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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-26 · 9 (26.2.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Sette 145 Dr. Blochs Wochenschrift. Schon die Ausführungen des ersten Redners der Opposition, Jurist Klammer, der sich gegen den Ausschuh wendete, weckten stellenweise stürmischen Widerspruch. Zu den lautesten Sturmszenen kam es bei dem Punkt der Tagesordnung, der den Ausschluß der Russen und der anderen Nichtösterreicher — auch der Angarn — bezweckt. Obmann Fritz begründete den Antrag mit dem Hinweis, daß die Ausländer in höherem Matze die Wohltaten des Vereines in Anspruch nehmen und deshalb auch mehr zahlen sollen, Das Geld des Vereines sei inländisch und solle deshalb auch nur Inländern zugute kommen. Der nächste Redner der Opposition, Jurist Rosenbach, führte aus, der Ausschutz hätte aufrichtiger sein und einfach den Ausschluß der Russen beantragen sollen. Das kolossale Eintrittsgeld macht den armen ausländischen Studenten den Beitritt unmöglich. Sr. Majestät der Kaiser ist Protektor des Vereines und die ungarische Regierung subventioniert ihn: wie kann man da die Ungarn ausschließen wollen? An den Russen aber versündige sich der Ausschuß, da sie infolge der politischen Verhältnisse unfreiwillig das Gastrecht der Wiener Universität genießen. Die übrigen Redner der Opposition wurden durch einen Antrag auf Schluß der Debatte am Reden verhindert. Ihr Generalredner, Mediziner Schroll, führte aus: Die besseren Elemente der inländischen Studentenschaft protestieren energisch gegen den Ausschußantrag. Nicht das angebliche Wohl des Vereines, sondern einzig die Hetze gegen die Russen ist der Grund des Antrages, eine Hetze, die eine würdige Fortsetzung ist der versuchten Aushungerung durch die Aussperrung aus der Mensa academica. Was heute der Ausschuß und die Majorität zum Beschluß erheben will, würde die deutsche Studentenschaft mit ewiger Schmach bedecken. Der Redner ruft in die Versammlung: Das ist nicht die Tradition des intellektuellen Deutschtums, des Volkes, das Schiller und Goethe gebar und das Marr und Lassalle hervorbrachte. ... Es sei unerhört, daß Leute, die sich Deutsche nennen, so gegen studentische Kollegen Vorgehen. Man müsse sich schämen über den Antrag, der eine Brutalität sei. ... Bei diesen Worten erhoben sich langandauernde Abzugrufe, und man wollte den Redner nicht weitersprechen lassen. Von den Russen — fuhr dieser mühsam fort — sind manche vor den Ketten des Zarismus nach Oesterreich geflüchtet, und deutsche Studenten wollen gegen sie den Ausnahmezustand verhängen, wie in der Mensa academica, dort gegen Gesunde, hier aber sogar gegen Kranke. In Prag hat der tschechische Mob Gewalt geübt, hier will es die „Blüte der deutschen Nation"" tun! Wenn man alle Juden und Slawen hinaustreiben will, darf man auch nicht zum Kaiser, zu Rothschild und zu allen Kultusgemeinden betteln gehen. Den Ausschußantrag müsse man entrüstet zurückweisen. Ein zweiter Redner bezeichnete die Entziehung des Wahlrechtes als Anachronismus, besonders gegenüber den angeblich am meisten Interessierten. Ein Mitglied stellte hierauf den direkten Antrag. Juden und Tschechen auszuschließen. Der Präsident antwortete, diesem Anträge stehe nur entgegen, daß ^r nicht geschäftsordnungsmäßig eingebracht sei. Schließlich wurden die Ausschußanträge von den Deutschradikalen angenommen. Die Opposition verließ den Saal und wird einen Protest wegen der Statutenänderung einbringen. Generalmajor Simon Vogel. Wie das österreichische Armeeverordnungsblatt meldet, hat der Kaiser die Uebernahme des Obersten des Infanterieregiments Nr. 38. Simon Vogel, in den Ruhestand genehmigt und anbefohlen, daß demselben der Ausdruck der allerhöchsten Zufriedenheit bekanntgegeben werde. Gleichzeitig hat Se. Majestät dem Obersten Vogel den Titel und Charakter eines Generalmajors mit Nachsicht der Tare verliehen. Die hohe Auszeichnung des aus der Aktivität scheidenden Offiziers wird nicht verfehlen, in allen Kreisen der Bevölkerung. große Genugtuung hervorzurufen. Generalmaior Vogel steht im Rufe eines mit den höchsten militärischen Tugenden ausgestatteten Offiziers. Man wird den sympathischen Offizier auch in militärischen Kreisen nur ungerne aus dem Dienste scheiden sehen. Für uns Juden hat diese Auszeichnung auch deshalb Bedeutung, weil GM. Vogel ein glaubenstreuer Israelit ist, der an den hohen Feiertagen stets in der Synagoge zu sehen ist. wo er einen Sitz in der ersten Reihe innehat. und auch sonst sich mit Liebe und Hingebung jüdischen Angelegenheiten widmet. Allerdings hat diese seine Liebe zu seiner Religion und seinem Volke seinem Avancement eine Grenze gesetzt. Er konnte eben nur Generalmajor mit Nachsicht der Tare, aber auch mit Nachsicht des aktiven Dienstes werden. Die jüdischen Oberste schwinden allmählich aus der österreichisch-ungarischen Armee. Simon Vogel ist einer der letzten. Zur Vorgeschichte des Schachwettkampfes in Petersburg. Die meisten der an dem internationalen Schachwettkampf in Petersburg teilnehmenden Matadore sind Juden. Dr. Laster. Dr. Bern st ein, Tartakower, Rubinstein, Teichmann. Mieses. Cohn, Dr. Perlis, Spielmann. Speyer usw. Wie man uns aus Petersburg mitterkt, hat es zwischen den Arrangeuren des Schachtourniers und der russischen Regierung langwierige Unterhandlungen gegeben, um den ausländischen jüdischen Schackmeistern zu ermöglichen, an dem Wettkampfe in Petersburg teilzunehmen. Die Regierung hat schließlich nachgegeben und für jeden einzelnen Teilnehmer besondere Aufenthaltserlaubnisscheine ausgegeben. Ueber jeden einzelnen wurden vorerst seitens der Polizei eingebende Informationen über seine politische Verläßlichkeit eingeholt. Tatsächlich wurde auch einigen angemeldeten Kongreßmitgliedern, deren politische „Konduiteliste" der Petersburger Polizei, wie es scheint, nicht verläßlich genug schien, der Aufenthalt in Petersburg nicht gestattet. Die an die jüdischen Teilnehmer ausgegebenen Erlaubnisscheine erstrecken sich bloß auf die Dauer des Schachkongresses, beziehungsweise des Schachwettkampfes. Sobald dieser geschlossen ist. müssen die fremden Juden Rußland unverzüglich verlassen. Hohe jüdische Würdenträger im italienischen Zustizdienste. . Das römische Amtsblatt meldet, daß der Präsident des Appellationssenates von Modena, Cavaliere Cesare Colombo zum Oberstaatsanwalt in Bologna ernannt wurde. Zum Präsidenten des Appellationshofes in Modena wurde ein gleichfalls berühmter jüdischer Jurist, Signor Jona, ernannt, der seit zwanzig Jahren als Richter im Appellaiionssenate in Mailand tätig ist. Marmoreks Antituberkulose-Serum. In einer Sitzung der Pariser Academie de Medicine hielt vor kurzem ' der bekannte Forscher Prof. Chr. Monod einen Vortrag über das Antituberkulose-Se-

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