Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 77 Nr. 5 Vorträge in der Synagoge gehalten. In Bezug : auf ihre religiösen Bedürfnisse haben sie sich von dem Rabbinat von Bakhara, dem Zentralpnnkt der mittelasiatischen Juden, abhängig gemacht. Ihr Mari (Rabbiner), ihr Vorsänger, der Schochet — kurz Alles, was für das jüdische Leben notwendig ist, wird von dieser Stadt bezogen.' Trotz der sehr bedeutenden Entfernung zwischen beiden Orten reist doch -Derjenige, welcher sich gottesdienstlicher Zwecke wegen für seine Gemeinde unterwegs befindet, mit einer Ruhe und Sicherheit, die mehrfach bereits die staunende Bewunderung europäischer Reisender erweckt hat. Sobald er eine jüdische Gemeinde erreicht hat, begibt er sicb nach dem Beth-Hamidrasch, bindet sein Pferd oder Kamee! an einen Baum und stellt sich dem Mnallnn (Lehrer) vor. Dieser empfängt ihn sehr zuvorkommend, sorgt für ein Fußbad, bietet ihm nach der herrschenden Sitte das Schulzimmer als Nachtquartier an und bittet ihn, über seine Wohnung zu verfügen. Mit Sonnenuntergang kommen alle Männer, welche Zeit dazu haben, um den Gast zu besuchen, und beweisen ihm auf verschiedene Weise ihre Teilnahme. Ist der Gast ein gelehrter, frommer Glaubensgenosse, so beugen vor dem Fortgehen Alle ihr Haupt, um seinen Segen zu empfangen; auch die Frauen und Kinder eilen zu diesem Zwecke herbei. Bisweilen kommt auch wohl ein Abgesandter aus Palästina dorthin, um für seine bedürftigen Stadt- und Landgenossen milde Gaben zu sammeln. Dann bleiben Hand und Geldbeutel nicht geschlossen, während durch das Los bestimmt wird, wer von den Gemeinde-Angehörigen ihn mit Pferd oder Kameel an seinen nächsten Bestimmungsort begleiten soll. Bilder und Antiquitäten aus dem jüdischen Leben im Pariser Louvre. Auf dem Tore des Louvre, wie auf allen französischen öffentlichen Gebäuden, Kirchen, Synagogen, Spitälern, Schulen und Postgebäuden prangt das dreifache Motto der französischen Republik: Liberte, egalite. fraternite. Und der Inhalt des Louvre — so berichtet der bekannte jüdische Künstler Alfred Lakos im „Egyenlöseg“ — straft die äußere Aufschrift nicht Lügen. In die Sammlung des Louvre wird jeder Kunstgegenstaud, jede Antiquität und jedes wissenschaftliche Dokument ohne jedes konfessionelle Vorurteil aufgenommen, auch dann, wenn es jüdischen Ruhm verkündet.;_-j Bekanntlich hat der Louvre neben seiner immens reichen egyptischen Sammlung auch seine „Salle Juive“, seinen jüdischen Saal, mit seinen Sarkophagen jüdischer Könige, jüdischen Steintafeln, Gruftdeckeln und anderen alten Schutt mit hebräischen Inschriften, mit Steinsärgen von vor zweitausend Jahren verstorbenen Judenkindern und in Stein gehauenen Erläffen fremder Fürsten. Daß diese jüdische Altertumssammlung bloß aus zwei Sälen besteht, ist weiter, nicht zu verwundern. Die Juden hatten Skulpturkultus, keine mit Händen faßbare Götter, oder Hausgötzen, wie die Chaldäer, Assyrier und Egypter, zwischen deren 3000 und 4000 Jahre alten goldenen und silbernen Göttern, Königen, Stieren, Stadtheiligen in Vorgestalt, Unter-, Mittel- und Obergöttern mit Hundsköpfen und Menschenkörpern der Altertumsforscher jahrelang herumgehen kann und immer Neues entdecken wird. Ein Menschenalter reicht zum Studium der Kunstschätze und Hieroglyphen nicht aus. Wer weiß wie viel unter diesen Hieroglyphen begraben liegt, was die Geschichte der Juden näher interessieren würde. Auf einem der Stiegengänge steht z. B. die marmorne Alabasterstatue jenes Pharao, vor welchem Moses und Ahron gestanden. Die Statue gilt als Original. Pharao hat sie sich noch zu Lebzeiten stellen lassen. Eine französische Aufschrift klärt den Besucher darüber auf, daß dies jener Pharao ist, mit dem Moses gesprochen hat. Die Statue selbst wurde in Egypten ausgegraben, der Kopf, die Oberarme und der Oberkörper von der Brust aufwärts haben jedoch gefehlt. Die intakt gebliebenen Teile, die meisterhafte Sitzstellung der Statue und die künstlerisch ausgeführten Formen der Füße bewegten hervorragende französische Bildhauer, nach ihrer Phantasie die fehlenden Teile zu ergänzen. So sitzt denn der Pharao des Moses mit stummer Unbeweglichkeit im Louvre, aber der Kopf ist nicht der Kopf des Pharao. Auf dem Thronsessel aber ist noch die ursprüngliche egyptische Inschrift, die von Egyptologen entziffert wurde, zu lesen und in welcher die Geschichte des Pharao erzählt wird. Es existiert noch eine andere vollständig erhaltene Statue dieses Pharao aus Granit, doch haben die Forscher festgestellt, daß diese Statue einen viel älteren Pharao darstelle, und der Pharao aus der Zeit Moses bloß aus Eitelkeit seinen Namen hat darauf setzen lassen. Dies besagt auch die französische Bemerkung: „Usnrpe par Rarnses II". Als Maler interessierten mich jedoch mehr die Bilder jüdischen Inhaltes. Einige waren mir aus der Zeit meines früheren Besuches im Louvre bekannt. Diese Bilder gehören zu den hervorragendsten Werken französischer und holländischer Malkunst. Besonders die zwei größten Gestalten der alten französischen Schule Pouffin und Coypel befaßten sich mit Vorliebe mit Vorwürfen aus dem jüdischen Leben, aber wir finden hier auch jüdische Bilder von Andreas van der Werft, Jean Francois Troy, Bourbon, Jean de Bologne, Delacroix rc. Der französische Raffael, Nicolaus Pouffin, der 1594—1665 gelebt hat, lieferte die herrlichsten Illustrationen zur Bibel der Juden. Diese Bilder würden es verdienen, in Reproduktionen in den jüdischen Familien verbreitet zu werden. Im XIV. Saale des Louvre prangen neun klassische Werke Poussins aus der jüdischen Geschichte. Das Bild Nr. 705, gleichfalls ein Werk Poussins, stellt die Rettung Moses aus dem Wasser dar. Auf dem Nilfluß ist ein Kahn, eine Brücke und in der Ferne eine Pyramide sichtbar. Im Bordergrunde die Königstochter mit befehlender Geste in Begleitung zweier Gesellschafterinnen. Ein Sklave bringt den Knaben samt dem Korbe aus dem Wasser und eine sich bückende Frauengestalt, wahrscheinlich die Mutter oder Schwester Moses übernimmt den Säugling Moses. Dieselbe Szene verewigt das nächste Poussinbild Nr. 706. Hier ist die Gruppierung eine andere. Die Begleiterinnen knien, wodurch dargetan werden soll, daß sie Untergebene der Königstochter sind. Das Pouffinbild 709 stellt das Mannah-Sammeln der Israeliten in der Wüste dar. In der wilden, felsigen Gegend sieht man wunderbar gezeichnete Gruppen glücklicher Menschen, säugende Mütter, die in ihren Schürzen den Himmelssegen anflehen. Auch Moses als Kind im Hofe Pharaos (707) ist ein Bild Poussins, dem die Legende zugrunde liegt, wie Moses die Krone von sich stößt. Von Pouffin stammen auch die Bilder „Sintflut", „Rückkehr der Kundschafter" und das herrlichste Bild dieses altfranzösischen Meisters „Salomos Urteil". Mit meisterhafter Psychologie versteht es hier Pouffin, mit Hilfe der Zeichnung und des Ausdrucks den Unterschied zwischen der wahren und falschen Mutter hervorzukehren. In demselben Saale befinden sich auch drei größere Bilder von An'oine Coyp l, den hervorragendsten der französischen klaffischen Maler. Coypel lebte 3661—1722. Eines seiner Louvre-Bilder stellt die Szene dar. wie der König Abasver die unangemeldet eintretende und vor Angst ohnmächtige Esther zu sich emporhebt. Esther wird von drei Sklavinnen gestützt, von denen besonders eine ihre Freude darüber verrät. Im Thronsaale ist ein aufgeschreckler Vorleser an einem Tische sitzend sichtbar. Das Bild würde auch jedem anderen Meister zum Ruhme gereichen. Auch Coypel hat „Rebekka am Brunnen" gemalt. In einer größeren Komposition führt uns Coypel die dramatisch ausgeführte Szene des „Staatsstreiches des Hohepriesters Jehojadjah ge^.en die Königin Ataljah" vor. Von Jeu Francois Troy stammt ein großes Bild, .La _toilette d: Esther“ voa Bourdon „Das Opfer Noalsis" und schließlich noch ein Bild Poussins „Ruth" und „Boaz". Endlich sei auch die „Jüdische Hochzeit" von Delacroix und ein „Judenkopf mit Pelzmütze" von Rembrandt erwähnt. „Aus alledem" — schließt Lakos — geht hervor, mit welcher Vorliebe die großen Künstler älterer Zeit sich mit der Geschichle der Juden beschäftigt haben, während die Künstler unserer Zeit — selbst die jüdischen — sich schämen, die ruhmvollen Taten der jüdischen Geschichte zu verewigen."_ Ein preisgekröntes Wort. In der letzten Nummer des „Praktischen Ratgebers“ (Verlag August Scherl, G. m. b. H.) finden wir folgenden „praktischen Rat“, den der Verlag mit einem Preise von 300 Mk. gekrönt hat: Verkehre nie dort, wo du nur gelitten wirst! Wo du nicht hingehörst, da sollst du nicht hingehen, aus Stolz nicht und aus Klugheit nicht. Das ist noch das wenigste, dass man dich mit glatter Höflichkeit oder einer Nachsicht, die mehr verletzt als eine Beleidigung, zwischen sich duldet. Nein, gehe auch dort nicht hin, wo verständige und gütige Menschen dich „ganz gern“ aufnehmen. Oder gehe nicht eher hin, als bis du etwas errungen, etwas geleistet hast, dass auch die anderen durch deine Gesellschaft geehrt sind. (Eingesandt von Vizefeldwebel S p e c k-Marienberg i. Sa., Unteroffizierschule ) Den Herausgeber eines „Stammbuches für deutsche Juden“ bitten wir, diesen Rat als Motto zu verwenden. Wenn's ihnen ein Christ sagt, glauben es viele Juden eher. . . . Der ulte Grient und die Anfänge des zweiten indischen Staates. Von Dr. S. Gelbhaus. Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Groß war der Ruhm dieses Fürsten der Gerechtigkeit, dieses zweiten David. Und selbst in später Zeit ist ein Abglanz seiner Glorie wahrzunehmen. Sein eigentlicher Name*), der überhaupt nicht allgemein bekannt war, geriet in Vergessenheit, und was ihm zugeschrieben wurde, wurde auf *) Serubabel ist kein nomen proprium, sondern, wie bereits bemerkt wurde, nur ein epitheton ornans. Sem Name dürfte Hiskia gelautet haben, denn unter den Nachkommen Pedajas kommen die Namen Jesajas und Hiskia vor. (1. Chronik 3, 21—24). Dieselben waren in der Familie Jehojachins beliebte. Serubabel dürfte einen derselben geführt haben. Wahrscheinlich aber war es der Name des glorreichen Siegers über Sanherib, Hiskia, der ihm vorbedeutend vom Vater gegeben wurde.