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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-05 · 6 (5.2.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 95 Einstellung einer Pretzunsitte. Der Präsident des „Unabhängigen B'nei B.rith- Ordens von Amerika", Herr Adolf Kraus in Chicago, hat eine Europareise angetreten. Er wird diese Reise mit gewisser Beruhigung machen können, denn kurz, bevor er sich eingeschifft hat. erhielt er die Nachricht, daß eine seiner Aktionen von Erfolg gekrönt wurde. Einer alten Unsitte zufolge haben alle dem Nachrichtensyndikate „Associated Preß" gehörenden amerikanischen Zeitungen stets die Gepflogenheit gehabt, so oft von einem Verbrecher berichtet wurde, der zufällig Jude war, in Parenthese hinzuzufügen, „a Jew" (ein Jude), während von Juden, über die Gutes zu berichten war, seine Zugehörigkeit zum Judentume niemals hervorgehoben wurde. Präsident Adolf Kraus nahm nun die Angelegenheit in die Hand und schrieb am 23. Dezember 1908 an den Direktor der „Associated Preß", Melville E. Stone in Newyork, folgenden Brief: Lieber Mr. Stone! Wenn ein Nichtjude A. B. ein Verbrechen begeht, vermitteln die Telegramme der „Associated Preß" diese Nachrichten ohne zu betonen, ob er Methodist, katholisch oder irgend einer anderen christlichen Konfession ist. Ist aber dieser A. B. zufällig Jude, so berichten uns Ihre Depeschen regelmäßig „A. B., ein Jude usw. habe ein Verbrechen begangen." Liegt für eine solche Unterscheidung irgend ein plausibler Grund vor? Hat der Jude durch solche Unterscheidungen im Laufe der Jahrhunderte nicht schon Verfolgungen genug zu erleiden gehabt und sind solche Anspielungen mit dem amerikanischen Geiste vereinbar? Die Presse ist eine der erzieherischen Institutionen des amerikanischen Volkes. Sollte sie demnach nicht bedacht sein, alles zu vermeiden, was in unnötiger und ungerechter Weise Vorurteile für eine und leider bestehende Vorurteile fördert gegen eine andere Religionsgenossenschaft, deren Mitglieder in der Regel die Gesetze achtende, patriotische Bürger sind, die nicht mehr, wenn überhaupt so viele Kriminelle liefern als die Mitglieder anderer Glaubensgenossenschaften? Ich bin überzeugt, daß die überwiegende Majorität der amerikanischen Presse frei ist von jedem religiösen Vorurteil und daß ihre Direktoren auch nicht die Intention haben, in diesem Lande unnötigerweise den Haß gegen irgend einen gesetzestreuen Teil der Bevölkerung zu schüren. Ich erlaube mir daher, die Frage zu stellen, ob die „Associated Preß" nicht ohne Schädigung ihres Nachrichtendienstes das Prinzip aufstellen könnte, daß die Konfession von Verbrechern, wenn diese mit dem begangenen Verbrechen in gar keinem Zusammenhänge steht, in den Berichten nicht besonders hervorgehoben zu werden braucht. Ich habe die Ueberzeugung, daß es nicht zur Politik Ihrer Gesellschaft gehört, eine Religionsgenossenschaft unnützerweise zu verletzen, daß Sie ein solches Uebel, so weit es in Ihrer Macht steht, auch ohne weiteres beherzigen würden. Ihr ergebener Adolf Kraus m. p." Prompt am 27. Dezember kam die Antwort, die folgendermaßen lautet: „Lieber Mr. Kraus! Ich bin im Besitze Ihres, Schreibens vom 23. Ich glaube selbst, daß Ihre Anregung eine durchaus richtige ist und sehe tatsächlich keinen Grund, warum wir gerüde sagen müßten, N. B. sei ein Jude und verschweigen, wenn er Methodist ist. Ich werde Ihrer Anregung folgend, unverzüglich die von Ihnen gewünschten Weisungen ausgeben. Ihr ergebener Melville E. Stone, Generaldirektor." Der Kalender der Chinesen ist beinahe gleich dem jüdischen. Die Ähnlichkeit ist so auffallend, daß man füglich behaupten könme, diese beiden Völker haben ihn derselben Quelle zu verdanken. Das Jahr beginnt etwa im Monate Schebat, also im Jänner—Februar, mit dem ersten Neumond nach Eintritt der Sonne in das Zeichen des Waffermannes. Es hat 354 oder 355 Tage und zerfällt in 12 Monate. Diese zählen genau wie bei den Juden 29—30 Tage und beginnen mit dem Neumonde. Auf diese Weise tritt alle zwei bis drei Jahre ein überflüssiger Monat hinzu, der Schaltmonat, der den Namen des ihm vorangehenden Monats mit dem Zusatze „shun" erhält. Also unser Weadar. Das Schaltjahr zählt 383 oder 384 Tage. Je 60 Jahre werden zu einem Zyklus zusammengefaßt. Gegenwärtig zählen die Chinesen den 78. Zyklus, also annähernd der Zählung der Juden seit Erschaffung der Welt. Opferung eines Kindes. Die Opferung eines Kindes auf den Philippinen berichtet nach einer „Times"-Meldung der Gouverneur des Distriktes Davao. Das Opfer war sorgfältig vorbereitet und es sollte dem Zw cke dienen, die bösen Geister zu bannen. Nach dem offiziellen Bericht vollzog sich die Opferung in folgender Weise: Ein Knabe namens Sacnm wurde herbeigebracht und an einen schmalen Baum gestellt. Seine Hände wurden über den Kopf zusammen gebunden, dann fesselt man ihn mit Baststricken um die Hüften und um die Beine an den Baum. Darauf trat ein Eingeborener mit Namen Ansig vor und setzte die Spitze seines Speeres an die rechte Seite des Kindes zwischen dem Beginn der R'ppen und dem Schultergelenk. Andere Eingeborene faßten den Sperr und stießen ihn auf ein Zeichen von Ansiz durch den Körper des Knaben. Dann wurde der Speer aus der Leiche herausgezogen, und die Leiche wurde du-ch einen Querschnitt in zwei Teile geteilt. Nachdem dies geschehen war, schnitten die Anwesenden die Leiche in lauter kleine Stücke; jeder Beteiligte durfte sich zur Erinnerung an die Opferung ein solches Stück mitnehmen. Die übrigen Leichenteile wurden späterhin verbrannt. Ansig, der ungefähr 60 Jahre alt ist, erklärte, daß er während seines Lebens unter den Stämmen der Bagebos und Bilados etwa 50 Menschenopfern beigewohnt habe; auch bei den Tagacolos seien die Menschenopfer gebräuchlich, obwohl er nie die Gelegenheit gehabt habe, bei diesem Stamme einem derartigen Opfer beizuwohnen. Der Bericht des Gouverneurs erwähnt noch, daß die Eingeborenen, die an dem letzten Opfer sich beteiligten, sich keines Unrechtes bewußt waren. Man verurteilte sie nach der Untersuchung des Falles zu schweren Gefängnisstrafen; das U teil wurde aber nicht vollstreckt, da die Eingeborenen versprachen, die Menschenopfer in Zukunft unterlaffen zu trollen. Man sieht hieraus, daß der „Ritualmord", der „Molochkultus" noch heute vorkommt, aber nicht bei Juden. Welcher Religion die Bewohner des Distrikts Davao auf den Philippinen huldigen, ist uns nicht bekannt. Sie scheinen Heiden zu sein. Ein türkischer Dreyfus. Berlin. Die „Morgenpost" meldet aus Saloniki: Aufsehen erregt das Wiedererscheinen eines seit dreißig Jahren verschollenen türkischen Militärarztes spaniolischer Abkunft Jose C a r m o n a. Er wurde vor drei Jahrzehnten nach Adrianopel geschickt. Mehrere für Rußland Verrat übende Offiziere, denen Carmona mit Verrat drohte, wälzten den Verdacht auf ihn. Carmona wurde degradiert und nach Arabien verbannt. Sein Vater, ein angesehenes Mitglied der Spaniolengemeinde von Saloniki und Senator, opferte sein Vermögen für die Bemühungen zur Rehabilitierung seines Sohnes. Er starb vor Kummer. Die Konstitution verschaffte dem Offizier die Freiheit. Er kehrte heim und lieferte die Beweise seiner Unschuld. Der Kriegsminister befahl die Revision des Prozesses. Die türkische und spaniolische Presse beglückwünschte die Regierung zu diesem Akte der. Gerechtigkeit und nennt Carmona einen türkischen Dreyfus. - - ~3- ^3 Eine Sammlung von Dreyfnsbildern und Karikaturen. Wie aus Paris gemeldet wird, hat Herr Alphonse Ochs, ein eifriger Sammler, der Stadlbibliothek von Paris seine wertvolle Sammlung aller auf den Dreyfusfall bezughabenden Druckerzeugnisse, Bilder. Karikaturen, Postkarten usw. zum Geschenk gemacht. Die interessante Sammlung umfaßt 800 Bände in 28 verschiedenen Sprachen und Idiomen.

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