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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-26 · 9 (26.2.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 146 Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. rum des bekannten Forschers Marniorek. Seine Au.- sührungen gipfelten in der These, dar unter nllen Tuberkulosemitteln kein anderes so günstige Resultate geliefert, habe, wie das SerumMarmoreks, dessen Anwendung in allen Fällen umsomehr geboten erscheine, äls seine Unschädlichkeit über alle Zweifel erhaben sei. Wie „Ritualmord"-Grschichten fabriziert merd-e«. Prag, am 9. Februar 1909. III. . Die riesige Wut der Klerikalen gegen Professor T. G. M a s a r y k ist der beste Maßstab für die wichtige Frage: „W o halten wir Juden in Böhmen, falls es die Jesuiten-Werkzeuge in den tschechischenParteien auf den Versuch eines Polna II. ankommen lassen? DaS österreichische Episkopat wurde in Bewegung gesetzt, um die Gefahr zu beseitigen, welche der Jesuitismus für seine weitere Herrschaft in Proseffor Masaryk witterte. Das Aufsehen erregende Werk des damaligen jungen Dozenten, der in Wien neben Robert Zimmermann und Franz Brentano über Ethik las, „Der Selbstmord als Massenerscheinung", dessen soziale Warnungen in England und Deutschland der aufmerksamsten Beachtung gewürdigt wurden, diente den Klerikalen hier zum Vorwand ihrer wiederholt versuchten Denunziationen. Und als dann Professor Masaryk in Prag unerschrocken die Kulturlügen der Handschriftenfälschungen bekämpfte, da gesellten sich zu. den römischen Klerikalen auch nationale Finsterlinge aus allen tschechischen Parteien, um die „heiligen Güter der Nation" zu verteidigen. Ein Jur.-Dr. Julius Gregr unternahm es sogar, die Echtheit der verdächtigen Handschriften zu verfechten und vor keinem Argumente schreckten seine „Narodni Listy" seitdem zurück, womit man nur dem Ansehen des kühnen Wahrheitssuchers Masaryk in den Augen der aufgehetzten, urteilslosen Massen schaden konnte: Denn M a s a r y k s kritischer Geist und seine unerschrockene Eharakterfestigkeit gefährdeten das bisherige Monopol der „Narodni Listy". Masaryk lehrte ja das Volk denken und kritisch urteilen, selbständig und unabhängig handeln, sich nicht von Einer Redaktion gängeln zu lassen. Und diese Vermessenheit mußte er büßen! Den rasendsten Haß der Klerikalen entfesselte Professor Masaryk freilich erst recht, als er ihre Geschäfte gefährdete, als er durch seinen Kampf gegen den „Ritualmord"- Aberglauben in Wort und Schrift dem betörten, verblendeten und verleiteten Volke die Augen öffnete, damit es aufhöre, seinen eigenen, ärgsten Todfeinden, den römischen Klerikalen, wieder zur alten Macht in Böhmen zu verhelfen und hiedurch seine kaum neubelebte, nationale Kultur endgiltig zu begraben. Da kannte die klerikale Wut gegen Professor Masaryk keine Grenzen mehr. Alle Leidenschaften der Gasse wurden aufgepeischt, um den „Feind des Glaubens" zu ruinieren, der durch seine tschechische Ausgabe des klassischen Werkes von Professor Doktor Hermann« L. Starck: „Der Blutaberglaube in der Menschheit, Blutmorde und Blutritus". I. Auflage, Berlin 1891, - - durch seine glänzenden Artikel in Revuen, Zeitungen durch Broschüren und Vorträge in Versammlungen unermüdlich seine Warnungen wiederholte: „Hilsner ist den Klerikalen bloß ein Mittel zu dem Zwecke, um jeder wiffenschaftlichen Erkenntnis zum Hohne das leichtgläubige Volk um Jahrzehnte kulturell zurückzuwerfen, um widerstandslose, gefügige Analphabeten zu züchten, die statt, moderner, naturwiffenschaftlicher Vorbeugung an mittelalterliche „Heiligen"- Wunder glauben!" Ja, diese »heiligen" Geschäfte wagte es ein Masaryk anzutasten! Dieses volkstümlichste Mittel der Massenbeherrschung, „die Juden", unterfing sich Masaryk, den jesuitischen Geschäftsführern zu entreißen, diesen Schlüssel zur billigsten Popularität im tschechischen Volke wollte ein k. k. Philosophieproseffor dem Volke als ein Werkzeug zu seiner Verdummung und Knechtung aufklären — nein, das durfte nie und nimmer geschehen! Und deshalb wurde Professor Masaryk in ganz Böhmen von den Kanzeln herab als ein „Ungläubiger" und als „Vaterlandsverräter" geächtet und verlästert, wie ja noch Niemand ungestraft je den Geschäftsbetrieb der Jesuiten stören, ihren Besitzstand an reichen Einnahmsquellen schmälern durfte. Fünfzig Jahre wieder eingesetzten Jesuitismus! Als Ma saryks Auftreten gegen die Kulturschmach des „Ritualmord"-Märchens mit Zolas Anklage im Dreyfus-Falle verglichen wurde, da vergaß man in Böhmen einige wichtige Retrospektiven zu dieser Parallele. Der Vergleich sagt ja auch sonst viel zu wenig für den tschechischen Zola. Der berühmte französische Romancier unternahm die Ehrenrettung des französischen Namens in dem Bewußtsein, sein Vierzig-Millionen-Volk sei trotz der Jesuitenzöglinge im Generalttabe dennoch genügend stark und der Geist der Großen Revolution lebe in zu vielen Millionen Franzosen wach, um einen neuen Rückfall i:ianittclailcr'lut,^ Netze, fii.cht n zu müssen. Professor Masaryk hatte'iH kritischen Untersuchungen bie Bedeutung eines I. Hus für die . nationale Kultur und die Grundsätze des Hussitismus und ihre Tragweite für die heutige Moral seiner Nation gewürdigt. . seine Schriften, über I. Hus, P a l a c k y, K o l a r und H a v l i c e k wiesen, dem nationalen Denken und Fühlen ganz neue Bahnen. Masaryk mußte in seinem kleinen Volke den furchtbaren Widerstand b echen, der trotz der — leider viel zu kurzen — Aufklärungs- Periode der tschechischen.Wiedergeburt heute wieder Jedem skrupellos cntgegen'ritt, wer es mit irgend einem Stücke des neugestärkten, wieder eingesetzten Jesuitismus in Böhmen aüfnimmtsei cs auf welchem, geistigen und sittlichen Gebiet immer! Wo gab es noch eine so empörende Roheit im Wahlkampfe, wo wurde das Gebet noch so unerhört, zynisch zur Wahlagitation entwürdigt, wie durch das klerikale „Vaterunser gegen Masaryk", welches auch die „Wochenschrift" ans Mähren anläßlich der letzten Reichsratswahlen brachte? Wir Inden wissen es dem damals blutjungen Bischof von Salzburg, Fürsten Schwarzenberg Dank, daß er in vornehmer Art seinen Diözesanklerus ausdrücklich zur Toleranz und zu ruhiger, würdiger Behandlung aller religiösen Fragen, besonders Andersgläubiger, anwies. Dieses Dokument briet eine Ehrentafel der vornehmen Denkart des Kirchenfürsten Schwarzenberg in unserer dankbaren Erinnerung. Leider aber wiegt S ch w a r z e n b e r g s toleranter Hirtenbrief aus Salzburg beiweitem den Schaden nicht auf, den uns zwei seiner späteren Maßregeln in B ö h m e n verursachten, nämlich: Die Berufung der Jesuiten und - Rohlings. Jede nationale Renaissance-Bewegung der Tschechen mußte ganz naturgemäß immer wieder auf die hussitischen Traditionen zurückgreifen. Der heftige antiklerikale Vorstoß der Sechziger- Jahre zeigte ebenfalls so lebhafte, hussitische Reminiszenzen, daß Kardinal S chw arz r n b e rg sich entschloß, die neuhussitische Flut in der Literatur und Politik, welche in Neruda, Barak, Sladkovsky (der sogar zur. russischen Orthodoxie übertrat, um nur den anti-römischen Standpunkt so laut, als nur möglich zu akzentuieren!) ihren Höhepunkt erreichte, mit einem oft bewährten, recht wirksamen Gegenmittel zu bekämpfen. Die Kibelschulr und der Unterricht an derselbe«. Vortrag, gehalten im israelitischen Religionslehrervereine „Esra" in Wien. Von Religionslehrer L. Wiesner. Bei den vielfach vernommenen Klagen über die geringen Kenntnisse unserer Schuljugend im Hebräischen ist das Tröstliche eben der Umstand — daß geklagt wird. Wo das llebel als solches empfunden und die Notwendigkeit der Abhilfe erkannt wird, da ist der jüdisch-religiöse Sinn noch intakt erhalten. Aeußert sich doch in dem Bedauern über die unzulänglichen hebräischen Kenntnisse unserer Kinder das warme und lebhafte . Interesse für ihre religiöse Belehrung, als deren Hauptsaktor das unmittelbare Verständnis der Bibel und des Gebetbuches angesehen wird, in welchen der religiöse Gedanke seinen reinsten und ursprünglichsten Ausdruck findet. In Anbetracht des Umstandes, daß an den öffentlichen Religionsunterricht unmöglich Anforderungen gestellt werden können, die, wie berechtigt sie an und für sich auch sind, mit Rücksicht auf die nur mit zwei Stunden wöchentlich bemessene Unterrichtszeit, über den Rahmen des Leistüngsmöglichen hinausgehen, erscheint die Frage eines erweiterten hebräischen Unterrichtes mit Recht als eine der vitalsten und dringendsten und die Vibelschule als die einfachste und einzig mögliche Lösung derselben. In der Tat beweisen die in den letzten. Jahren in Wien ins Leben gerufenen Bibelschulen, daß man sich in weiteren Kreisen der Bedeutung dieser Schulen bewußt ist und sie als eine Institution würdigt, die im Interesse eines zu erhallenden jüdischen Gemeindelebens einen wichtigen, ja unerläßlichen Faktor derselben bildet. Je kühner der Vorstoß ist, der. aus der immer weitere Kreise ziehenden Gegnerschaft gegen den hebräischen Unterricht an den öffentlichen Schulen unternommen wird, desto dringender ist es geboten, der Bibelschule

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