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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 48 Dr. Blvchs Wochenschrift. Nr. 3 kommen; während er aber von früh morgens bis spät ochends seinen Dienstobliegenheiten nachging, besuchte er nach Geschäftsschluß die Abendschule, um sich die Vorkenntnisse anzueignen, die ihm den Besuch einer Universität ermöglichen sollten. Nach jahrelangem emsigen Sparen und unermüdlichem Lernen konnte er endlich seinen Posten aufgeben und das Rechtsstudium an der Chicagoer Universität beginnen. Drei Jahre später hatte er sein Advokatendiplom in der Tasche. Der Anwalt Kraus debütierte zunächst als Kriminalist. Sein erster Fall war die Verteidigung eines jungen Böhmen, der des Mordes an der eigenen Frau angeklagt war, und dessen Vertretung von einer ganzen Reihe von Advokaten als aussichtslos abgelehnt worden war. Kraus erzielte einen Freispruch, und gleich im ersten Jahre seiner juristischen Wirksamkeit plädierte er mit gleichem Erfolge in fünf anderen groben Mordprozessen. Eine zeitlang entwickelte er als Anhänger der demokratischen Partei eine so eifrige Wirksamkeit, daß ihn Carter Harrison, als er Bürgermeister von Chicago wurde, zum Anwalt der Stadt Chicago ernannte. Späterhin wurde er Präsident des Board of Education und der Civil Service Commission, zog sich aber trotz aller Erfolge bald vom politischen Leben zurück. Während der Weltausstellung in St. Louis fungierte er als Juror in der österreichisch-ungarischen Abteilung für Unterrichtswesen und erhielt für seine damalige Wirksamkeit das Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens. Während der Friedensverhandlungen zwischen Rußland und Japan sprach er, der immer treu zu seinen jüdischen Glaubensgenossen stand, gemeinsam mit dem Newyorker Bankier Jakob Schiff und dem hervorragenden Sozialpolitiker und nunmehrigen Handelsminister Nathan Strauß beim Grafen Witte vor, um dessen Intervention zu Gunsten der russischen Juden zu erbitten. Mit voller Tatkraft widmet sich Kraus dem großen jüdischen Wohltätigkeitsverein „Independent Order Bnai Brirh". Kraus ist sein Präsident, und einen Teil der für die Reise in die alte Welt bestimmten Zeit wird er dem Besuche der europäischen Zweigvereine widmen. Kraus ist gleichzeitig Präsident des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins in Chicago. Wenn der Mann, dessen Wirken und Bedeutung im Vorstehenden skizziert wurde, nach fast ^0 Jahren in Begleitung seiner Gattin — einer Landsmännin — das Vaterland wieder betritt, darf er ein freudiges Willkommen erwarten. Die finnische Anleihe. London, 8. Januar. Infolge Protestes des Anglo- Jewish-Komitees gegen die Behandlung der Juden in Finnland hatte die finnische Anleihe nur einen knappen Erfolg, und nach der Zuteilung fielen die Stücke, die schon zu 5/s Agio gehandelt worden waren, auf 1 Perzent Disagio. Jerusalem. Von dort wird geschrieben: Nach wiederholter Aufforderung des Paschas von Jerusalem ist nun der Chacham Baschi Cheskia Sabatai aus Haleb (Mesopotamien) nach Jerusalem gekommen, um die Wahl eines neuen Chacham Baschi zu leiten. Sabatai zögerte lange, bevor er jenem Befehle nachgekommen ist, da von Seiten der Paniselpartei bereits stark gegen ihn agitiert wurde: Bei seiner Ankunft in Jerusalem wurde Sabatai von einer großen Volksmenge begrüßt. Konstantmopel. Zur Chacham Baschiwahl für die Türkei sind fünf Kandidaten nominiert. Diese sind außer dem ejtzt als Kaimatam amtierenden Haim Nahum: Josef Halevy, Rabbiner in Balat, Rabbi Abram Danon, Direttor des Rabbinerseminars, Mosche ben Chabib, Rabbiner von Brussa und Raphael Aron ben Schim'on, Großrabbiner von Kairo. Vermischtes. Kranzablösuugsspenden zugunsten derChewra-Kadischa iu Wien I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Heinrich Bader: Bon Leopold Rosenzweig.und Söhne L 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Roß: Bon Samuel Simon K 20.—, Emanuel Roß 10.—, Martin Roß 20.—, S. Roß 20.—, S. Kallich X 20.-. Zusammen K 90.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Schön: Von Moritz Schön X 20.—, Johanna Singer, Budapest 20.—, Eduard Pollak 20.—, Therese Kohn. Ung.-Brod 20.—, Leopold Schön 10,—, Brüder Ko:ner 6.—, Katharina Tauß, Ung.-Hrad X 10.—. Zusam. X106.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Leopold Weinberger: Von Therese Weinberger, Eibenschitz X 10 —. Anläßlich des Ablebens der sel. Regina Herzka: Von Martin Sachs X 30.—, Bernh. Pollack von Parnau 60.—, Julius Otte 20.—, kais. Rat Leopold Sachs 20.—, R. S. Otte 10.—, Bruno v. Pollack 20.—, Otto Pick X 20.—. Zusam. K 170.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Ullmann: Von Gatten samt Angehörigen X 6.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Freudenthal: Von Dr. S. Freudenthal und Josefine Breitmalin X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Gustav Fried: Von Kommerzialrat Kantor X 20.—, Emma Engel 10.—, kais. Rat Julius Stern 20.- , Max Stern 20.—, Finanzrat Dr. Jeröme Stern 10,—, Josef Simon 20.—, Eduard Doktor 20.—, Fritz Engel 10.—, Dozent Dr. Erben 10.—, Dr. Leopold Berg und Frau 40.—, Dr. Leopold Fried und Frau 50.—, Kommerzialrat Wilhelm Hirsch X 20.—. Zusammen X 250.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Malvine Arnot: Von Sigmund Kubic K 10.—, Josef I. Fabri 10 —, Hugo Arnot X 50.—. Zusammen X 70.—. Anläßlich des Ablebens des Dr. Brunuo Mayer: Von Mayer und Müller K 10.—, W. S. Lentia 5.—, Direktor Heinsheimer X 20.—. Zusammen K 35.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Emilie Sachs: Von Dr. H. I. X 20.—, Dr. Adolf Saxl und Frau 10.—, Adolf Fuchs X 10.—. Zusammen K 40.—__ ___ ...... I. B. zum 21. Dezember 1908 X 20.—. Vortragszyklus aus jüdifcher Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 21. Jänner 1909, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Leopold Goldschmidt aus Proßnitz statt. — Thema: „Ueber jüdisches Fremdenrecht." ' Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien Dr. Gustav Kohn ist nun nach vierwöchentlicher Krankheit so weit hergestellt, daß er am Montag seine Amtstätigkeit wieder aufnehmen konnte. Dieser Anlaß wurde von den Verwaltungsbeamten der Kultusgemeinde zu freudigen und herzlichen Sympathiebeweisen für den verehrten ersten Vizepräsidenten benützt. Wien. Unsere jüdischen Frauen dürfte in hohem Maße ein Vortrag interessieren, den die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" Donnerstag den 21. d. M. um halb 8 Uhr abends im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, veranstaltet. Herr Doktor Stephan D a r n a u, das durch Intelligenz und darstellerische Begabung hervorragende Mitglied des Wiener Bürgertheaters, wird an diesem Abende an der Hand biblischer und sonstiger literarischer Quellen „die palästinensische Jüdin a|m Putztische" schildern. In Wort und Bild — mittelst skioptischen Darstellungen — wird das gesellschaftliche Leben, das Heim und die Toilette einer vornehmen jüdischen Dame zur Zeit Christi Geburt vorgeführt werden. Die Stellen aus den Propheten, in welchen gegen die Putz- und Gefallsucht der Frauen aus den „oberen Zehntausend" geeifert wird, beweisen, daß das gewählte Thema vor zwei Jahrtausenden genau so

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