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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Vr. Vloch's Wochenfttzrifl. Seite 27 Mit besonderen Bedauern verzeichnen wir den Heimgang des^ Vereinsmitgliedes A. N. Löwenstein, der allezeit ein opferbereiter» Förderer unserer Sache gewesen ist und in pietätvoller Weise in unserem» Tempel eine Maskir für seine verstorbenen Eltern gewidmet hat. ja In den Herren Markus Abeles, Alfred Gerngroß, Leopold/ Landeis, Heinrich Silberstein verlieren wir langjährige, sehr ge-/ schätzte Mitglieder unseres Vereines. j/j An dieser Stelle wollen wir auch mit Wehmut des Heimganges der trefflichen Frau Cäeilie Eisenberger gedenken, die tiefbetrauert im aberlaufenen Jahre das Zeitliche gesegnet bat. Sie war eine Fran von ganz hervorragender Begabung und hat sich als Gründerin und Leiterin des Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeitsvereines, dem sie über ein Vierteljahrhundert ihre ganzen Kräfte gewidmet, «in unvergängliches Verdienst um das Armenwesen unserer Bezirke erworben. Wir werden der Verewigten auch in unserem Kreise ein dankbares ehrendes Gedenken bewahren. Der Sohn der Verblichenen, unser geschätzter Kollege, Herr Kommerzialrat Max Eisenberger, hat intraditioneller Pietät für die Verstorbene eine Maskir in unserem Tempel im Betrage von K 2000 gewidmet, und wollen wir auch an dieser Stelle rühmend her» vorheben, daß er durch eine Spende von K 3< 00 für eine Cäcilie Eisenberger-Stiftung innerhalb des Frauen-Wohltätigkeitsvereines seine hochherzige Gesinnung neuerdings in besonderer Weise dokumentierte. Aus der Galerie der Toten heben wir noch hervor die edle Gattin unseres geschätzten Kollegen, Kommerzialrates Karl Kraus, Frau Hedwig Kraus. Sie haben sich, sehr geehrte Anwesende, zum Zeichen der Ehrung unserer Toten von den Sitzen erhoben, und Sie gestatten, daß von dieser Kundgebung im Protokolle der heutigen Sitzung Vermerk geschehe." Der Vereinsvorstand hat 6 Plenarsitzungen abg halten und auch über die in der letzten Generalversammlung gebotene Anregung verhandelt, betreffend die Einführung eines Turnus für die Samstage, . wonach von nun ab je zwei Vorstandsmitglieder in dem Tempel anwesend sein sollen. Der Vorstand ist zu dem Beschlüsse gekommen, daß dies aus verschiedenen Gründen untunlich sei, zumal ja durch die Institution des Bethausvorstandls für eine genügende und würdige Repräsentation des Vorstandes Vorsorge getroffen sei. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, den Herren Bethausvorstehern Michael Feitler, Sigmund Gewitsch. Moritz Mautler. Jonas Lemberg, Rudolf Sohr und Samu Weiß für die wirklich gewissenhafte und aufopferungsvolle Durchführung ihres Ehrenamtes wärmstens zu danken. Die zwei anderen Anträge betrafen die Einführung einer elektrischen Ventilation im Tempel und Anbringung von Notausgängen auf der Frauengalerie^ Diese beiden letzten Punkte wurden in mehreren Beratungen auf das Eingehendste unter Zuziehung eines fachmännischen Beirates erörtert; es mußte jedoch von der Einführung neuer Ausgänge auf der Frauengalerie Umgang genommen werden, erstens mit Rücksicht auf die geradezu unverhältnismäßig hohen Kosten, die wir aufzubringen nicht in der Lage wären, weiters mit Rücksicht auf das Gutachten unseres Architekten und endlich hauptsächlich unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die alljährlich stattfindenden behördlichen Besichtigungen des Tempels die Notwendigkeit dieser Maßnahmen nicht ergaben. Das günstige Resultat der Bethaus-Filiale im „Hotel Savoy" hat den Vereinsvorstand veranlaßt, diese Filiale als ständige Einrichtung in die Vereinsagenden zu übernehmen. Ein gleich günstiges Resultat hatte die Filiale im Architekten-Vereinssaale. Der Vereinsvorstand zieht in Beratung die Einrichtung einer dritten Filiale mit ganz billigen und Gratissitzen, um der unwürdigen Spekulation von Privaten zu begegnen. Trauungen wurden im Tempel 54, Barmizwas 33 und Namengebungen 9 abgehalten. Am 10. Mai d. I. wurden in gewohnt feierlicher Weise 20 Mädchen von unserem ehrwürdigen Rabbiner konfirmiert. Am 18. August veranstalteten wir anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes den üblichen Festgottesdienst. Im Rechnungsabschluß finden sich Spenden anläßlich freudiger Ereignisse in den Familien unserer verehrten Vorstandsmitglieder Herrn Ignatz Klein. Herrn kais. Rat Friedrich Pottak und Herrn kais. Rat Josef Toffler, sowie des Mitgliedes Herrn Leopold Waller, welche je 30v K anläßlich der Verheiratung ihrer Kinder dem Tempel widmeten. (Beifall.) Wir konstatieren mit Befriedigung und mit wärmsten Danke diese Spenden und möchten es gerne sehen, wenn sie — immer nur aus freudigen Anlässen — Nachahmung finden würden. Es kamen uns im Laufe des Jahres noch zu die Spende von zwei kostbaren Tbora-Ständerbeböngen seitens unseres verehrten Mitgliedes Herrn Bernhard Strakosch und seiner Gattin Henriette, sowie eines Fußteppichs vor der Bundeslade seitens unseres werten Kollegen Herrn Ernst Schüller. Wir danken diesen wohlwollenden Spendern auch an dieser Stelle herzlichst. An dem 40 jährigen Jubiläum des ausgezeichneten Vereines Nachlath Jeschurun hat unsere Korporation vom Herzen teilgenommen und ist Ihr Präsident mit fast dem gesamten Vorstand bei der Festversammlung erschienen, um unsere besten Gefühle zum Ausdruck zu dringen. (Beifall.) Geehrte Versammlung! I Einer uns liebgewordenen Gewohnheit folgend, wollen wir »unseren Bericht nicht schließen, ohne den Gefühlen der Anhänglichkeit ifan unsere alte Mutter-Gemeinde Ausdruck verliehen zu haben. « Wir wollen dies auch in diesem Berichte tun und bitten den ssanwesenden Vertreter des Kultusvorstandes, von diesen Gefühlen entsprechend Kenntnis zu nehmen und sie dem Vorstande der Kultusgemeinde zu übermitteln. Sie aber, meine geehrten Herren, bitten wir neuerdings um Ihr freundliches Vertrauen und Ihre bewahrte Unterstützung, auf die fußend wir der Erfüllung der uns gestellten Aufgaben uns mit unseren schwachen Kräften widmen wollen". (Lebhafter Beifall.) Als erster Redner ergreift der Delegierte der Kultusgemeinde Herr Salo Cohn das Wort. Er ist trotz Erkältung in dem ihm liebgewordenen Kreise des Tempelvereines erschienen. Im Namen der Kultusgemeinde danke er für die großen Opfer, mit welcher die Korporation ihren schönen Tempel und ihren würdigen Gott sdienft erhalte. Der Verein sei zur Errichtung seiner Betfilialen zu beglückwünschen, die im moralischen Sinne eine soziale Tat für die vom Glücke minder Begünstigten bedeute. Mit Freude habe er die Worte herzlicher Zuneigung zur Muttergemeinde gehört und er hoffe, in deren Vorstand bald ein Vorstandsmitglied des Vereines begrüßen zu können. Er dankt schließlich für die persönliche Begrüßung in diesem ausgezeichneten Verein, der mit Umsicht geleitet werde und dessen Mitglieder sich voll schöner Opferfreudigkeit für den guten Zweck bemühen. Redner werde auch gerne in der Kultusgemeinde im besten Sinne berichten. (Beifall.) Dr. Löwy, Präsident des Nachlath Jeschurun, dankt für die. persönliche Aufnahme und Begrüßung, dann für die Anteilnahme am Jubiläum seines Vereines, der mit dem Tempelverein im besten Einvernehmen lebe. Letztgenannte Korporation habe eine Leitung, der allseits das allergrößte Vertrauen entgegen gebracht werde. Umsomehr sei es bedauerlich, daß die alten Wünsche der Kultuswähler im Bezirke, von denen Kultusvorsteher Herr Salo Cohn gesprochen habe, wieder nicht in Erfüllung gingen. Bei der letzten Kultuswahl habe es zwar an Entgegenkommen nicht gefehlt, der allseits verehrte Präsident Dr. Jakob Engel sei aber bei den Kandidaturen dann doch übergangen worden. Hoffentlich werde sich wenigstens in Zukunft für den guten Willen des Wahlkomitees auch ein Weg finden. (Beifall.) Der nächste Punkt der Tagesordnung ist der Kassabericht. Der ausgezeichnete Kassier Herr kais. Rat Pollak ist leider durch Krankheit am Erscheinen verhindert, was die Versammlung mit Bedauern zur Kenntnis nimmt. Es liegt ein Brief vor. in welchem er zu den einzelnen Posten Aufklärungen gibt und um größere freiwillige Zuwendungen bittet. Der Bericht wird als allgemein bekannt nicht verlesen. Es geht daraus hervor, daß die Einnahmen bei zirka K 50.000 betragen und ein Kassavortrag von K 15.490 74 bleibt. Im Namen der Revisoren berichtet Herr Reschofsky, daß er und seine Kollegen die Bücher revidiert, viele Stichproben gemacht, die Barbestände gezählt hatten und mit Vergnügen die mustergültige Kassaverwaltung anerkannt hätten. (Beifall.) Dem Kassier wird die Anerkennung der Versammlung ausgesprochen und Decharge erteilt. Aus der Neuwahl der Revisoren gehen hervor: Herr Ignatz Reschovsky. Carl und Leopold S t o w a s s e r; als Ersatz-Herr Doktor Carl L ö w y und Moriz M a n t l e r. Der Mitgliedsbeitrag bleibt in derselben Höhe. Nun folgen die Neuwahlen in den Vorstand. Herr Konsul Janowitzer teilt brieflich mit, daß er eine Wiederwahl aus beruflichen Gründen leider nicht annehmen könne. Er werde jedoch den Verein nach wie. vor in seinen Bestrebungen unterstützen. Der Vorstand hat sich überzeugt, daß Konsul Janowitzer, ein musterhafter Arbeitsmensch, nur aus reinem Pflichtgefühl wegen Ueberbürdung geschieden ist. Für sein bisheriges Wirken wird dem gewesenen Vorstandsmitglied Dank und Anerkennung der Generalversammlung protokollarisch ausgedrückt.

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