Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 96 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 Der alle Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Dr. E. Gelbhaus. Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Ein wichtiges Moment, welches zu den Siegen führte, war die Vereinigung aller hebräischen Stämme unter der Herrschaft Davids. Durch das Zusammenfassen aller Kräfte des Volkes war es möglich, heftige Stöße nach Außen zu führen, die von großen Erfolgen begleitet waren. Serubabel suchte eine Vereinigung der israelitischen Bewohner des ehemaligen Nordreiches mit Judäa zustande zu bringen. Denn schon Ezechiel hat diese Fusion geweissagt und auf Serubabel als den gemeinsamen König deutlich hingewiesen. Im Kapitel 37, 15 heißt es: „Das Wort Gottes erging an mich, wie folgt: Du, Menschensohn, nimm dir eine Holztafel und schreibe darauf, daß sie für Juda und seine Genossen bestimmt ist, und nimm eine andere Holztafel und schreibe darauf, daß sie für Ephraim und das Haus Israel und seine Genossen bestimmt ist. Lege beide Tafeln zusammen, daß sie eine Einheit bllden. Und wenn die Söhne deines Volkes dich fragen werden, was bedeutet dieses. So rede zu ihnen. So spricht der Ewige,, ich nehme die Kinder Israels aus der Mitte der Völker und bringe sie auf ihren Boden. Und ich werde sie zu einem Volke machen auf dem Berge Israels und sie werden einen König haben, sie werden nicht mehr zwei Völker sein und nicht mehr in zwei Königreiche geteilt werden. Und mein Diener David wird ihr König und ein Hirte für Alle sein." Die politischen Verhältnisse der israelitischen Bewohner des ehemaligen Zehnstämmereiches sind unbekannt. Sie waren der Regierung eines persischen Satrapen unterworfen, der mit Judäa in keiner Verbindung stand. Aber bei der großen Machtfülle, welche von Kyros Serubabel eingeräumt wurde, war demselben Gelegenheit geboten, mit dey nordisraelitischen Stammesgenossen in Fühlung zu treten und sie für sich zu gewinnen. Auch hat das restaurierte, judäische Staatswesen gewiß große Attraktion auf viele Kreise in Nordisrael ausgeübt, so daß man wenn nicht von einer politischen, doch von einer national-geistigen Einheit reden konnte. Das allerwichtigste Moment aber, welches als Grundlage der glücklichen Kriege Davids bildete, war die Bildung eines stehenden Heeres. Während der Richterzeit und auch unter der Regierung Sauls waren es Freischaren, mit welchen die Kriege geführt wurden. Beim fteiwilligen Aufbrecheu zu Eroberungszügen oder in Zeiten der Bedrängnisse bei Verteidigungskämpfen riefen Herolde die kriegsfähigen Mannschaften zusammen, die zu organisierten Schwärmen sich formierten, nach strategischen Regeln Haufen bildeten und ins Feld zogen. Nach Beendigung der Feldzüge lösten sich diese unharmonischen Gruppen auf. David aber traf die Einrichtung, daß ein beständiges Heereskontingent, b stehend aus dreißiglausend Kriegern, aus dem Volke ausgehoben wurde. (Samuel 6.) Diese bildeten die Kerntruppen seines Heeres, welches er nach Bedarf vermehrte. Serubabel, der sich als ein künftiger großer Monarch ansah, trachtete darnach, ebenfalls eine Heeresmacht zu schaffen, die ihm in den Kämpfen, die er als bevorstehend erwartete, zur Verfügung stehen sollte. Die Verhältnisse hiezu waren für ihn günstige. Nach den persischen Regierungsmaximen wurde ja jedem Satrapen und jedem erblichen Statthalter der weiteste Spielraum gewährt. Er konnte Truppen und Söldner nach seinem eigenen Ermessen sammeln und ihre Zahl nach Gutdünken bestimmen. Serubabel machte von diesem ihm zustehenden Rechte den weitesten Gebrauch. Er scheint in einem prophetischen Kriegslied, welches in Beziehung zu dem neu zu erstehenden judäischen Staate stand, eine Aufforderung zu seinem Unternehmen erblickt zu haben. Der Gottesmann ruft (Jesajas 62, 10, 63, 5): Schreitet, schreitet durch die Thore, machet ftei den Weg des Volkes, ebnet die Straße, entfernt die Steine, erhebet die Fahne vor allen Völkern. Siehe, der Ewige verkündet den Enden der Erde, sprechet zur Tochter Zions, siehe, dein Heil kömmt, sein Lohn ist mit ihm und sein Werk vor ihm. . . Wer ist es, der da herkömmt von Edom, in roten Kleidern von Bozra, dieser ist prächtig, in seinem Gewände einherschreitend, in der Fülle seiner Kraft? Ich, der Gerechtigkeit verkündet, der groß ist im Helfen. Warum sind rot deine Gewänder und deine Kleider wie die des Keltertreterers? Ich habe den Kelter allein getreten und von den Völkern war Keiner mit mir und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimme, da rann ihr Blut auf meine Kleider und habe meine Gewänder befleckt. Denn ein Tag der Rache ist in meinem Herzen und das Jahr meiner Erlösung ist gekommen." Serubabel hat wahrscheinlich eine sehr große Zahl von Kriegern, welche in Erwartung der kommenden Ereignisse sich um ihn scharten, zusamnnugebracht. Der Anblick dieser Schar muß ihn mit noch größerem Selbstbewußtsein, das er schon besaß, erfüllt haben. Als ein Ausfluß der Stimmung in dieser Zeit dürfte vielleicht Psalm 144 gelten: „Von David. Gelobt sei Gott mein Hort, der meine Hände übt zum Kampfe, meine Finger zum Kriege. Mein Hort, meine Burg, meine Veste und mein Erretter, mein mich beschützender Schild, der mein Volk mir unterwirft. . . . Ewiger, beuge deinen Himmel herab, berühre die Berg", daß sie rauchen, werfe deine Blitze und zerstreue sie, sende deine Pfeile und verwirre sie. ... Denn ihr Mund ist ein Lügenmund und ihre Rechte ist eine Lügenrechte. Gott, ein neues Lied will ich dir singen auf zehnsaitigem Psalter, dich preisen, der Sieg verleiht den Königen, der befreit seinen Knecht David von dem Schwerte des Verderbens." Die Zuversicht Serubabels, das Vertrauen zu sich selbst, der Glaube an seine messianische Mission und der Anblick der geharnischten Krieger, an deren Spitze der Regent sich sehen ließ, hat wahrscheinlich einen Psalmisten zu einer Hymne auf ihn begeistert. Dieselbe lautet: „Mein Herz bricht aus in erhabene Lieder, ich widme mein Lied dem König, ihm mein Wort, meinen Meistergriffel. Du bist der schönste unter den Menschenkindern, Anmut ist auf deinen Lippen, dich hat Gott auf ewig gesegnet. Gürte das Schwert um deine Hüfte, o Held, das ist dein Schmuck und deine Herrlichkeit. Majestät! Ziehe hin, es wird glücken, zum Schutze der Wahrheit und des gebeugten Rechtes, deine Rechte wird dich Wunder lehren. Scharf geschliffen sind deine Wurfgeschosse, Völker werden vor dir fallen, deine Feinde, o König, werden ins Herz getroffen. Dein Thron steht immer vor Gott, ein gerechtes Szepter ist das Szepter' deines Reiches, Du liebst Gerechtigkeit und hassest das Böse, darum salbt Dich Gott mit Freudenöl mehr als deine Genossen (45, 1—9). Das kriegerische Gebühren, die Truppenansammlung, die Rüstungen, wenn sie auch geheim und vorsichtig ausgeführt wurden, konnten nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit der benachbarten Satrapen zu erregen, sind gewiß dem Hofe des Großkönigs angezeigt worden, wo sie unfehlbar Mißtrauen und Verdacht Hervorrufen mußten. Aber nicht nur in der Reichshauptstadt, sondern auch in judäischen Kreisen fand sein Vorgehen keine Billigung. Und ein Prophetenwort wird im Namen Gottes tadelnd und mißbilligend an ihn gerichtet. „So lautet das Wort Gottes an Serubabel: Nicht durch ein H e e r und nicht durch Kraftaufwand, sondern durch meinen Geist, (wird das Heil erstehen) spricht der Herr der Heerscharen": ba n -an m 'i "ivx vira dn a nw *rra ab (Secharja 4, 6.) Hat Serubabel aber schon durch sein Auftreten gegen die herrschenden Familien sich bei denselben Feinde gemacht, so sind ihm durch die Schaffung einer beständigen, bewaffneten Macht noch mehr Widersacher erwachsen die ihm m dieser Zeit, welche sich für ihn ungünstiger zu gestalten, begann, verhängnisvoll werden konnten. Denn Kyros starb