Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021821--17973-3042876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2 Dr» Mocb's Mocbenscvrm. Seite 25 läßlichen Ueberlieferüngen. Und was er über Serubabel mitteilt, ist nicht viel mehr als das, was in den biblischen Berichten enthalten ist, wozu bei ihm noch eine sagenhafte Episode hinzukommt. Um sein Tun und Streben zu bemessen, ist man nur auf die Mitteilungen in den Propheten, auf einige jener Zeit ungehörige Psalmen, auf gelegentliche Aeußerungen der targumistischen und rabbinischen Literatur angewiesen, welch letztere, obwohl sie in späteren Jahrhunderten niedergeschrieben wurden, doch einen Nachhall ans der Zeit der Anfänge des zweiten jüdischen Staates bieten, welcher bei dem völligen Mangel anderer Nachrichten nicht unbeachtet bleiben darf. Am meisten aber kann das Wollen und Bemühen des judäischen Fürsten aus den leitenden Ideen des israelitischen Volkstunns, der allgemeinen altorientalischen Politik und aus ihren Grundsätzen, welche im persischen Reiche noch immer dominierend waren und die uns in den Keilinschriften klar entgegentreten, begriffen und beurteilt werden. Dir zionistische Partei «nt» die „Führer" der verkrachten Wiener Kultusoppofttion. Daß die „Führer" der verkrachten Opposition, die Z w e i g Weisen grün und Max M a r c u s die schauerliche Blamage die sie sich bei den Wiener Kultuswahlen geholt und die Bloßstellung, die sie im Gerichtssaal erfahren haben, nur schwer verwinden, kann man begreifen. Allein die Art, in der sie sich mit ihrer Situation abzufinden suchen, ist nicht bloß heiter, sie fordert auch ernste Verwahrung heraus. Die Zweig, Weisengrün und Max Marcus find nämlich selbstlos genug, ihre persönliche Niederlage — der zionistischen Partei großmütig zu. zedieren. Als Ursache ihrer Niederlage wollen die Herren nicht ihre eigene kolossale Dummheit und Unfähigkeit anerkennen, sie schützen vielmehr den angeblich traditionellen Haß gegen den Zionismus vor. „Es bleibt das ewige Verdienst dieser frommen Streiter wider den jüdischen Nationalgedanken, die beiden giftigsten uad niederträchtigsten Verleumdungen ersonnen zu haben: die Verdächtigung der Zionisten als Hoch- und Vaterlandsverräter und die Lügenmär vom Bündnis zwischen Zionisten und Antisemiten!“ Dem gegenüber muß konstatiert werden, daß im ganzen Wahlkampf vom „Zionismus" und der „zionistischen Partei" mit keiner Silbe die Rede war. Weder die offiziellen Kandidaten, noch ihr Wahlprogramm haben mit einem einzigen Worte gegen die zionistische Partei sich gewendet. Das war schon deswegen nicht möglich, da in den Reihen der offiziellen Kandidaten Männer von anerkannt zionistischer Vergangenheit sich befanden. Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat nicht unterlassen, rechtzeitig zwischen der „zionistischen Partei" und den Leuten, welche sich in Wien zu einer „Opposition" für die Kultuswahlen zusammengefunden, einen dicken Unterscheidungsstrich zu ziehen. In Nr. 40 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 2. Oktober 1908 publizierten wir an leitender Stelle einen Artikel mit der Unterschrift B über die Kultuswahlopposition. In dem ganzen umfangreichen Artikel ist nicht ein einziges Mal das dieser Welse in. kirchlichen Dingen und Verdiensten auf. Ist es in Angelegenheiten des weltlichen Lebens ganz kurz, so läßt es sie und ebenso Dinge im Leben frommer Männer, d'e ihnen nach ihrem sonstigen. Verhalten nicht wohl anstehen, unbedenklich ganz beiseite rc. Große und Heldentaten werden verschünegen oder nur erwähnt rc. Nicht .als ob von weltlichen Dingen: Kriegen und andere Unternehmungen weltlicher Art, überhaupt nicht die. Rede wäre. Auch sie werden nicht selten erzählt. Aber sie interessieren den Erzähler nicht als Tatsachen für sich. Wo sie in dieser Weise in Betracht kämen, werden sie mit Vorliebe umgangen. Vielmehr interessieren sie ihn lediglich als Bestandteile der religiösen Entwicklung, d. h. als B e w e i s e dafür, daß Gott das rechte Verhalten zum Tempel lohnt und das üble bestraft." Wort „Zionismus" oder „Zionistische Partei" zu lesen gewesen. Dagegen schrieben wir wörtlich: „Als Oradmesser für Urteilsreife und ethische Einsicht der dermaligen „Führer“ unserer Opposition darf wohl deren an den Wiener Magistrat gerichtetes Ansinnen gelten, (len Kultusvorstand zu beauftragen, alle Steuerrhckstacde schon des laufenden Jabres mit Hilfe der Exekution einzutreiben. Sonst pflegt es nie Aufgabe der Opposition zu sein, den Antreiber des Stenerexekutors abzugeben.“ „Selbstverständlich finden die „Oppositionellen“ bei ihrem Vorgehen die Bundesgenossenschaft des „Deutschen Volksblatt“, das mit Vergnügen dabeisteht, wenn im Judentum gestritten wird. Das christlichsoziale Parteiorgan druckt den oppositionellen Wahlaufruf vollständig ab, mit besonderem Behagen die Beschimpfungen der Kultusgemeinde und ihrer im Amte ergrauten Vorsteher und knüpft an das Ganze mit gewohnter Wahrheitsliebe die Folgerung, dass die Juden den Wahlrechtsraub, den sie fälschlich den Christlich-Sozialen zuschreiben, in ihrem eigenen Hanse verüben und daher durchaus kein Recht haben, der Lueger-Partei irgend welche Vorwürfe zu machen. So helfen die Oppositionellen den Kampf gegen den Antisemitismus lähmen, indem sie den von ihnen selber verursachten Massnahmen zu Agitationszwecken einen falschen Namen geben und die Schuld an einem von ihnen so genannten „Verbrechen“ Leuten in die Schuhe schieben, die bis jetzt darauf gehalten haben, dass das „Deutsche Volksblatt“ sie nicht unterstützt, sondern angreift.“ „Ton und Stil des mehrfach erwähnten, vom „Deutschen Volksblatt“ eines wörtlichen Abdruckes gewürdigten Zirkulares des oppositionellen Wahlkomitees sind aber wohl geeignet, auch den schlichten Wähler darüber aufzuklären, was aus unserer altehrwürdigen Gemeinde mit ihrer ruhmreichen Tradition wohl werden möchte unter der Verwaltung von Leuten, welche Mittel und Methoden des Wahlkampfes den Wiener Christlich-Sozialen entlehnen, ihre Schlagworte kopieren, unseren besten Männern das Wirken im jüdischen Gemeindeleben durch ungerechte und geflissentliche Verunglimpfungen verleiden und verekeln. Wem die Ehre des jüdischen Mannes noch etwas gilt, der muss sich bemühen, solche Elemente von der jüdischen Kultusverwaltung möglichst fernzuhalten. B “ In Nr. 47 vom 20. November 1908 in einem Artikel: „Zn den Wahlen in den Kultusvorstand", von Dr. Jos. S. Bloch, heißt es: „Die Leute, welche jetzt gerade im oppositionellen Wahlkomitee am Worte sind, führen einen Kampf, welcher den Antisemiten geradezu Entzücken verursacht, und das „Deutsche Volksblatt“ lebt publizistisch zu einem beträchtlichen Teil von den gedruckten und gesprochenen Wotten der Opposition, nährt seine antisemitische Politik von ihren Argumenten. Darüber helfen den Oppositionellen keine Gericbtsklagen hinaus, das kennzeichnet ihre tieftraurige Kampfmethode und macht die Oppositionellen ohne ihr Zutun zu Verbündeten der ärgsten Reaktionäre. „Das ist aber mit eine Ursache, warum sich eine ganze Reihe alter und bewährter Zionisten im In- und Auslande von den derzeitigen Führern der Jüdischnatioualen in Oesterreich entschieden zurückzieht. Sie machen weder solche Argumente des Kampfes mit, noch solche Methoden. Die angeblichen „Erben Herzls“ verunglimpfen durch ihr Vorgehen das Andenken ihres Vorbildes. Ihrer Unerfahrenheit und Verantwortungslosigkeit die Kultusgemeinde zu übergeben, wäre verhängnisvoll, ihrem Terrorismus zu weichen, sträflich Es ist vielmehr Pflicht eines jeden Wählers, der jüdisches Empfinden in seinem Innern nicht ganz erstickt hat, die Gemeinde vor solchen Gegnern zu bewahren, mit dem Stimmzettel in der Hand ein verwerfliches Gebühren zu brandmarken, welches den jüdischen Namen dem Spott und dem Hohne unserer Feinde ausliefeit.“ In diesem Artikel wird somit aus das Allerschärfste zwischen der zionistischen Partei und den Wiener Oppofitionsleuten unterschieden. In Nr. 48 vom 27. November 1908 wird als das „Ergebnis der Wiener Kultuswahlen" hervorgehoben: „Am 22. November bat der von den Oppositionellen so sehnlich herbeigewünschte „Kampf um die Kultusgemeinde" endlich stattgefunden und hat mit einer Blamage geendet, die so recht an die berühmte „Schlacht bei Zögernitz“ unter Führung des Schlachtenlenkers Lucian Brunner erinnert Man darf nur von Oppositionellen sprechen, nicht etwa von Zionisten und die Kläglichkeit der Ergebnisse nicht auf das Konto der zionistischen Partei setzen wollen Denn während die Kandidaten des Zentralwahlkomitees, unter welchen sich alte bewährte Zionisten wie Max Frank befanden, die sich ihre Gesinnung auch von den Patentinhabern in der Türkenstrasse nicht nehmen lassen, während die offiziellen Kandidaten mit Respekt und Hochachtung vom