Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. -Le^le uv Das neue Heim für mittellose kranke Israeliten in Meran. Am 25. Jänner (letzten Samstag) ist in Meran das neue große Heim für mittellose kranke Israeliten eingeweiht worden. Diese Tatsache wird überall, wo das Interesse für jüdische Institutionen rege ist, mit Freuden begrüßt werden. Wer aber die neue Schöpfung jüdischen Wohltätigkeitsfinnes selber sehen würde, wird dieses Datum nicht vergessen. Das Werk ist geradezu großartig und muß die Bewunderung Aller erregen. Man bedenke, aus welch' geringen Anfängen das jüdische Leben in Meran, beziehungsweise in Tirol hervorgegangen ist und daß es noch vor ungefähr dreißig Jahren keine Spur jüdischer Institutionen in Meran gab. und man wird den Männern, die seither in Meran mit vereinten Kräften unter größten Mühen eine Pflanzstätte jüdischen Lebens geschaffen haben, aufrichtige Anerkennung nicht versagen. Ein neuer Friedhof mit herrlicher Zeremonienhalle, eine Synagoge mit allen Kunstinstitutionen und nun dieses neue herrliche Heim — das sind Schöpfungen der Königswarter- Stiftung und des Asylvereines. Besonders bewunderungswürdig ist diese letzte Leistung. Das herrliche Gebäude hat eine Frontlänge von 38'/, Meter und eine Tiefe von 15 Meter und wird von einem Garten, der sich auf zirka 8000 Quadratmeter ausdehnt, eingeschloffen, Diesmal hat sich der wohltätige Sinn nicht damit begnügt, bloß ein Haus zu schaffen, in dem die Armen untergebracht werden können, sondern sein Ziel darin gesehen, ein Haus, mit allem, was die Hygiene der Gegenwart verlangt, ausgestattet, zu schaffen. Besonders rühmlich ist hervorzuheben, daß endlich das richtige System der Wohltätigkeit zur Geltung gekommen ist, daß nämlich der Armut vorgebeugt und nicht Armut großgezogen werden soll. Es werden in diesem neuen Haufe ausschließlich solche Mittellose ausgenommen, welche nach ärztlicher Aussage durch einen Aufenthalt in Meran wieder berufsfähig werden können. In diesem Sinne ist auch das Haus mustergiltig eingerichtet. Die Zimmer der Pfleglinge — es sind deren 60 — sind durch Südsonne, Licht und Luft, durch Einrichtung und Liegebalkons so freundlich und angenehm, daß man schwerlich noch Besseres hätte bieten können und daß sich Niemand in denselben fremd und unbehaglich wird führen können. Es würde zu weit führen, hier eine ausführliche Beschreibung dieses Hauses in allen seinen Teilen, Pfleglingszimmer, Tagräumen, Speisesaal, Ordinationszimmer, Baderäume, Fleischküche und Milchküche, Wäscherei und Verwaltungsräumen, zu geben — es sei nur gesagt, daß Nützlichkeit und Schönheit sich in glücklichster Weise vereinigt haben. Es sei nicht verschwiegen, daß die Herren vom Vorstand, an ihrer Spitze Herr Br. maä. M. K o r e f und Dr. Wilhelm H e r s ch, im Dienste dieses Werkes Großes geleistet haben. Der Festgottesdienst und die Einweihung des Hauses am 23. Jänner war für das große, erlesene, jüdische Publikum in Meran, welches an der Arbeit des Vorstandes und an dem Werke selbst stets lebhaftes Interesse genommen hatte, eine wahrhaft erhebende Feier, wie sie nicht oft vorkommt. Die Festpredigt, die Herr Rabbiner Dr. Viktor K u r r e i n hielt, begeisterte alle Anwesenden. Mögen alle unsere Glaubensgenossen — wo immer sie sind — dem Werke ihre Anerkennung nicht versagen. Das Haus ist in seiner Art das einzige in Oesterreich und wird zweifellos in kürzester Zeit aller Welt nicht nur seine Notwendigkeit, sondern seine Vorzüglichkeit und seine Mustergültigkeit beweisen. Es ist daher nur recht und billig, daß es von allen Juden nach Kräften gefördert wird; es ist aber sogar eine gebieterische Forderung an alle Glaubensgenossen, die sich einer Organisation freuen, diesen wackeren Arbeitern im Dienste des Judentums in Meran, wo es keine Kultusgemeinde gibt und der Jude nur auf fich selbst angewiesen rst, hilfreichen Beistand zu leisten. Viel ist geschehen, doch muß noch mehr geleistet werden. Es ist keine Frage, daß di- Erhaltung und der Betrieb des Hauses auf die Hilfe und Unterstützung Aller angewiesen ist und darum soll man nie und nirgends vergessen, daß das. was in dem kleinen Meran von wenigen großherzigen Männern selbstlos geleistet worden ist, ein Werk ist, das allen Juden zugute kommen und unschätzbare Dienste leisten wird. Somit ist es nur Ehrenpflicht aller Juden, den Bestand des Hauses durch Mitgliedschaft des Vereines zu sichern, insbesondere aber Pflicht einer jeden Kuliusgemeinde, Chewra- Kadischa und aller Wohltäter, ihr Schärflein beizusteuern. Dem Werke erstehe Heil und Segen, den wackeren Männern, die es zustande gebracht haben, ständiger Dank! Kinderhorte und Toynbeehalle. Bei Anwesenheit zahlreicher Mitglieder fand am vergangenen Sonntag in den Räumen des Israelitischen Humanitätsvereines „Eintracht B'nai B’rith" IX., Universitälsstraße 4, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des V e r e i n e s zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" statt. Aus dem vom Präsidenten, Herrn Dr. I. Samuely vorgetragenen Tätigkeitsberichte war zu entnehmen, daß derzeit 5 Horte und zwar: im XIV., XVI. und XX. Bezirke im Betriebe des Vereines stehen und daß in diesen Horten 260 arme Schulkinder an Leib und Seele günstig beeinflußt, ausgespeist und nach Maßgabe der Mittel auch bekleidet werden. Die umfassende Fürsorge, welche der Verein seinen Schützlingen angedeihen läßt und die auch nach vollendeter Schulpflicht die Unterbringung der Kinder in entsprechenden Berufen und den Verfolg ihres weiteren Entwicklungsganges beinhaltet, bewirkt die Heranziehung dieser sonst den schädlichen Einflüssen der Gasse ausgeietzten Jugend zu braven Menschen und guten Juden. Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn aus der Mitte der Generalversammlung dem hingebungsvollen, von einem rühriaen Damenkomitee und tüchtigen Schulmännern unterstützten Vorstande herzliche Dankeskundgebungen und vollste Anerkennung zuteil wurden. Freilich wurde darauf hingewiesen, daß in Wien nach den statistischen Erhebungen 7000 arme jüdische Schulkinder jeder Fürsorge entbehren und daß wohl nichts dringender und wichtiger wäre, als die Ausgestaltung und Vermehrung dieser jüdischen Kinderhorte! Allein aus dem Kassenberichte konnte die betrübende Wahrnehmung gemacht werden, daß diele gerade für uns Juden so eminent bedeutungsvolle Institution nur im geringen Maße von den Besitzenden gewürdigt wird. Es sind im vergangenen Jahre die Einnahmen um fast K 3000.— geringer gewesen, als die laufenden Ausgaben. Der Verein muß daher auch vorläusig davon absehen, sein nächstes Ziel, d i e Errichtung eines Mädchenhortes in der Brigittenau, zu verwirklichen. Dem Tätigkeitsberick'te war ferner zu entnehmen, daß aus Anlaß des sechzigjäh igen Regierungsjubiläums des Kaisers vom Vereine „Eintracht B'nai B’rith" als Grundstock für einen „Jubiläums-H o r l e r r i ch t u n g sf o n d" K 10.000.— aus Spenden von Mitgliedern dieses Vereines gewidmet wurden, die seither durch anderweitige Schenkungen auf K 12.000— vermehrt worden sind. Vom Religionsschulinspektor Professor K a n i tz wurde unter Schilderung der obwaltenden Verhältnisse in treffenden Worten die Notwendigkeit dieser Horte charakterisiert und deren Leistungen rühmlichst anerkannt. In längerer, wiederholt von lebhaftem Beifalle unterbrochene Ausführung gab d r Delegierte des Kultusvorstandes. Herr Baurat Wilhelm Stiaßny, seiner Sympathie für die Institution und der Versicherung Ausdruck, daß es ihm ein Herzensbedürfnis sein werde, im Kultusvorstande auf die weitestgehende Förderung des Vereines hinzuwirken.