Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 41 stige Andacht und Gebet zu ersetzen. Es ist daher erklärlich, daß für den Aufbau des Tempels keine allgemeine, überschwängliche Teilnahme vorhanden war. Die kühle Aufnahme der Bauerlaubnis wird in Judäa ebenfalls wahrgenommen. Wohl geht Serubabel unter Unterstützung der Aeltesten und der Väter daran, das gesteckte Ziel zu erreichen. Aber nach eingetretenen Hindernissen stockt der unternommene Bau. Es hat sogar den Anschein, daß selbst Serubabel, der doch die Mission übernommen hat, für die Aufgabe Nicht diejenige Hingabe besaß, die von ihm erwartet wurde. Nichts wird gemeldet, daß er Schritte unternahm, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, nicht wird erwähnt, daß er, der doch gewiß durch seine Stellung bei Hofe einen großen Einfluß besaß, versucht hat, mit einem Schreiben an den Großherrn sich zu wenden, daß die staatsrechtlich und nicht gnadenweise erteilte Bauerlaubnis zur Ausführung gelange. Bei all den Störungen und Hemmungen beobachtet er ein konsequentes Schweigen und es bedarf erst der prophetischen Aufforderung im Namen Gottes, daß er sich aufraffe und an den Weiterbau schreite, denn in Esra 5, 1 — 3 heißt es: „Und es weissagten Chagai der Prophet und Secharja bar Ido der Prohet über die Judäer, die in Judäa und in Jerusalem waren im Namen des Gottes Israel. Da erhoben sich Serubabel bar Schealtiel und Josua dar Jehozadak und begannen zu bauen das Gotteshaus von Jerusalem, mit ihnen waren Propheten, welche sie unterstützten". Chagai ruft Serubabel und seinen Genossen im Namen Gottes zu: „Ist es jetzt Zeit, in getäfelten Häusern zu wohnen, während das Gotteshaus öde dasteht?" Darauf folgt die Mitteilung : „Da hörten Serubabel Sohn Schealtiels und Josua ben Jehozadak der Hohepriester und der Rest des Volkes auf die Stimme ihres Gottes und auf die Worte des Propheten Chagai, den ihr Gott gesendet hat und das Volk fürchtete sich vor Gott." (Chagai 1, 3, 12.) Diese Nachlässigkeit zeigt, wie tief die Meinung Wurzel geschlagen hat, daß bte alte kultische Form der Opfer nicht mehr ganz dem Herzen genüge und daß die Kultusfvrm der Andacht dem Gemüte große Befriedigung gewähre. Um aber diese Dissonanz der Empfindung harmonisch auszugleichen, griff Serubabel zu einem Mittel, welches wohl in alter Zeit auch schon hin und wieder zur Anwendung kam, nämlich: zur Einführung des Gesanges und der Instrumentalmusik beim Opfergottesdienste. Daß diese Institution auf die Initiative Serubabels zurückzuführen ist, wird ausdrücklich in der Mitteilung bezeugt: „Im zweiten Jahre im zweiten Monate, als sie in das Gotteshaus kamen, da trafen Serubabel ben Schealtiel*) und Josua ben Jozadok und ihre übrigen Genossen, die Priester und die Leviten und alle, die aus der Gefangenschaft nach Jerusalem zurückkehrten, die Einrichtung, daß man Leviten bestelle zum Gesänge bei der Handlung des Gotteshauses rc. Es standen die Priester mit den Trompeten und die Leviten, die Söhne Assaphs, *) Hinsichtlich des Vaters Serubabels gibt es in der Bibel zwei auseinandergehende Angaben. Nach dem Propheten Chagai 1, 1, 14) war Serubabel der Sohn Schealtiels .Su'liSxV ja Saarn Laut I. Chronik (3, 19) war er der Sohn Pedajas, eines anderen Sohnes Jehojachins. ia Saarn nra ':ai Diese Divergenz suchen die Kommentatoren und Historiker auszugleichen. Iben Esra (Esra 3, 1), meint Schealtiel, hat Serubabel erzogen, deshalb wurde er als sein Vater genannt. Kimchi hält Serubabel für einen Enkelsohn des Schealtiel. (Kimchi zu den Stellen Chagai und Chronik.) Nach M. Fredmann sind Assir und Schealtiel und Serubabel identisch. Serubabel ist daher ein Sohn Jehojachins. (Serubabel S. 12.) Grätz hält den Text in Chronik für schadhaft. (Geschichte der Juden zweite Hälfte, Seite 74, Anmerkung 2.) Am wahrscheinlichsten ist die Ansicht Josef Weiffe's, daß Serubabel der Sprosse aus einer Leviratsehe ist, daß entweder Schealtiel oder Pedaja, welche Brüder waren, kinderlos starb und einer von Beiden die Frau des anderen geheiratet hat, Serubabel daher nach Schealtiel gezählt wurde, ttik rwx n« in«n aa’ »a rvrnS Sa*1 (Biur zu I. Chronik 3, 19.) Ueber die neuesten Ansichten vergleiche man Selm, (Serubabel), Rothftein (die Genealogie des Königs Jehojachin), Kittel, die Bücher der Chronik S. 23 ff.), Novak (Kommentar zu Chagai 1, 1.) mit Cymbeln da, zu preisen den Ewigen nach der Weise Davids, des Königs von Israels. Sie stimmten Lob- und Danklieder dem Ewigen an und riefen: Lobet den Ewigen, denn er ist gütig, denn ewig währt seine Gnade. Darauf fiel auch das Volk mit einer Jubelhymne auf Gott ein." (Esra 3, 8—11.) Die Einführung der Vokal- und Instrumentalmusik als beständigen integrierenden Bestandteil des Gottesdienstes im Tempel zu Jerusalem ist die erste Tat Serubabels nach der Wiederaufbauung des Heiligtums. Durch die Einführung des Priester- und Volksgesanges als eine beständige gottesdienstliche Institution wurde eine Brücke zwischen dem alten Kultus und der neuen Zeitrichtung geschlagen, wurde eine Vermittlung zwischen der Vergangenheit und der damaligen Gegenwart herbeigeführt, eine Neubelebung der Gottesverehruug ermöglicht. Als eine Verherrlichung der Einrichtung, Vokal- und Instrumentalmusik mit Opfern als Gottesdienst zu vereinigen, ist der 150. Psalm anzusehen. „Lobet Gott, lobet Gott in seinem Heiligtums, lobet ihn in dem Firmamente seiner Macht, lobet ihn in seiner Stärke, lobet ihn in seiner ungeheueren Größe. Lobet ihn mit Posaunenschall, lobet ihn mit Psalter und Zither. Lobet ihn mit Pauken und Harfe, lobet ihn mit Saitenspiel und Flöten. Lobet ihn mit lautschallenden Cymbeln, lobet ihn mit schmetternden Cymbeln. Alles, was Seele hat, lobe Gott. Hallelujah". Die Lösung der Tempelfrage und die Regelung des Gottesdienstes, den Forderungen der Zeit entsprechend, ermöglichten es Serubabel, an eine der bedeutendsten Aufgaben heranzutreten, welche im Vordergründe des restaurierten Staatswesens standen. Dieses war die Stellung, welche der Adel im judäischen Volksleben einnahm. Der judäisch-israelitische Staat war vom Anbeginn an auf rein demokratischer Grundlage aufgebaut. Alle Stämme, welche das Land eroberten, waren im Staate gleich. Alle genossen dieselben Rechte, wie alle dieselben Pflichten erfüllen mußten. Keinem derselben wurde irgend eine bevorzugte Stellung eingeräumt. Auch keine Familie wird genannt, welcher eine solche zuteil ward. Wenn eine oder mehrere Personen sich durch besondere Verdienste im Krieg oder Frieden auszeichnen, so werden ihnen große Ehren zuteil; ein anderer Vorteil erwächst ihnen aus ihrer edlen Betätigung nicht. Weder Geld, noch Gut, noch Titel werden für Großtaten von Seite des Volkes angeboten, noch werden sie von den Vollbringern edler Handlungen beansprucht. Und wenn ausnahmsweise einem Helden' eine Auszeichnung zugedacht wird, so wird eine solche von demselben rundwegs abgelehnt. So fordert Moses das Volk auf, auszusagen, ob er je ein Maultier von ihm bekommen oder ob er Jemandem je irgend einen Nachteil zugefügt hat. (Numeri 16, 15.) Ebenso ruft Samuel die versammelten Stämme als Zeugen auf, daß er keinen Ochsen, keinen Esel und kein Lösegeld von ihnen angenommen hat. (I. Sam. 12, 3.) Othnial, Ehud, Schamgar, die Prophetin Debora und die anderen Richter glänzen durch große Heldentaten hervor, befreien mit eigener Lebensgefahr das Land von seinen Feinden, aber keine Belohnung irgend einer Art wird ihnen angeboten. Sie sind freie Bürger des Landes, betreiben sonst Ackerbau oder Viehzucht, leisten in außergewöhnlichen Zeiten Außerordentliches. Sie betrachten das besondere Aufgebot all ihrer Kräfte in Epochen der allgemeinen Not als etwas Selbstverständliches, als ihre von ihrem Gewissen ihnen gebotene heilige Pflicht. Und wenn es ihnen gelungen ist, für ihr Volk, für ihr Vaterland, für ihre heilige Religion Ersprießliches zu leisten, fühlen sie sich darüber gewiß in ihrer Seele beglückt und beseligt. Sie kehren aber nach vollbrachter Heldentat zum Pflug, zur Pflanzung und zur Hürde zurück, um weiter ihrer bürgerlichen Beschäftigung in harter Arbeit nachzugehen. Höheres als das beseligende Bewußtsein gewissenhafter Pflichterfüllung gibt es für sie nicht. (Fortsetzung folgt.)