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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 De. Blochs Wochenschrift. Seite 79 Ebenso wurde von den siegreichen Stämmen der israelitische Staat als ein Großreich angesehen, welches die Bestimmung hatte, die ihm zugrunde liegende monotheistische Idee in die weitesten Kreise zu verbreiten. Zur Richterzeit war selbstverständlich die Stelle des Volksführers an keine Familie gebunden. Die Richter gingen aus allen Stämmen hervor:. »bw» wL' o'oawn baö heißt es im Midrasch Tadsche. Aber selbst das Königtum, welches sogar ein erbliches war, wurde unter zweierlei Voraussetzungen verliehen. Die eine war eine religiöse, die andere eine politische. Die Religion stellte an den König die Forderung, ihre Lehren und Gebote, den Monotheismus und seine Ausstrahlungen, als Grundlagen seiner Herrschaft anzusehen und dieselben, wie es ihre Naturbeschaffenheit bedingte, nach Möglichkeit unter den nichtisraelitischen Völkern zu propagieren. Das Volk verlangte von ihm, daß er seine Macht vergrößere, die benachbarten Staaten unterwerfe, des Reiches Grenzen erweitere. Schon als Josua als Führer eingesetzt wurde, rief ihm das Volk zu: „Wie wir Moses gehorcht haben, so werden wir dir gehorchen, aber der Ewige Dein Gott muß mit Dir sein, wie er mit Moses war." (Josua 117.) D. h. nur, wenn er ähnhliche, glänzende Erfolge wie sein Vorgänger aufweisen wird, wird ihm die Führerschaft verbleiben, im entgegengesetzten Falle wird sie ihm entzogen werden. An David ergeht das Wort Gottes: Wenn deine Kinder ihren Weg beobachten werden, vor mir zu wandeln in Treue mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele, so wird Keiner von ihnen entrückt werden vom Throne Israels." (I. Könige 1, 4.) Unter den 3 Gütern, die bedingungsweise verliehen wurden, zählt die mündliche Ueberlieferung das Königtum des Hauses Davids auf. -ni rra ri'obai p-ara "rr -run bv wo nnan (Mechilta, Jalkut Schimoni II. C. 170.) Und selbst unter den glorreichen Negierungen Davids uud Salomons traten Kronprätendenten auf, weil man ihre Erfolge als noch nicht genügende ansah. Im Allgemeinen galt der Grundsatz, daß ein Jeder im Volke, wenn er sonst die erforderlichen Fähigkeiten besitzt, König werden kann. Die mündliche Ueberlieferung erklärt ausdrücklich: „Wenn ein König stirbt, so kann ein jeder Mann in Israel zum König gewählt werden." vnnv' bn nar (Aboda sara 13.) Die letzten judäischen Könige, welche nur Niederlagen zu verzeichnen hatten, hatten nach der Ansicht des Volkes das Recht auf die Krone längst verwirkt. Ein Herrscher, unter dessen Regierung das judäische Gebiet nicht nur nicht erweitert, sondern Einbuße erlitt und verkleinert wurde, war trotz seiner königlichen Abstammung nach der seit Begründung des Staates feststehenden öffentlichen Meinung, in welcher allein das allgemeine Staatsbewußtsein zum Ausdrucke kam, direkt ein Usurpator des Thrones, der sich nur durch Anwendung von Gewalt behaupten konnte. Durch das Anhängen an den Götzendienst und durch die Abwendung vom Monotheismus und seinem Kultus ist ihnen nach dem Ausspruch der Religion der Rechtsboden unter den Füßen entzogen worden. Das Ansehen der letzten Könige war daher beim Volke tief gesunken. Das Volk stand denselben teilnahmslos, wenn nicht gar gehässig gegenüber. Das Unglück, welches über das Vaterland hereinbrach, schrieb man in allererster Linie ihrer schlechten Führung zu. Die Katastrophe erschütterte alle Herzen, aber das traurige Schicksal der Dynastie ließ alle kalt und gleichgültig. Ein Name nur glänzte noch durch die allgemeine Finsternis, das war der Name David. Wenn daher ein Prätendent auftrat, der auf die Sympathie des Volkes und auf politische Erfolge hoffen konnte, so mußteer seine Bestrebungen an die des Dynastiebegründers anknüpfen. Es ist daher erklärlich. daß Serubabel David als sein Ideal ansah, daß er ihn, den großen Eroberer, den begeisterten Monotheisten, den Mehrer des Reiches, den streitbaren Helden und Verbreiter der monotheistischen Religionslehren, den Fürsten, der alle Stämme zu einem politischen Ganzen vereinigte, in allen seinen Taten sich zum Vorbilde wählte. Ja, Serubabel wollte ein zweiter David sein. Er strebte daher, alle seine Taten nachzuahmen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen- Wien. Von der verehrten Frau Geh. Regierungsrat Nahida Lazarus erhalten wir folgende Zuschrift: Hochgeehrter Herr Doktor! Darf ich zu der anonymen Zuschrift (Entgegnung auf die Bemerkung des Herrn Dr. Hoff, die hebräische Sprache betreffend) in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Wochenschrift auch meine Meinung sagen? Sie wissen welche Verehrerin des Judentums ich bin, wie ich als reife Frau die hebräische Sprache erlernte, um die Bibel im Originaltext lesen zu können; ich weiß, welche Schwierigkeiten sie bietet, welche Hingebung und Ausdauer sie erfordert; aber meiner Ansicht nach hat nur dann das Erlernen einen Zweck, wenn man das Hebräische in der Tat b eherrscht. — Wie es damit steht, davon nachher ein Beispiel. Anknüpfend an obenerwähnte Zuschrift, nur so viel: Seit Jahren beobachte ich die mannigfaltigen Erscheinungen des Jndifferentismus, der Abtrünnigkeit innerhalb der Judenheit mit steigender banger Betrübnis. Auch die vielen Erörterungen der Gründe studiere ich mit Bedacht. Es hat sich mir indeffen mit der Zeit die Ueberzeugung immer mehr aufgegedrängt und befestigt, daß zu den wichtigsten Heilmitteln dieser krankhaften Erscheinung der Gleichgültigkeit und des Abfalles die Erleichterung gehört, die Erleichterung im Religionsunterricht (von anderen traditionellen Gebräuchen und Forderungen der Orthodoxie rede ich hier nicht, es würde viel zu weit führen). Und zum dritten Mal: Erleichterung, und nicht Erschwerung. (Unsere alten Talmudisten liebten sie — nicht die ältesten, die alten, aber wir sind moderne Menschen mit neuen Bedürfniffen und Idealen.) Also nicht Erschwerung des ohnehin über Gebühr belasteten Schulkindes. Deshalb unterzeichne ich jeden Satz des warmherzigen Anonymus, besonders jenen, daß die Religiosität unabhängig sei von der Erlernung des Hebräischen. Und auf Religiosität kommt es an. — Ich weiß, das Hebräische ist die „heilige Sprache". Aber wie wurde sie früher gelernt und wie jetzt? Früher wurde sie dem jüdischen Knaben gewissermaßen von der Mutterbrust an zu eigen gemacht. Mein Mann Moritz Lazarus erzählte, wie er als zweijähriges Kind schon in den finsteren Morgenstunden eines strengen Winters von seinem gelehrten Onkel aus dem Bette geholt und unter dem Hauspelz an der Brust wohlverwahrt hinunter getragen wurde in das Studierzimmer seines Vaters, wo beide Männer eifrig dem Talmudstudium oblagen. Sollte etwa der Zweijährige daran teilnehmen? Nein, er sollte aber das Ohr an die Laute gewöhnen und bereits einzelne Worte lernen; und das geschah, er lernte hebräische Worte, ehe er deutsche lernte. Die heilige Sprache ging ihm gewissermaßen unbewußt in Fleisch und Blut über, in Herz und Nerven. Aber heute? — — Heute lernen die Knaben zu all dem Wisiensballast auch noch obendrein als schwerste Aufgabe das Hebräisch; sie lernen es zwangsweise, als etwas Notgedrungenes, Pflichtmäßiges, durchschnittlich mit innerem Widerstreben. (Ich spreche allerdings nur von Mitteleuropa.) Ich darf diese Behauptung aufstellen, ich schöpfe sie aus der Erfahrung. In Berlin, in Wien, in Holland, Italien, Baden usw. habe ich Gelegenheit genommen, Kinder zu befragen und zu prüfen und sie hatten alle Zutrauen und Redlichkeit genug, mir offenherzig oder auch

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