Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021821--17983-3042886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 2 Dr. Zölsev s Mocdenscbrin. Seite 35 Bettelheim A, Berthold Auerbach, Stuttgart und Berlin 1907, I. G. Eottas Nachfolger. S. x u. 450. Der ergreifenden Tragödie des deutfchnationalen Judentums, die mit der Emanzipation beginnt und über Stöcker und Treitschke, über Ahlwardt und Könitz bis zum Staatsbürger- Verein und anderen Gründungen zur Abwehr rohen Rassenhasses fortgeschritten ist, könnte man mit Fug und Recht den Untertitel „Berthold Auerbach" geben. Bittere Enttäuschung vergällt den Lebensabend eines glühenden Patrioten, der einst sein Deutschtum über alles gestellt und in vorderster Reihe dem deutschen Namen die Ehre gegeben hatte. In langer Jahre stetiger Arbeit ist in dem vorliegenden Werke ein würdiges Lebensbild Auerbachs gereift. Für die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und insbesondere der Wandlungen, denen das Judentum darin unterworfen war, werden von berufener Hand feine Zusammenhänge bloßgelegt und aus dem Resonanzboden eines immerhin bedeutenden Einzelschicksals mancher beachtenswerte Widerhall vernehmbar. Das neue Geschlecht, das der Gefühlsseligkeit A/s und seiner Zeit fremd und ablehnend gegenübersteht, wird seiner Treue gegen den angestammten Glauben und seine Ideale die Achtung nicht versagen können. Die Literaturangaben wären durch: Oest. Zentralorgan I, 30; Grunwald, B. Auerbachs Beziehungen zu Hamburg im „Hamburger Korrespondent" (Febr. 1902) und: Ders., Berthold Auerbach als Jude (Jeschurun 1901) zu ergänzen. Das objektiv gehaltene Buch verdient, jüdischen Lesern angelegentlich empfohlen zu werden. Briefkasten. A. F. Das türklsche Parlament zählt 850 Mitglieder, darunter 5 Juden als Vertreter von Konstantinopel, Salonichi und Bagdad. Die jüdische männliche Bevölkerung in der Türkei wird auf die Ziffer von 250.000 eingeschätzt. Zum Mitgliede des Senates hat der Sultan den greisen Behar Effendi Eskenast ernannt. Behar Effendi ist ein tüchtiger Talmudkenner und war mehr als zwanzig Jahre Unterpräfekt von Konstantinopel. - D. L. Ml. Mit einer entsprechenden Einleitung ist es gestattet, auch am Freitag Nachmittag bei der Beerdigung eines Verstorbenen einige Worte des Nachrufes zu sprechen. Nach der Rückkehr vom Begräbnisse sitzen die Trauernden eine Stunde die übliche Schiweh. W. St. In Warschau gibt es nach dem „Haint" nicht weniger als 5000 Juden, die Kohn heißen, abgesehen von den 1600 Juden, die auf den Namen Kahn hören. An zweiter Stelle kommt Schapiro mit 4500 Inhabern. Friedmann, Goldberg und Rosenberg haben je 3000 Träger, 2500 Mann, heißen Bernstein, Silberberg und Rubinstein, 2000 Goldstein, Levin, Schneider und Steinberg, lieber tausend Namensvettern vereinigen die Namen: Grünberg, Zuckermann, Rabinowitz, Silbermann, Goldmann, Hurwitz, Finkelstein, Rosenblum, Eisenberg und Neumann. Dr. Heinrich Löwe trat mit dem 1. Jänner von der redaktionellen Leitung des Berliner Zionistenorgans zurück, oder vielmehr, man hat ihn einfach gehen heißen, nachdem er mehr als seine Schuldigkeit getan! Er selbst verabschiedet sich von seinen Parteigenossen in der letzten Nummer in einem Artikel, in dem es unter anderem heißt: „Beinahe sieben Jahre lang war es mir vergönnt, dieser Zeitung, die ich durch meine Arbeit unter großen physischen und psychischen Opfern geschaffen habe, Richtung rmd Gestalt zu geben. Es war eine schwere Aufgabe. Im Anschluß an den Breslauer Delegiertentag hat mir der geschäftsführende Ausschuß des Zentralkomitees von dem allgemeinen Mißtrauen sämtlicher deutscher Zionisten Mitteilung gemacht und mir dringend klar gemacht, daß es notwendig wäre, daß die Schriftleitung in andere Hände übergehe. Die allgemeinen Klagen aller Zionisten, die am heftigsten aus Frankfurt a. M. und Posen gekommen wären, machten die Entlassung wünschenswert. Die Klagen der oberschlesischen Zionisten ließen sie notwendig erscheinen. Dieser Sachlage entsprechend beschloß das Zentralkomitee unter dem Vorantritt seines Präsidenten mit 15 gegen 2 Stimmen (bei zwei Stimmenenthaltungen) meine Entfernung uns der Redaktion. Darauf erhielt ich ordnungsgemäß vom Vorstand der Genossenschaft „Jüdische Rundschau" die vom Aufsichtsrat bestätigte Kündigung.. Wenn der Gründer einer Zeitschrift oder Zeitung das Recht hat, für alle Zukunft ein Ziel dem Blatte vorzuzeichnen, das es nicht verlassen kann, ohne sich selbst untreu zu werden und sich selbst zu verraten, so darf ich mich ohne Scheu in solchem Sinne als den Gründer der „Jüdischen Rundschau" betrachten. Und was ich der Reihe meiner Nachfolger als unabänderliches Ziel vor Augen halten werde, ist einzig das Judentum in seiner ganzen nationalen Bedeutung und der Zionismus auf Grundlage des Baseler Programms. Ich nehme heute Abschied von meinen Lesern und von meinem Freunden — denn ich glaube trotz aller Unzufriedenheit nur auch Freunde und Freundschaft erworben zu Huben, die unter der Unzufriedenheit nicht leidet. Denn ich weiß wohl, wie unzulänglich meine Arbeit war, wenn auch der Wille, einzig dem Zionismus und dem jüdischen Volke ohne Nebenabsichten zu dienen, mich bti meiner ganzen Arbeit geleitet hat. Die Unzufriedenheit schwindet mit meinem Scheiden aus der Redaktion." Dr. Löwe wird sich trösten mit der leider auch hier wieder bestätigten Erfahrung, daß alle diejenige», die für jüdische Interessen gearbeitet haben und es nicht verstanden haben, den „jüdischen Notablen" und allen, die mit dieser Gattung in Verbindung stehen, zum Munde zu reden, nie etwas anderes als Undank geerntet haben. Uebrigens stellt auch das Literaturblatt der „Jüdischen Rundschau" sein Erscheinen ein. Als man Dr. Löwe mitteilte, daß er aus der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" entfernt würde, machte man ihm gleichzeitig die Zusage, daß er das Literaturblatt weiter redigieren dürfe. Er war hierzu unter der Bedingung bereit, daß er dafür keinerlei Entschädigung bekäme. Auch der neue Redakteur der „Jüdischen Rundschau" sprach ihm wiederholt seine volle Zufriedenheit und sein Einverständnis aus, daß er das Literaturblatt weiter herausgeben solle. Dagegen erfuhr er zufällig in der letzten gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat, daß das Literaturblatt vom 1. Jänner ab nicht mehr erscheinen solle. G. F. „Don Jsak Abarbanel", betitelt sich ein neues Drama, das einen Jungtürken, namens Santu-Sino in Konstantinopel zum Verfasser hat. Der Autor, ein intimer Freund des Prinzen Safa-hidin^ hat in diesem Drama mit deutlich erkennbarer Tendenz das Leben der Juden nach der Vertreibung aus Spanien und ihrer ersten Ausiedlung in der Türkei zur Darstellung gebracht. Das Stück dürfte noch in dieser Saison zur Aufführung gelangen. Dr. B., Charlottenburg. Besten Gruß und Dank. I. S. Die stillschweigende Belassung druckt noch kein Definitivum aus, wenn nicht im Anstellungsvertrage der Anspruch auf dasselbe nach Ablauf des Provisoriums vorgesehen war. A. Wolf, Prerau. Nein. Allatt null Tji8Pbss iiem’sclie Wohltätigkeits-Stiftung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiemit bekannt, dass ans den Zinsen der obgenannten, von dem am 14. April 1899 in Wien verstorbenen Herrn Adolf Stern begründeten Stiftung am 14. April 1909 ein Betrag von K 2433.— an würdige und bedürftige Personen jüdischer Konfession ohne Unterschied des Geschlechtes und ohne Rücksicht auf die Staats- und Gemeindeangehörigkeit derselben znr Verteilung zu gelangen hat. Der Unterstützung bedürftige und würdige Bewerber, wel che die Verwandtschaft oder Schwägerschaft mit dem Stifter Herrn Adolf 8{ern oder dessen Gattin Therese Stern geb. Kanitz nachzuweisen vermögen, sind vor allen anderen Bewerbern zu berücksichtigen Gesuche um Verleihung dieser Stifung sind, mit dem Nachweise der Zugehörigkeit zur jüdischen Konfession belegt, bis 31. JänH87 1909 im Einreichungsprotokolle der Israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ilniuarcitätchnror ^er *n Deutschland und Parin studierte (JIIlvelwllQlullUI 61 lehrt (auch mittelst Konversation) Französisch, insbesondere Hebräisch nach seiner eigenen, von Pädagogen anerkannten Lehrmethode, Bibelkommentar und Talmud. Auch schreibt derselbe Jahrzeitstabellen und bittet edle Glaubengenossen in Anbetracht seiner Notlage um Bestellungen. Beia Fischer, II., Adambergergasse 1, II. Stiege, II. Stock, Tür 6. DM- Zu verkaufen -Mi ein Gasthaus mit Fremdenzimmer, gut singet Restuur. mit Schank, Hof und Stauungen. Adresse: Sinaisky, Karlsbad, Bahnhof 317. O Li, für Fräulein gesucht. „Seriös“ postlagernd IX., Franz Josefsbahn. (Nur gegen Schein.) Soeben ist erschienen und steht kostenlos u. postfrei zur Verfügung! Antiquariatskatalog 169: Judaica u.Hebraica. 985 Nummern. Offerte von einzelnen- Werken von Wert sowie von ganzen Bibliotheken sind stets erwünscht. JOSEPH JOLOWICZ, Buchhandlung und Antiquariat in Posen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.