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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Blochr Wochenschrift. Seite NI zierung) u. zw. in Deutschland mit dem Protestantismus, in Oesterreich mit dem Katholizismus, in Rußland und England mit den Nationalreligionen. Gegenüber diesen Bestrebungen ist das Judentum ein lebe n d i ger Protest, ein fortdauerndes Hindernis, das Denken der Völker zu uniformieren, und so sind wir die wahren Stützen und das Bollwerk der Gedankenfreiheit. Also auch von dem Gedanken der Mission aus in diesem Sinne ist die Taufe für den ethisch denkenden Juden eine vollkommene Unmöglichkeit. Durch all das, was wir dem Menschengeschlechte geleistet, hat das Judentum nicht nur sein Eristenzrecht, sondern auch seine Eristenzpflicht bewiesen. (Andauernder Beifall.) Zum Schluß bespricht Redner die Mittel, das Konvertitentum einzudämmen. Mit dem Wunsche nach Wiederbeleben des religiösen Gefühls wäre angesichts des zunehmenden religiösen Jndifferentismus nicht viel getan. Die festhaltende straft einer Religion steht in direktestem Verhältnis zu ihrer Dogmatik. Mit dem Momente, wo der talmudisch-rabbinische Teil des jüdischen Schrifttums seine Dogmatik einbüßte, mußte sich die festhaltende Kraft auf ein Minimum reduzieren. Anders stellt sich das Problem für jene, die in uns nicht bloß eine Religionsgemeinschaft, sondern mehr als das, ein Volk, erblicken. Für diese stelle sich die Taufe nicht als Konfessionswechsel, sondern als Verrat am eigenen Volkstum dar, als eine Tat äußerster Niedrigkeit. Der einzige Weg, den wir einzuschlagen haben, ist die Wiederbelebung des nationalen Bewußtseins. Die Bekämpfung des religiösen Gefühls scheitere am Geiste der Zeit Die ethischen. Gründe, die gegen die Taufe sprechen und aus dem Gesichtspunkt der Allgemeinheit für die Pflicht des Einzelnen zur Erhaltung des Judentums sich ergeben, verlieren oft ihr Schwergewicht, wenn sie mit dem Interesse des Einzelnen in Konkurrenz treten. Man muß es selbstverständlich machen, daß jedermann, wenn ihm zugerufen wird: „Du bist ein Jude!" sich nicht ängstlich krümmt und duckt, sondern stolz und selbstbewußt aufrichtet. Nur wenn von frühester Jugend an dem Kinde gelehrt wird, auf sein Judentum mit Stolz zu blicken, wird man den llebertritt unmöglich machen. Werden wir uns unseres alten Adels bewußt, hallen wir uns stets vor Augen, daß jene, die uns schmähen und verachten, das beste, was sie besitzen, uns zu danken haben. Vor allem aber achten wir uns selbst und untereinander. Achten wir die ehrliche Meinung, sehen wir im Juden immer zuerst den Mitmenschen, den Bruder und nie den Feind! Dann werden nicht mehr die losen Glieder aus der Kette fallen, dann kann der Name Jude wieder werden, was er einst war, ein Segen unter den Völkern dieser Erde! (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) An den Vortrag schloß sich eine überaus anregende Diskussion, welche bis Mitternacht währte. Vom Aabrmarkt des Lebens. Der erste jüdische Farmerkongretz. Aus Newyork wird uns geschrieben: Einzig in ihrer Art war die Versammlung der Delegierten jüdischer Farmerorganisationen von Amerika, die dieser Tage hier zu einem „Kongreß jüdischer Farmer" zusammengetreten sind. Dreizehn jüdische Farmerorganisationen haben zusammen 30 Delegierte entsendet, um über ihre speziellen Fachangelegenheiten zu beraten und die Gründung eines „Verbandes jüdischer Farmer von Amerika" zu beschließen. Die Anregung zu diesem Kongresse ging von dem Redakteur der Fachzeitung „Der jüdische Farmer" aus. Nach einigen begrüßenden Worten des Einberufers wurde Mr. Samuel P. Becker aus Ellenton zum Vorsitzenden und Redakteur Pinkus zum Schriftführer gewählt. Besonderes Interesse erregten die Berichte der einzelnen Delegierten. Hiernach gibt es in Amerita rund 5000 jüdische Familien, die sich ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigen. Die jüdischen Farmer haben sich hauptsächlich in den Staaten Connecticut, New- Persey und Newyork angesiedelt. Delegierter Samuel Weil aus Oakdale-Connecticui berichtet, daß in feinem Umkreise 100 jüdische Farmer leben, von denen 64 der dortigen jüdischen Farmerorganisation angehören. Den Meisten geht es ganz gut. Ihre Hauptbeschäftigung ist die Viehzucht. Sie haben eine eigene Talmud-Thora er richtet, in welcher die Kinder jüdischen Unterricht erhalten. Außerdem halten sie eine Anzahl schwacher Waisenkinder aus den Newyorker Waisenhäusern aus. Mr. Israel P. Großmann aus Colchester-Conn. berichtet, daß in seinem Umkreise gleichfalls 100 jüdische Farmer leben, von denen die Hälfte organisierist. Ihr Hauptprodukt ist Milch, die sie fix an eine große Käse fabrik verkaufen. Das vorige Jahr war ein besonders ergebnisreiches. Es geht ihnen im altgemeir-en ganz gut, nur werden sie von ihren Abnehmern stark gedrückt. Dem häufig eigenmächtigen Vorgehen der großen Ein kaufsgesellschaften gegenüber hat sich die kooperative Tätigkeit der jüdischen Farmerorganisation von Colchester stets Wirkungsvoll gezeigt. Jungen Datums ist die Farmerkolonie von Flemington, Newyork, die nach dem Berichte des dortigen Delegierten Isidor Janof gegenwärtig aus 18 jüdislyen Familien (105 Seelen) besteht und mit Hilfe der Rewyorker Jewish Agricultural Aid Society erworben und errichtet wurde. Die Wirtschaftsgebäude sind bereits aufgebaut. Sie sehen der Zukunft hoffnungsvoll entgegen. Die älteste jüdische Farmerkolonie ist Norma im Staate Newyork. Die 120 jüdischen Farmer dieser Kolonie beschäftigen sich hauptsächlich mit Gemüsekultur. Die Kartoffeln der jüdischen Farmer von Norma stehen auf dem Newyorker Markte in besonders gutem Rufe und erzielen die höchsten Preise. Die jüdischen Farmer von Woodbine, dieser bekannten jüdischen Stadt waren durch den gewesenen jüdischen Wachmann und Farmer Samuel Gruenstein vertreten. Die Stadt zählt heute 300 jüdische Familien, von denen aber nur mehr 40 ausschließlich Ackerbau betreiben, denen es außerordentlich gut geht. Sie bilden sozusagen die gesunde Elite in der Stadt. Der Kongreß dauerte vier Tage. Die Verhandlungen, in denen über die weitere Entwicklung des jüdischen Farmerwesens beraten wurde, fanden mit Ausschluß der breiteren Öffentlichkeit statt. Am letzten Kongreßtage fand eine allgemein zugängliche Versammlung statt, die massenhaft besucht war. In dieser Versammlung wurde auch die Gründung einer „Federation of Jewish Farmers" beschlossen. Professor M. Subsowitsch, ehemaliger Direktor der Baron Hirschschen Agrikulturschule in Woodbine sprach über die „Zukunft des jüdischen Farmwesens". Der Redner wies darauf hin, daß die Juden, wenn sie sich dem Ackerbau widmen, eigentlich zu ihrer alten nationalen Beschäftigung zurückkehren. „Das Volk will wieder zur Mutter Erde zurückkehren, deren Kultivierung ihm einst die liebste Beschäftigung gewesen. In seinem Vergleiche zwischen den jüdischen Farmern von Argentinien und Amerika kommt Professor SubsouMch zu dem Schlüsse, daß die amerikanische Methode vorzuziehen sei, denn die jüdischen Farmen von Amerika werden durch jüdische Bauern geschaffen und mache« eine normale Entwicklung durch, während die argentinischen Kolonien Millionen ver-

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