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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 3 schau" geschrieben hat: Zeder verständige Deutsche macht die Taschen zu. Die antisemitische Presse ist also bei einem edlen Werke schön beisammen. Warum taten es die einen und die anderen? Daß alldeutsche Gesinnung sich minderwertig macht, indem sie den angeblich minderwertigen Welschen die Menschlichkeit weigert, wundert niemanden, der diese Kirchtürmer von Eger und Landskron kennt. Bei den grauen und schwarzen Klerikalen war aber der Beweggrund ein tieferer, mehr gefährlicher. Der Vatikan lebt nämlich in wirklicher, dauernder und erbitterter Feindschaft mit dem geeinten Italien und dem von Gott geschlagenen Feinde darf keine Hilfe geleistet werden. Von der internatlvnalen, jüdischen Solidarität lügen die Grauen und Schwarzen oft und viel und wie flüchtende Diebe pflegen sie zu schreien: Haltet den Dieb! Von der. schonungslosen, jeder Rücksicht baren, Frieden und Fortschritt störenden, klerikalen Solidarität aber, die dem Politiker bei jedem Schritte aufstößt und ganz Europa beherrscht, ist der eben bargelegte Vorfall ein monumentaler, denkwürdiger Beweis. Die Antisemiten haben so brutal vernichtet, was die von den verantwortlichen Diplomaten geführten Freunde der Kultur und des Friedens erreicht haben. Denn für die jenseitigen Hetzer war dieses Vorgehen Wasser auf die Mühle, sie haben verschwiegen, daß die Mehrheit der Oesterreicher nicht auf Seite der Vergani- und Wolf-Organe gestanden ist und sprechen generalisierend von den Jtalienhassern in unserem Staate, denen nicht einmal das Unglück heilig ist Die Flamme der Feindseligkeit, die jetzt ge.dämpft werden konnte und beinahe erstickt worden ist, flammt von neuem auf, und wenn die Reibungen und Reizungen zwischen den beiden feindlichen Dreibündlern zu bösem Ende führen, so haben die Antisemiten von der Blutschuld eines künftigen Krieges einen großen Teil aus sich geladen. Einer löblichen Regierung mag es dadurch wohl klarer werden, wie weit es mit dem trommelschlagenden Patriotismus der Christlich-Sozialen und Klerikalen her ist und daß diese angeblichen Stützen des Thrones und Altares bereit sind, den Thron auf dem Altar zu opfern. Heute kann die Regierung nicht viel dagegen machen. Denn die von ihr protegierten Geister sind stärker geworden als sie selber und kaum mehr los zu werden. Ihre an den Juden geübte und gegen das Gesetz bewilligte Ueppigkeit schlägt bereits über die Stränge, sie zeigen, daß sie das Steuer des Staates mit in Händen haben und unaufhaltsam auf Konkordat und Ultramontanismus Richtung nehmen. Wir Juden, deren werktätiger Patriotismus uns den Schutz des Staates nicht gebracht hat, begrüßen die Anzeichen einer beginnenden Herrschaft, die weder die Wähler noch die Regierungen ertragen werden. Denn das eine bleibt als Trost in den Triumphzeiten des Klerikalismus: daß seine Entlarvung seinen Sturz bedeutet. AiZrouautischr Mythe« «ud ihre Entstehung. Von Dr. Max Grmrwald. Dem kühnen Menschenstreben, die Luft zu meistern, droht von altersher der Himmlischen Zorn. Dem Menschen die Erde, der Himmel dem Gott! Den Erdball zu umspannen, von Küste zu Küste auf schwankem Schiff die Brücke zu schlagen, dazu findet der Erdgebundene göttliche Hilfe, während ein Gott zur See in der Mythologie der Völker die Ausnahme bildet. Doch auf Wolke oder Wagen, aus Sturmesfittich, Tieresrücken oder gleitender Barke durch den Aetyer zu ziehen, bleibt der Seeligen Vorrecht. Unsanft den Boden berührt Eigel, Wielands Bruder, da er das Flughemd erprobt. Dädalus büßt sein Wagnis mit dem Opfer des Kindes. Die Namen „Jkarisches Meer" und „Hellespont", dauernde Denkmäler unseliger Luftfahrt, warnten den stolzen Segler vor keckem Einbruch in der Olympier Machtbereich. Wie demütigend in der Sage von Helles Absturz der Gedanke, daß die Götter Tieren, wie dem fliegenden Widder, freiwillig geben, was sie dem Menschen neiden! Dieser goldfellige Widder, wie Pegasus von Poseidon gezeugt, und Odins Roß Sleipnir, Lokls Kind, sie stammen freilich aus göttlichem Geblüt. Doch war nicht auch eines Gottes Sohn Phaeton, den des Kroniden Blitzstrahl aus den Lüften schleudert? Gerade aus Helles Heimat meldet nun frühe Kunde, daß Frauen die göttliche Macht in den Bann ihres Zaubers zwingen. Eine Wundersalbe, die Flugkraft verleiht, besitzen Thessaliens Hexen. Auf rauchgefüllten Säcken schweben sie von hohen Bergen herab. *) Ohne Grund konnte solche Sage nicht den Glauben des spöttelnden Griechen finden, in dessen Wortschatz „aerobatein", „lustwandeln", soviel besagte, wie unser „Luftschlösser bauen". Man muß Aehnliches wirklich gesehen haben. Beschreibt nicht anderthalb Jahrhunderte vor Newtons Erfindung bis ins Einzelne genau Agrippa von Nettesheim das Spiegelteleskop? Und was ist jene Hexenkunst im Wesen anderes, als Montgolfieres dampfgefüllter Ballon? Warum kann nicht lange vor Leonardos Fallschirm ein „Homo volans“ sich staunenden Blicken dargestellt haben? i) 2) ' Ein Körnchen Wahrheit wächst mythenumsponuen ins Unermeßliche. Dem Drachen des Archytas, der „fliegenden Taube",, gesellt sich das zahllose Heer der Zauberfauna buddhistischer und arabischer Märchen, die fliegenden Koffer, Pantoffeln und Siebenmeilenstiefel unserer Kinderbücher. Und wie weit dann auch der fernere Weg von Oduis Mantel, in dem Hadding durch die Lüste saust, bis zum Mantelflug des Dr. Faustus, der „1525 in Auerbachs Keller auf einem Fasse rausgeriten auf die Gasen", von der Wolke, die Iphigenie entführt, und dem Pfeil, auf dem Abaris, Apolls Pnester, reitet, bis zur Kanonenkugel, die der ehrenfeste Münchhausen' >zum- Vehikel- -wählt, ...vom Decamerone bis zu Jules Verue's Luftreifen, — Phantasus achtet keiner Schranken und Bedenken. Nur ein Zügel bändigt ihn: Nicht zweckloser Leichtsinn darf die Luftfahrt wagen. Ein sittliches Ziel muß sie leiten, sie entschuldigen. Auf Adlersflügeln holt im babylonischen Mythos Etana von Jschtars Thron ein heilsames Wunderkraur. In heiliger Sendung läßt die Sage Moses in einer Wolke gen Himmel steigen. Von Diocletian mit Absicht zu einem Termin gefordert, den sie auf natürlichem Wege unfehlbar versäumen müßten, werden die Weisen Liberias', wie die talmudische Sage meldet, von einem Dämon pünktlich befördert. In seinem Namen „Argonaut" wird mit gutem Grund eine Verschreibung aus „Aeronaut" vermutet. Einen wichtigen Termin einzuhalten, fliegt Heinrich von Ofterdingen mit Klingsohrs Hilfe von Siebenbürgen nach Eisenach. Karl der Große, der edle Mörninger, Heinrich der Löwe und andere verschollen geglaubte Gatten treffen durch Zauberritt noch in letzter Stunde ein, da ihre Frauen . nach Ablauf vereinbarter Warlefrist eine neue Ehe zu schließen bereit sind. Michael Scotus zwingt durch sein Wunderroß Frankreichs König zum Ersatz für Räubereien französischer Piraten. Ans einem Adler oder mit großem Troß auf einem Teppich eilt Salomo blitzschnell durch die Luft, um allgegenwärtig seines Herrscheramtes zu walten, so daß er in Damask zu Morgen, in Medien zu Abend speist. Kyaxres reist auf einem Thron, den gezähmte Adler tragen. Der Prediger Johannes Teutonicus liest 1221 in einer Nacht drei Messen, die eine in Halberstadt, die andere in Mainz, die dritte in Köln. Von berühmten Lehrern Weisheit zu holen, eilt glühender Wissensdrang im Wolkenflug von i) Auf den Karolineninseln erzählt die Sage von Oulefat, dem Sohn eines göttlichen Geistes, daß er im Rauch zum Sitze seines Vaters aufsteige. r) Be: den Inden besteigt Hanvuman einen Hügel und läßt sich nach Lanka fallen.

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