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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. » Dr. «WQI WWPWUNMUrf». Wette 1*7 Augen plötzlich ein ganz verändertes Aussehen. Die kleinen Bronchen über einzelnen von ihnen schienen größer als sonst, Heller und strahlender,- ja. alles, was er an diesem Morgen geschrieben, war gleichsam von einem inneren, unsichtbaren Glanze durchleuchtet. „Und wenn wird wohnen ein Fremdling in deinem Lande", fuhr er zu schreiben fort, und aus dem vor ihm liegenden, toten Pergament lächelten ihm die Buchstaben mit einem freudigen, lieblichen Lächeln zu. „so sollst du ihn nicht drücken, wie ein Eingeborener soll dir sein der Fremdling, welcher lebt in deiner Mitte. Und lieben sollst du ihn wie dich selbst, — denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten. Ich, der Ewige, euer Gott. . ." Er erinnert sich, mit welchem Schreck er die Feder bei Seite legte, wie er sich an diesem Tage nicht traute, sich dem von der Sonne beschienenen Pergamentblatt zu nähern, das jetzt, mitsamt den Buchstaben, die es bedeckten, ein heiliger Gegenstand geworden war. Er wußte, welch' eine große Sünde es ist, einzelnen Buchstaben der Offenbarung den Vorzug vor anderen zu geben und daß man einen Teil dieser Offenbarung nicht höher ehren dürfe, als die übrigen. Und als die von ihm geschriebene Thora, nachdem sie vollendet, hinausgetragen wurde in das Gotteshaus, damit dort, inmitten des Gebetes dem versammelten Volke mit lauter Stimme vorgetragen werden sollte, was er in der Stille und Einsamkeit seiner engen, kleinen Kammer geschrieben, — da stiegen vor seinem entzückten, aber gleichzeitig tränenumflorten Blick jene zwischen den anderen sich verlierenden Buchstaben auf, in denen die Welt der Liebe in eins zusammenfloß mit döm ihren ersten Eintritt in die Welt segnenden, strahlenden Glanz der Morgensonne. . . . Ein zweitesmal sah er sie zufälligerweise, als er sich inmjtten einer dichtgedrängten Menge von Betern befand, die ehrfurchtsvoll den Worten lauschten, die ein über die Thora gebückter Vorleser von der Kanzel herab verkündete. Es war seine Thora. Die Worte, die, den Lippen des Vorlesers entströmend, den Weg zu den Herzen der Zuhörer fanden, hatte er geschrieben. Und ein ganz eigenartiges Gefühl, — es war nicht Stolz, auch nicht Rührung, — durchdrang seine Seele, als er sah, wie die Augen des Vorlesers und der Zuhörer in gleichem Glanze aufleuchteten und daß in ihnen jene Flamme der Liebe loderte, die einst so hell gestrahlt über den Buchstaben, die seine Hand auf das trockene, seelenlose Pergament übertragen. Plötzlich fiel — zufälligerweise — der Blick des Vorlesers auf ihn. Eine unwillkürliche Verwirrung bemächtigte sich seiner: ein wenig zur Seite tretend, suchte er sich in der Menge zu verlieren. Doch hatte der Vorleser seinen Namen bereits laut ausgerufen, und er mußte auf die Kanzel treten. Der vor der Thora Stehende neigte sich und überließ ihm seinen Platz, nachdem er zuvor das erforderliche Gebet gesprochen. Auch er neigte sich tief vor dem Heiligtume, sprach den Segensspruch und bückte sich über die breit aufgerollte Thora. Vor ihm, auf dem gelblichen, trockenen Pergament, leuchteten in ihrem gleichmäßigen, schwarzen Glanze wieder dieselben bedeutsamen Buchstaben. Die Tinte war ein wenig eingetrocknet und verblaßt, aber der innere Glanz leuchtete wie einst aus den dunklen Strichen, und feines. Strahlen drangen bis in. die tiefste Tiefe des Herzens-und. weckten, dort der Liebe, großes Gefühl. „. . . Und michb alle: Früchte sollst .du sammeln von deinem- Weinberge : zurücklassen sollst du für den Fremdling unter .euch und.den Bedürftigen ... .“ trug der Vorleser mit singender Stimme vor, und eifrig griff die Menge jed^.-seiner Worte auf:. „Liebe deinen Nächsten wie dich «selbst! '2ch,< «der Moige, dein Gott! . . ." Und ein drittesmal erblickte er diese Schriftzeichen, an einem Tage, da die Strafe Gottes unerwartet über sein Volk hereingebrochen war. Es war ein grauenvoller Tag, ein Tag, gezeichnet durch Tränen, Trauer und Blut. . . . Wie ein großes, schwarzes Grabesdenkmal ragte das zertrümmerte Gotteshaus über einem Berge von Leichen in die Höhe. . . . Erschlagene Greise sah man dort, und Frauen und Kinder. . . . Der frostige, hoch über ihnen sich wölbende Himmel war taub geblieben gegenüber ihrem herzzerreißenden Jammer, und ihre mit flehentlicher Bitte um Erbarmen zu ihm emporgestreckten Hände verharrten, nachdem die Zuckungen des Todes aufgehört, in starrer Regungslosigkeit. Auf der Schwelle des Gotteshauses, über einem Häufest zerfetzter Thorarollen, lag. — ermordet. — der Tempeldiener. Neckisch spielte der Wind mit den Spitzen seines langen, grauen Barles, und seinen zusammengekrampften Fingern entriß er die blutdurchtränkten Ueberreste jenes Heiligtumes, für das der Märtyrer sein Leben zum Opfer gebracht. Rund umher verstreut lagen ebensolche große und kleine Stückchen Pergament, und die schwarzen Buchstabenreihen flössen zusammen mit formlosen, von Menschenblut herrührenden Flecken. ... Und der Sofer hob einen dieser Streifen auf. Derselbe war von der einen Seite gerade abgeschnitten, so, daß die sorgfältige Naht noch sichtbar war, — an der anderen war er von oben nach unten und auch in schräger Richtung durchgerissen. Der wutentbrannte Verfolger hatte, trotz aller Anstrengung, das harte, dürre Pergament nicht bewältigen können und es fortgeworfen, ohne seine Arbeit zu beenden. Dichte Blutstropfen bedeckten das Pergament seiner ganzen Länge nach und strömten unten an seiner rechten Seite nieder. Der Sofer näherte den Streifen seinen Augen. Die Strahlen der untergehenden Sonne glitten darüber hin, und der gramumflorte Blick des Lesers fiel wieder auf die bedeutsamen Worte: „. . . Liebe deinen Nächsten wie dich selbst . . ." sie kamen zum Vorschein unter den Blutstropfen, um wieder unter ihnen zu verschwinden, — ... . . und der Fremdling, der in deiner Mitte: du sollst ihn lieben, wie dich selbst, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten. Ich, der Ew . . ." Das übrige war abgerissen. Kriefkaftrrr. Jacob B., Postoffizial in L. Die Adresse ist: IX., Gisengaffe 5. R. R. In Jerusalem bestehen fünfundzwanzig Gemeinden, in denen vierzehn Sprachen gesprochen werden: Eingeborene, Ruffen, Polen, Ungarn, Nordainkaner, Jemeniter, Syrer, Grufinier, Babylonier, Bucharer und Perser. S. B. in F. Solche Anfragen im öffentlichen Briefkasten z» beantworten, ist nicht üblich. „Darwinist". Nein, es war ein Anarchist, Fürst Krapotkin (^Es kommt Speise von dem Fresser"), der dem Darwinschen Satz die Beweise entgegengesetzt hat, daß die Sympathie der Geschöpfe, ihr Zug zur Harmonie wenigstens eben ein solches Grundgesetz ist wie der Kampf ums Dasein. Im Darwinismus liegt übrigens auch ein Trium ph des jüdischen Einheitsgedankens im Gegensatz zur Vielheit des Heidentums. Das Urempfinden der Menschheit von der Einheit des Kosmos treibt ihre strebenden Geister, immer von Neuem da» Prinzip aufzusuchen, in welchem Natur, und Geschichte fich treffen, sich vereinen. So ist. die Entwicklungslehre nur die konsequenteHortbildung des jüdischen Gedankens. „Anti". Stöcker war zweifellos .ein. echter unh> ahgquater Typus, der antisemitischen Germanen. Mau braucht - fich nur W erinnern, wie er seinen Amtsbruder Witte behandelt und verfolgtchat, welche-Rolle er als Zeuge vor Gericht gespielt, wie er^sich. in der-berühmten Waldersee-Bersammlung des Einflüsse» .de» zukünftigen deutschen Kaiser» zu^hemächtigen persucht,. wie er halb dgxaiy.in. dem

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