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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. R Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 131 Korrespondenzen Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Der Ausschuß des Verbandes hat in seiner letzthin abgehaltenen Sitzung beschlossen, einen weiteren Schritt für die Gleichberechtigung der Religionslehrer an Mittelschulen nach der Richtung zu unternehmen, daß die Eisenbahnlegitimation in Zukunft gleichmäßig allen israelitischen Religionslehrern zuerkannt werde. Ferner hat der Ausschuß beschlossen, sein Augenmerk darauf zu richten, daß in manchen offiziell eingeführten Lese- und Lehrbüchern Stellen Vorkommen, welche, vielleicht ohne es zu beabfichtigen, Juden und Judentum in einem ungünstigen Lichte erscheinen lassen. Der Verband beabsichtigt eine Intervention nach dieser Richtung. In gleichem Sinne soll der Schädlichkeit gewisser Jugendschriften, die den Schülern in den Schülerbibliotheken zugänglich find, in geeigneter Art entgegengewirkt werden. Endlich hat der , Ausschuß den Beschluß gefaßt, mit den beiden derzeit bestehenden Landesverbänden für Böhmen und Galizien wegen eines engeren Zusammenschluffes in Verkehr zu treten. Unter den kultivierten Salzburger Deutschnationalen. Bei Besprechung der jüngsten Vorgänge in Prag schreibt ein Leser der Zeitschrift „Im Deutschen Reich": Nicht nur unser deutsches Vaterland beschäftigt sich mit den pöbelhaften Tumulten der Tschechen gegen die deutsch sprechenden Mitbürger, sondern auch die ganze Welt wendet sich mit Abscheu von dem Gebaren dieser verrohten Menschen. Da kommt mir ein Ereignis in Erinnerung, bei welchem ich in Salzburg der leidende Teil war. Salzburg ist stolz auf seinen fast ausschließlich deutschen Charakter, und nicht selten kommt es dort zu' Ausschreitungen, vornehmlich gegen Tschechen und Juden. Als vor einigen Jahren die kleine jüdische Gemeinde mit nicht geringen, pekuniären Opfern einen eigenen Friedhof erwarb und eine kleine Leichenhalle erbaut hatte, wurden sämtliche Fenster derselben von sogenannten „patriotischen" Händen eingeworfen. Nicht anders erging es dem neuen Tempel, dessen Grund und Boden von einem auswärtigen Privatmann erworben werden mußte, da wohl kein Salzburger Bürger das Terrain zum Bau einer Synagoge herzugeben gewagt hätte. * Ich selbst war aus Deutschland nach Salzburg gekommen, um in das bestehende Geschäft eines Verwandten einzutreten. In Salzburg findet, wie in München, auch ein Oktoberfest statt, und in eigens dazu errichteten Restaurationsräumen wird bis spät in die Nacht gezecht. Ich besuchte eines Abends das Fest mit dem Sohne eines seit vielen Jahren ansässigen Salzburger Bürgers und saß mit demselben allein an einem Tische. Da flog vom gegenüb ersieh enden Tische, von der Hand eines jungen Menschen geschleudert, mit. Staub vermengtes Konfetti, das von der Erde aufgehoben war, mit den Worten: „Da hast's, du Saujud!" meinem Begleiter ins Gesicht. Ich verbat mir derartige Rüpeleien und erklärte, daß ich, wenn ein derartiger Wurf sich wiederholen sollte, den Werfer züchtigen würde. Trotz der Warnung wiederholten sich diese Würfe mit der gleichen Beleidigung in kurzer Folge, so daß mir nichts übrig blieb, als meine Drohung wahr zu machen und dem Angreifer eine Ohrfeige zu applizieren. Der Getroffene flog unter den Tisch und erhob sich mit großem Brüllen: „Ein Jud hat mich geschlagen". Das war das Zeichen zu einem gemeinsamen Angriff auf mich. Die tapferen Deutschnationalen mit ihren Frauen drangen mit Wut auf mich ein. Gläser, Flaschen. Salzfäßchen usw. wurden in dichtem Hagel auf mich geworfen, etwa zweihundert wütende Menschen halten mich umringt. In den vordersten Reihen stritt sogar ein deutschnationaler Arzt, welcher kräftigst von seiner Gattin unterstützt wurde. Ich erhielt einen gefährlichen Stockhieb in die Augengegend, und es gvlang mir nur mit Mühe, mich zur Polizeiwache zu retten. Ein energischer Protest am nächsten Tage bei der Polizei fruchtete nichts: erst der Hinweis, daß ich mich an den Gesandten nach Wien wenden würde, bewog die Polizei, Erhebungen anzustellen. Ein Wachtmeister nahm in meinem Bureau ein Protokoll auf, seitdem habe ich von der Affäre nichts mehr gehört. Sie wurde totgeschwiegen. Und das waren die auf der Höhe der Kultur stehenden Deutschnationalen. * Sarajewo. Sonntag den 7. Februar hielt die österreichisch-ungarische israelitische Kultusgemeinde in den Vereinslokalitäten eine außerordentliche Generalversammlung ab, die, als Festversammlung gedacht, den ganzen Kultusvorstand, wie beinahe alle Gemeindemitglieder vereinigte und als einzigen Gegenstand die Ernennung des bisherigen Rabbiners Herrn Dr. Samuel Weszel zum Oberrabiner behandelte. Die zahlreiche Versammlung war im Festkleids erschienen. Der Präses der Kultusgemeinde Herr Dr. Rothk o p f eröffnete die Versammlung mit einer formvollendeten Festrede, in welcher er das segensreiche elfjährige Wirken Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiners Dr. Weszel eingehendst besprach und denselben nicht nur als das religiöse Oberhaupt der Gemeinde, sondern auch als treuen Berater, hingebungsvollen Lehrer, fürsorglichen Wohltäter und edlen Menschen feierte, und als der Sprecher schließlich in den Antrag gipfelte, als Anerkennung für alle diese Verdienste Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Doktor Samuel Weszel zum Oberrabbiner der Kultusgemeinde zu ernennen, wurde mit begeistertem Jubel dieser Antrag einstimmig angenommen. Nunmehr wurde der ernannte Oberrabbiner von den Herren Vizepräses Bernardo Klein und Ausschußmitglied Ferdinand B u ch w a l d, wie den Designierten des Plenums Dr. Schwärtz, S. Diamant. Ch. Meißner mittels Wagens eingeholt und bei seinem Erscheinen von der Festversammlung mit stürmischem Jubel begrüßt. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Samuel Weszel, welcher in seiner religiösen Amtstracht erschien, wurde nun vom Präsidenten der Kultusgemeinde. Herrn Dr. Rothkovf in längerer Ansprache begrüßt, demselben der Dank der Gemeinde ausgesprochen und die Ernennung zum Oberrabbiner mitgeteilt. Der so Gefeierte dankte kür die'e Ehrung in herzlichen Worten und sprach die Hoffnung aus, auch in Hinkunft jenes schöne Verständnis und jene treue Unterstützung beim Kultusvorstande und allen Gemeindemitgliedern zu finden, die ihm bisher sein Amt so wertvoll und so herrlich erscheinen ließen. Zu Ehren des Herrn Oberrabbiners Dr. Samuel Weszel und dessen Ernennung fand Dienstag, den 9. Februar, um 8 Uhr abends, im Wintergarten des Hotels „Europe" ein Festbankett statt, welchem der Gefeierte, der gesamte Kultusvorstand und eine große Zahl der Gemeindemitalieder beiwohnten. Bei diesem Bankette besorgte die Regimentskapelle Markgraf von Baden Nr. 23 die Tafelmusik. Der Präsident der isr. Kultusgemeinde. Herr Dr. Rothkopf hielt den Kaisertoast und schilderte sodann das segensreiche Wirken des Gefeierten. Tiefgerührt dankte Herr Oberrabbiner Dr. Weszel in einer sehr schönen und inhaltreichen Rede, in welcher er mit bezug auf die ehrende Anwesenheit zahlreicher Angehöriger der

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