die ein Interesse daran haben, ihren Kindern ein Mus von hebräischem Wissen zu vermitteln, hat die Bibelschule hierzu Gelegenheit zu bieten. Nicht die zurückgebliebenen und lässigen, sondern die fortgeschrittenen, fleißigen oder begabten Schüler gehören in die Bibelschule und sollen in ihr die größtmöglichste Förderung erfahren. weckk man in ihnen den Grundstock und die Hoffnung der zu erhaltenden indischen Gemeinde mit ihrem Kultus leben zu erblicken berechtigt ist. Ist diese Auffassung richtig, so erweist sich eine sorgfältige Auslese des Schülermateriales als notwendige Voraussetzung für das Gedeihen einer Bibelschule. Ganz entschieden müssen störende Elemente der Bibelschule ferngehalten werden. Nicht nur die tatsächliche, sondern schon die immerfort zu gewärtigende Störung irgend eines Quälgeistes läßt einen geistigen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler nicht aufkommen. Sobald der Lehrer darauf bedacht sein muß. mit allen Finten und Kunststücken die Disziplin aufrecht zu erhalten, kann von einem gedeihlichen Unterrichte nicht mehr die Rede sein. -Von einem ruhigen Unterrichtsgange hängt auch der gute Ruf einer Bibelschule ab, der peinlich gehütet werden muß. Unartiges Betragen und häufige Unterrichtsstörungen sind geeignet, das Wohlverhalten der besseren Schüler zu beeinträchtigen und die ohnedies bestehende Scheu gewisser Eltern, ihre Kinder in die Vibelschule zu schicken, zu rechtfertigen. Es sollen aber auch diese Kreise ihre Kinder ohne Bedenken der Bibelschule anvertrauen können, oder, wenn wir so sagen dürfen, es soll ihnen der Vorwand, sie dahin zu schicken, benommen werden. Man wird daher von allem Anfang an darauf zu achten haben, daß nur solche Schüler in die Bibelschule Aufnahme finden, die sich durch ein gutes sittliches Betragen empfehlen. —Aber auch in Hinsicht der Befähigung, am Unterrichte teilzunehmen, ist eine Auswahl der Schüler dringend geboten. Wie angezeigt es auch ist. an das Können und Wissen der sich zur Aufnahme meldenden Kinder keine hohen Ansprüche zu stellen, so wird man dennoch von der Forderung eines korrekten Hebräischlesens nicht absehen dürfen. Dieses gewiß bescheidene Maß hebräischer Kenntnisse muß bei der Aufnahme eines Schülers a(§' conditio sine qua i an g< lt«m, weil ein Schüler, der unter normalen Verhältnissen während eines drei- bis vierjährigen Schulbesuches es nicht zuwege gebracht hat, sich die hebräischen Lesezeichen und die wenigen Leseregeln anzueignen, nicht in Bibelschule gehört, wo er im günstigsten Falle zun Hemmschuh für den Fortschritt seiner Mitschüler wird. Man stelle sich einen Bibelunterricht vor, bei welchem man genötigt ist. käst jedes vom Schüler gelesene hebräische Wort zu korrigieren. Buchstabenformen und Leseregeln zu erklären. Rechtfertigt der erzielte Gewinn den Aufwand an Mühe und Zeit und den Verlust, den die besseren Schüler dabei erleiden? Gewiß nicht! Legt man sich ferner die Frage vor. ob es dem religiösen Interesse unserer Zukunft dienlicher ist. wenn beispielsweise 25 befähigte Kinder mehrere Partien des Pentateuchs oder des Gebetbuches durchnehmen, oder wenn eine doppelt so große Schülerzahl unter unseligen Müben des Lehrers es notdürftig zum schwerfälligen Ueberietzen einiger Verse bringt, so wird man sich sagen müssen, daß es jedenfalls zweckmäßiger ist. eine Minorität zum Ziele zu führen, als mit der Majorität solche problematische Erfolge zu erzielen. Nach vollbesetzten Schulbänken darf die Qualität einer Bibelschule nicht beurteilt werden. Nicht die Größe der Schülerzahl ist entscheidend. Im Industriebetriebe mag dessen Erweiterung eine Vermehrung des Gewinnes bedeuten, bei einer Schule, dem Betriebe geistiger Skr* ' jedoch stehen die Unkrrichtserfoloe in utk gekehrtem Verhältnisse zur Größe der Schülerzahl. In einzelnen Fällen, wo die Gewähr für ein baldiges Nachholen des Versäumten gegeben ist. wird kein Lehrer einem braven und anständigen Kinde die gebotene Rücksicht und Nachsicht verweigern und ihm die Teilnahme am Unterrichte versagen. Im allaemeinen aber läßt sich das mehrfach ausgesprochene Vrimw. kein Kind, das sich an einer Bibelschule meldet, abzuweisen. so gerechts»rtio^ <»* gi«ch vom. tVctkn Standpunkte erscheint, mit den Zielen und Zwecken der Bibelschule in der Pra.ris bei bestem Willen nich^ vereinigen. Der hier mögliche