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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 30 Wt» Lloch s MocbenscbrLK. Nr. 2 die Nekropole Angehörigen der römischen Synagogengemeinden der Augustefier, Agrippefier, Bolumnesier, Kalkaresier, Hebräer und Vernaklefier als Begräbnisstätte. Nach der Architektur behandelte der Vortragende die von ihm zu Tage geförderten Fundgegenstände und unter ihnen besonders ausführlich die Epitaphien, von denen er rund 200 entdeckte. Er besprach ihre technische Herstellung und die auf ihnen eingemeißelten, aufgemalten und eingeritzten Gegenstände und Texte. Als bildliche Darstellungen erwähnte er den siebenarmigen Leuchter, in den verschiedensten Formen, Lulab, Etrog, Gefäße, Hörner, Vögel, Thoraschrein, Schriftrolle usw. Die Inschriften find in griechischer, lateinischer und hebräischer Sprache abgefaßt, am zahlreichsten find die griechischen, am seltensten die hebräischen. Unter den Eigennamen überwiegen die griechischen und lateinischen die aus dem alten Testament bekannten hebräischen und aramäischen. Wie die ausgegrabenen Epitaphien viele neue jüdische Eigennamen kennen lehren, so bereichern sie auch in erheblicher Weise unsere Kenntnis von den römischen Synagogengemeiuden und ihren Beamten. So bezeugen sie unter anderem die noch nicht bekannte Synagoge der Vernaklefier und das ebenfalls noch unbekannte Amt des arebou alti ordinis. Interessant find auch die auf den Inschriften verwendeten Eulogien und Akklamationen. Jedoch besaßen die ältesten jüdischen Epitaphien nach den Untersuchungen des Vortragenden weder spezifisch jüdische Eulogien und Akklamationen, noch auch bildliche Darstellungen. Der Generalversammlung war am Vormittag eine Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft vorangpgangen, die fich hauptsächlich mit den wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft befaßte. Der Ausschuß beschloß, das Fragment der Sifraausgabe des verstorbenen Lektor Friedman n—Wien mit einer kurzen Biogrophie des verdienstvollen Gelehrten zu veröffentlichen und genehmigte den endgültigen Plan für die Herausgabe der Germania Juda ca, den die betreffende Kommission auf Grund ihrer letzten Beratungen vorlegte. In einer Resolution, die demnächst in dem Organ der Gesellschaft, der Monatsschrift für 'Geschichte und Wissenschaftdes Judentums, zur Veröffentlichung gelangen soll, nahm der Ausschuß sodann noch Stellung zu der Jacobschen Kritik des Lehrbuches „jüdische Religion" vou Dr. C o b l e n z—Bielefeld. Wir bemerken noch, daß der Jahresbericht und die Satzungen, sowie auch Prospekte über die von der Gesellschaft herausgegebenen Schriften kostenlos von ihrem stellvertretenden Schriftführer, Herrn Dr. N. M. Nathan, Berlin N 24, Artilleriestraße 35 A zu beziehen sind. Chemie und Antisemitismus in Rumänien. In welch sonderbarem Zusammenhänge manchmal die Wissenschaft, respektive die staatlich vereidigte Kenntnis chemischer Vorgänge mit fanatischem Antisemitismus stehen kann, zeigt ein Monstreprozeß, der sich kürzlich in Rumänien abspielte, dem Lande, in dem man sich der Erfüllung des Artikels 44 des Berliner Vertrages noch immer entzieht, bis einmal von den Vertragsmächten eine deutliche Mahnung ausgehen wird. In der zweiten Hauptstadt Rumäniens, Jaffy, erwerben viele Juden ihr ehrliches Brot durch Ausschank von Wein, ebenso wie eine große Anzabl ihrer christlichen Mitbürger. Unter elfteren herrscht jetzt, so wird uns geschrieben, große Auftegung, da der staatliche Beamte, dem die Kellerrevisionen übertragen find, ein Häuptling der antisemitischen Partei und Großhändler in judenseindlicher Literatur, sein Amt zu einem kühnen Streich, der eines Grafen Pückler würdig wäre, benutzt hat. Und die Gerichte haben ihn fürsorglich unter ihre Fittiche genommen. Dieser Kellerrevisor, Dr. Schumuleanu, erhob gegen 110 der erwähnten Gewerbetreibenden, die sonderbarerweise alle jüdischen Glaubens waren, die Anklage, es seien Spuren von Salizylsäure im Weine gefunden, und er ließ daraufhin aus eigener Machtvollkommenheit, ohne erst ein rechtskräftiges Urteil zu erwirken, stattliche Mengen des edlen Nasses auslaufen. Es genügten ihm nicht die kleinen Gebinde, denen die Proben entnommen waren, sondern er bestimmte auch andere, größere Fässer nach seiner Wahl zur Vernichtung — von den hohen Strafen und der Entziehung der Schankberechtiguug nicht zu reden, die seine antisemitisch-sachverständigen Behauptungen für die Betroffenen herbeisühren muffen. ' Diese, in dem Bewußtsein, daß ihr Wein nicht schlechter war, als der ihrer christlichen Berussgenoffen, beschwerten sich beim zuständigen Minister, gestützt auf Gutachten erster Autoritäten auf dem Gebiete der Weinanalyse, wie der Professoren Medicus, Dr. Windisch, des Berliner Gerichtschemikers Doktor Bischoff und Anderer. Die Antwort, die darauf erfolgte, war eine höchst seltsame, die zeigt, wie weit Rumänien noch vou Europa entfernt liegt und was man sich dort unter dem Mantel des Gesetzes gegen die Juden noch gestatten darf. Die Antwort war nämlich eine Entschädigungsklage auf die Summe von 150.000 Francs von dem (mit einem monatlichen Einkommen von 300 Francs angestellten) staatlichen Sachverständigen, „da seine Autorität unter der Eingabe gelitten habe." Nachdem der Prozeß zwei Instanzen durchgelaufen hatte, fand in der letzten Zeit vor dem Gericht in Vaslui, einer kleinen Nachbarstadt von Jaffy, eine mehrtägige Verhandlung statt. Die Fürsprache einflußreicher Verwandten des Klägers hatte die Verlegung des Prozesses nach diesem Orte bewirkt, wo' man sicher war, antisemitische Gesinnungsgenossen als Richter zu finden. Im Widerspruch mit dem Urteil der vernommenen Sachverständigen, welche die oben angeführten Männer als Kapazitäten auf diesem Sondergebiete anerkannten, wurde denn auch der Klage des Dr. Schumuleanu auf seine Angaben hin stattgegeben und die Verurteilung so vieler Familienernährcr zu schweren Strafen ausgesprochen. Das Sonderbare ist, daß die dritte.Instanz die an den Staat zu zahlende Buße auf ein Sechstel der zuerst festgesetzten Summe ermäßigte, dagegen die dem gekränkten Privatkläger zustehende Summe verdoppelte. Man sieht also, wozu in Rumänien die Chemie und wozu ein Monstreprozeß gut ist, wenn der Vertrieb von Blättern, die zum Judenhaß aufreizen, nicht den gewünschten Ertrag abwirft. Ein jüdischer Marineministcr. Laut Mitteilungen aus Amerika wurde vor einiger Zeit in Aussicht gestellt, daß im neuen amerikanischen Kabinet der zukünftige Präsident Taft dem bisherigen Privatsekretär Roosevelts, Wilhelm Loeb, einer jüdischen Persönlichkeit, ein Ministerportefeuille gewähren dürfte. Nunmehr erhalten wir aus Washington die Nachricht, daß in der Tat Loeb als Leiter eines Ministeriums, und zwar des Marineamtes, ausersehen sei. Loeb ist die rechte Hand Roosevelts und dürfte auch Taft eine treffliche Stütze werden, der bekanntlich die Ausbildung des Marinewesens als seine wichtigste Aufgabe bezeichnet hat. vermischtes. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 14. Jänner 1909, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. — Them a: Juden als Erfinder und Entdecker. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Kranzablösungsspendeuzugunsten der Chewra-Kadischa in Wien 1., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Heller: Von Adolf und Karoline Kohn K JO.—, Martha Cohn L 3.—. Zusammen K 13.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Philipp K o r n i tz e r: Von Dr. Michael Alt L 10.—, Hugo Schneid K 10.—. Zusammen K 20.—.

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