Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 97 und sein Sohn Kambyses bestieg den persischen Thron. Die Vereinbarungen wegen der Wiederherstellung des judäischen Staates waren von den judäischen Notablen und von Serubabel mit Kyros getroffen worden, so wie die Unterhandlungen wegen der Hilfeleistung bei der Eroberung Babylons ebenfalls mit ihm geführt wurden. Ein derartiges Uebereinkommeu ist ja auch mit den Medern getroffen worden. Mayer schreibt (a. a. O. 24): „Durch den Verrat der medischen Magnaten, durch den Abfall des medischen Heeres von Astyages ist Kyros Sieg ermöglicht worden. So nehmen die Meder im Reich die nächste Stellung nach den Persern ein. Pe-sien, Medien und die anderen Länder nennt Darius sein Reich". „König von Persien und Medien" heißt A'erxes in Babylon. Aus Persern und Mediern besteht die Kerntruppe des Heeres, ihnen werden die Reichsbeamten entnommen." (Xeueph. Cyr. IV. 2, 8.) Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Vereinbarungen mit Kyros für die Judäer, die ebenfalls seine Hilfs- und Bundesgenossen waren, sehr günstige waren. Die Machtstellung Judäas dürfte nach denselben eine ziemlich große gewesen sein. Sie dürfte in der vollen Unabhängigkeit und in der Ausdehnung des Landes bis zu den ursprünglichen Grenzen bestanden haben. Die'Würde Nassi oder Pecha dürfte nur eine provisorische gewesen sein, der der Königstitel folgen sollte. Denn die Restauration war ja kein Gnadenakt, sondern ähnlich wie bei den Medern die Erfüllung einer stipulierten Bedingung. Sie war die Folge eines gleichsam geschlossenen Bundes und Vertrages. Und wenn Kyros, der von dem Propheten, von griechischen Schriftstellern und von den Keilinschriften als ein Ideal des Rechtes, der Gerechtigkeit und Treue geschildert wird, am Leben geblieben wäre, so hätte er gewiß sein Versprechen den Judäern gehalten und die staatliche und politische Stellung Judäas wäre gewiß eine hervorragende, große gewesen. Kambyses aber, der von niedrigen Instinkten beherrscht war, der seinen eigenen Bruder Smerdes heimlich ermorden ließ, um uneingeschränkt regieren zu können, fühltt sich an die gegebenen Versicherungen seines erleuchteten, edlen Vaters nicht gebunden. Er erachtete sich durchaus nicht für verpflichtet, Judäa als etwas mehr wie andere Provinzen auzusehen. Und Regungen der Selbständigkeit und Unabhängigkeit, wie sie bei Serubabel hervortraten, erschienen in seinen Augen als unbotmäßige, als strafbare. Er hat gewiß die Nachricht von der militärischen Machtentfaltung des judäischen, erblichen Statthalters sehr übel ausgenommen und auf den Zeitpunkt gewartet, ihn von seinem Posten zu verdrängen. Aber sein in diese Zeit fallender Kriegszug nach Egypten bot dazu nicht die geeignete Gelegenheit. So konnte Serubabel vorläufig ungehindert seine politischen Pläne und inneren Organisationen weiter entwickeln. Hiezu gehörte nicht in letzter Linie die Regelung der Stellung des Priestertums innerhalb des öffentlichen Staatslebens. In den Regierungsjahren der letzten judäischen Könige waren alle Angelegenheiten des öffentlichen und privaten Kultus völlig in den Händen der Priesterschaft.. Die Regenten waren Götzendiener, kümmerten sich nicht um den Tempel und seine Angelegenheiten, und wenn Jemand für diese ein Interesse hatte, so waren es nur noch die Diener des Altares. Die Gewohnheit und der langjährige Brauch ließ sie als die alleinigen Vertreter des Gottesdienstes erscheinen und sie betrachteten sich deshalb als die unumschränkten Herren auf dem Gebiete des Kultus, auf welchem sie nach Gutdünken schalten und walten konnten, ohne sich um das Staatsoberhaupt zu kümmern. Dieses war aber nur durch die Dekadenz des Gottesdienstes möglich geworden und widersprach ganz der ursprünglichen Einrichtung des Priestertums. Wohl war nach den Angaben des Pentateuchs die Priesterschaft ein für sich bestehender Stand, aber er wird unter die Oberaufsicht des Volksoberhauptes gestellt. Ahron ist der Hohepriester, aber die Anordnungen Gottes erhält er durch "Moses. Pmchas erscheint dem Josua untergeordnet. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Beth Hatfilah" im IX. Bezirke Wiens vom 23. Jänner 1909. Die diesjährige Generalversammlung des israel. Tempelvereines im IX. Bezirk zeigte wiederum, wie dieser Verein im steten Wachstum sich befindet, ein Bild finanzieller Ordnung und fortschreitender Entwicklung, dank einer energischen, zielbewußten Leitung. Anwesend: Der Prästdent G. Bettelheim; die Vorstandsmitglieder: Dr. S ch n e p p, Simon, K o p st e i n, G o l d s ch m i d t, Q u i t t n e r, kais. Rat Wilhelin, M o s e r, Hendl, Steiner, Koralek, Fuchs, Trebitsch. Entschuldigt die Herren: Fürth und Pappenheim. Der Vorsitzende Präsident G. Bettelheim konstatierte die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung, begrüßte hierauf die Erschienenen, in erster Reihe, den Delegierten des Kultusvorstandes Prof. Dr. Josef P o l l a k, die Schriftführerin des Vereines „Frauenhort" Frau Benedikt, den Präsidenten der Kultusbezirkskommisfion Donat Zifferer und den Präsidenten des „Vereines zur Hebung der Gewerbe" Herrn S. B r o d und brachte dann folgenden Rechenschaftsbericht zur Verlesung: „Hochgeehrte Versammlung! Das abgeloufene Vereinsjahr, das 42. seit dem Bestände unserer Körperschaft, hat sich, insoweit es sich um die ökonomische Gebahrung handelt, nur wenig von den vorangegangenen unterschieden. Auch in diesem Jahre konnten wir den stets steigenden Bedarf aus den eigenen Einnahmen decken, ja wir konnten dem Penfionsfonde unserer Beamten nebst den ihm gebührenden Einnahmen per X 2989.— noch aus dem Vereinsvermögen X 2000.— zuführen. Außerdem konnten wir Dank der großherzigen Widmung der Erben nach der seligen Frau Fanny Kann zur besseren Bewachung des Tempels und zur Entlastung des Gehaltskontos eine Portierswohnung bauen, sowie einige Renovierungen vornehmen. Vergleichen wir aber einzelne Posten mit denen vergangener Jahre, so können wir an der Abnahme der Zahl der Mitglieder (308 gegen 316 im Jahre 1907) und der Verminderung der Mitgliedsbeiträge um X 126.—, sowie dem Rückgänge der Anzahl der in unserem Tempel vorgenommenen Trauungen und der Einnahmen aus diesem Titel um X 910.— nicht gleichgültig vorübergehen. Geringere Bedeutung schreiben wir der Tatsache zu, daß auch die Anzahl der Konfirmationen sich wesentlich verminderte, Es ist dies durch die Einführung des Gottesdienstes für Mittelschüler und der Mädchenkonfirmationen in den Tempeln des VIII., XVIII. und XIX. Bezirkes begründet. Mit großer Befriedigung blicken wir auf die Dienste zurück, welche anläßlich der diesjährigen Wahlen in den Kultusvorstand die Tempel- und Bethausvereine unter der Führung unseres Vereines unserer Gemeinde und durch sie dem Ansehen und der Würde unserer Religion leisten konnten. Wir möchten nur wünschen, daß auch die fruchtbaren, hoffnungsvollen Keime, welche aus Anlaß der Kultuswahlen in beiden gegnerischen Lagern zu Tage traten, von allen berufenen Faktoren mtt aller Liebe gepflegt und gezogen werden. Der tiefwurzelnden Liebe und unwandelbaren Treue zu unserem gütigen Herrscher haben wir dankbaren Herzens, sowohl am 18. August als auch am 2. Dezember, dem Jubiläumstage, durch besonders feierliche Begehung dieser Gedenktage und Enthüllung einer Erinnerungstafel sichtbaren Ausdruck verliehen. Im Berichtsjahre hatten wir mehrere großmütige Zuwendungen zu verzeichnen: Die selige Frau Johanna Ko hn hat ihre Anhänglichkeit an das durch uns verwaltete Gotteshaus durch Testierung einer Seelenstiftung im Betrage von X 1000.— bekundet, Frau Berta D o n r e t ch hat dem Vereine X 600.— Herr Julius Paul X 500.— und Frau Johanna Honig X 200.— gewidmet. Herr Salo Fuchs gab uns ein neues Zeichen seiner Hochherzigkeit, indem er unserem Gotteshause