Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Bette 1*8 Dr. Bloch* Wochenschrift. wurde im Jahre 1856 von dem Wiener Bürger Moriz Pollak, später von Rudin genannt, aus Anlaß der Geburt des Kronprinzen Rudolf, mit einem Kostenaufwande von 127.000 österr. Gulden —. laut eingesehenem Stiftungsbrief — in der Mayerhofgasse 3 erbaut. Es erfordert nach den Jahresberichten jährlich einen Aufwand von 4200 Kronen und gibt 70 Studierenden der Technik freies Quartier, Beheizung und Beleuchtung und gewährt ihnen freie Benützung der Bibliothek und des Lesesaales. Für das Putzen der Kleider und Schuhe wird ein monatliches Putzgeld von 1.20 Kronen von jedem Bewohner eingehoben und Wäsche waschen, wie sonstige Instandhaltung von Kleidern und Wäsche mutz er selbst besorgen. — Von den 70 Inwohnern des Jahres 1907/8 waren 23 Juden. Das zweite Studentenheim gehört dem Asylverein an der Wiener Universität, ist in der Porzellangasse 30, und wird von dem Präsidenten des katholischen Schulvereines, Dr. Kaspar Schwarz, geleitet. Der Wert der Realitäten *) betrug 206,529.69, Kronen, die Erhaltungskosten per Jahr 15,296.60 Kronen. Quartier bietet esKl51 Studenten. Juden waren 3 darunter**) Stellen wir bloß die Ziffern zusammen, so zeigt schon der erste Anblick, datz für große Summen eigentlich wenigen Studenten wenig geboten wird. Der Hochschüler ist höchstens 10 Monate in Wien und zahlt höchstens per Monat 20—25 Kronen für sein Quartier. Es kostet ihm also höchstens 200 bis 250 Kronen im Jahr, keine große Summe, ungefähr dasselbe wie das Mittag- und Abendessen in einer Mensa. — Ferner erwäge man, daß in Wien im Wintersemester 1905/6 von Hörern der Universität, der Technik, der Hochschule für Bodenkultur, der tierärztlichen Hochschule, der Akademie der bildenden Künste und der israelitisch-theologischen Lehranstalt (30) im ganzen 2651 Juden waren.***) Gering berechnet, waren darunter 1000 Arme, d. h. 37% solche, die auf eigene Erhaltung angewiesen waren. Man kann also folgende Formel aufstellen. Bei einem Aufwand von V4 Million Kronen kann man nur den 14. Teil der Bedürftigen mit einer Gabe bedenken, die für ihn höchstens jährlich 250 Kronen wert ist. Zahlen sprechen. Aber man könnte doch einwenden, daß hier nur die Interessen des angewendeten Kapitales in Frage kämen, da dieses selbst durch die Gebäude sicher und dauernd angelegt ist. Nur das Erträgnis der Baulichkeiten gehe für die Studentenbeherbergung verloren. Wir nehmen den Zinsfuß vor. 4% Lnd bleiben bei den Baukosten von 254.000 Kr. für das Rudolfinum, obwohl ein von mir befragter, auch bei Gericht verwendeter Sachverständiger im Baufach das Gebäude heute als mit mindestens 360.000 Kronen nur herstellbar erklärte, dann betrüge die Verzinsung 10.160 Kronen: beim Studentenheim des Asyls beträgt sie 11.461.20 Kronen. Nehmen wir dazu den schon oben erwähnten Aufwand pro Jahr von 4200 Kronen, beziehungsweise 15.296 Kronen, wobei wir die Heller vernachlässigen, so kosten 70 Studenten zu beherbergen 15.360 Kronen, 151 Studenten 26.757 Kronen. Per Jahr zu 10 Monaten kostet also das Quartier eines Studenten dort 219 Kronen, hier 176 Kronen, oder per Monyt 21.90 Kronen, beziehungsweise 17.60 Kronen, d. h. der Student wohnt in diesem Quartier, mag er auch oft zu zweien, dreien ddel vieren wohnen, nicht oder nur weniger billiger als *) Die Daten stammen aus dem 35. Jahresbericht über das Jahr 1807/8. - **) Der Verein verleiht Stiftplätze nur für ein halbes Jahr zählt daher pro . Jahr 302 Studenten, versorgt aber nur 151. ***) „Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1905« Wien 1907, S. 398. >Rr.l8 bei Privaten. Und dafür will man so viel Geld investieren? Ob das von kaufmännischen Gesichtspunkten richtig ist, lasse ich dahingestellt. Kann man Geld für Studenten nicht besser anwenden? Man gestatte mir, diesmal nur einige Andeutungen. Es bestehen schon in Wien zwei der Fürsorge für Studenten gewidmete jüdische Vereine, der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender", der Kollegiengelder und Prüfungstaren für Bewerber entrichtet, und der „Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler", der im Titel schon den Zweck angibt. Könnten nicht beide vereint und zu einem „Zentralverein für Studienförderung jüdischer Hochschüler" auf Grund wissenschaftlicher und praktischer sozialer Erkenntnis und Fürsorge gestaltet werden? Der Zweck wäre eine rasche, leichte und gründliche Förderung der jüdischen Hochschüler, auf daß die große Zahl der Verunglückten, die ihre Studien nicht beenden und „am Wege sterben", welche fast ein Drittel ausmachen, vermieden werde, und daß andere Hochschüler nicht nur knapp die Prüfungen vollenden und wenig werden, weil sie nicht tiefe Studien gemacht, sondern daß die größte Anzahl geschickte, tüchtige und gesuchte Männer der Wissenschaft und des Berufes werden. Wie sehr dies auch vom Vorteil für den Kampf um die volle Gleichberechtigung im Staate wäre, soll hier nur angedeutet werden. Aber für diesen Zweck heißt es, „Unterstützungen" zu meiden, Arbeit den armen Hochschülern zu bieten und ihre Studien zu leiten. Das wäre ein humanes Werk KW e^oyj/v, vorbildlich und wertvoll. Das trüge selbst Zinsen. Ein Studentenheim, wie es von jüdischer Seite geplant ist, hat wenig moralischen und materiellen Wert. Von dem in Realisierung begriffenen deutschen Studentenheim ist die Bewegung, ausgegangen., Wir, meinen, daß auch hierin ein Irrtum obwaltet. Dieses wird nämlich nicht bloß armen Studenten Quartier bieten, sondern auch wohlhabenden gegen Bezahlung. Man will aber die deutsch-nationalen Studenten konzentrieren. Dorthin werden gewiß auch einzelne jüdische Hochschüler gezogen werden. Die hätte kein jüdisches Studentenheim dem Judentums erhalten. Die nationale und religiöse Erhaltung des Judentums liegt nämlich im Hause, in der Familie, und in zweiter Linie im Unterricht in der Volks- und Mittelschule. Dort soll man regenerieren! Direktor Dr. S. Krenberger. vom Aabrmarkt des Lebens. Mesopotamien. Die Redaktion dieser Blätter war so freundlich, mir eine Nummer von „The Jewish Chronicle" zuzusenden, in welcher bei Besprechung des Projektes der Kolonisation Mesopotamiens zu jüdischen Zwecken hervorgehoben wurde, ich sei der Erste gewesen, der wiederholt mit allem Eifer für die Besiedlung jenes Landes mit jüdischen Emigranten eintrat. Ich vindiziere auch mit Befriedigung dies Verdienst für mich, ich habe jahrelang unentwegt in der „Oesterr. Wochenschrift" auf die Gebiete zwischen dem Euphrat und Tigris hingewiesen und überhaupt das einst so fruchtbare, unter den alten Herrschern glanzend eMragreiche Babylonien 'zur Kolonisation empfohlen: indem es dort külturfähige 'Strecken' "von vielen Meilen Ausdehnung gibt/' indeneü Millionen Meüschen ftiedlWuckben eiüander Hausen und "ihrÄ-Arbeit leben könnten. Hier würde das autonome, in ferner räumlichen Ausdehnung fast unbegrenzte Gemeinwesen zu einem Staate im Staate auswachsen können und die Utopie vom Judenstaat beinahe zur Wirklichkeit werden. Schon