Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 53 Mit begeisterten Worten tritt Marmorstein den Lobpreisern des Neuen Testamentes und den Verschmälerern jüdischen Verdienstes entgegen. Die vergangenen Jahrhunderte lehren es deutlich und verkünden es mit Beredsamkeit, daß die Juden nicht nur von alten Hosen und neuem Weizen, Wucher und Branntwein gelebt haben, sondern daß der Stamm der gottbegnadeten Propheten und Psalmrsten auch später nicht verdorrt und ausgetrocknet, ist." Es sei unsinnig, zu sagen, das Judentum kenne ideale Gottesliebe nicht. „Die Liebe, wie sie die heilige Schrift lehrt, kann nicht überflügelt, die Gottesidee nirgends reiner und herrlicher ausgedrückt werden, sie ist keiner höheren Entwicklung mehr fähig." Die so oft von christlicher Seite und so auch von König gemachte Behauptung, daß im Talmud und überhaupt im Judentum das „Gesetz" für wichtiger gehalten werde, als der prophelische und ethische.Teil des Schrifttums, entspräche nicht den Tatsachen. Thora bedeutet nicht w|xovos" Gesetz, sondern die Gesamt lehre. Im jüdisch-talmudischen Begriffe vom Gottesreiche, meint König, stehe die jüdisch-politische Seite im Vordergründe, während das Christentum die rein ideale Seite erfasse. Um die Unrichtigkeit dieser Behauptung klarzulegen, führt Marmorstein aus, wie überall der Begriff der Körperlosigkeit Gottes betont und wiederholt wird. In treffender Weise beleuchtet er, wie gut sich der Begriff von Mensch als Kind und Knecht gegenüber Gott dem Herrn und Vater vereinigt findet in dem rührenden Neujahrsgebete mn avrr» wie darin so scharf und deutlich der religiös sittliche Gedanke der Liebe zu Gott und die Vorstellung eines idealen Gottesreiches sich wiederspiegelt. Die Eigenschaften Gottes dem Talmud nach sind: Einheit, Körperlosigkeit. Ewigkeit, Allgegenwart, Allbarmherzigkeit und Allmächtigkeit. Was für höheren Begriff von Gott bietet und kann das N. I. bieten? Auch Nächstenliebe wird im T. mindestens ebenso stark geboten, als im N. I. Die schönen Gedanken hat das Christentum aus dem jüdischen Leben und der jüdischen Lehre geschöpft und deshalb konnte auch Chr. dem Judentume nichts Neues bieten, weil er eben keinen neuen Gedanken, keine neue Lehre, keinen neuen Satz verkündet hat. Interessant ist die originelle Uebersetzung des „Vater Unser" ins Hebräisch-Aramäische. Margoliouth und viele Andere haben ganze Schriften darüber veröffentlicht, um zu beweisen, daß das „Vater Unser" nicht jüdischen Ursprunges sei. M. widerlegt dies einfach und überzeugend, indem er fragt: „Wie mag dieses Gebet auf hebräisch oder aramäisch (wie I. doch gewiß gesprochen) auf seinen Lippen gelautet haben. Doch nicht anders als: Kö^y2 .Tnnbo •pSö'i »nm n'ow tsnprr tratst iras nf?D .Kirn kjitö i:^.k.t K»e^y 'aWi oSyS rwiiyis K*m ♦jnn nr 22 aStwi bw paa 'tS kS iJK'an ha vaKan *2 ia^ Einen treffenderen Beweis für den jüdischen Ursprung des „Vater Unser" hätte Niemand erbringen können. Zum Schlüsse führt M. noch 15 Sprichwörter aus dem Midrasch an, um zu beweisen, daß auch sogar die Vortragsweise des Talmud der des N. T's gleiche. — Es ist ein reichhaltiges Merkchen, das die Fülle des Materiales, das Verf. aufgehäuft hat, und die Originalität seines Gedankenganges zeigt. Es wird als Streitschrift nicht verfehlen, Wirkung zu üben und ist eine wertvolle Bereicherung unserer apologetischen Literatur. Aber es ist zu bedauern, daß Verf. das Material nicht unabhängig von König in ausführlicher in einer selbständigen Arbeit geliefert hat. Dem aber kann ja abgeholfen werden. Verfaffer wäre sicherlich der geeignete Mann dafür. Egypten einst und jetzt. Von Friedrich Kayser und Ernst M. Roloff. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Mit Titelbild in Farbendruck, 189 Abbildungen und einer Karte, gr. 8 ‘ (XII und 336) Freiburg 1908, Herder'sche Verlagshandlung. Mk. 7.—; ged. in Leinwand Mk. 9.—. Egypten ist das Wunderland, auf das seit den Tagen Herodots die Gebildeten aller Nationen mit Staunen und Ehrfurcht blicken. Und das Interesse an diesem urältesten Kulturboden der Menschheit, der schon mehr als 500 Jahre glorreicher Geschichte aufzuweisen hatte, als die ersten Spuren von Babylon, dem Zweitältesten Kulturlande der Welt, sichtbar wurden, ist in Deutschland noch wesentlich gewachsen, seit vor nunmehr gerade zehn Jahren die Deutsche Orient-Gefellschaft ihre archäologischen Grabungen im Nillande begann und auf dem Pyramidenfelde von Abusir sowie in Tell el-Amarna Funde von epochemachender Wichtigkeit zutage förderte. Was wir nach diesen letzten Grabungsresultaten von der Geographie, Ethnographie, Geschichte, Kunst, Religion rc. des Pharaonenlandes wissen seit der Urzeit vor 3300 v. Chr. bis zum gegenwärtigen Jahre 1908, wo Egypten als englisches Okkupationsgebiet nach der 24jährigen Regentschaft des Lords Cromer als ein völlig neues Staatengebilde erscheint, das stellt das vorliegende Werk in ebenso anschaulicher wie anziehender Form zusammen, wobei 189 sorgfältig ausgewählte und trefflich reproduzierte Abbildungen den Text wirksam unterstützen. Eine 11 Seiten lange chronologische Uebersicht über die Gesamtgeschichte Egyptens sowie ein eingehendes alphabetisches Personen- und Sachregister machen den Beschluß. Beide Verfasser wohnten längere Zeit am Nil und beschreiben das einzigartige Land aus eigener Anschauung, und zwar mit' offensichtlicher Liebe und Begeisterung, was auch in der dritten Auflage, wie in den beiden ersten, seine Wirkung gewiß nicht verfehlen wird. Emerson R. W., Natur und Geist. Aus dem Englischen übertragen von W. Mießner. Buchausstattung von F. Schumacher. Eugen Diederiche, Jena, 1907. 251 S. brosch. Mk. 3.—, geb. Mk. 4.—. Auf der ersten Seite liest man Verse, die mit den Worten beginnen: „Ein menschlicher Wirbel von zahllosen Dingen weiß das Fernste dem Nächsten nahe zu bringen." Das gilt für das ganze herrliche Buch. Um seine Schönheit anschaulich zu kennzeichnen, müßte man es vollständig ausschreiben. Dafür ist es eben Emerson mit seinem Zauberblick, der die geheimsten Schätze aus den nichtigsten Alltäglichkeiten herausliest und uns das Gewohnteste in einem Feiertagskleid vorführt, daß wir, wie vor einem Märchen aus dem Wunderlande, Augen und Ohren vor Staunen nicht weit genug öffnen können. Daß Emerson, wie sonst auch hier für die Erhabenheit unserer hebräischen Literatur (wie S. 35 und 48) das rechte Verständnis hegt, darf uns nicht wundernehmen. Dem Verlage ist für die geschmackvolle Ausstattung alles Lob zu spenden. R. Im Verlage von A. Deichert Nachf., Leipzig, find 1908 erschienen: 1. Sellin E., Die Schiloh-Weissagung. 22 S. Mk. —.60. Mit Benützung des trefflichen Buches von A. Poznanski über den Gegenstand kommt Sellin zu dem Ergebnis, daß das vielumstrittene Wort mit „sein Herrscher (bezw. Erbetener oder Neugeborener") zu übersetzen sei. „Das ist die älteste, unmittelbar messianische Erwartung, die uns im Alten Testamente erhalten ist." 2. Klostermaun A., Schulwesen im alten Israel. 40 S. Mk. —.90. So scharfsinnig und geistreich ist dieses Thema noch nicht behandelt worden. Gen. 41, 43 liest K. (vergl. Gen. 45, 8) adi Chuenaten. Originell ist die Deutung von Jes. 28, 9 ff. und vieles andere. 3. Caspari W., Die Bundeslade unter David. 24 S. Mk. —60. C. versucht den Nachweis, daß die Reichsidee von David an die Lade geknüpft wurde. 4. Nestle E. Die zwei Namen Kapernaum und Kaiphas. 20 S. Mk. —.60. Hiernach wäre Kapharnaum zu lesen und Kaiphas als Appellativ (investigator vel sagax) zu nehmen. x. Reue Bücher. Liberales Judentum. Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums, herausgegeben von der Vereinigung für d as liberale Judentum in Deutschland unter der Redaktion von Caesar S e l i g m a n n, Rabbiner in Frankfurt a. M., 1908. Jahrgang I., Heft 4. Rabbiner Dott U. Brettholz. Discorso tena nel Sacro Tempio N 4 in occasion del Giubileo di sua meestä l’imperatore Francesco Giuseppe L 1. December 1908. Tip. Morterra & C. Trieste 1908. Dr. Arthur Marrnorfteiu, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde in Jamnitz, Mähren. Talmud und Neues Testament. Selbstverlag des Verfassers. Adresse: Dr. A. Marmorstein, Bezirksrabbiner in Vinkovce, Slavonien, 1908. Prof. Dr. Leopold Cohn. Schriften der Jüdisch- Hellenistischen Literatur in deutscher Uebersetzung unter Mitwirkung von mehreren Gelehrten herausgegeben. Erster Band: Die Werke Philos von Alerandriä. I. Teil. Preis 6 Mk. Verlag von M. & H. Marcus, Breslau, 1909. Lic Dr. I. Benzinger. Geschichte Israels bis auf die griechische Zeit. Zweite verbesserte Auflage. Sammlung Göschen Nr. 231. Preis 80 Pfg. G. I. Göschensche Verlagshandlung Leipzig, 1908. Dr. $i. Lippe.Vortrag über die Kosmogonie der Bibel und der Modernismus, gehalten am 6. April 1908 auf Aufforderung der B. B. Loge Neo-Samuel in Jassy. Herausgegeben von der Loge in Jassy, 1908. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin und Dr. Bruno Blau. Berlin-Halensee, Johann Sigmundstratze 3. 4. Jahrgang. Dezember 1908. Heft Nr. 12. Inhalt: I. Abhandlungen: 1. N. W. Gold stein, Newyork: Die Konzentration der jüdischen Einwanderungs-Bevölkerung in London. 2. Leopold Ambrunn. München: Die Kriminalität der Juden in Rußland.