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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 66 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4 pagiert, ist die Geistlichkeit auch heute nicht müde, den Judenhaß zu schüren. In spanischen wissenschaftlichen Zeitschriften wurde in letzter Zeit eine recht interessante Polemik über die Bedeutung der jüdischen Bibel für die Menschheit abgeführt. Die Polemik griff dann auch auf die TagesblLtter über. In die Debatte griff nun auch eine in Spanien lebende englische Schriftstellerin Mrs. Jsabella Lawrenel ein, indem sie ein Buch schrieb, das den Titel führt: „Das Heil wird von den Juden kommen." Dieses offenherzige Buch hat nun die gesamte spanische Geistlichkeit in Harnisch gebracht. Das Buch wurde mit dem großen Banne belegt, an vielen Orten sogar öffentlich verbrannt und nun tobt der Kampf um die Juden, die noch gar nicht da find, in gesteigerter Form weiter. Allerdings nicht sehr verlockend, für die Spaniolen, die in ihre „alte Heimat" zurückgerufen werden. Die englisch-jüdischen Finanziers gegen die sinnländische und ruffische Anleihe. Das „Ruffo-Jewish-Komitee" mit seinem Präsidenten Lord Swaythling (Montague) an der Spitze, führt einen offenen erbitterten Kampf gegen den Versuch Finnlands, in England eine Anleihe zu plazieren. Das Komitee hat einen, offenen Appell an alle freiheitsliebenden Engländer, besonders aber an die jüdischen gerichtet, Finnland, das ohne jeden Grund und ohne durch seine Konstitution hierzu gezwungen zu sein, die Juden in unmenschlicher Weise vertreibt, jede finanzielle Unterstützung zu verweigern. Wird auch dieser Appell mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit der finnländischen Anleihe kaum das Scheitern derselben zur Folge haben, so besitzt dieses offene energische Hervortreten der maßgebenden jüdischen Kreise dennoch einen bedeutenden moralischen Wert, der sich erst in den nächsten Wochen bei der Effektuierung der geplanten großen russischen Anleihe von 450 Millionen Rubel fühlbar machen wird. Denn auch gegen diese Anleihe, die in England, Frankreich und Holland gemacht werden soll, richtet sich schon heute die Campagne der englisch-jüdischen Finanzkreise und insbesondere des „Ruffo-^Jewish-Komitees". Welch große Bedeutung diesem Widerstande seitens der Juden, dem Progromzaren und Begnadiger der Judenmörder zu Hilfe zu kommen, in maßgebenden Kreisen beigemessen wird, geht aus den Angriffen der Londoner „Times" auf diese Bewegung hervor. Dieses Blatt versucht, auf jede mögliche Weise die englischen Juden zu Gunsten der beiden Anleihen zu beeinflussen und meint, „Finnland und Rußland befänden sich jetzt im Stadium des Ueberganges von einer schlechten Regierung zu einer guten". In jüdischen Kreisen scheint man vorläufig den Lockrufen der „Times" nicht folgen zu wollen und bereit zu sein, selbst unter großen Opfern die russische Anleihe, wenigstens was England betrifft, zum Scheitern zu bringen. Bemerkenswert ist, daß dies jetzt seit 30 Jahren der erste Versuch ist, eine russische Anleihe in England unterzubringen, was auf die wesentlich geänderten Beziehungen zwffchen den Regierungen in London und Petersburg zurückzuführen ifc ..Echtruffisches." Bekanntlich wird in Rußland von den Eltern oder sonstigen auch noch so entfernten Anverwandten eines Juden, der sich nicht zum Militärdienst gestellt hat, eine Geldstrafe von 300 Rubeln erhoben. Da die Beamten also sehr daran interessiert sind, solche Deserteure ausfindig zu machen, so erklärt sich leicht die bisweilen verhältnismäßig hoch angegebene Ziffer jüdischer „Deserteure". Mit wie großer Sorgfalt bei diesem Herumschnüffeln in den Familienangelegenheiten der Juden behufs besserer Bereicherung des Tschins verfahren wird, ergibt sich aus folgender tragikomischen Geschichte. In Kamenez-Podolsk erhielt ein Jude, namens Steinberg, plötzlich eine Aufforderung, eine Strafe von 300 Rubeln zu bezahlen, weil sein verstorbener Sohn, namens Henne Judith (!), der im Jahre 1906 das Alter von 21 Jahren erreichen sollte, sich nicht zum Militärdienst gemeldet habe. Alle Beweise, die Herr Steinberg, seine Verwandten und Bekannten den Behörden lieferten, daß Henne Judith erstens kein Sohn, sondern eine Tochter gewesen sei, was doch auch schon aus dem weiblichen Vornamen hervorginge,, und zweitens, daß die Tochter bereits vor Jahren gestorben sei, hatten keinen Erfolg. Und Herr Steinberg muß die 300 Rubel bezahlen, entweder weil der zuständige Beamte wirklich nicht weiß, daß Judith ein weiblicher Vorname ist, oder weil er Herrn Steinberg nicht eben wohl gesinnt ist, oder weil er — gerade sehr nötig 300 Rubel braucht! Aufrufe zu Judenverfolgungen. Warschau. Das Warschauer Realistenorgan „Slawo" berichtet: Seit einigen Tagen erhalten verschiedene Personen in Warschau rote Zettel, die die Aufforderung zur Verfolgung der Juden bis zu deren Massaker enthalten. Die Zettel veröffentlichen ein Programm, nach dem es verboten ist,' bei Juden zu kaufen, sich bei jüdischen Aerzten kurieren zu lassen, jüdische Anwälte zu nehmen u. s. w., und worin alle Christen aufgefordert werden, die Wohnungen der Juden behufs naher Abrechnung mit ihnen zu notieren. Am Schluffe dieses Programms ist ein Totenkopf abgebildet. Wahrscheinlich wollte ein eifriger Antisemit auf die eben in Warschau stattfindende Versammlung von Rabbinern Hinweisen. Jedenfalls verdient dieses Manöver irgendeines Elenden die größte Beachtung. Bischof Ruszkiewicz, der ebenfalls einen solchen Zettel erhielt, sagte: „Das ist eine nichtswürdige Arbeit, diejenigen, die dies machen, wissen nicht, in welche Hände diese Zettel gelangen können." „Slowo" schließt seinen Artikel mit der Feststellung, daß unter zwölf Personen schon drei den Inhalt der Zettel kannten. Roosevelt und die Makkabäer. Eine verhältnismäßig kleine jüdische Gesellschaft in Newyork hat am verflossenen Chanukkafeste eine Makkabäerfeier für die jüdische Jugend des betreffenden Stadtteiles veranstaltet und zu derselben auch den Präsidenten Theodor Roosevelt eingeladen. Roosevelt erschien wohl nicht selbst bei dem Feste, sandte jedoch ein Schreiben, das für die Denkungsart dieses merkwürdigen Mannes sehr bezeichnend ist. Er schreibt an den Präsidenten der Gesellschaft: „Gestatten Sie mir, durch Sie den jungen Mädchen und Knaben, die bei dem Feste versammelt sein werden, zu versichern, daß ich sehr gerne unter ihnen gewesen, wäre. Ist es doch ein Festtag zu Ehren der Makkabäer, die von jeher meine Lieblingshelden gewesen sind. Es ist gut, wenn jüdische Knaben und Mädchen mit. Stolz gedenken ihrer Helden aus vergangenen Zeiten^ Dieser Stolz und diese Bewunderung für die jüdischen Helden wird die Juden selbst stärken, ohne sie darin zu stören, mit dem amerikanischen Volk ein brüderliches Verhältnis zu schaffen und aufrechtzuhalten." Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Wie aus Newyork berichtet wird, wurde Dr. Maurice Fishberg. der sich durch seine verschiedenen anthropologischen Studien über die Juden einen Weltruf erworben hat, zum Vizepräsidenten der Newyorker Akademie der Wissenschaften gewählt. Dr. Fishberg ist u. a. auch Chefarzt des Einwanderungsamtes in Ellis Island und hat seine reichen Erfahrungen in dieser seiner Stellung in zahlreichen, viel beachteten Monographien verwertet. Bedeutendes Aufsehen hat seinerzeit sein Aufsatz über „Das Heimweh bei den russischen Flüchtlingen" hervorgerufen.

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