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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-05 · 6 (5.2.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 93 glaubt, dah wir Menschen essen und nach einer schwelgerischen Mahlzeit die Lichter auslöschen, um uns auf eine gesetzwidrige Art zu vermischen. Aber wenigstens das tadelt ihr an uns, dah wir uns an Lehren und Meinungen halten, die euchunwahrscheine n." Darauf der Jude Trypbon: „Was man im allgemeinen spricht, verdient keinen Glauben, denn es ist der menschlichen Natur entgegen!" (Dial. Kap. 10.) Und einem solch klassischen Zeugen gegenüber, der entschieden erklärt, dah die Inden derlei Dinge von den Christen nicht glauben, wagt man zu behaupten: die Juden hätten diese schandbaren Märchen erfunden und unter den Heiden verbreitet! Wie sagt doch der Jude Tryphon: „Nein, solche allgemein verbreitete Dinge glauben wir nicht, denn sie sind wider die Natur!" Selbst der haarbuschige jüdische Geselle, den der grobe heidnische Cbristenhasser Celsus in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts gegen das Christentum ins Treffen schickt, der alles, was nur immer selbst von einem gehässigsten jüdischen Standpunkt aus gegen das Christentum geltend gemacht werden konnte, vorbringt, erwähnt mit keinem Worte dieser Fabeln: wogeaen der Heide Celsus selber, wo er von seinem heidnisch-philosophischen Standpunkt aus das Christentum bekämpft, Andeutungen auf dieselben nicht unterdrücken kann. Diese Erfindungen sind genuin heidnischen Ursprungs und ihre Väter sind die grimmigen heidnischen Judenhasser, später Christenhasser, aus dem unsterblichen Geschlechts der Apione. Welche Bewandtnis es aber mit der von den Hausraths ältesten und neuesten Datums den Juden angedichteten Verfolgunas- und Verleumdungssucht hat, zeigt uns die Apostelgeschichte an einem markanten Falle. Vaulus, der dis Juden nicht minder als die jüdischen Christen in tiefste Aufregung versetzte, da „er alle Menschen auf allen Enden lehrte wider die Nation, wider das Gesetz, wider den Tempel und wider die Beschneidunq" lAvg. 21, 21, 28), wird vors Gericht gestellt, und da er sich als römischer Bürger auf den Kaiser beruft, nach Rom gebracht. Da er hier sein Evangelium unter den Juden verbreiten will, jedoch besorgt, dieselben möchten von Jerusalem aus gegen ihn eingenommen gemacht sein, sich von dort aus förmlich steckbrieflich verfolgt glaubt, läht er die Vorsteher der römischen Judengemeinde zu sich bitten, um sie auszuholen und sie zu seinen aunsten au'fzuklären; sie zu überzeugen, dah alle etwa über ihn einqelaufenen Anklagen falsch seien und dah er ..um Israels Hoffnung willen die Fessel traae". Die jüdischen Vorsteher erwidern ihm aber: „Wir haben weder Schriften empfangen aus Judäa deinethalben, noch ist ein Bruder gekommen, der von dir etwas Arges verkündigt oder gesagt hat. Doch.wollen wir von dir hören, was du hälft: denn von dieser Sekte ist uns kund, dah ihr an allen Enden widersprochen wird" iApg. 28. 17—22). Also, von einer Verfolgung oder Verklagung des Heidenapostels seitens der Juden in Jerusalem keine Spur! Die Juden — und das läht sich unzähligemal aus ihrer Geschichte Nachweisen — wehrten sich wohl mit fanatischem Eifer gegen jeden Eingriff in ihre Religion, kämpften todesmutig, wenn diese bedroht war; war aber die Gefahr abgewebrt, der Erreger derselben entfernt, verfolgt wurde er nicht mehr. Das zeigt denn auch 1>ie Apostelgeschichte überall an Paulus. Wo er auftrat und die Predigt von dem „Ende des Gesetzes" verkündigte, entstand ein Heller Aufruhr: nicht bloh unter den Juden, sondern auch, und noch mehr unter den jüdischen C h r i st e n aus der Gemeinde des Jacobus. Sobald er den Schauplatz verlieh, herrschte vollkommene Ruhe, tiefster Friede, und die Chriftusgemeinde konnte sich ungestört entfalten: „sie hatte Frieden durch ganz Judäa, und Galiläa und Samarien und baute sich" (Apg. 9. 31). So sah sie in Wirklichkeit aus, diese jüdische Verfolgungs- und Verleumdungssucht! Wie aber findet sich Hausrath mit dem eben zitierten römischen Bericht der Apostelgeschichte ab? Einfach genug. Er miht ihm keinen Glauben bei, wie er denn auch sonst nur jene Urkunden für echt hält, die ihm in seine Darftellungsweise passen: „Das", sagt er, „ist freilich völlig unglaublich, dah — die Vorsteher der römischen Judenschaft sollen gesagt Haben, von den Christen sei ihnen nichts weiter bekannt, als dah dieser Sekte überall widersprochen werde" (S. 551). Und wie leichtfertig verurteilt Hausrath auf Grund eines momentanen Ausbruches des Unwillens des Heidenapostels das Judentum der urchristlichen Zeit! Paulus spricht davon, dah die Juden den Vorteil genössen, „dah ihnen vertraut, was Gott geredet": es läge aber nichts daran, dah „Etliche" nicht daran glauben, und fährt dann fort: „Beide, Juden und Griechen, sind alle unter Sünde, wie denn geschrieben steht: „Da ist keiner, der gerecht, auch nicht einer: da ist keiner, der verständig, keiner, der nach Gott fraae" sPs. 14. 1—3). Daran werden noch andere, ähnlich lautende Vsalmworte gereiht. Auf Grund dieser, auf ungläubige Juden und Griechen angewendeten Psalmworte fällt Hausrath folgendes Verdikt über die gesamte Iudenschakt: ,.S o sah es aus im Judentum: das sind die Z uftände hinter den Toren des Ghetto, denn nicht eine Beschreibung der heidnischen Zustände wollen diese Worte sein, sondern das Urteil eines Juden über die Juden auf Grund der Urteile des Gesetzes" iS. 47D. Man ist von solchen willkürlichen Auslegungen und Unterstellungen völlig verblüfft. Man weih nicht, wie man sich zu ihnen stellen, wie man sie gualrfizieren soll. Vaulus spricht ausdrücklich von Juden und Griechen: Hausrath aber weih es besser, dah der Apostel hier die jüdischen und nicht die heidnischen Zustände zeichnet. Und doch spricht Paulus im Eingänge desselben Kapitels von dem Vorzug der Juden und von nur „Etliche n". die dem Worte Gottes keinen Glauben schenken. Einige Kapitel sväter dieses selben Briefes an die Römer gibt derselbe Paulus den Juden „das Zeugnis. dah sie für Gott eifern — aber mit Unverstand" sRöm. 10. 1—2). Das stimmt doch wahrlich schlecht zu dem vernichtenden Urteil, das Hausrath den Heidenapoftel über die gesamte Judenschaft fällen läht. Roch schlechter stimmt es zu dem. was Paulus in dem folgenden Kapitel derselben Epistel von den Juden zu den Heiden svricht, welche letztere er als einen wilden dem edlen Oelbaum aufgepfrooft bezeichnet, von welchem etliche Zweige ausgebrochen seien. „Mit euch Heiden", sagt er. „rede ich. — — Ist der Anbruch heilig, so ist auch der Teig heilig: und so die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Ob nun etliche von den Zweigen ausgebrochen sind, und du, da du ein wilder Oelbaum warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftia worden der Wurzel und des Saftes im Oelbaum, so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmest du dich aber wider sie. so sollst du wissen, dah du die Wurzel nicht träaft, sondern die Wurzel trägt dich. . . ." (Röm. 11, 13—19). Doch, was hilft das alles? Das Judentum ist nach Hausrath einmal die Synagoge des Satans und muh es unter allen Umständen bleiben. Die „Synagoge des Satans"! Das Wort hat die Iohannesapokalypse geprägt, hat die jüdisch-christliche Apokalypse gegen das heidnische Christentum geschleudert, gegen die Nikolaiten und die ihnen verwandten gesetzes-

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