Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 3. Dpa Jahrgang XIVI Zentralorcjan für die gesamten Unteressen des Judentums. -□. - _□- Wie«, 15. Jmuer 1909 Erscheint jeden Freitag. : Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wien. m. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/i, Hahngasse Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. V. ft. Poflsparftassenarnt Q G ■ 1—=0 ° p Derugsprris für Vestrrreirh: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespal« lene Petttzeile 24 Heller. O O— ---Q O Jnhaltr^Leitartikel: Protegierte Staatsfeinde. — Aeronautische Mythen und ihre Entstehung. — Ueber das Verbot, Bildhauerwerke, Menschen und Engel darstellend, in Synagogen und bei Grabdenkmälern anzubringen. — Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine jüdische Mensa. Die Juden in Messina und Reggio. Das Mißgeschick eines „Bekehrten". Jüdische Synagogengesänge und irische Volksmusik. — Korrespondenzen: Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Die wirtschaftliche Boykottierung der Juden. Die Reform der Kultusbesteuerung. Verein der Sabbathfreunde. Jüdischer Verein „Einheit". Verein der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens. Loschitz. 'Aus der zionistischen Bewegung. Die Juden im türkijchen Parlament. Ein „Verband türkischer Juden". Bukarest. Adolf Kraus aus Chicago. Die finnische Anleihe. Jerusalem. Konstantinopel. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Wien. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Frauen-Wohltätigkeitsverein „Zuflucht". Israelitischer Frauen-Wohltätigkeitsverein Floridsdorf. Austritte aus dem Judentum. Reichenau a. d. Knezna. Prag. Nikolsburg. Gailingen. München. Petersburg. Warschau. — Feuilleton: Methusalem. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten — Inserate. Protegierte Staatsfemde. Oesterreich und Italien sind Verbündete, von denen man in jedem Winter sagt, daß es im Frühjahr losgehen werde. Auf der einen Seite haben wir den Aerger über den Verlust blühender und reicher Provinzen, die man nicht an die Italiener, sondern an die Preußen verloren hat, ferner das Gefühl der Ueberlegenheit über den Nachbar vom anderen Ufer des Gardasees. Auf der andern den Appetit auf die zweite Küste des adriatischen Meeres und die Furcht, der Stärkere warte nur seinen Moment ab für einen plötzlichen Ueberfall. Aber deswegen braucht es noch immer keinen Krieg zu geben. Ist doch sogar der französische Revanchegedanke vollständig eingeschlafen und von den geballten Reden nach Königgrätz ist nichts zurückgeblieben, als daß man in Wien die großtuerische Berliner Geistesöde verspottet. Die zum Kriege führenden Staatsintereffen sind nämlich heute demokratisiert, werden mit dem Auge des kleinen Mannes betrachtet, der Friede und Handelsverträglichkeit braucht. Und dann hat man den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Früher, als die absoluten Herrscher nur ihre langen Kerls ins Treffen schickten und der Bürger, wenn er nicht gerade an der eben benützten Heerstraße saß, die ganze Bataille im Anzeiger für Stadt und Land gemeldet fand, gab es mehr Schlachten, als unsere Gymnasiasten heute erlernen können. Aber seitdem die Völker in Waffen zu einer Massenernte des Todes ausrücken, jede Familie ihre Männer ins Feld schicken muß, schreckt man vor der Ungeheuerlichkeit eines Krieges zurück, weicht man aus, wenn man noch Möglichkeiten dafür findet. Aber nicht alle Faktoren haben diese Meinung. Wo immer zwei Gewalten einander feindlich gegenüberstehen, finden sich Elemente, die sie weiter treiben, Elemente, die von der kommenden Gefahr nicht selbst bedroht sind und denen es sehr billig kommt, wenn sie anderen Gefühlen als denen der Vernunft Worte geben. Es gibt Böswillige aus Berechnung oder Charakter und von ihnen Erhitzte und Verführte, deren leeres Geschrei imstande wäre, den Weltkrieg heraufzubeschwören.' Die Diplomatie, deren Aufgabe die des Blitzableiters ist, hat gerade an diesen Leuten ihre schwersten Gegner. Man sieht heute in Europa nach den revolutionären Verschiebungen der letzten Jahrzehnte nichts worüber nicht Verhandlungen einen billigen Ausgleich ergeben könnten. Wenn man den Abschaum der Hetzer von der Völkerflut entfernt, so sieht man allerorts mit ihrer Staatszugehörigkeit zufriedene Nationen und kein wirkliches Hindernis einer materiellen oder kulturellen Entwicklung. Trotzdem die Schreier, trotzdem die ruhelose Fama, von der alle tausend Zungen tausend Lügen, Verdrehungen, Verhetzungen Vorbringen, die Staaten und die Menschen zu entzweien. Jetzt war eine Gelegenheit, aufzubauen, was diese Lügengöttin auf politischem Gebiete zerstört hat. Das Nationalunglück in Italien, die Verwüstung Siziliens und Kalabriens, schrie in die Welt um Hilfe. Was nun Oesterreich tat, war mehr und bedeutungsvoller als die materielle Unterstützung durch gute Herzen. Indem man sich mit Leidenschaft dem'Rettungswerke anschloß, offenbarte man mit Leidenschaft seinen Willen für Freundschaft und Frieden zum mißtrauischen Verbündeten. Nicht umsonst hat der erste Diplomat des Reiches, hat der Minister des Aeußern Freiherr von Aehrenthal, sich an die Spitze des Hilfskomitees gestellt. Nicht umsonst haben instinktiv weite Kreise der Bevölkerung verhältnismäßig außerordentliche Summen aufgebracht. Sie fühlten es, daß mit jeder Krone, die über das gewöhnliche Maff der nachbarlichen Hilfsbereitschaft hinaus gegeben wurde, eine Lüge über die österreichische Feindseligkeit gegen Italien starb. Auf dem Trümmerfelde Messinas und Reggios konnte der Anfang einer dauernden und tiefgehenden Versöhnung zwischen den Nachbarstaaten herbeigeführt, im Gottesfrieden des großen Unglücks Italiens der dauernde Friede mit Oesterreich angebahnt werden. Wer hätte es nicht mit tiefster Befriedigung gesehen, wenn solcherart dem Weltfrieden ein großer Dienst erwiesen worden wäre? Aber wieder mußten sich die Elemente breit machen, denen aus Dummheit oder Böswilligkeit das große Interesse der Menschheit niedriger steht als der Vorteil oder die aufgeblasene Meinung des dreisten Ich. Wir haben bereits in der vorigen Nummer gemeldet, daß die christlichsoziale und klerikale Presse die Aufrufe des Hilfskomitees für Italien demonstrativ nicht gebracht hat. Heute können wir hinzufügen, daß die „Ostdeutsche Rund-