Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 78 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 5 einen seiner Ahnen, der denselben Namen führte, auf König Hiskia übertragen. In Sauhedrin, S. 94 a, heißt es: Gott wollte den Hiskia zum Messias machen, da sprach die Gerechtigkeit zu ihm, siehe David, der doch so viele Loblieder dir gesungen hat, hast du nicht zum Messias gemacht und Hiskia, der trotz deiner Wunder keine Loblieder angestimmt hat, willst Du zum Messias machen?" 'ZsS pn 7N2 me« N'L>!2 .TpTflS fll»pS .T3pn Vp'3 ninaisw nn*» nea neK» SrriV» ]Sö in nai ywm ,rapn narr rrSi Mn d’djh Sa iS nnw* .Tpm nwa inwy ab *paS .N'Vv NVpn *psS nv» Vieles deutet darauf hin, daß Serubabel sich als einen echten Nachfolger Davids, als den erwarteten Messias ansah. Er fühlte sich deshalb berufen, all das zu vollbringen, was von dem geweissagten Gesalbten erhofft wurde. In allererster Linie schwebte ihm die Wiederherstellung einer wirklichen, starken, selbständigen Macht als ein ihm von der Vorsehung vorgezeichnetes Ziel vor. Denn das judäische Reich, dessen Wiedererstehung die Propheten verkündet haben, soll ein Weltreich sein, ausgestaltet mit allen Merkmalen von Macht, Gewalt und Herrlichkeit. Denn ein großes, weitreichendes Imperium ins Leben zu rufen, war das Ideal der hebräischen Stämme, welche von der Sinai-Halbinsel in die palästinensischen Gebiete siegreich eindrangen. Die Universalherrschaft ist feierlich im fünften Buche Mosis (C. 26, 17—19 und C. 15, 6) angekündigt: „Den Ewigen deinen Gott hast du heute anerkannt, daß du in seinen Wegen wandelst, zu beobachten seine Satzungen und fitne Vorschriften und seiner Stimme zu gehorchen. Und der Ewige hat dich heute anerkannt, daß du ihm ein Volk des Eigentums bist, wie er zu dir geredet hat. Und er wird dich machen zum Höchsten über alle Völker, die er erschaffen hat, zum Ruhm und Herrlichkeit." h nw nvrr n^n Sa Sy p-Sy -jnnSi „Und du wirst über viele Völker herrschen und sie werden über dich nicht herrschen." Wie den anderen semitischen Völkern, welche in dem vorderen Orient Großreiche gründeten, je eine Idee als Rechtsbasis für ihr Bestreben zugrunde lag. weshalb sie den Anspruch erheben, über alle anderen Nationen zu gebieten, um ihnen die Wohltaten, die aus dieser Idee hervorgehen, zuteil werden zu lassen, so war dieses bei den hebräischen Stämmen ebenfalls der Fall. Der Rechtsanspruch des altbabylonischen und chaldäischen Reiches war das ihnen zugrunde liegende Ideal der Kultur, der des assyrischen das Ideal soldatischer Tugenden, der des persischen die Gerechtigkeit. Der Rechtstitel der hebräischen Stämme für ihre Vorherrschaft im vorderen Orient war der Monotheismus in seiner heiligsten, reinsten Bedeutung und die aus ihm fließende, sittliche Betätigung der Menschen. Sie übernahmen die Mission, die Lehre von dem Dasein eines einig einzigen Gottes, welche ihnen in dunklen Umrissen auch wohl schon früher bekannt war, die ihnen aber auf dem Berge Sinai und in der Wüste in ihrer Klarheit mitgeteilt wurde, allen Menschen zu verkünden und sie für dieselbe zu gewinnen. Wohl wurde ihnen das Land Kanaan als ihr Heimatland angewiesen, aber dieses Land war nur als ein Stützpunkt ihrer anzustrebenden weiten Herrschaft gedacht. Diese Herrschaft sollte nicht in einem wirklichen Beherrschen der anderen Völker bestehen, sondern sie sollte ungefähr eine ähnliche Form haben wie sie die der anderen semitischen Großreiche hatten. In einer geistigen uud politischen Hegemonie sollte sie bestehen. Die Idee des Monotheismus ist der Existenzberechtigungsgrund des israelitischen Staates und der ethischen Individualität des israelitischen Volkes. Die Richterzeit gleicht einem aufgeregten Meere. Bald steigen die Wogen himmelan, bald sinken sie abgrundtief. Wenn die monotheistische Idee wirksam ist, so entzündet sie die Herzen, erfüllt sie mit Begeisterung für ihre Mission und die Stämme dringen siegreich vor. Erschlafft die Kraft des monotheistischen Gedankens, so erschlafft auch der Eroberungstrieb. Der Siegeslauf der Krieger kommt zum Stillstände oder die Sieger werden aus den gewonnenen Positionen sogar hinausgedrängt. Denn nur eine große Idee ist im Stande, ganze Völker und ganze Menschenschichten zum Aufwande aller körperlichen und geistigen Kräfte zu entflammen. In dem Königtum erhält der Monotheismus einen mächtige Stütze. In diesem Mittelpunkt sammeln sich alle ethischen und materiellen Mächte der Stämme. Sie ergießen sich wie ein reißender Strom in weite Gegenden Vorderasiens. Schon Sauls Reich ist von großem Umfange, aber David geht weit über die Grenzen hinaus, die als die Marken des israelitischen Gebietes angesehen wurden. Er macht Eroberungen in Syrien in Jdumäa, er unterwirft Philistäa, Amon und Moab und setzt in vielen Ländern Statthalter ein, welche den Namen „Nezibim" führen. (II. Samuel 8.) Aber mit diesen Erfolgen betrachtet er sein Ziel nicht als erreicht. Er will seine Herrschaft auf die weitesten Länder ausdehnen. Das Lied, das die letzten Worte Davids enthält, läßt ihn sagen: „Der Gott Israels sprach zu mir. der Hort Israels redete zu mir. Du sollst über die M e n s ch e n als ein Gerechter regieren, als ein Herrscher der Gottesfurcht." (Das. 23, 3.) Und im zweiten Psalm nimmt er ausdrücklich die Weltherrschaft für sich in Anspruch „Ich verkünde es als ein Gesetz, Gott sprach zu mir, mein Sohn bist du, ich habe dich heute geboren. Verlange von mir und ich werde Völker zu deinem Erbteil machen und dein Besitztum wird bis an das Ende der Erde reichen. Und nun, Ihr Könige, seid weise, bessert Euch Ihr Richter der Erde, dienet Gott in Ehrfurcht und seid froh mit Zittern. Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, dann geht ihr zugrunde auf dem Lebensj Wege." Ebenso nimmt Salomon die Universalherrschaft für \ sich im Namen der monotheistischen Idee in Anspruch. j Nachdem die ausgebreitete Herrschaft Salomons geschildert wurde, "heißt es I. Könige 10? 22, 23 : „Und Salomon j war größer als alle Könige der Erde, sowohl an Reichtum 8 wie an Weisheit. Und die ganze Welt suchte das Antlitz V Salomons, um seine Weisheit zu hören, die Gott ihm ins | Herz gegeben hat." Auch die mündliche Überlieferung beg richtet von einer Uuiversalherrschaft Salomons. „Bei Salomon war noch ein Besonderes, er herrschte über Irdische und Ueberirdische." Sn owSyn Sy pat» mn Tnn« xnSa naSw D'Jinnnn (Megilla 11 b.) Wenn auch das Reich keinen ungeheueren Umfang hatte, so gab man es doch nicht auf, es als ein zukünftiges Weltreich sich vorzustellen. Dieses war auch bei den anderen Reichen, welche den Anspruch auf die Universalherrschaft erhoben, der Fall. Die Könige Altbabyloniens, Assyriens, Neubabyloniens nennen sich Herrscher aller vier Weltgegenden in einer Zeit, in welcher ihre Reiche noch keinen sehr großen Umfang hatten. Dieses geschah aber durchaus nicht aus Ruhmredigkeit. Der Erfolg hatte sich ununterbrochen an die Fahnen ihrer Heere geknüpft. Die militärischen Unternehmungen hatten nur durch vorhandene Ursachen eine Unterbrechung erfahren, kamen aber nicht zum Abschlüsse. Wenn die Gelegenheit günstig sein würde, so wollte man J die Eroberung fortsetzen. Diese war von den Siegern als I gesichert angesehen und die faktische Durchführung war für S sie nur eine Frage der Zeit. Sie betrachteten alle in ihren I Geschichtskreis fallenden Länder, welche wirklich, wie die 1 Folgezeit zeigte, nicht widerstandsfähig waren, als eroberte ß oder sahen sie als in ihre Machtspähre gehörige an. So nennt I sich Salmanasser I, dessen Land einen kleinen Umfang S hatte, König der Völker (sar kissati) (1275 ante). Tiglat Pileser (1100) nennt sich „König der vier Weltteile" (kidiat ardai). Von Hamurabi, welcher Nord- und Südmesopotamien vereinigte, heißt es auf der Cylander- Jnschrift: „Hamurabi, der mächtige König, König von Babel, König der vier Weltgegenden" (saru danum, sar Babilu, sar kilaratim arbaim. R. B.)