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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seile 5d Hauptsitz zu vernichten, wird um Ministersessel und Sektiouschefstellen gehandelt. Ueber allen Wipfeln ist Ruh, man hört weder eine Interpellation über die Wiener Korruption, noch eine Rede, noch überhaupt ein Lebenszeichen. Auch die speziell in Wien gewühlten, von einer bestimmten Clique angebeteten Freiheitsapostel bleiben ruhig hinter dem Ofen. Die Christlich-Sozialen können tun was sie wollen, der Freisinn ist tot, hat keine Kraft zur Anklage. Das ist uns Juden ein Zeichen. Wir werden unsere Kräfte in Zukunft nicht mehr der Verwesung widmen. Mit den Christlich-Sozialen allerdings als Herausforderer zu kämpfen, dazu sind wir zu schwach und zu klein. Wir müssen die arische Bevölkerung ihrem Verständnis überlassen. Uns dient die Fülle christlichsozialer Korruption nur dazu, antisemitischen Verleumdern, die gegen eine Korruption der Juden kämpfen, die nur sie selber haben, die Wahrheit in Wort und Schrift in ihr freches Gesicht zu schleudern. Territorialismus und Nationalismus. Von Israel Zangwill, London Es ist die Frage aufgetaucht, wie sich die Jto speziell zu den Beziehungen zwischen Territorialismus und Nationalismus verhalte? Die Antwort ist einfach. Die Ito ist zu nichts verpflichtet als zu dem, was ihre Formel besagt: „Ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern, in denen sie jetzt wohnen, nicht bleiben können oder wollen." Diese Formel sagt kein Wörtchen über Nationalismus oder selbst über das jüdische Volk. Es ist lediglich eine Erklärung über jüdische Auswanderer. Die letzteren müssen notwendigerweise aus zwei Klassen bestehen, aus solchen, die an ihren gegenwärtigen Wohnorten nicht bleiben können, und aus solchen, die nicht bleiben wollen, und ist es eben der Zweck der Ito, für diese Auswanderer ein Territorium auf autonomer Basis zu finden. Das ist durchaus keine Erklärung, die sich auf meine Person beschränkt. Der ursprüngliche territorialistische Kongreß von 1905, der die Ito geschaffen, erklärte, daß dieselbe in keiner notwendigen Beziehung zu irgend einer anderen Bewegung stehe. Es stehe aber jedem Jtoisten frei, als Individuum sich irgend einer anderen Gruppe nach Belieben anzuschließen, ünd umsomehr ist derselbe berechtigt, beliebigen Ansichten zu huldigen. Die Ito hat es abgelehnt, irgend eine inquisitorische Tyrannei auszuüben. Trotzdem es einem Zionisten nicht gestattet wird, Jtoist zu sein, so steht es doch einem Jtoisten frei, Zionist zu sein. Es bleibt folglich des Jtoisten persönliche Sache, ob er an den Territorialismus vom Standpunkte des Nationalismus aus herantritt oder nicht. Da das Ziel der Jto eine bestimmte, praktische Arbeit bildet, so schließt sie selbst Nichlijüden von der Mitwirkung nicht aus. Das einzige Obligatorische besteht im Unterzeichnen der Jtoformel und der Jtobeitragsliste. Die „Jüdisch - territorialistische Organisation" („JTO") hat den Zweck, ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern, in denen sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen. Damit aber ist der Gegenstand noch nicht erledigt. Die Auswanderer nach dem Jtolande unterscheiden sich von gewöhnlichen Auswanderern in einem sehr wichtigen Punkte. Auswanderer bezeichnet gewöhnlich jemanden, der sein Heimatland verläßt. Ein Itoauswanderer 'dagegen zieht nach einem Heimatlande. Von den zwei Klassen der Auswanderer, nämlich derjenigen, die an ihren Orten nicht bleiben können, und derjenigen, die es nicht wollen, wird die letztere aller Wahrscheinlichkeit nach aus Nationalisten bestehen, die sich danach sehnen, ein jüdisches Heimatland aufzubauen, und würde diese Klasse mit dem Wüchse und der entsprechenden zentripetalen Anziehungskraft des Heimatlandes ständig zunehmen. Diese Auswanderer werden die schönste Blüte des Nationalismus bilden, und wird der Charakter des neuen Landes von denselben bedeutend abhängen. Aber selbst die zweite Klasse, die der ökonomischen Auswanderer, wird nicht umhin können, das Heimatland aufzubauen. Mit dem Aufbau eines neuen Landes ist aber das Heranwachsen eines neuen Nationalismus unvermeidlich. Dieser Nationalismus wird aber ein streng territorialer Nationalismus sein. Wie schon sein Name besagt, befaßt sich der territoriale Nationalismus nur mit denjenigen, die im jüdischen Territorium geboren oder naturalisiert werden. Derselbe zieht in keiner Weise diejenigen Juden hinein, die an ihren gegenwärtigen Orten bleiben können und wollen, selbst wenn sie aus Mitgefühl für die weniger Glücklichen oder mehr Strebsamen Jtoisten sind. Dagegen zieht derselbe auch solche Nichtjuden hinein, die im jüdischen Territorium geboren oder sich in demselben naturalisieren werden. Ich weiß wohl, daß diese Erklärung manche Jtoisten abkühlen wird, die unter Territorialismus sich lediglich Zionismus ohne Zion denken. Man könnte mit ebenso viel Recht behaupten, daß es Zion ohne Zionismus sei. Denn während Palästina, gleich irgend einem anderen Lande, unter die Territorialformel fällt, verbietet die letztere unbedingt einen Zionismus, der Luftnationalismus predigt. Wir bedeuten Realpolitik. Die unreifen Politiker, die die Baselformel entworfen haben, besitzen allerdings uns gegenüber einen großen Vorzug, indem sich ihre Formel für erregende Nationallieder und glühende Tribünenansprachen eignet. Jedoch müssen wir diese Losungen und Feldgeschreie den Interessen nüchterner Staatskunst oplfern. Die zerstreute und anormale Lage der Juden raubt ihnen selbst den Lurus einer nationalistischen Bewegung, wie sie den auf indischem oder ägyptischem Territorium konzentrierten Indier oder Aegypter belebt. Das ist vielleicht die Tragödie, die dem Golus die Krone aufsetzt. Der Jude darf erst dann von Nationalismus sprechen, wenn er sich auf eigenem Boden befindet, es sei denn, daß die westlichen Juden sich dazu entschließen, ihre politische Identität mit ihren Mitbürgern aufzugeben, für die sie Jahrhunderte lang gekämpft und für welche die Juden in Rußland noch jetzt kämpfen. Daher begeht der Zionismus einen politischen Fehler, wenn er die Idee des Nationalismus in der Diaspora predigt. Jedoch wird die Erwerbung Palästinas dem zionistischen Nationalismus einen Todesstoß versetzen. Man würde dann denselben durch einen palästinensischen Nationalismus ersetzen müssen. Die Berührung mit der mannigfaltigen territorialen Wirklichkeit, wie auch die Probleme lokaler Selbstverwaltung und internationaler Beziehungen würden selbst den Luftzionisten die Absurdität und Gefährlichkeit eines Abwesenheitsnationalismus bald beibringen. Bei festem Boden unter den Füßen würden sich die Luftnationalisten in Territorialnationalisten verwandeln. In der Tat ist der zionistische Nationalismus mit seiner aus der Luft gegriffenen Voraussetzung, daß Palästina ein politisches Zentrum oder einen Schutz für die Diaspora werden könne, gerade zu kindisch, um der Erwägung würdig zu erscheinen. Ist es zum Beispiel denkbar, daß der Präsident der amerikanischen zionistischen Förderation, falls er ein Einwohner Amerikas bleibt, seinen in Washington ausgelieferten Paß gegen einen palästinensischen austausche, nachdem er

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