Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 34 Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Nr. 2 dieser Koalition mußte das Ministerium einem provisorischen Kabinette den Platz räumen. Mit großem Fleiß und historischer Treue hat der Verfaffer das Material für die Schilderung der fünfjähvgen Epoche gesichtet und in klarer Anordnung des Stoffes in fesselnder Form das Beste geleistet, um der gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Hrrbert Grimme. Das israelitische Pfingstfest und der Plejadenkult. Eine Studie, Paderborn, Ferd. Schöningh, 1907. Der Verfaffer will in diesem Buche den Ursprung - des israelitischen Wochey.se st es Nachweisen, den er im altbabylonischen Plejadenkult mit voller Bestimmtheit zu finden glaubt. Dieser Kultus hatte seine Stätte nicht so sehr im alten Babylonien und Affyrien, wie in Mesopotamien, insbesondere in CH a ra u; von dort verbreitete er sich in der israelitischen vor geschichtlichen Epoche in den Küstenstädten Phöniziens und in Palästina und fand sogar auch bei den Griechen Eingang. Ohne Zweifel sind die Untersuchungen des Verfassers religionsgeschichtlich von großem Interesse, und wir können ihm auch beistimmen, daß der Plejadenkult nicht ohne Einfluß auf die kulturelle Entwicklung der kanaanitischen Bolksstämme geblieben ist. Die Zahl 7 spielt bekanntlich in einem Teil des biblischen Schrifttums eine große Rolle; wir finden fie nicht nur in kultischen Symbolen wieder, sondern auch im Verbum schwören und, was der Verfaffer sehr richtig nachweist, in manchen Eigennamen. Wir haben es mit vorgeschichtlichen Rudimenten zu tun, deren sich viele im biblischen Schrifttum erhalten haben. Auch die Bezeichnung schewuoth für das bekannte Fest, das neunundvierzig Tage nach dem zweiten Pessach- Festtag gefeiert wird, mag damit in Verbindung stehen. Mehr aber als der Name ist sicher davon nicht geblieben, und der Verfaffer geht zu weit, wenn er sogar im Pentateuch, wo die altkanaanitischen Naturfeste bereits einen israelitischen, religiösen und nationalen Charakter erhalten haben, das Wocheyfist als mit dem^Plejadenkult identisch finden will. Tatsächlich hat man in der Bibel selbst für das Wochenfest keine national-geschichtliche Bedeutung ausfindig machen können;' daß es der Tag der Offenbarung der Lehre sei, beruht auf einer Berechnung aus der sephardischen Zeit. In der Mischnah und bei Josephus heißt dieses Fest bekanntlich „azeret", während in der Bibel bloß der achte Sukkottag so genannt wird. Offenbar wollte man das Wochensest, um ihm eine religiöse Bedeutung zu geben, mit Peffach in Verbindung bringen. Es verdient jedoch hervorgehoben zu werden, daß schon im Buche Tobit (II, 1) das Wochenfest wahrscheinlich als an die Offenbarung der Lehre erinnernd bezeichnet wird. Durchaus falsch ist es, was der Verfaffer, S. 103, über die heutigen Gebräuche der Sephiratage bringt, die nach seiner Auffassung alle an den alten Plejadenkult anknüpfen. Das sind Bräuche, von denen der Talmud nichts weiß, die zum ersten Mal in den „Turim" von Rabbi Jakob den Ascher erwähnt werden und angeblich aus der gäonaischen Zeit stammen sollen. Auch die Bedeutung des 33. Omartages, der als Feiertag eu miniature gilt, ist sehr späten Datums; sogar Joseph Karo weiß davon nichts in seinem Schulchan Aruch und erst seinem jüngeren Zeitgenossen Mose Jfferles blieb es Vorbehalten, nebst anderen in Deutschland üblichen religiösen Bräuchen auch diesen zu erwähnen. Geschichtlichen Wert haben diese Dinge gewiß nicht. In diesem Buche gibt aber der Verfaffer manche wertvoll und durchaus zutreffende Bemerkungen, und selbst wo seine Ergebnisse noch einer wetteren Erörterung bedürfen, kann man sie als nützliche Anregungen bezeichnen. Insbesondere ist von großem Jntereffe, was er von der Entwicklung des Neumondfestes bei den Juden sagt. Es find dies religionsgeschichtliche Fragen, die bis jetzt noch keine erschöpfende Behandlung gefunden haben. Im Gänzen bedeutet das vorliegende Buch eine dankenswerte Bereicherung der wissenschaftlichen' Forschung ans dem Gebiete ees israelitischen Altertums. Simon Bernfeld. Bosse A, Untersuchungen zum.chronologischen Schema des Alten Testaments. 26 S. (Progr. des Herzogl. Ludwig- Gymn. in Cöthen, 1906.) Ein Uebermaß von Scharfsinn wird hier zur Lösung des jetzt so vielerörterten Problems der alttestamentlichen Chronologie von der Schöpfung bis zum salomonischen Tempelbau angewendet. Brennend war diese-Frage für die alte Kirche. Die Septuaginta und der masoretische Text boten verschiedene Angaben. Welcher durfte man trauen? In welchem Jahre der Welt war Christus geboren, wie viel Jahre vor ihm also bestand sie und wie viele nach ihm wird sie noch bestehen? Wollte doch erst jüngst noch Howard die Chronologie des Alten Testaments ^als Grundlage und Regulator aller anderen chronologischen Aufstellungen dieser ältesten Zeit" zur Anerkennung bringen. Der Verfasser fußt auf der bekannten Winckler'schen Theorie der alttestamentlichen Chronologie, nimmt an, daß diese mit „Gematria" gearbeitet habe, und gelangt in der Hauptsache u. a. zu dem Ergebnis, daß sowohl in der „Sethiten"- wie in der „Semitcntafel" die masoretische Rezension die älteste ist. Ob das komplizierte System, das hier dem alttestamentlichen Chronologen hypostasiert wird, stichhalt, werden wettere Forschungen zu entscheiden haben. Im Einzelnen wird für die Urvätergeschichte eine Fülle belehrenden Stoffes geliefert. S. 7 in der Anmerkung über die Zahl 70 hätte des Synhedrions gedacht werden können. x. Sanders, Prof. Dr. Daniel, Wörterbuchder Hauptschwierigkeiten in der deutschen Sprache. Neu bearbeitet von Dr. Julius Dumcke. 31. Auflage. 8", 462 Seiten. Geh. 4 Mk., geb. 5 Mk. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin-Schöneberg, Es gibt im Deutschen wie in jeder noch in lebendiger Fortentwicklung begriffenen Sprache, unberührt von den allgemein anerkannten Regeln, die allen Gebildeten geläufig und vertraut sind, eine nicht geringe Anzahl , von Fällen, in denen der Sprachgebrauch noch nicht oder doch mindestens nicht ganz entschieden und zweifellos festgestellt ist und in denen das Schwanken bei Gebildeten und selbst bei Schriftstellern eine gewisse Unsicherheit erzeugt. Heißt es z. B. richtiger: „Wir Deutsche" oder „Wir Deutschen"? Welche Form ist korrekter: „Zeichenunterricht" oder „Zeichnenunterricht"? Wer sich in solchen und vielen anderen Zweifelsfällen zuverlässigen Rat holen will, der greife zu diesem Werke des bewährten Meisters. Wenn man bedenkt, daß das Werk nunmehr in der einunddreißigsten Auflage erscheint, so ist damit wohl der beste Beweis für seine Notwendigkeit und Zuverlässigkeit geboten. . Die, vorliegende Ausgabe ist auf Grund der neuen Rechtschreibung durchgesehen, außerdem sind alle Ergebnisse der neueren Forschungen seit Sanders' Tode berücksichtigt. Es ist alles getan, um das Werk in Form und Inhalt dem heutigen Stande der Wissenschaft' anzupassen. Kittel R, Die orientalischen Ausgrabungen und die ältere biblische Geschichte. 5. Auflage. Leipzig, A. Deichert's Nachf. (Georg Böhme) 1908. 52 S. M. 0.90. Der als besonders hervorragender Kritiker des Alten Testaments bekannte Leipziger Professor Kittel hat einen im Jahre 1902 über obiges Themas gehaltenen und in rascher Folge bereits 1903 in 4. Auflage erschienenen Vortrag durch einen kurzen Nachtrag bereichert. Kittels Forschungsergebnisse bilden einen rocher de b r o n e e mitten in der Sturmflut der auf diesem Gebiet so beliebten Hypothesenhast. Zuversichtlich erklärt er (S. 7): „Babel und was von ihm kommt, wird den Felsengründ unseres Glaubens nicht erschüttern!" Abraham, Mose u. a. rücken als historische Persönlichkeiten unserem Auge immer näher. Treffend wird dem Zynismus babylonischer Darstellung u. a. die sittliche Entrüstung der Bibel über das Verhalten Hams gegenübergkstellt (S. 28). Durch den eigenen Inhalt wie durch die Hinweise und Perspektiven gewinnt das Schriftchen einen um so höheren apologetischen Wert, je weniger Tendenz ihm von Haust aus zugrunde liegt. 0.