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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 61 Jahren, er stand im 35. Lebensjahre, ein Drama in polnischer Sprache. Er gab ihm den Titel „W przededniu“ (Vor dem Sturm.) Kampf reichte das Drama bei der Direktion des Krakauer Theaters ein, jedoch ohne Erfolg. Die Zensur hatte die Aufführung des Stückes untersagt. Kampf übersetzte nun sein Drama ins Deutsche (er beherrscht auch die deutsche Sprache vollkommen) und reichte es bei der Direktion - iues Berliner Theaters ein. Er erhielt die Antwort, daß in der Direktionskanzlei des Theaters wohl an 200 verschiedene „Dramen ans der russischen Revolution" erliegen. Nichtsdestoweniger wurde die Arbeit Kampfs zur Aufführung angenommen. Aber da ereilte sie dasselbe Schicksal, wie das polnische Original in Krakau; die vreußische Zensur untersagte die Aufführung des Stückes. In Deutschland stand man damals zu sehr unter dem frischen Eindrücke der Vorgänge in Rußland und die Zensur hatte Angst, einen solchen Dramenvorwurf auf die Szene bringen zu lassen. Nun entschloß sich Kampf nach Amerika zu gehen. Dort hat sein Drama Sensation gemacht, es wurde auf den größten deutschen und jüdischen Bühnen gegeben und bildete das Kassastück verschiedener russischer, italienischer und sogar lettischer Privatbühnen. Die erste «-nglische Uebersetzung erschien in der großen amerikanisch-englischen Zeitschrift „Transatlantic". Bald darauf erschienen deutsche und englische Ausgaben des Stückes, die dritte englische Auflage in 80.000 Exemplaren. Ermutigt durch diesen Erfolg Kat nun Kampf ein zweites Drama „Der Riese" verfaßt. Inzwischen hat Kampfs erstes Drama auf europäischen Bühnen Eingang gefunden. In Paris ist es unlängst unter dem Titel „1,6 grand soir“ zum 200. Male aufgeführt worden. Ebenso erfolareich waren die Aufführungen in Stuttgart, Amsterdam Zürich und Neapel. Der wirklich große Erfolg scheint Kampf erst jetzt beschieden zu sein, denn das Drama „Vor dem Sturm" wurde vor kurzem von einem Theatertrust unter sehr günstigen Bedingungen für die englischen und amerikanischen Bühnen angekauft. Interessant rst es nun, festzustellen, daß dieses Drama, das seinen Siegeslauf durch die ganze Welt nimmt, ursprünglich in polnischer Sprache verfaßt wurde, bisher noch in polnischer Sprache nicht gedruckt wurde, weil Kampf bisher, wie das „Lemberger Tagblatt" berichtet, noch keinen polnischen Verleger darauf gefunden hat. Ein polnischer Verleger wollte davon überhaupt nich'.s wissen, ein anderer hätte sich schon herbeigelassen, es herauszugeben, wenn Kampf die Druckkoflen aetragen hätte. Schließlich sei noch bemerkt, daß die gesamte ausländische Kritik Kampfs „Vor dem Sturm" nicht nur als Kassastück, sondern auch als dichterisches Kunstwerk rückhaltlos gelobt hat. Ein altjndischer Münzfund in Südafrika. Im „Anthropos", einer internationalen (mehrsprachigen) Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde, berichtet Bruder Otto, ein Trappistenmönch aus Marianhill (Natal), über eine alte Münze, die sich in dem Museum dieser südafrikanischen Stadt befindet, wohin sie im Iahre 1898 nach ihrer Auffindung gebracht worden war. Arbeitende Chorreligiöse des Klosters hätten sie in einer Gartenanlage aufgelesen, wo sie in der oberen Sand- und Humusschichte, etwa 30 bis 50 Zentimeter tief lag. ,.Das Gepräge der Münze", so schreibt Bruder Otto, „ist sehr scharf; sie kann nur kurze Zeit durch Menschenhände gegangen sein. Dieser Umstand legt den Gedanken nahe, die Münze müsse auf dem Seeweg nach Natal gelangt sein. Seefahrer älterer Zeit dürften wohl auch die nahegelegene Bucht von Durban, die einen prächtigen Hafen .bildet, gekannt haben. Auf der einen Seite der Münze ist ein Kelch abgebildet, die andere Seite trägt einen Palmbaum (?) mit runden Früchten. Rechts und links vom Stämme des Baumes befindet sich ein kleiner flaschenartiger Gegenstand." Das Fundstück ist, wie P. Th. Strathmann (Mödling) in der genannten Zeitschrift erklärend mitteilt, „nach Form und Aufschrift eine jüdische Kupfermünze aus vorchristlicher Zeit. Die außerordentlich gut erhaltenen Schriftzeichen sind altsemitische Charaktere in der Gestalt, wie sie im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. noch auf Münzen und Denkmälern angewendet wurden. Die Transskription in die hebräische Quadratschrift ergibt die Worte: (Vorderseite:) „viertes Iahr (Rückseite:) der Befreiung Sions". Münzen dieser Art, mit denselben Symbolen und derselben Aufschrift sind allerdings nicht unbekannt; man Hai deren schon viele gefunden und als ihre Entstehnngszeit das zweite vorchristliche Jahrhundert allgemein anerkannt, näher: die Regierungszeit des Simon Maccabaeus (143 bis 136). Was aber diesem Funde hier eine besondere und einzigartige Wichtigkeit verleiht, das ist der Fundort: Südafrika. Die vielumstrittene Frage nach dem Charakter und der Herkunft der südafrikanischen Ruinenstätten tritt mit diesem Funde zweifellos in ein ganz neues Stadium." Auktion wertvoller Bibelausgaben. In London fand kürzlich die Auktion der berühmten Amherstbibliothek statt, bei welcher auch eine Anzahl sehr seltener Bibelausgaben große Preise erzielte. Aeber fünfzig verschiedene Bibelraria waren im Katalog verzeichnet, darunter auch mehrere in hebräischer und chaldäischer Sprache. Die zweite Bibel, die unter den Hammer kam, stammte aus der Druckerei des Abraham ben Chajim (1482). Es ist dies ein äußerst seltenes Eremplar dere ditio princeps, einer hebräischen Bibel in verhältnismäßig gut erhaltenen Zustande. Der Band kam um den Preis von 104 Pfund Sterling in den Besitz des Mr. Quaritch. Dieser Preis wird mit Rücksicht darauf, daß im ganzen 12 Eremplare dieser Bibelausgabe bekannt sind, als nicht zu hoch angesehen. Ein seltenes und auch historisch sehr interessantes Buch ist Nr. 89 des Katalogs. Es führte dort den Namen Biblia Lengua Espanola". In der Tat war es ein seltenes Eremplar der ersten Bibelausgabe in spanischer Sprache: es enthält bloß das alte Testament und wur^" ausschließlich von den spanischen Juden benützt. Der Seltenheitswert dieser Ausgabe besteht hauptsächlich darin. daß sie von der Inquisition ausdrücklich verboten wurde. Das Buch wurde um den verhältnismäßig geringen Preis von 36 Pfund Sterling losgeschlagen. Der alle Orient mtfc die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Tr. S. Gelbhaus. Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) So schlägt Gideon die ihm vom Volke angetragenn .Herrscherwürde aus, indem er spricht: „Weder ich nock mein Sohn wollen und sollen über Euch regieren, sondern Gott. (Richter 8, 22. 23.) Auch nach Einführung d«s Königtums gab es keine sozial bevorzugte Familien in Israel. Dem König allein stand große Macht und Gewalt zu Gebote. Eine Aristokratie neben dem Königtum gab es nicht. David und Salomon herrschen über alle Stämme und Glieder des Volkes in gleichem Maße und lassen selbst die begütertsten und zahlreichsten Familien ihre unumschränkte Macht empfinden. Erft nach der Teilung des Reiches, wodurch die königliche Macht notwendig geschwächt wurde, traten neben dem Königshause auch andere Familien hervor. Im Nordreich sind es Krieg rstände, welche die Könige ein- und absetzen und gewiß auch auf allen anderen Gebieten des sozialen Lebens einen dominierenden Einfluß ausüben. Im Südreich entsteht nach und nach eine Kaste, welche neben dem Könige große Vorrechte für sich in Anspruch nimmt und sie auch erhält. Diese bevorrechteten Familien, welche einen Herrenstand bildeten, wurden Fürsten und Helden des Heeres omn D'aac trnn nsa onw genannt. Sie treten als herrschende Macht neben dem Könige auf. Das öffentliche Leben wird von ihnen beherrscht. Auf allen Gebieten des Staates bilden sie den maßgebendsten Faktor. Die auswärtige Politik wird von ihnen diktiert. Das Verhältnis des Landes zu den zwei im vorderen Orient rivalisierenden Großreichen, Babylonien und Egypten, wird nach ihrem Willen festgesetzt

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