Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021826--18065-3042973
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 112 Nr. 7 Dr. Blocks Wochenschrift. schlingen und trotzdem nur zweifelhafte Resultate aufweisen. Einzelne Delegierte berichteten auch über die Schwierigkeiten, die ihnen von nichtjüdischen Kolonisten ihrer Nachbarschaft bereitet werden. Von den angenommenen Resolutionen seien die folgenden wichtigeren hervorgehoben: 1. Es wird ein Fonds zur Förderung und Entwicklung des Farmwesens unter den Juden geschaffen. Dieser Hilfsorganisation können nur Mitglieder bestehender jüdischer Farmervereine mit einem Jahresbeiträge von fünf Dollars beitreten. 2. In den Hauptstädten aller Staaten der Union sollen Märkte und Kommissionshäuser für die Produkte der jüdischen Farmer geschaffen werden. 3. Das eingesetzte Exekutivkomitee wird beauftragt, einen Plan zur Schaffung von Industrien im Zusammenhänge mit dem Farmern auszuarbeiten und hierüber der nächsten Konferenz Bericht zu erstatten. 4. Die Presse wird ersucht, den Kampf der jüdischen Farmer und solcher, die sich dem Farmwesen widmen wollen, gegen die schwindelhaften Agenten zu unterstützen. 5. Die Exekutive wird beauftragt, einen Bildungs- und Erziehungsplan für die Kinder jüdischer Farmer auszuarbeiten. __ Wie König Eduard von England schuldenfrei *wurde. Die Newyorker Tageszeitung „Sun" läßt sich aus Paris die folgende Geschichte telegraphieren: „König Eduard von England ist seit einiger Zeit mit sich sehr zufrieden. Die Eingeweihten kennen die Ursache dieser Selbstzufriedenheit und verheimlichen sie auch nicht: König Eduard ist schuldenfrei geworden! Vor zehn Jahren ungefähr stand er nicht so günstig. Man wußte es überall, daß der Prinz von Wales tief in Privatschulden stecke. Endlich kam der Tag, da die R o t s ch i l d s erklärten, keine Gelder mehr hergeben zu wollen. Ein Versuch bei der Königin Viktoria Sukkurs zu holen, scheiterte. Die Königin erklärte, die Extravaganzen ihres Sohnes dürften nicht gefördert werden. Erst. als der Prinz drohte, die Generosität des Parlaments anzurufen, ein Vorgang, dem die Königin Viktoria stets abhold war, ließ sich diese herbei, bei der Regulierung der finanziellen Angelegenheiten des Kronprinzen mitzutun. Dies geschah besonders in zwei Fällen. Im ersten Falle stand an der Spitze der Sanierungsaktion der vom einfachen Hutmacher zum vielfachen Millionär gewordene Sir James Mackenzie. Als jedoch Sir Mackenzie eines Tages ohne Hinterlassung eines Testaments plötzlich starb, wurde dem englischen Kronprinzen von den Erben Mackenzies eine Rechnung über eine Schuld von 1,600.000 Dollars präsentiert. Nun übernahm Baron de Hirsch die Regulierung der Angelegenheiten, indem er die Garantie für die Schuld auf sich nahm. Baron Hirsch hatte übrigens schon im Jahre 1890 die Ordnung einer ähnlichen Schuld des englischen Kronprinzen an ein. im Auslande lebendes Mitglied der königlichen Familie übernommen. Als dann auch Baron Hirsch starb, sprang Cecil N h o d e s, der südafrikanische Minenkönig, als Retter ein. Prinz Eduard wurde König von England. Allenthalben war man darauf gefaßt, daß die Hilfe des Parlaments werde angesprochen werden müssen, um den " König von seiner drückenden Schuldenlast zu befreien, denn es war bekannt', daß Königin Viktoria den größten Teil ihres Privatvermögens den jüngeren Mitgliedern ihrer Familie vermacht hatte. Die Hilfe des Parlaments wurde jedoch nicht angerufen. Ein alter, bewährter Freund, Sir Eduard Cassel, der berühmte Finanzier, der in Egypten zu Ehren und Vermögen gekommen, hat mit seinen Geschäftsfreunden die Sanierungsaktion auf durchaus reeller Basis in die Hand genommen. Wie rationell diese Aktion geführt wurde, beweist, wie „Sun" hervorhebt, die Tatsache, daß ^Cassel seinem königlichen Auftraggeber vor Kurzem zu '.melden, in "der Lage war, daß die ganze alte Schuld getilgt und König Eduard nunmehr schuldenfrei sei. Wichtige Erfindung eines jüdischen Offiziers. Das amerikanische Kriegsdepartement gibt soeben eine wichtige Erfindung bekannt, die ein jüdischer Offizier, gemacht hat. Der jüdische Artillerieoffizier Edward Gottlieb hat nämlich einen neuen elektrischen Scheinwerfer erfunden, der im Kriegsfälle zu großer Wichtigkeit gelangen soll. Das amerikanische Kriegsdepartement hat die Erfindung bereits akzeptiert und eine große Summe zur Ausführung derselben bewilligt. Der jüdische Kriegslieferant Napoleons I. In der Pariser „Revue des Etudes Iuives" veröffentlicht Dr. Mar Grunwald -Wien eine Studie über die hebräischen Memoiren des Juden Isidor Lehmann, der als Lieferant und Verpfleger der großen Armee des ersten Napoleon dieselbe auf allen ihren Wegen begleitete und seine Erlebnisse in Memoiren verewigte. „Wir finden ihn auch auf den Spuren der großen Armee in Rußland, wo er sofort in dem beklagenswerten Verpflegungssystem das Grundübel des ganzen Unternehmens Napoleons erkennt. Eine Gefangenschaft von acht Monaten in Rußland, der Rückzug über Galizien, Böhmen und Mähren, manche Abenteuer, und die Schlacht bei Leipzig, die er in der nächsten Umgebung Napoleons mitmacht, das Zusammen-. treffen mit dem edlen Poniatowsky am Tage vor dessen Tode, die zügellose Armee in unbeschreiblichem Elend, ununterbrochen den Angstruf: „Die Kosccken kommen!" ausstoßend, und schließlich der Zusammenbruch bei Erfurt: das sind die spannenden Bilder, die vor unsere Augen ziehen und dem, der sie gezeichnet, alle Ehre machen!" Eine Preisschrift über die Tuberkulose. Die Pariser medizinische Fakultät hat den Lacaze- Preis im Betrage von 10.000 Frank dem Pariser Arzt Dr. Leon B e r n a r d für dessen Arbeiten über die Tuberkulose und ihre Verhütung verliehen. Die Juden am allosmanischen Hofe. Im 16. Jahrhundert, das mit Recht als das Zeitalter des Glanzes für die Juden in der Türkei bezeichnet wird, tritt auf die Weltbühne nicht nur Don Miquez, der ..Großjude Josef", der Freund Selims II., nicht nur die berühmte Chierra, sondern auch Rabbi Salomo Askenazy, der in Konstantinopel einen großen politischen Einfluß ausübte, in die internationale Politik heftig eingriff und auch zu diplomatischen Missionen verwendet wurde. Er war ein Freund jenes Mehemed Sokolli, der, wie Hammer-Purgställ sich ausdrückt, als des osmanischen Reiches größter Großwesier zu gelten hat. Während Miquez' Einfluß hauptsächlich auf Sultan Selim II. wirkte und vielleicht durch . Anregung der Eroberung Cyperns das osmanische Reich in diplomatischer Hinsicht schwächte, war Rabbi Salomo ein treuer Mitarbeiter jenes Sokolli, der mit genialem Blicke die wahren Verhältnisse der internationalen Politik erkannte. Vor und nach der Schlacht vor Lepanto lagen die drei christlichen Mächte Spanien, der Papst und Venedig in beständiger geheimer Fehde, Venedig hatte auf dem italienischen Festlande noch einen anderen mächtigen Feind, Florenz. Man kann sagen, daß die venezianische Signorie ihre spanischen Alliierten mehr als die Türken fürchtete. Sokolli und sein Mitarbeiter Rabbi Salomo waren nun zur Hand, diese Zwistigkeiten auszunützen. Selbst während der Kriegführung wurden die Verhandlungen nicht völlig abgebrochen, und dazu, wie auch später zur Friedensvermittlung, hat Salomo ein wesentliches'beigetragen. Sokolli hat nach 1570 der Signorie eine Allianz gegen Spanien vorgeschlogen und benützte zu dieser Miffion seinen jüdischen Freund. Nach Abberufung des Bailo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.