Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 7 Seite 113 Dr. Blochs Barbaro wurde Salomo 1574 als Allianzbewerber mit einem vom Grohwesier Unterzeichneten Beglaubigungsschreiben nach Venedig gesandt. Trotzdem er nur als Gesandter des Großwesiers erschien, wurde er. wie ein bevollmächtigter Botschai'ter Selims festlich empfangen und reichlich beschenkt. Obwohl seine Vorschläge nicht angenommen wurden, trugen sie doch zur Anbahnung erträglicher Verhältnisse zwischen der Republik und dem Sultan nicht wenig bei. „Wie freilich die Schlußrechnung ausgefallen wäre", sagt Moritz Brosch („Geschichten aus dem Leben dreier Großwesiere", Gotha 1899), „ob die Republik und Italien etwas dabei gewonnen hätten, wenn Neapel durch türkische Hilfe aus spanischem Besitz in venezianischen gebracht worden wäre, läßt sich kurzer Hand nicht so glatt entscheiden, wie der Rat der Zehn es entschieden hat. Der Türkenbund hatte für Venedig seine Gefahr, wie etwa eine schwere chirurgische Operation für einen Kranken, und ohne diesen Bund ist Venedig nicht wieder zu kräftiger Gesundheit gelangt." Rabbi Salomo und seinem Gönner konnte es auch nicht entgehen, wie der Krieg der Spanier in den Niederlanden auf die ganze europäische Lage zurückwirkte. Und so suchten die beiden in die Verhandlungen zwischen Oranien und Spanien störend einzugreifen. Nach seiner Rückkehr von Venedig wurde Salomo vom Sultan in einer Audienz empfangen, in der er über die Ergebnisse seiner Mission berichtete. Näheres darüber findet sich im oben zitierten Buche von M. Brosch, namentlich im III. Kapitel. Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Dr. S. Gelbhans, Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Saul behandelt die Priester von Nob wie gewöhnliche revoltierende Untertanen, ohne ihrer bevorrechteten Stellung Rechnung zu tragen. David läßt wohl alle priesterlichen Handlungen durch die Priester vornehmen, betrachtet sich aber als ihren Vorgesetzten. Die mündliche Ueberlieferung weiß sogar davon zu berichten, daß er Priester ein- und absetzte. Zu der Stelle Berachot 4 a, daß Abjathar der Fragende des Urim und Tumim war L'vini am« .IT nn'38, zitiert Raschi die Mitteilung des Ztzäer olam. „David hat stets den Abjathar fragen lassen. Als dieser während der Empörung Absalons frug und keine Antwort erhielt, Zadok aber eine Antwort erhielt, da wurde ersterer seines Priesteramtes entsetzt. DiStpns' niönSö r; in'3N3 bstw "n iii »o* man pnex-ir nnbyi prs nn^y rrdi ♦.utfian TN cS'y Salomon erscheint als der Gebieter des Tempels und aller diensttuenden Priester. Nach der mündlichen Tradition lagen die Schlüssel des Heiligtums des Nachts unter dem Kopfkissen des Königs, pgn nrm rmw: «naan n'n bw ninnae (Wajikra Rabba C. 12.) (Vergl. Midrasch Mischle C. 31.) Der Priesterstand war zwar nach den Vorschriften der Thora an den Stamm Levi gebunden. Ein Angehöriger eines anderen Stammes durfte keinen Dienst im Tempel verrichten. Auch dem Könige war, wenn er kein Ahronide war, dieses untersagt. Aber als Staatsoberhaupt war er doch dem Hohepriester übergeordnet, er war gleichsam Laien-Hohepriester. Daß der König der allererste Repräsentant der Priesterschaft und der Kultusstätte ist, ist in der Staatsanschauung und den Staatsgrundsätzen des vorderen Orients begründet. Alle Könige Altbabyloniens, Assyriens und Neubabyloniens bekleideten neben ihrer Königswürde auch die des Hohepriester. Mit besonderem Nachdrucke wird dieses von ihnen hervorgehoben. Tiglat Pileserheißt „der erhabene Priester" (issidu na-du) (Prisma.Inschrift K- B. 15). Salmanassar bezeichnet sich als „Oberpriester Assurs" (ruda-u sängu asur) (K. B. 129. Analisten-Jnschrift des Obelisk von Nimrud.) Sargon nennt sich in der Nimaud-Jnschrift einen „Oberpriester Assurs" (i88akan asur) (K. B. II. S. 35.) In der großen Prunk-Inschrift wird er „Oberpriester von Babylon" genannt, (sakkanak Babilu) das. 53.) Die letzten judäischen Könige dürften wohl sich als die obersten Schutzherren der Götzenpriesterschaft angesehen haben. Wochenschrift. Das Patronat über die Tempelpriesterschaft haben sie ihr selbst überlassen. Als die Rückkehr der Exulanten eingeleitet wurde, erachteten die Priester in Babylon ihre Stunde für gekommen. Sie wähnten, daß sie jetzt noch mehr als früher in den Vordergrund treten werden. Sie zogen daher in großer Anzahl nach Judäa. Sie setzten voraus, daß in dem neuen Staatswesen, welches auf monotheistischer Grundlage sich erheben sollte, der Tempel und seine Diener die wichtigsten Faktoren sein werden. Mit Eifer gingen sie daher daran, das Volk für den Tempel und den Altar zu gewinnen, es zur Darbringung vieler Opfer und Spenden zu veranlassen. Die gr^en Massen kamen ihren Bestrebungen in dem Aufwallen der Freude über den eingetretenen, günstigen, politischen Umschwung in überschwänglicher Weise entgegen. Aber die Priester schüft stand nicht auf der Höhe der Zeit. Sie erfaßte nicht ihre heilige Aufgabe. Sie ward von einem übertriebenen Selbstgefühl erfüllt, sah in dem Opferdienst und in den Weihrauchdarbringungen den höchsten Zweck des Gottesdienstes und vernachlässigte ganz das eigentliche Ziel der synaitischen Religion: die reinste Erfassung des Monotheismus, die Reinheit des Herzens, die Hochhaltuug uer Sittenlehre. Die Priester selber standen auf inem niedrigen ethischen Nieveau, sie gingen sinnlichen Neigungen nach, hielten die alten, einfachen Sitten der Väter nicht in Ehren. Sie suchten sich durch die Priestergaben des Volkes zu bereichern und fröhnten einem grenzenlosen Ehrgeiz, der selbst vor Mord und Todschlag nicht zurückscheute, um das Ziel zu erreichen. Josephus erzählt von einem Hohepriester Joanes, der von seinem Bruder Jesus im Tempel erschlagen wurde und seine Würde an sich riß. Josephus setzt diese Episode in die Regierungszeit Artaxerxes (Antiqu. 81. 7). Diese hat aber nicht unter Artaxerxes. sondern schon viel früher sich zugetragen, und zwar unter Serubabel. Winkler bemerkt: (a. a. O. 29.) „Dieses Ereignis ist daher auch die historische Grundlage der — nach der Vertauschung Kambyses- Artaxerxes — in einer von Josephus mitgeteilten Legende unter Artaxerxes verlegten Entweihung des Tempels und Aufhebung des Kultus aus sieben Jahre durch den Bagaos, den Feldherrn des Artaxerxes". Das' Selbstbewußtsein des Priesterstandes mußte noch gesteigert werden, als bei der herrschenden frohen Stimmung wegen des neuinaugurierten Gottesdienstes im jerusalemischeu Tempel dem Hohepriester Josua ben Jechozadok Ehrenbezeugungen aus der Ferne zuteil wurden. In dem Buche des Propheten Secharja (6, 11.) wird erzählt, daß man für ihn eine Krone aus Babylonien schickte. Die Priesterschast mußte sich durch solche Sympathiebezeugungen ermutigt fühlen und setzte ihre Ausschreitungen fort. Auf die ungeziemende Amtsführung des Hohepriesters weist unzweideutig eine Strafrede des Propheten Sacharja (3, 1) hin. Im Kapitel 3 heißt es: „Und er zeigte mir den Hohepriester Josua, der vor dem Engel des Ewigen stand, neben seiner Rechten stand der Ankläger, um ihn anzuklagen rc. Und Josua war bekleidet mit besudelten Kleidern und stand vor dem Engel. Und er rief und sprach zu den Stehenden. Nehmet hinweg die besudelten Kleider. Und er sprach, ich nehme von dir deine Sünde und kleide dich in Festgewänder rc. Und der Gottesengel zeugte gegen Josua, wie folgt: So spricht der Herr der Heerscharen: Wenn du in meinen Wegen wandelst und meine Vorschrift beobachtest und du mein Haus richtest und meine Vorhöfe behütest, so gewähre ich dir Gedeihen geben zwischen den Stehenden." Daß das ganze Haus Josuas keinen priesterwürdigen Lebenswandel führte, berichtet auch die mündliche Ueberlieferung. In Sanhedrin 93 a heißt es: „Weßhalb wurde Josua bestraft? Es spricht Rab Pappa: Seine Söhne nahmen Frauen, dre dem Priesterstaude unwürdig waren, er aber verwehrte es ihnen nicht." v» i\-i» »aa tk w:ya »•» .srn nrrtt udi nrm1? mmn p-asr wv: pwi: Einem solchen Treiben der Priesterschaft konnte Sern-