Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 86 De. Blochs Wochenschrift. - Nr. 5 LieWutzHeschäMgungeu, Parteiangehörigkeit. Adresse usw." von zirka 20.000 zeitgenössischen Staatsmännern, höheren Offizieren, Künstlern und Schriftstellern, bedarf zu seiner Empfehlung keiner weiteren Erinnerung, als daß seit.dem Juli 1905 nunmehr bereits die 4. Auflage notwendig geworden ist. Wer irgend in dem literarischen Großbetrieb unserer Tage sich auf dem Laufenden erhalten will, ja jeder Zeitungsleser wird dieses Hilfsmittels kaum noch entraten können. Vor allem der Wiffenschaftler, dem auf Schritt und Tritt Anknüpfungen mit auswärtigen Fachgenossen, Anfragen bei diesem und jenem Fachmann sich als notwendig erweisen, wird in diesem Werk mit Freuden ein interurbanes Adreßbuch begrüßen. Die Form der Selbstbiographie, die der Verlag für dieses Unternehmen gewählt hat, mußte naturgemäß vereinzelt Selbstüberschätzungen bis zur Karikatur zutage fördern. Im Großen und Ganzen hat sie sich aber doch mit besten Erfolg bewährt. P. L. Ottruamt B., Die Eroberung des Erdballs. W. Spemann, Berlin und Stuttgart. S. 422. Mk. 6.—. In dem Maße, wie unser Erdball mehr und mehr entschleiert wurde, ist auch die geographische Literatur ins Ungeheuere angewachsen. Selbst dem Fachmanne fällt es schwer, in der kaum übersehbaren Menge der Reisebücher das, was er gerade braucht, zu finden, wie viel mehr dem Laien, dem der geschulte Blick für das Wesentliche fehlt. In diesem Werke ist alles Wichtige und Interessante aus der Literatur der Entdeckungen und großen Reisen ausgezogen und übersichtlich zusammengetragen. Die Ausstattung ist, wie bei dem rühmlichst bekannten Verlage gewohnt, prächtig. Das Buch ist besonders als Jugendlektüre warm zu empfehlen. P. Hewmamt K., Mittelalterliche Volksspiele in den thüringisch-sächsischen Landen. (Neujahrsblätter. Herausgegeben von der historischen Kommission für die Provinz Sachsen. Nr. 32.) Halle a. S. Otto Hendel. 1908. 57 S. Eine mustergiltige Monographie. Daß auch die Erzählungen der Bibel für die Tafelrunden herangezogen wurden (S. 25), ist erklärlich. E. Wher. Dramatisches Fragment in zwei Aufzügen von Franz Grillparzer. Um drei Aufzüge vermehrt von S. Vineta. Das bekannte Fragment Grillparzers, das in der Pracht seiner Sprache und dem Reichtum seiner Bilder lebhaft an die Schule des Lope de Vega erinnert, liegt um drei Aufzüge vermehrt, von einem Herrn Vineta, vor uns. Wenn selbst nichts am Merkchen, so wäre doch der Mut zu loben, mit der ein bisher unbekannter Name sich an ein Beginnen von solcher Kühnheit wagt. Denn die beiden vorhandenen Aufzüge laffen keinesfalls den eigentlichen Gang der Handlung, klar erkennen und der Vollender steht vor der großen Schwierigkeit, aus zwei Akten, die noch nicht einmal zur Höhe des Konfliktes führen, die Handlung erst zu schaffen und zu Ende zu sühren, und zwar so, daß ein einheitliches Ganzes aus Original und Vollendung entsteht. Wenn dies nun auch dem Verfasser nicht wirklich gelungen ist und die Entwicklung technische Mängel und verschiedene Naivetäten aufweist, so soll doch sein redliches Bestreben und eine gewiffe talentvolle Glattheit der Sprache nicht unterschätzt werden. Würde doch eine weit ausgesprochenere und stärkere Begabung an der Größe dieser Aufgabe zerschellen. , Ganz besonders matt ist jedoch der fünfte Aufzug geraten, der nicht nur die besondere Schwäche technischen Unvermögens zeigt, sondern dessen Sprache auch jene Kraft- und Farblosigkeit hat, die, im Anschlüsse an der vollendeten Schönheit des Fragmentes, geradezu banal wirkt. ES gehört übrigens auch nicht einmal dramatische Routine dazu, um zu empfinden, daß es nicht angeht, den bewegtesten Teil der Handlung und den Schluß in 3*/2 Druckseiten zusammenzupressen. Hingegen zeigt der Verfaffer ein ausgesprochen episches Talent, eitte bemerkenswerte Reinheit der Verse und ein kultiviertes Formgeföhl. Dies genügt natürlich nicht, um eine Arbeit von solcher Schwierigkeit und solchen Ansprüchen zu bewältigen. Herr Vineta täte gut daran, sich fernerhin nur an solche Aufgaben zu wagen, die der Größe seiner Begabung entsprechen. Und je mehr er den Kreis seines Wollens verkleinern wird, umso größer wird der seines Könnens sein. Denn er gehört zu denen, bei denen weniger mehr ist. Thekla B l e ch-M e r w i n. Ladeuvttrg A., Naturwissenschaftliche Vorträge, Leipzig, Akadem. Verlagsgesellschaft 1908. S. 264. Unter den hier zusammengefaßten Vorträgen des bekannten Breslauer Chemikers findet sich auch die seinerzeit so viel besprochene Kasseler Rede „Ueber den Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung" (21. September 1903). Wieder lesen wir da von den Griechen: „Sie waren das auserlesene Volk der Erde und doch haben sie nie einen JHVH gekannt!" „Das Alte Testament ist das Werk phantasiereicher Menschen" usw. Der Rede ist nunmehr ein interessanter „Epilog" beigefügt, in dem L. das Martyrium schildert, das ihm der Kaffeler Vortrag eingetragen habe. „Daß ich, der nicht als Christ geboren, so gewagt hatte, das Christentum anzugreifen, sei eine unerlaubte Taktlosigkeit" usw. Von den übrigen lehrreichen Vorträgen sei als für die Allgemeinheit besonders von Belang der „über die vier Elemente deis Aristoteles" hervorgehoben. x. Swett Marden, Wille und Erfolg. Deutsch v. Elise Bake-Kohlhammer, Stuttgart und Berlin 1909. 168 S. Wer sein Kind in die Welt hinausschickt, kann ihm kein besseres Vademekum für das praktische Leben mitgeben als dieses Büchlein, das ohne jede Frage anch in der deutschen Uebersetzung dieselbe Wirkung auf die breitesten Schichten üben wird, wie im englische» Original in seinem Geburtsland Amerika. Daß das Alte Testament zu seinem Rechte kommt, überrascht bei einem englisch geschriebenen Buche nicht. Aber auch die Sprüche der Väter, R. Jochanan b. Sakkäi mit seinen fünf Schülern wird, freilich als „ein alter Professor", zitiert (S. 45). Unter anderen zahllosen Biographien wird auw die Rothschilds herangezogen (S. 76). M. D'Albou, So ist unser Kaiser, 2. Aufl., Wien 1906, G. Szelinski. Kart. X 2.—. Die treffliche Sammlung charakteristischer Ausschnitte aus dem Leben unseres Kaffers, die von seiner Leutseligkett Zeugnis oblegen, erscheint hier zur rechten Stunde nach langen Jahren in erneuter Auflage. Der alte Hausfreund bedarf keiner weiteren Empfehlung. x. Rene C., Kaiser Franz Joseph I., Berlin, Al. Duncker, 1908. 72 S. Mit 2 Porträts des Kaisers. Mk. 2.—. Ein „kgl. preuß. geheimer Hofrat" schildert hier den Charakter unseres Kaisers, wie der beste österreichische Patriot es nicht wärmer und begeisterter tun könnte. Eine Fälle kleiner liebenswürdiger Züge schließen sich zu einem Bilde zusammen, das diesem Schriftchen in unserer Geschenkliteratur einen dauernden Platz sichern sollte. x. Mohaffy R. P., Francis Joseph I. His Life and Times. London Duckworth and Co. 1908, p. 252. In der gesamten Jubiläumsliteratur dieses Jahres dürfte sich kaum ein Werk an Gründlichkeit und Objektivität mit diesem messen können. Friedjungs Arbeiten. Elsenmanns Le Compromis Austro- Hongrois, Miß Arnold Försters Life of Francis Deäk, EheravameS L’Autriche u. a. grundlegende Werke ergänzt der Verfaffer durch eigene in Oesterreich und besonders in Ungarn gewonnene Eindrücke zu einem wirklich künstlerisch anschaulichen Gemälde der Negierungszeit unseres Kaisers. Den neuesten Vorgängen auf dem Balkan ist ein Anhang gewidmet. Der Juden geschieht Erwähnung (S. 175), wo von den nationalen Verhältnissen in Prag die Rede ist und S. 203 bei Erörterung der Zivilehe in Ungarn. x. Waldmuth, W. L. v., Durch die moderne Wissenschaft zu Gott W. Braumüller, Wien und Leipzig 1908. 31 S. K —.60. Ein treuer Katholik ringt sich hier durch alle Zweifel, die dem Dogmengläubigen aus der Beschäftigung mit der modernen Wiffenschaft aufsteigen, zur klaren Erkenntnis eines persönlichen, rein geistigen, ewigen, barmherzigen, allgegenwärtigen und allmächtigen Gottes durch. Sehr lesenswert. J. F. Mainz I M., Die Bedeutung der Sochor-Feier. Frankfurt a. M. Sänger und Friedberg. 14 S. Die Gründe dieses Brauches sind nach dem Verfasser: 1. Die offene Freude wegen der Geburt eines Knaben. 2. Die Auffassung des Neugeborenen als Korban. 3. Der Ausdruck der Teilnahme wegen des Verlustes des paradiesischen Aufenthaltes vor der Geburt und 4-. die Betonung der Zugehörigkeit zur nationalen Gesamtheit. Solche Einzelschriften über unsere alten sinnigen Bräuche verdienen besonders warme Aufnahme. ' M. Dreyfuß I. H , Sermons et Allocations, I. Serie, Paris, Durlacher 1908. 347. Die Predigten des bekannten Pariser Großrabbiners habe» zum Teil, wie erklärlich, historische Bedeutung. So die Rede bei der Grabsteinsetzung für den einstigen Großrabbiner von Frankreich Isidore und Trauerreden auf deffen Nachfolger, den unvergeßlichen Zadoc Kahn, sowie auf den Präsidenten Csrnot. Einen Häuptgegenstand der durch Inhalt und Form bemerkenswerten Reden bildet die Kindererziehung. S. 271 wird die Vergleichung des jüdischen und französischen Geistes behandelt, ein Gegenstand, der unseren Jellinek so oft beschäftigt hat. 1. A. Theater. »IIn 6 8 an 6 toikef«», das im „Hotel Stephanie" in der Taborstraße 12 aufgeführt wird, ist eines der minderen Werke des Meisters Abraham G o l d f a d e n. (?) In drei Akten wird ein Stück jüdischer Geschichte aufgerollt. Wir sehen die Verfolgung der Juden in Mainz, den alten Rabbi Amnon, von Herrn R e i s m a n n trefflich dargestellt, der im Kerker das von ihm verfaßte Gebet »Unesane toikef« singt. Nach manchen Folterqualen durch den grausen Feodor (Hr. Fessel) wird dem Rabbi und seiner Tochter von der Fürstin (Fr. Salcia W e i n b e r g) das Leben geschenkt, die die schönen Schlußworte spricht: „Von heute ab höre jeder Unterschied zwischen Christ und Jude auf!" Alle Darsteller gaben sich redliche Mühe; störend wirkt nur im jüdischen Stücke die deutsche Sprache, die den Schauspielern sichtlich schwer fällt. Der immerhin bemerkenswerte musikalische Teil reicht an die großen Schöpfungen Goldfadens'keineswegs heran. Vor der Aufführung wurden verschieden - artige Kouplets gesungen, von denen die Glanzleistung des Herrn Podzamcze als „alte Jüdin" nicht unerwähnt bleiben soll. fl