Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 5 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 85 freut gewesen, daß er sich nicht enthalten tonnte, ihn mit dem alten jüdischen Gruße zu begrüßen. Die beiden hatten bald Freundschaft geschlossen, und von da ab ging die Wanderung zu Zweien. Sie gingen von Malmö nach Christianstadt, von dort nach Gutenburg und kamen schließlich nach Stockholm. Ueberall wo Ahron Isak auftauchte, wurde er anfangs wegen seiner Meisterschaft in der Steinmetzkunst freundlich ausgenommen, mit Arbeiten überhäuft, aber von überall wurde er, nachdem er seine Arbeit vollendet hatte, wieder ausgewiesen. In Stockholm ist Ahron Isak im Juli des Jahres 1774 angekommen. Am Tage nach seiner Ankunft ging Ahron Isak zum Statthalter, an den er gleichfalls ein Schreiben hatte. Als Isak die Frage des Statthalters, ob er Jude sei, bejahte, meinte dieser, daß es wohl schwer gehen werde, längere Zeit in Stockholm zu bleiben, da hier bisher noch niemals ein Jude gewohnt hatte. Nichtsdestoweniger versprach ihm der Statthalter, sich seiner anzunehmen, schon deshalb, weil er Künstler sei in einem Fache, das in Schweden noch selten war. Kaum hatte Ahron Isak diese Zusicherung des Statthalters, schrieb er sofort an seinen Bruder Mordechai, er möge sobald als möglich gleichfalls nach Stockholm kommen. Unterdessen wurde Isak vom Statthalter einem Stockholmer Advokaten empfohlen, der ihm ein Gesuch um die Wohnbewilligung verfaßte. Vorläufig erhielt er eine interimistische Aufenthaltsbewilligung auf vier Wochen. Ahron Isak begab sich mit dem Gesuche zum König selbst, an den er, wie erwähnt, ein Empfehlungsschreiben hatte. Isak hatte Glück. Er wurde vom König gnädig ausgenommen, die Mitglieder der königlichen Familie machten bei dem jüdischen Künstler große Bestellungen und waren von deren kunstvoller Ausführung entzückt. Ahron Isak ließ die vier Wochen, für welche seine Aufenthaltsbewilligung gelautet hatte, nicht unbenützt vorübergehen. Es gelang ihm, die Bekanntschaft des Direktors des Münzamtes zu machen, der mit ihm einen Vertrag wegen Lieferung verschiedener dorten Gold und Silber aus Mecklenburg abschloß. Nach Ablauf der ersten vier Wochen wurde die Aufonthaltsbewilligung auf weitere vier Wochen verlängert. Schließlich erhielt Ahron Isak den Beschluß der Stadtbehörde auf sein Gesuch, welches der König selbst an die städtische Behörde leiten ließ. Der Beschluß lautete kurz: „Mit Rücksicht darauf, daß Ahron Isak Jude und noch dazu ein Schwindler ist, wird er angewiesen, Schweden sofort zu verlassen." Der Beschluß trug die Unterschrift des Statthalters der ihm persönlich die Zusage gemacht hatte, sich dafür einzusetzen, daß er in Stockholm bleiben könne. In Heller Verzweiflung über den so jähen Zusammenbruch aller seiner Pläne rannte Ahron Isak zum Statthalter, der ihm schließlich eine neuerliche Aufenthaltsbewilligung auf die Dauer von vier Wochen ausstellte und ihm riet, einen zweiten Beschluß abzuwarten. Der zweite Beschluß lautete nicht viel verheißungsvoller: „In Anbetracht dessen, daß Ahron Isak ein guter Graveur, ein Künstler in seinem Fache ist, wird ihm durch die Gnade des Königs gestaltet in Schweden zu wohnen, jedoch unter der einen Bedingung, daß er den christlichen Glauben annimmt." Niedergeschlagen begab sich Isak abermals zum Statthalter. Dieser erriet seine Gedanken, nahm aus seinem Bücherschrank das Gesetzbuch und las dem bestürzten Juden die folgenden Stellen aus dem schwedischen Gesetze vor: „Kein Jude darf in Schweden wohnen. Ware kaufen oder verkaufen." „Führt ein Schiff einen Juden an Bord und dieses Schiff wird in der Nähe einer schwedischen Küste beschädigt, so muß das Schiff so rasch als möglich repariert werden, damit es so rasch als möglich den Juden aus dem Lande weiter führe." „Wird ein Jude auf seiner Durchreise in Schweden krank, so sollen ihm die besten Aerzte und die teuersten Medikamente gesandt werden, damit er rasch gesund werde und das Land verlassen könne." Ahron Isak hörte diesem Privatissimum über das schwedische Gesetz wortlos zu. Schließlich sagte er. kurz entschlossen: „Mir ist es also nicht vergönnt, in Schweden bleiben zu können. Meinen Glauben werde ich nicht ändern." Einige Tage später wurde Ahron Isak wieder zum Statthalter berufen, der ihn mit einem Briefe an den Staatssekretär von Helandt wies. Dieser empfing Isak sehr ungnädig. Er drohte, ihm Stockstreiche applizieren zu lassen und befahl ihm, die Stadt sofort zu verlassen, weil er ihn sonst in Ketten schmieden lassen würde, wie es so einem verstockten Juden gebühre. Ahron Isak blieb jedoch fest. Er war entschlossen, nach Ablauf seiner Aufenthaltsbewilligung Schweden zu verlassen, als er einige Tage vorher abermals zum Staatssekretär berufen wurde. Diesmal wurde ihm endlich die Mitteilung gemacht, der König habe ihm in besonderer Gnade erlaubt, sich in Stockholm niederzulassen. Ahron Isak stand am königlichen Hofe in so hoher Gunst, daß er bald darauf auch für seinen Bruder Mordechai und dem Silberhändler Abraham Pak mit deren Familien das Wohnrecht erwirkte. Das waren die ersten Juden in Schweden. Literatur. Adler C£., Jews in the Diplomatie Correspondence of the United States (Publications of the Americ. Jew. Hist. Society Number 15) 1906 (Bloeh Publishing Co., New- York). Ein Vortrag A.'s ist hier mit sämtlichen Belegen in erweiterter Form erschienen. Von 1840 (Damaskus) bis Kiichineff sehen wir die Regierung der Bereinigten Staaten in der Türkei, in der Schweiz, in Marokko, Rumänien, Rußland und Persien, selbst dann, wenn ihre jüdischen Untertanen gar nicht in Betracht kommen, aus rein humanitären Motiven der verfolgten Juden sich annehmen. Roosevelt und der leider verstorbene John Hay erscheinen in diesem „Schwarzbuch" als würdige Fortsetzer einer alten ehrenwerten Tradition. x Bach I. Dr., Direktor des bischöflichen Gymnasiums zu Straßburg i. E. Die Zeit- und Festrechnung der Juden Nebst einem immerwährenden Kalender. Freiburg i. B Herder. 1908. 48 S. K 2.40. Der Verfasser will in dieser gründlichen Arbeit eine Ergänzung zu feiner „Osterberechnung" (1907 im selben Verlag) liefern. Mit erfreulicher Klarheit wird zunächst der Laie mit der Theorie der jüdischen Festzeitberechnung bekannt gemacht. Von ihren Vorgängern unterscheidet sich die Arbeit dadurch, daß sie die Gaußst'che Formel für die Pafsahbestimmung für den praktischen Gebrauch einfacher und handlicher gestaltet. Es wird der Beweis erbracht, daß der jüdische Kalender kein „willkürliches Gebilde", sondern „im Gegenteil ein ganz natürliches, auf der genauen Beachtung der Bewegungszeit des Mondes und der Erde und der Einführung der Woche aufgebautes Gebilde ist". Die Tabellen zur Umrechnung christlicher in jüdische Daten und umgekehrt u. f. w. erweisen sich als durchaus praktisch und zuverlässig. II. Degener H. A. L., Wer ist's? IV. Ausgabe. Leipzig, H. A. L- Degener, 1909. S. 1626. Mk. 12.50. Dieses „Zeitgenossen-Lexikon", enthaltend: Biographien nedst Bibliographien, Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Werke,