Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 132 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 spaniolischen Kultusgemeinde, ein wunderbares Gleichnis von zwei segelnden Schiffen mit einem auf denselben ruhenden Baue, einslocht. Er dankte der Festversammlung, Äem Kultusvorstande, den Gästen und Gemeindemitgliedern für die erfahrene Ehrung und schloß mit einem „Hoch" auf die Festversammlung. Es sprachen noch in interessanter Ausführung Herr Bernardo Klein auf die Einigkeit zwischen der österr.- ungar. israelitischen und der spaniolischen Kultusgemeinde, dünn Herr Rabbiner Iesua Salom in hebräischer Sprache auf Dr. Weszel, ferner Herr Rabbiner Dr. Urbach aus D. Tuzla in prachtvoller Rede auf den Gefeierten und die Festversammlung, weiters Herr Dr. Levi -uf Herrn Dr. Weszel. dann Herr Ch. Meißner als Freund des Gefeierten, ferner Redakteur Tausk ebenfalls auf Doktor Weszel, sodann Herr Ferdinand B u ch w a l d in launiger Weise, hebräisch und deutsch über ehemalige und heutige Gemeindeverhältnisse, ferner Herr Dr. Alkalay sehr gediegen über die Einigkeit beider Kultusgemeinden und schließlich Herr Dr. Schwa.rtz in humoristischer Weise über die Verbrüderung der spaniolischen und österreichisch-ungarischen Juden, wie auf den Gefeierten. Später kamen die zahlreich eingelangten Glückwunschtelegramme und -Briefe zur Verlesung. Vom Herrn Sektionschef H ö r m a n n langte zum Festbankett folgendes Schreiben ein: „Euer Hochwürden, sehr geehrter Herr Doktor! Unwohlsein und dienstliche Abbattu g hindern mich, beute zu Ihnen ,u kommen, und so muh ich auf diesem Wege Ihnen meine allerherzlichste Gratulation zu der Ihnen zuteil gewordenen Ehrung darbringkn. , Die osterr.-unaar israelitische Kultusgemeinde ehrt sich selber, indem sie Ihnen die Würde eines Oberrabbiners verlieb. Wer so wie ich durch ein Menschenatter die patriotische und humanitäre Haltung dieser Gemeinde -zu beobachten Gelegenheit hatte, muß sich herzlich darüber freuen, daß durch einmütigen Beschluß aller ihrer Mitglieder Ihnen, hochgeehrter Doktor, diese schöne Anerkennung zuteil wurde und Ihr elfjähriges selbstloses und so menschenfreundliches Wirken solchen Lohn fand. 'Mich freub aber diese Erhebung umsomehr, weil ich der israelitischen Kultusgemeinde als Ehrenmitglied angehöre und in ihr viele alte und erprobte Freunde besitze Gott gebe nun auch seinen Segen zu Ihrer neuen Würde, die — ich bin dessen überzeugt — Ihnen ein Ansporn sein wird, noch mehr im Interesse der Gemeinde zu wirken Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung und besten Grüßen bin ich Ihr ganz ergebener H ö r m a n n, m. p. Sarajevo 9. IL 1909.* Vom Präsidium der israelitischen Kultusgemein de Wien langte folgendes Schreiben ein; „An den geehrten Vorstand der österr.-ungar. israelitischen Kultusgemeinde Sarajevo. Für Ihre freundliche Einladung zur Teilnahme an dem Festbankette zu Ehren des Herrn Oberrabbinrrs Dr. Samuel Weszel bitte ich, meinen besten Dank entgegenzunehmen. Ich knüpfe hieran den herzlichen Wunsch, daß es der Gemeinde noch lange gegönnt sein möge, sich der segensreichen Wirksamkeit ihres so Verdienstollen Rabbiners zu e> freuen. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung, der Präsident: Dr. Alfred Stern w. p., der erste Sekretär: Dr. Lieben m p." Vom Laudesschulrat, Vizepräses der Wiener Kultusgemeiude Dr. Gustav Ko hu kam an die Kultusgemeinde folgende Mitteilung: „Sehr geehrte Herren! Besten Dank für Ihre liebenswürdige Einladung und meine herzlichste Gratulation. Ihnen zu Ihrem Rabbiner Dr. Weszel und diesem aber auch zu Ihrer Gemeinde. Wenn nicht Winter wäre, würde ich wahrscheinlich von Ihrer Einladung Gebrauch gemocht haben. Mit glaubensbrüderlichem Gruße, Hochachtend Dr. Gustav K o h n m. p." Vom Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde in Wien laugte an den Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde ein Schreiben ein, welches nach mehreren einleitenden Sätzen fortfährt: „Wir als Beamte empfinden es als eine besondere Genugtuung, die Tätigkeit eines Gemeindefunktionärs von seiten seines Vorstandes in so seltener Weise gewürdigt zu sehen. Wir bitten, unseren besten Dank für die liebenswürdige Einladung und den Ausdruck unserer herzlichen Wünsche für das weitere Gedeihen der Gemeinde und für die fernere segensreiche Wirksamkeit ihres geistlichen Oberhauptes entgegenzunehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Theoder Lieben m. p>, Dr. Emil A d l e r m. p." Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals. In dem kleinen Vorgarten der jüdischen Schule in der Großen Hamburgerstraße in Berlin, die abseits liegt vom Lärm der Großstadt, wurde dieser Tage das vom Bildhauer N. Marc u s e geschaffene Denkmal Moses Mendelssohns enthüllt.. Der Enthüllung ging ein feierlicher Akt in der Aula der Anstalt voraus, an dem neben zahlreichen Mitgliedern der Gemeinde und Vertretern der Stadt von den Verwandten und Nachkommen Mendelssohn Franz v. Mendelssohn, Paul v. Mendelssoh n-B a r t h o l d y, Frau v. R i ch t h o f e n, Frau Geheimrat W e st p h a l und Frau G u s s e r o w teilnahmen. Nach einem einleitenden Chorgesang betrat Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger das Podium, um in kurzen Prägnanten Zügen das Wesen und den Wert Mendelssohns als, Mensch, als deutscher Schriftsteller und als Jude zu zeichnen. Der Redner konzentrierte seine Ausführungen auf die innige Freundschaft, die den „Wettweisen von Berlin", als der Mendelssohn von Z u n tz charakterisiert worden ist, mit L e s s i n g verband, der gerade heute vor hundertachtundzwanzig Jahren gestorben ist. Während Leffing bekanntlich in seinem „Nathan" dem Freunde ein literarisches Denkmal gesetzt hat, versuchte Mendelssohn den Dichter, dessen Andenken ihn „wie das Bild einer Geliebten umschwebte", in den Schriften „An die Freunde Leffings" und „In den Morgenstunden" zu zeichnen. Nach abermaligem Chorgesang übergab Justizrat Timendorfer im Aufträge des Komitees das Standbild an den Vertreter der jüdischen Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Stern Das Denkmal ist in einfachen und schlichten Formen -gehalten Auf einem Sockel aus Dolomitstein steht die Büste Mendelssohns Jüdische Gelehrte in der Schweiz. Aus der Schweiz schreibt man: Vor kurzem war ein Artikel von Marim Lemaitre-Gießen „Jüdische Professoren, ein Beitrag zur jüdischen Martyrologie" erschienen, in dem insbesonders als wissenschaftliche Märtyrer ihres Judentumes Professor Cohen- Marburg und Professor Ludwig Stein- Bern namhaft gemacht worden waren. Dem bekannten Feuilletonredakteur des Berner „Bund" und hervorragenden Mitarbeiter liberaler deutscher Blätter, wie auch der „Neuen Freien Presse", I. V. Widmann, war in dem Artikel zum Vorwurf gemacht worden, daß er Professor Stein wegen seines Judentumes verfolge. Widmann antwortete hierauf im „Bund": er rekapituliert die ihm im einzelnen von seinem Kritiker gemachten Vorwürfe und fährt dann fort: „Auf das alles möchte ich nur die eine Tatsächlichkeit entgegenhalteir, daß in Bern noch niemals ein jüdischer Professor der Universität um seines Judentumes willen angefeindet wurde. Im Gegenteil find einzelne jüdische Professoren in Bern hoch gefeiert worden, nicht nur vor bereits langer Zeit der berühmte Lazarus, der ja selbst in seinen Lebenserinnerungen hierfür mit dankbarer Freude Zeugnis abgelegt hat, sondern so ist es auch bis in die Gegenwart immer gehalten worden. Ich brauche nur a n Professor L i ch t h e i m zu erinnern, dessen Berufung nach Königsberg der ganzen Stadt leid getan hat und dessen alljährliche Besuche in Bern stets in weiten Kreisen der Berner Gesellschaft freudig begrüßt werden. Und wie war der Historiker Professor Stern, jetzt in Zürich, verehrt und geliebt! An unserer Hochschule wirkt auch gegenwärtig eine stattliche Anzahl ausgezeichneter jüdischer Professoren, denen niemand ihr Judentum zur Last legt."