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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 65 der Sperre gegen die griechischen Schiffe, weil sie befürchten, daß man sich in Griechenland eventuell an den dortigen Juden rächen könnte. Hochzeit im Hause Rothschild. Die Synagoge der Rue de la Victoire in Paris war dieser Tage der Schauplatz einer Hochzeitsfeier, zu der sich die ersten Kreise der Hochfinanz mit den vornehmsten Vertretern der aristokratischen Gesellschaft versammelt hatten. Es war zugleich eine Art von Familientag der Rothschild, deren Pariser Zweig fast vollzählig aufmarschierte. Baron Moritz Rothschild heiratete das Fräulein Noömie H a l p h e n. Er ist der zweite Sohn des in Paris lebenden Barons Edmond Rothschild. aus dessen Ehe mit der Freiin Adelheid von Rothschild, der allein noch lebenden Tochter des (1901 verstorbenen Freiherrn Wilhelm von Rothschild, des letzten Chefs des Bankhauses M. A. v. Rothschild & Söhne in Frankfurt am Main. Sie aber ist eine Tochter des Herrn Julius Halvhen. der auf der Liste der Pariser Millionäre auch nicht ganz untenan steht und eine P e r e i r e zur Frau hat. die Enkelin von einem der beiden Brüder Pereire, die unter dem zweiten Kaiserreiche als Finanziers arotzen Stils mit sehr wechselndem Glück glänzten. Zu den Hochzeitsgästen zählte neben dem englischen, dem amerikanischen, dem spanischen und dem japanischen Botschafter auch deren deutscher Kollege Fürst Radolin. Rach der Trauung versammelte man sich in der Wohnung der Ellern der nunmehrigen Baronin Moritz Rothschild und batte hier Gelegenheit, die Geschenke zu bewundern, die sie von ihrem Gatten erhalten batte und die alle übrigen Gaben an Kostbarkeit und Schönheit übertrafen. Da waren ein Diadem von Brillanten und Smaragden, ein Diadem von Diamanten und Perlen, ein Kollier aus fünfzehn Reihen von Verlsn, ein Kollier von Diamanten, ein grotzer Diamantftern. noch zwei weitere Kolliers aus Diamanten und birnenförmigen Perlen, wertvolle Pelze. Fächer und Spitzen. Es ist das zweitemal, datz die Familie Rothschild und Halphen miteinander in Verwandtschaft treten: schon vor drei Jahren vermählte sich Baron Eduard Rothschild. der einzig Sohn und Erbe de? Barons Alfons, des Chefs der Pariser Firma, mit dem Fräulein Germaine Halphen. Glasgow Am Sonntag den 13. Dezember wurde in Glasgow ein territorialistisches Massenmeeting gb-^'- halten. M. M. A. Svillmann kam in seiner Ansnrache auf den Bericht der Analo-Jewish Association, die sich mit der gegenwärtigen Lage der Juden in Rntzland. Rumänien und Marokko beschäftigt. Die ..Jca" hätte oewib bereits viel Gutes geleistet, so z. B. gerade neulich wo sie 50 Familien zur Auswanderung nach Brasilien verbolfen und dabei der brasilianischen Regierung deutlich zu erkennen gegeben hat, datz hinter den Emigranten jemand da ist. dem das Schicksal derselben nahe gebt. Um wie viel besser wäre es. wenn diese armen Inden ein Land hätten, in das sie nicht als verachtete Fremdlinge. sondern als liebe Gäste, von Brüdern und Schwestern begrübt, einziehen könnten. Ein eigenes Land - das will und erstrebt die Jto, und im gründe genommen hätte niemand gegen diese Absicht einen stichhaltig m Einwand bringen können. Freilich seien orotze Schwi-'- riofoiten zu überwinden und iede ehrliche Kritik sei willkommen. Mr. I. Milton. der im Jaraon sprach, betonte die vielsagende Tatsache, datz so viele hervorragende und einflutzreiche Juden sich der Jto angeschlossen haben und knüpfte daran die feste Hoffnung, datz es gelingen werde, ein Zufluchtsland für die verfolgten Stammesgenossen zu finden. Der Redner emvtabl allen Anwesenden aufs wärmste, durch kräftiges Unterstützen der Jto Herrn Zangwill in den Stand zu setzen, die einzig richtige und die einzig mögliche Lösung der Judenfrage mit Erfolg durchzuführen. Zum Schlüsse wurde eine der Versammlung vorgelegte Resolution angenommen, welche die Tätigkeit der Jto billigt und deren kräftige Unterstützung aufs wärmste empfiehlt. Zürich. Auf seiner Rückreise aus Amerika erfreute Dr. Jochelman am 18. Dezember die Schweizer Gesinnungsgenossen durch einen — leider nur zu kurzen — Besuch. Am nächsten Tage nahm Dr. Jochelman an einer mehrstündigen Besprechung des Schweiz. Landeskomitees teil, wobei eine Anzahl wichtiger Parteifragen erörtert wurden. Die von unserem verehrten Gaste gemachten Mitteilungen legten ein beredtes Zeugnis von der erstaunlichen Tätigkeit ab. welche Herr Zangwill und seine Mitarbeiter in aller Stille zu leisten haben, um der verantwortungsvollen Aufgabe mit Erfolg gerecht zu werden. Besondere Erwähnung verdient dabei auch die Regulierung der Emigration — ein Problem, mit dem Dr. Jochelman sich ganz besonders eifrig befatzt und das infolge seiner eminenten praktischen Bedeutung von grötzter Wichtigkeit für Hunderttausende ist. Die Ausführungen des Herrn Jochelman wurden von den Mitgliedern des Landeskomitees mit grötzter Genugtuung entqeaengenommen und man bedauerte nur aufrichtig, datz der geistreiche und temperamentvolle Redner — durch wichtige Angelegenheiten, die ihn schleunigst nach Petersburg zurückriefen — verhindert war. einem weiteren Publikum und speziell unseren Mitgliedern einige angenehme Stunden zu bereiten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen. datz dies vielleicht in diesem Sommer noch der Fall sein wird. Jüdische Senatsmitglieder in Frankreich. Vorige Woche fanden in Paris die Ersatzwahlen in den Senat statt. Seit dem Tode David R a y n a l s gab es blotz drei iüdische Senatoren, u. zw. Paul Strautz (Seines. Eduard Millaud (Rhone) und Ferdinand Cremieur iGards. Die zwei ersten standen nun zur Wiederwahl und wurden auch mit bedeutenden Majoritäten wiedergewählt. Run wurde auch M. Ferdinand Dreyfus zum Senator für Seine-et-Oise oewäblt, so datz wir jetzt vier Juden im französischen Oberhause zählen. Der neue Senator Dreyfus, ein gewesener Deputierter, ist einer der Führer der Demokratisch-Republikanischen Alliance und der Education Ligue. Der wiederaewählte Senator Millaud zählt zu den ältesten und verlätzlichsten Säulen der republikanischen Partei, deren Vorkämpfer schon zur Zeit des Emvire gewesen. Seit dem Jahre 1871 wurde er wiederholt in die Nationalversammlung gewählt. Dem Senate gehört er seit dem Jabre 1880 an. woselbst er ununterbrochen den Bezirk Rhone vertritt. In zwei aufeinanderfolgenden Kabinetten war Millaud Minister für öffentliche Arbeiten und ist gegenwärtig Vizepräsident des Finonzkomitees kür das Budget 1909 im Senate. M. Vaul Strautz ist erst nach langem und heftigem Wahlkampfe wiedergewöhlt worden. Nicht weniger als 53 Kandidaten haben sich um die zehn Senatssitze die Paris zu veraeben hatte, beworben. Mr. Strautz erhielt um 50 Stimmen mehr, als der gleichfalls gewählte krieasminister Freycinet. Im Parlamente, dem er Ht 1897 angehört, widmete Strautz seine Kräfte hauptsächlich der sozialen Fürsorge, und »eine Reden und Arbeiten auf diesem von ihm vollkommen beherrschten Gebiete haben stets allseitige Anerkennung gefunden. Moderne Inquisition in Spanien. Während in Spanien auf der einen Seite eine noch sehr fsk'ine Gruppe von Gelehrten und aufgeklärten Politikern unter Führung des^ Senators und Akademikers Dr. Angel Pulido die Idee der Repatriierung der spanischen Juden in Spanien pro-

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