Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 93 Dr. Blochs Wochenschrift. >Jtr. 6 eine Thorarolle mit zwei Mäntelchen und einem Zeiger und eine Megilla spendete, wofür wir auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank abstatten. Auch in diesem Jahre haben wir durch den Tod schmerzliche Verluste erlitten. Wir bedauern tief das Ableben unserer ältesten und treuesten Mitglieder, der seligen Herren Em. Baumgarten, Marcus Eisenstein und M. Leitersd o r f e r, ferner der Herren Louis B a b, Mark. Grünbaum, k. k. Finanzrat Jg. S ch n e p p, kais. Rat Alex. T r i t s ch, Moritz Weiß und Frau Emma Hahn, deren Andenken der Verein treu bewahren wird. Sie haben sich zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen erhoben und gestatten, daß dies im Protokolle vermerkt werde. Wir sind uns der Pflicht bewußt, alle jene Mittel ergreifen zu müsien, welche uns anzuwenden möglich sind, um die Stellung und den Ruf unseres Gotteshauses aufrecht zu halten und Litten Sie, hochgeehrte Mitglieder, uns in diesem Streben zu unterstützen." Der Kassaverwalter, Herr Julius K o p st e i n, bringt hierauf den Gebahrungsausweis und das Bilanzkonto zur Verlesung, die einstimmig genehmigt werden. Dem Vorstande wird einstimmig das Absolutorium erteilt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung „Wahlen" ergreift der Obmann-Stellvertreter, Herr Dr. M. S ch n e p p, das Wort und verweist darauf, daß der Verein trotz der verhältnismäßig geringen Anzahl von 308 Mitgliedern und der gegenwärtig allgemein fühlbaren finanziellen Abkühlung für jüdische Interessen auch in dem abgelaufenen Jahre die im Gebahrungsausweise ausgewiesenen ansehnlichen Summen für die Pflege des Kultus im IX. Bezirke aufgebracht hat. Diese erfreulichen Resultate konnten nur dadurch erzielt werden, daß die bisherige Leitung die Verwaltung des Vereines scharf im Auge behielt und sich mit hingebungsvollem Eifer den kulturellen Zwecken desselben widmete. Besonders anerkennenswert sei auch der hervorragende Anteil, den der Präsident des Vereines an den diesjährigen Kultuswahlen genommen hat, wodurch das Ansehen des Vereines in der Kultusgemeinde gehoben wurde. Redner gibt die Versicherung, daß der Vorstand auch weiterhin bestrebt sein werde, zum Wohle des Vereines und zur Entfaltung des Judentumes zu wirken und empfiehlt die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder zur Wiederwahl. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl, bei der über Ersuchen des Vorsitzenden die Herren Siebenschein und W a i z n e r als Skrutatoren fungierten, wurden in den Vorstand die Herren Emil Fürth, Adolf Moser und Josef Quittner und in den Ausschuß die Herren Salo Fuchs, Dr. Alfred G l o g a u, Leopold Hendl, Gerson K o r a l e k, Wilhelm Pappenheim, Josef Steiner, Dr. Adolf Steiner und Isidor T r e b i t s ch wiedergewählt. Der Delegierte des Kultusvorstandes, Herr Professor Dr. Joses P o l l a k, erklärt, daß es ihm zu besonderem Vergnügen gereiche, im Namen des Kultusvorstandes dem Vereine zu seinem Vorstande, insbesondere zu seinem ausgezeichneten Vorsitzenden zu gratulieren und ihm für sein hervorragendes Wirken auf dem Gebiete des Kultus zu danken. Die Synagoge war von jeher bei den Juden der Diaspora der Mittelpunkt des jüdischen Lebens und auch heute noch schlagen bei dem einigenden Ruse: „Sch'ma Jisroel“ alle Herzen höher. Hier im IX. Bezirke hat der jüdische Kultus eine weihe- und würdevolle Stätte gefunden und Redner hofft, daß das ausgezeichnete Einvernehmen, das bisher zwischen dem Vereine und der Kultusgemeinde herrschte, auch weiterhin obwalten wird. Herr Lederer dankt namens der Vereinsmitglieder dem Vorstande für seine Mühewaltung bei der Führung der Geschäfte. Herr Dr. S. Bloch glaubt als Mitglied des Vereines' im Namen aller Mitglieder zu sprechen, wenn er beantragt, dem Präsidenten für seine hervorragende Anteilnahme an den letzten Kultuswahlen den besonderen Dank der Generalversammlung auszusprechen. Der Antrag wird einstimmig angenommen und nachdem der Vorsitzende für diese Kundgebung gedankt, schließt er die Versammlung. V. Generalversammlung des Tempelvereines des XIII. Bezirkes. Am 27. Jänner d. I. fand im Hotel „zum weißen Engel" in Hietzing unter Vorsitz des Direktors Dr. S. Krenberger und in Anwesenheit des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d und des Herrn Amtsleiters Julius Braun als Vertreter des löblichen israelitischen Kultusvorstandes die V. Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Vorsitzende erstattete folgenden Tätigkeitsbericht. Die Zahl der Vereinsmitglieder bleibt im Ganzen konstant; an einen dauernden Stock reihen sich bis 10 Mitglieder, die jahraus, jahrein wechseln. Die Bevölkerung des Bezirkes fluktuiert noch. Erweiterte schriftliche Agitation brachte geringen Erfolg; es sei persönliche Werbung nötig. Durch den Tod verlor der Verein das sehr geschätzte Mitglied, den Fabrikanten Josef Hermann. (Sein Andenken wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.) Beim Jugendgottesdienst fanden vier Barmizwah statt. Am 14. Februar wird im Betsaale die erste Trauung stattfinden. Auch soll Heuer die erste Mädchenkonfirmation sein. Die Herren Dr. S. Zimmels und Lehrer H. Sprinzeles werben dafür unter ihren Schülerinnen. Der Gottesdienst fand regelmäßig statt und war ziemlich gut besucht. Für die hohen Feiertage reichte aber der Platz nicht aus. Es ist Zeit, an die Vergrößerung zu denken. Der Jugendgottesdiensi wurde an jedem Samstag abgehalten. Bei dem für die Volks- und Bürgerschulen fungierten als Exhortant der neu ausgenommene Hilfsrabbiner Dr. M. H. Friedländer und als Vocbeter der zweite Kantor Heinrich Kühner, bei dem für die Mittelschulen Herr Rabbiner Doktor £). L. Reich und der erste Kantor Gotthold Friedländer. Außerordentlich besucht waren die Festgottesdienste der Jugend und der Gemeinde anläßlich des kaiserlichen Regierungsjubiläums. Hiebei wurde auch die Jubiläumsthora samt dem von Herrn Max Z i r n e r gespendeten kostbaren Silbergerät eingeweiht. Dieses unser geschätztes Mitglied wurde als Kandidat für den Kultusvorstand aus der Kurie der Höherbesteuerten präsentiert; er drang heuer freilich noch nicht durch, bleibt aber ernstester Anwärter aus ein Mandat. Dagegen werden die Herren Samuel H o f f m a n n und Jakob Popper in das Kollegium der Vertrauensmänner für den XII. bis XV. Bezirk ernannt werden. So hat auch der XIII. Bezirk in dieser Organisation seine Vertretung. Der Verein sprach sich prinzipiell für den Eintritt in den zu gründenden Verband der Tempel- und Bethaus vereine aus. Herr Dr. M. H. Friedländer soll ständig engagiert werden. Herr Dr. M. Grunwald hält schon am 3. Februar im Betsaale einen Vortrag über „jüdische Maler". Solche Vorträge sollen an Stelle der Abendexhorten treten. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spiel mann jun. beantragt im Namen der Revisoren das Absolutorium und den Dank für den Kassier, Herr Fritz Blüh, dasselbe für den Ausschuß. Beide Anträge werden angenommen. Nun begrüßt Herr Amtsleiter Julius Braun den Verein im Namen und Auftrag des löblichen Kultusvorstandes, anerkennt dessen Leistungen und verspricht weitere Förderung. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald lobt die Tätigkeit des Herrn Direktors Dr. Kren berger, durch die der XIII. Bezirk jüdisch gemacht wurde und wünscht viele gleichbegeisterte Mitarbeiter an seiner Seite. Dr. Krenberger dankt für die ehrenden Worte und hebt das kollegiale und freundschaftliche Verhältnis des Vorstandes hervor. Es wird derselbe neugewählt, und zwar wie folgt: Dr. S. Krenberger, Obmann; Hermann Kühner und Jean H e r tz k a, Obmannstellverrreter; Samuel H o f f m a n n, Kassier; Isidor B e r n f e l d, sein Vertreter; Gustav Jakob, Schriftführer; Dr. Ernst Karman, sein Vertreter; Isidor G ü n s. Ferdinand Herzog, Jakob Popper, Josef S m e t a n a, Max Z i r n e r, Ausschüsse. Fritz Blüh, Leopold G o l d n e r und Leopold Redlich sind Ausschußstellvertreter, Josef B a r k a n, Franz Josef Klein und Doktor Isidor Spielmann jun. Revisoren.