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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blocks Wochenschrift. ^elte 63 Wandels auf allen Gebieten des Staatslebens, als den Sproß Davids, als den Erben der unumschränkten königlichen Macht, als dm strengen, unbeugsamen, gerechten Richter, als den vom Gottesgeiste geleiteten Führer und Herrscher des neu erstandenen Reiches, kurz, als den von den Propheten geweissagten Messias an. Wie konnte er es dulden, daß neben der Machtvollkommenbeit, wie sie seine Ahnen besaßen, widerrechtlich andere Mächte sich geltend machen sollten? Wie durfte er zusehen, wieUnrecht und Volksausbeutung ungestraft im Gottesstaate sich ausbreiten? Dazu kam noch, daß seine Lage eine ungemein günstigere, als die der letzten judäischen Könige war. Dieselben waren auf die Hilfe der Aristokraten angewiesen, wenn sie überhaupt noch irgend eine Macht nach Innen oder nach Außen entfalten wollten. Serubabel aber, der mit großer Machtfülle eines Regenten oder erblichen Statthalters versehen war, war von der militärischen Unterstützung der Magnaten nicht abhängig. Hinter ihm stand die ganze Macht des persischen Großkönigs, dessen Kriegsscharen zu jeder Zeit von dem Statthalter nach Bedarf herbeigezogen werden konnten. Es ist daher höchst wahrscheinlich, daß Serubabel daran ging, die Macht der Aristokratie zu brechen, ihren Einfluß zu beseitigen oder sehr zu schwächen, was ihm in sehr kurzer Zeit gelingen mußte. Das Eintreten für die niederen Volksschichten und der Schutz, den er ihnen gegenüber den gewalttäigen Aristokraten zuteil werden ließ, muß einen Sturm der Begeisterung unter dem Volke entfesselt haben, welcher in dem 72. Psalm zum wirksamsten Ausdruck komnt. I" demselben wird er als ein zweiter Salomon, als ein würdiger, königlicher Sohn eines verehrten, königlichen Vaters gepriesen. „An Salomon. Herr, Du verleihst Gerechtigkeitssinn dem König und deine Rechtsbegründung dem Königssohn. Er richtet dein Volk nach Recht und die Erniedrigten nach Gerechtigkeit. Er schafft Recht den Gebeugten des Volkes, hilft den Kindern der Dürftigen, besonders den Bedrückten . . Es sei sein Name ewig, vor der Sonne blühe sein Name, daß man sich mit ihm segne, alle Völker ihn glücklich vreisen. Gepriesen sei der Ewige, der Gott, der allein Wunder vollbringt." (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen- Wir erhallen folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! In der zweiten Nummer Ihrer Wochenschrift schließt Herr Dr. Hoff eine Betrachtung über die Notwendigkeit sogenannter jüdischer Schulen mit den Worten: „Darin sind wir heute alle einig, daß nur durch eine intensive Behandlung der hebräischen Sprache, als Sprache des Kultus, die Sache des Glaubens gefördert und Liebe und Anhänglichkeit an denselben geweckt wird." Nicht nur, um zu konstatieren, daß wir mit diesem Schlußsätze nicht alle einig sind, sondern um der ganzen Tendenz dieser Notiz entgegenzutreten, bitte ich. auch der gegenteiligen Anschauung Raum in Ihrem geschätzten Blatte zu gewähren. Die Förderung jenes Glaubens, der abhängig ist von einer alten, unserem heutigen Empfinden völlig fremden Sprache, der nur durch Kenntnis dieser alten Sprache sollte erhalten werden können, erachte ich nicht als erstrebenswertes Ziel-: ein solcher Glaube kann nur dogmatisch, antiwissenschaftlich und gegen die Entwicklung der freien Vernunft gerichtet sein. Unabhängig von jeder fremden Sprache aber ist ein innerer, tief religiöser Glaube, und unabhängig von der hebräischen Sprache könnte und sollte bei der Jugend Anhänglichkeit an das angestammte Judentum gepflegt werden, indem man ihr vernunftgemäß Sinn und Begeisterung für die Geschicke und Taten ihrer Vorfahren beibringt. Geeignete Lektüre, wie z. B. von Otto Ludwigs Makkabäern, wird mehr jüdisches Bewußtsein in der Jugend wecken, als ein Jahre währender hebräischer Unterricht. Diese wichtigste Gemütsseite des Unterrichts wird vernachlässigt und statt ihrer grammatischer Unterricht erteilt, der die Kinder langweilt und sie eher vom religiösen Gefühle abwendet. als es fördert. Wir haben genug tote Sprachen und schon kommt die Anschauung zum Durchbruch, daß die alten Klassiker auch in der Uebersetzung unserem Verständnis nahegebracht werden können. Wozu hätte sonst Willamowitz-Möllendorf die griechischen Tragödien in unsere Sprache übertragen? Wir stehen vor der Notwendigkeit, unsere Kinder von der Erlernung alter, toter Sprachen zu entlasten, und in einem solchen Moment verlangt nun Herr Dr. Hoff, daß den Kindern noch einige Unterrichtsstunden aufgehalst werden zur gründlichen Erlernung der hebräischen Sprache. Und warum? weil sie die Sprache des Kultus ist! Ist denn der Kultus an eine Sprache gebunden? Können wir. uns denn mit Gott nur in hebräischer Sprache auseinandersetzen — oder drängt nicht vielmehr die von Herrn Dr. Hoff angeschnittene Frage zu der ganz entgegengesetzten Lösung: zur Reform des Gottesdienstes, zur Einführung der deutschen Sprache, jener Sprache, in der wir denken und empfinden, in den Gottesdienst? Ich trete hiermit für diese Reform in dem Bewußtsein ein, daß viele Glaubensbrüder, die dem Gotteshause jetzt fernbleiben, nach einer solchen Reform Erbauung in ihm suchen werden. Durch handwerksmäßigen Unterricht in Kenntnissen kann nicht innere Religiosität gelehrt und anerzogen werden, ebensowenig wie dies durch Gewöhnung an einen äußerlichen Kultus — selbst wenn er in hebräischer Sprache betrieben wird — möglich ist. Die Hindernisse, welche einer wahrhaft religiösen Bildung entgegenstehen. sind nicht in dem Mangel an ausreichendem Unterricht in der hebräischen Sprache, sondern darin zu suchen, daß zuviel hebräische Sprache, zu viel Aeußerlichkeit gelehrt und zu wenig Innerlichkeit geboten wird. Nachschrift der Redaktion. Der geehrte Einsender ist ein hochgeachtetes Mitglied unserer Gemeinde, und wir geben seiner Zuschrift Raum, obgleich die Redaktion die in vorstehenden Zeilen zum Ausdruck gebrachten Anschauungen in bezug auf die hebräische Sprache sich anxueignen leider nicht in der Lage ist. Denn, nicht allein des Kultus wegen soll die Kenntnis der hebräischen Sprache unserer Jugend nicht verloren gehen, sondern, mehr noch, weil sie das einzige Band bildet, welches uns mit unseren Brüdern auf dem weiten Erdenrund verbindet und zusammenhält. Die Eliminierung der hebräischen Sprache würde nichts anderes bedeuten, als den Zusammenhang lösen zwischen uns und der Gesamtheit des Judentums. Türkische Urteile über die Besiedelung Mesopotamiens durch Juden. Unter den verschiedenen Projekten, für unsere in den osteuropäischen Staaten in Bedrückung lebenden Brüder ein Heim zu gründen, hat die Kolonisierung Mesopotamiens wiederholt Gegenstand von wissenschaftlichen Betrachtungen gebildet. 2n den letzten Jahren ist besonders der bekannte Schriftsteller Leo Herzberg- Fränkel in der „Oesterr. Wochenschrift" zu wiederholten Malen für dieses Projekt eingetreten, und wie man aus eingeweihten Itokreisen erfahren konnte, beschäftigt sich auch die „Geographische Kommission" dieser Organisation mit dem Studium dieses Projektes. Ju

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