Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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?s r. Seite so Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 5 zögernd und beschämt einzugestehen: „Ja, wir müssen es lernen" — oft mit einem Stoßseufzer. Nie hörte ich: ich lerne es gern!" — Und deutlicher als das knappe Wort sprachen die Mienen. — Also sie „lernen". Aber wie —? Nur ein Beispiel. In Berlin führte einmal ein tüchtiger, braver gebildeter Kaufmann W. seinen etwa sechzehnjährigen Sohn zu mir, um mir in gerechtem Vaterstolz zu zeigen, wie herrlich sein Sohn das Hebräische lesen könne; ich legte dem Jüngling meine Bibel hin, schlug eine leichtere Stelle aus der Genefis auf und er las; las fließend und völlig korrekt. Der Vater strahlte. „Nun?" ftagte ich, und was heißt das?" — Der Jüngling sah mich groß an, ganz erstaunt. Ja — das weiß ich nicht." Ich fürchte, er ist ein Typus für Tausende . . . und dazu das mühsame Erlernen? die Verschwendung an Zeit, Kraft, Jugendelastizität? Ist es nicht eine Entweihung der heiligen Sprache ein solches „Erlernen?" Darum überlasse man sie den Gelehrten, aber das einfache jüdische Menschenkind quäle man nicht mit etwas, das heutzutage nur etwas Erkünsteltes, Erzwungenes sein kann. Wie viel echter das Beten in der Muttersprache! und wenn eine große Freude oder ein tiefer Schmerz, eine furchtbare Angst oder eine bittere Reue uns vor den Ewigen mit elementarer Gewalt auf die Knie wirft und wir händeringend zu ihm beten — werden wir da hebräisch beten? Nein, wir werden in unserer Muttersprache beten und dieses Gebet ist religiös. Also Religiosität kommt aus der Seele und nicht aus dem Gedächtnis. Zu Ihrer Nachschrift, hochgeehrter Herr Doktor, möchte ich auch ein Wort hinzufügen, aber es wird für heute wohl ohnehin des Guten zu viel geworden sein für den knappen Raum Ihrer Spalten. Gestatten Sie es mir für ein anderes Mal? Die Frage des Zusammenhanges in der Gesamtheit der Juden ist hochwichtig, es wäre gut, wenn sie offen beleuchtet würde. Verzeihen Sie mir Laien, daß ich offen sprach, aber mich entschuldigt meine Liebe zum Judentum. Nicht wahr? In herzlicher Hochachtung Ihre Nahida Lazarus. Der konfessionelle Kataster der bosnischen Inden. ■■stsnm Es scheint, daß trotz der Zusage des gemeinsamen Finanzministers an die anläßlich des Regierungsjubilaums des Kaisers in Wien erschienene Deputation der bosnischen Juden, auch den Juden eine offizielle Vertretung im bosnischen Landtage zu sichern, diese bei Feststellung der konfessionellen Kurien vollständig leer ausgehen sollen. Baron Burian hat sich nämlich dem Korrespondenten des „Pester Lloyd" gegenüber über diese Angelegenheit wie folgt geäußert: „Es ist in Aussicht genommen, daß, den eigentümlichen Verhältnissen des Landes entsprechend, ein konfessioneller Kataster — ähnlich wie in Mähren ein nationaler Kataster — angelegt und auf dieser Grundlage konfeffionelle Kurien in den Vertretungskörpern geschaffen werden: eine katholische, eine orthodoxe und eine mohammedanische Kurie." Man sieht, Baron Burian vergißt konsequent, daß in Bosnien auch Juden leben und daß auch die Berücksichtigung der Wünsche dieser Konfession wiederholt — versprochen wurde. fma&fC.- - r c js? - '« - “ ~ "=■■«?: ■•■.■it-w® Bon Edom uach^Moab,^uralte Wege und Siedlungen im Lichte zeitgemäßer Kultur- und Kolonisationsaufgaben. Dieses Thema besprach Herr Maler A. L. Mielich- Mielich Hofer in der am 11. d. M. im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines stattgehabten Plenarversammlung des Jüdischen Kolonisationsvereines. Der bekannte Künstler hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, auf seiner Forschungsreise die alten Stätten einer tausendjährigen Kultur aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Redner schilderte uns anschaulich und mit großer Begeisterung die Landstriche südlich und östlich vom toten Meere, die Landteile Edom und Moab, welche Moses mit dem Volke Israel durchstreifte, um das gelobte Land zu erobern. Warum, fragt Redner, wählte Moses den weiteren und beschwerlicheren Weg, wenn es ihm doch zweifellos gelungen wäre, in das Land Kanaan von Westen aus einzudringen? Der größte Religionsstister aller Zeiten war fich der Größe der Aufgabe, welche seines Volkes harrte, wohl bewußt. Zur Lösung dieser Aufgabe brauchte er große Menschen, ein Heldengeschlecht. Er selbst hatte sich in der Wüste gestählt, in der Einsamkeit und Erhabenheit derselben hat er Kraft und Mut zu seinem Werke gesammelt. Dessen eingedenk und der Wirkung wohl bewußt, die die Wüste auf den Menschen ausübt, führte er sein Volk dorthin, um es für seine schwere Aufgabe zu erziehen. Denn was der Aufenthalt in der Wüste für den Menschen bedeutet, für die Kräftigung von Körper und Seele, erhellt aus dem Umstand, daß Europäer, wie Redner von sich erzählt, sich dort bei den größten Strapazen, ohne jede Bequemlichkeit, bei furchtbarem Wassermangel außerordentlich wohl fühlen. Wüstenbewohner waren es, die unter Mohammeds Leitung eine Welt eroberten. Die Erhabenheit der Wüste wirkt Wunder, neben ihrer Größe ist das Meer klein und armselig, sie ist das Sanatorium der Zukunft. Redner empfiehlt mit Wärme, die an die Wüste angrenzenden Landstriche Edom und Moab zu erforschen, da der Forscher nicht nur lohnender Erfolg, sondern höchster Ruhm harrt. Jene Stätten tausendjähriger Kultur wie überhaupt das Land östlich vom Jordan, das einst weit dichter bevölkert war als das Westjordanland, sind kostbare Forschungsgebiete und für die Kolonisation weit geeigneter als die Gegenden am westlichen Ufer des Flusses. Wenn wir in diesen Gegenden Fuß fassen und Schritt für Schritt den längeren, aber sicheren Weg in das gelobte Land ziehen, so versichert Redner, werden wir dauernde Werte schaffen, Werte, wie sie der menschliche Geist jetzt ermeffen kann. .An einer großen Anzahl eigener Aufnahmen zeigte Herr Maler M i e l i ch-M ielich Hofer durch ein Skioptikon das oben Geschilderte. Der Vortrag und die Illustrationen wurden mit Beifall ausgenommen. Der Vortrag wird mit den Bildern als Broschüre im Druck erscheinen und den Vereinsmitgliedern zugestellt werden. Dr. Leopold Kahn. Allgemeine Teilnahme erregt das Plötzliche Hinscheiden Dr. Leopold Kahns, welcher Freitag den 22. d. M. nachts einem Schlaganfalle erlegen ist. Der Heimgegangene zählte zu den intimsten Freunden und Beratern Theodor Herzls, somit zu den Begründern der zionistischen Partei. Er war sein juristischer Vertreter in allen politischen Angelegenheiten, der Begleiter auf seinen Reisen und Theodor H e r z l schätzte ihn besonders darum, weil er der einzige in seinem engeren Kreise war, welcher ein außerordentliches Maß von jüdischem Wiffen, von Kenntnissen in jüdischer Geschichte und Literatur mit moderner Bildung vereinigte. Leopold Kahn nahm auch deswegen an allen Organisationsarbeiten der zionistischen Partei regen Anteil und war, solange Theodor H e r z l lebte, ein leitendes Mitglied des großen Aktionskomitees. Die Wandlungen vielfacher Art, welche dieAeitung'^der zionistischen Partei speziell in Wien erfahren hat, brachten es mit sich, daß die alten. Freunde Theodor H e r z l s^ nacheinander aus der Partei hinausgedrängt wurden und jungen Leuten, die „von des Gedankens Blässe^nicht angekränkelt" waren, PlatzAmachen mußten. Im Schatten der Männer aus der Umgebung Herzls fühlten fich die neuen „Führer" unbehaglich und so bemühte man sich denn, diese Männer recht weit der „Partei" fernzuhalten. So wurden nacheinander Johann Kremenetzky, BauratAOskar- Marmore k, Dr. Schnürer, Direktor Dr. Krenberger und so wurde auch Dr. Leopold Kahn in Acht und Bann erklärt