Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 26 Dr. Lwcb's Mocbenscbrin. Nr 2 Zionismus sprachen. haheu die Kandidaten der Opposition nach altern Muster hei der Mandatssuche die zionistische Fahne in die Tasche gesteckt und sich durchaus nur aut die „Vertreter des demokratischen Programms“ hinausgespielt. E ner von ihnen war sogar derart besorgt gegen jede Verdächtigung, dass er jede seiner Reden mit der naiven Versicherung begann, er sei.kein Zionist“. „Ganz wo anders, als die oppositionellen „Führer" glauben machen wollen, liegen aber die wirklichen Ursachen ihres kläglichen Fiaskos. Vor allem hat das lärmende, wüste Treiben der Opposition alle anständigen Elemente abgeschreckt und angewidert. Noch niemals wurden in einer Angelegenheit rein jüdischer Kreise die staatlichen Behörden, Statthalterei, Ministerium und Gericht, so oft angerufen und in Anspruch genommen, wie von der Opposition; noch niemals hat es bei einer solchen Gelegenheit jemand gewagt, in einem derartig hässlichen und nielrigen Ton von seinen Gegnern, von den legalen Vertretern der jüdischen Gemeinde zu sprechen, deren Beschimpfungen von der antisemitischen Presse mit köstlichem Wohlbehagen aufgenommen wurden.“ In Nr. 49 schreibt der Direktor Dr. K r e n b e r g e r einen „Epilog zu den Wiener Kultuswahlen". Direktor Doktor Krenberger ist gewiß kein „Protestrabbiner", kein „Zionistentöter" und er leitet seinen Aussatz mit den Worten ein: „Bei den diesjährigen Wiener Kultusvorstandswahlen war die offene Teilnahme früherer jüdischnationaler und zionistischer Führer, die an der Seite Herzls gestanden hatten, für die Kandidaten des herrschenden Kultusgemeindesystems ein sehr beachtenswertes Moment.“ Wir Haben es nicht für notwendig erachtet, diese Unterscheidung immer wieder zu betonen. Kein mit den innern Vorgängen im Wiener Judentum Vertrauter wird die gegenwärtige Kultusopposition mit der zionistischen Partei identifizieren und Herr Friedrich Herrnfeld, der in einer Wählerversammlung von den Beziehungen eines Oppositionsmannes zu dem antisemitischen „Deutschen Volksblait" mancherlei zu erzählen wußte, hat ganz überflüssigerweise gegen diese Identifizierung sich verwehrt und die Wiedergabe seiner Verwahrung in der „Oesterr. Wochenschrift" erwartet! Ganz überflüsfigerweise. Denn die Zionisten führer haben sich von dieser Opposition, welche die Partei zu Bundesgenossen der Freunde uyd Vertrauensleute des „Deutschen Volksblattes" erniedrigte, ostentativ ferngehalten, und kein Mensch in ganz Wien hat für das Treiben dieser zusammengewürfelten „Opposition" den Zionismus als solchen verantwortlich gemacht. Die „betroffenen" Leute allerdings flüchten sich nach dem eroßen Krach unter den Schutz der „zionistischen Partei" und machen den Versuch, ihre „Bundesgenossen" von den Rockschößen abzuschütteln. Die Be- und Versuche beim „Deutschen Volksblatt" werden als „private Machinationen irgend eines Menschen aus der Menge der nach Tausenden (?!) zählenden Opposition" entschuldigt! Allein solche Besuche macht immer bloß ein einzelner, nicht ein ganzes Komitee und eine Parteileitung in corpore. Und jener „Mensch" repräsentierte eine Gruppe, mit welcher sich die Herren Zweig, Marcus und Weisengrün für die Kultuswahlcn zu einer vereinigten Opposition zusammengetanhaben; er hat während der WahlbewegungOppofitionsversammlungen nicht bloß einberufen, sondern mit Ansprachen eingelcitet. „Dieser Herr Herrnfeld ist von den Machern der „Wochenschrift" einfach zum Blutzeugen gepreßt worden!" versichern die verkrachten Führer. Welche Machtmittel uns zu Gebote standen, Herrn Herrnfeld zu seiner „Blutzeugenschaft" zu „Preffen", darüber wird leider nichts verraten. Wir überlasten es Herrn Friedrich Herrnseld hierüber das Nähere mitzuteilen. In Wahrheit ist unsererseits an Herrn Herrn feld weder das Ersuchen ergangen, über die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen der Opposition und dem „Deutsches Volksblatt" zu recherchieren, noch weniger haben wir ihn veranlaßt, über seine Wahrnehmungen und Erfahrungen öffentlich sich zu äußern. Es hat auch des Herrn Herrn feld nicht bedurft und nicht seines Zeugnisses, um die öffentlich wahrnehmbaren Tatsachen zum Bewußtsein der jüdischen Wähler zu bringen, daß diese sonderbaren jüdischen Patrioten in der Opposition eine liebevolle Protektion bei den Antisemiten genießen. In der Gerichtsverhandlung vom 17. Dezember konnte und durfte der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, vor dem Richter konstatieren: „Die von den Klägern fabrizierten Schmähartikel sind stets am folgenden Tage nach ihrem Erscheinen in den antisemitischen Blättern Wiens wörtlich nachgedruckt worden. In einzelnen Fällen ist es sogar vorgekommen,' dass das „Deutsche Volksblatt“, nachdem es sich von der Unwahrheit der verbreiteten Mitteilungen zu überzeugen Gelegenheit fand, die verbreiteten Mitteilungen dementierte. Die Kläger dagegen und ihre Zeitung haben sich dazu nicht verpflichtet erachtet. In einer öffentlichen Versammlung der Opposition hat der Führer mit lauter Stimme erklärt, dass er sich freuen würde, wenn es gelänge, mit Hilfe der Antisemiten aus der jüdischen Kultusgemeinde die jetzigen Vorsteher hinauszufegen. Seine Worte fanden in der Versammlung keinen Widerspruch, .sondern .wurden mit jubelndem Beifall aufgenommen, und das offizielle Organ der Opposition hat diese Bede ohne irgend ein Wort der Kritik abgedruckt. Auch sonst waren die Artikel der oppositionellen Zeitungen nach Stil und Inhalt so beschaffen, dass sie ohne wesentliche Aenderung von den Redaktionen antisemitischer Blätter nachgedruckt werden konnten.“ Auch der Präsident der Kultusgemeinde sprach nicht von der „zionistischen" Partei, sondern von den Leuten der Opposition, deren Sünden jedenfalls kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Wiener Judentums bilden. Nicht mit Ehren beladen sind sie vom Schauplatz weggefegt worden. 85. Generalversammlung i»es Israel Trmpelvereines für den V I. «nd VII. Wiener Kesirk. Die Generalversammlung dieses verdienstvollen, gut organisierten und geleiteten Vereines fand am 30. Dezember, 7 Uhr abends, in einem Saale des .Tempelgebäudes im VI. Bezirk, Schmalzhofgasse 3, bei ausgezeichnetem Besuche seitens der Mitglieder statt. Der langjährige ausgezeichnete Präsident des Vereines, Hof- und Gerichtsadvokat Doktor Jakob Engel hielt die Eröffnungsansprache und nahm Gelegenheit, folgende Persönlichkeiten zu begrüßen: Den Vertreter der Kultüsgemeinde Herrn Kultusvorsteher Salo Cohn, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Taglicht, die Präsidentin des Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeitsvereines Frau Frieda Strauß und Kaffierin Dr. Engel, den Präsidenten des Humanitären Vereines „Nachlat Jeschurun" Dr. Carl Löwy, die Vertreter der „Oesterr. Wochenschrift" und „Wahrheit". Hierauf verlas der Schriftführer Herr Hermann L i e b e r m a n n das Protokoll der letzten Generalversammlung, das einstimmig verifiziert wird. Der Präsident erstattet den Rechenschaftsbericht, dessen wichtigste Stellen wir 'wiedergeben. Der Jahresbericht, welcher der Generalversammlung erstattet wird, beginnt mit einer solennen Huldigung für Se. Majestät den Kaiser aus Anlaß seines 60jährigen Regierungsjubiläums. Die schwungvolle Ansprache des Präsidenten wird von der Versammlung lebhaft akklamiert. Der Präsident fügt hinzu: „Wir haben am 2. Dezember einen solennen Festgottesdienst veranstaltet, der durch den Besuch des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn und hervorragender Festgäste ausgezeichnet war. Wir wollen auch an dieser Stelle unsere heißen Gebete für das lange Leben und die Wohlfahrt unseres allgeliebten Monarchen wiedergeben, auf daß er noch ungezählte Jahre die Geschicke seines Reiches freudvoll und erfolgreich lenken möge. Das walte der Himmel!“ (Beifall.) - Zur Tagesordnung übergehend, konstatiert der Bericht diesmal eine erfreuliche Steigerung der Mitgliederzahl (271 gegenüber 260 im vorigen Jahre). Der Vorsitzende gedenkt der Heimgegangenen Vereinsmitglieder: Markus Abeles, Alfred Gerugroft, kaiserlicher Rat Salomo« Kehnberger, Leopold Landeis, A. R. Löwenstei«. Adolf Pollak und Heinrich Silberstein. „Kalserlicher. Rat Kohnberger stand an der Wiege unseres Vereines und hat durch viele Jahre dem Vorstande angehört. Stets widmete er seine bedeutende Sachkenntnis und Arbeitskraft mit Eifer dem Woble des Vereines. Er spendete die zwei prachtvollen, großen Kandelaber vor der Bundeslade und hat sich bei den Sammlungen für den Tempelban in hervorragendem Maße beteiligt." Herr Adolf Pollak hat m der schwierigen Zeit vor und während des Tempelbaues im Vorstande unseres Vereines mit besonderem Fleiße gewirkt und war bis in seine letzten Tage ein begeisterter Anhänger unseres Tempels, zu deffen Errichtung er seinen Teil deigetragen hat.