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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 23 Nr. 2 Dr. Llocd's MocvenscbrM. brüdern ließen die Lücke in der Bildung schmerzlich empfinden, wozu noch das Streben kam, der erlangten Freiheit sich würdig zu zeigen und durch die Taten zu beweisen, daß nicht Starrsinn und feindselige Beschränktheit jene Einseitigkeit hervorgerufen. Sofort stellte sich aber auch die mangelhafte Einrichtung der bestehenden jüdischen Schulen heraus, sie genügten nicht mehr den neuen Verhältnissen. Und so ging man zu Anfang der Fünfziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts daran, neue jüdische Schulen zu gründen, in denen auch pro forma Wissenschaft gelehrt wurde; doch behielt der Unterricht in der hebräischen Sprache mit seinen 3 bis 4 täglichen Stunden seine dominierende Stellung bei. Die Gründung dieser neuen jüdischen Schulen sollte dartun, daß man die Vergangenheit vergessen wollte; andererseits schmeichelte man sich, daß diese Umgestaltung auf die religiöse Ausbildung der Kinder und auf ihre Anhänglichkeit an den Glauben keinen schädlichen Einfluß haben würde, zumal im elterlichen Hause die frühere Observanz noch herrschte. Sah doch damals das Kind vom frühen Morgen bis zum späten Abend die Ausübung religiöser Pflichten; bei seinem ersten Erwachen wie bei seinem Einschlafen sprach es Worte des Gebetes. Keine Beschäftigung wurde im Laufe des Tages vorgenommen, kein Genuß gekostet, ohne des heiligen Namen Gottes zu gedenken. So drang denn die religiöse Gesinnung von Außen her in das Gemüt, und überdies kam keine störende Betrachtung in das abgeschlossene Leben. Wie ganz anders sollte sich abcr dieses Alles im Laufe der Zeit gestalten! Allmälig verschwand die patriarchalische Lebensweise, immer mehr ward jene unbewußte Frömmigkeit in den Hintergrund gedrängt, denn selbst dort, wo noch die alte Sitte herrschte, war dies meistenteils nur scheinbar, es wirkte nicht mehr die ursprüngliche Unbefangenheit, sie war entweder bloße Gewohnheit oder wurde durch Rück sichten geboten; dazu noch der neue Jdeenkreis und die vielfachen Berührungspunkte mit den andersgläubigen Mitbürgern. Die Folge davon war, daß man auch an den jüdischen Schulen mit dem Zeitgeist fortschreiten wollte und so wurde der Unterricht in den profanen Gegenständen auf Kosten des hebräischen Unterrichtes immer mehr erweitert d. h. der Unterricht in den hebräischen Wissenschaften, den die Kinder nunmehr noch in Nebenstunden erhielten, wurde immer spärlicher. - Die großen Nachteile, welche aus diesem gänzlichen Verkennen der Zeitverhältnisse entspringen mußten, blieben auch nicht lange aus. Bald wurden Klagen laut über die laxe, Religiosität der Jugend, über deren Gleichgiltigkeit gegen die Religionswissenschaft, und nicht Wenige wurden besorgt. um die Folgen der sich immer mehr verbreitenden Geringschätzung des Glaubens. Doch dachte kaum jemand, daß das Gebrechen in dem äußerst mangelhaft gewordenen Verknüpfungspunkte zwischen der Jugend und dem Glauben, oder, vielmehr in der neu erstandenen Kluft zwischen ihnen läge, tlnter diesen tatenlosen Jammern drang der Zerstörungsprozeß immer weiter, immer mehr schwand die Kenntnis des Hebräischen und dadurch das einzige Belehrungs¬ und Erbauungsmittel auf dem religiösen Gebiete; bald war es dahin gekommen, daß der jüdische Mittelschüler in der Geschichte der Griechen und Römer und nicht selten auch in jener der entferntesten asiatischen Völker heimischer war als in den Erzählungen der Bibel, daß er seinen Lenophon und seinen Ovid besser verstand, als das kleinste Gebet oder den schönen Psalm. — Dies war der Stand der Dinge in den meisten jüdischen Gemeinden vor etwas mehr als zehn Jahren. Doch viel, besser ist es auch heute nicht geworden.. Noch immer steht das Kind im Gotteshause mit dem Buch in der Hand. Worte hersagend und Worte vernehmend, die ihm ganz unverständlich sind; noch immer nimmt in vielen Gemeinden die große Schar der Heranwachsenden Jugend ohne jedes Interesse an den Festgottesdiensten, die doch der heiligsten Andacht gewidmet sind, teil, einzig und allein, weil ihr das Buch des Gebetes ein verschlossenes ist. Wohl legt man sich gegenwärtig die Frage vor, wie dieser Sturz, der zu dem verderblichsten Jndifferentismus führen und jede wahre Religiosität untergraben müsse, mit Erfolg aufzuhalten sei — und gar manches Wort ist hierüber gewechselt worden, aber ohne zu einem entscheidenden Resultate zu führen. Das einzig Tröstliche bei all diesem religiösen Anarchismus ist, daß man jetzt wenigstens an ein kräftiges Heilmittel denkt. Man beginnt nämlich, sich der alten jüdischen Schulen zu erinnern, viele Stimmen erklären' als einzige Rettung die Wiederherstellung jener Institute, freilich in veränderter Gestalt, und so entstand die Frage, die gegenwärtig von vielen Seiten wieder aufgeworfen wird; ist die Erhaltung der sogenannten „jüdischen" Schulen, wie sie speziell in den politischen israelitischen Gemeinden Mährens bestehen, notwendig? Unbedingt muß ich hierauf mit einem „Ja" antworten, denn nur in einer „jüdischen" Schule ist es möglich, den hebräischen Unterricht zu erweitern, das heißt, man vermag den obligaten zwei wöchentlichen Religionsstunden mehrere unobligate hebräische Stunden hinzuzufügen. Der Unterricht in der mosaischen Religion umfaßt nicht bloß die Lehren der Religion selbst, sondern er ist weit umfangreicher. Sprache des Kultus ist nämlich einzig und allein die hebräische; zieht man ferner in Betracht, daß das Vorlesen des Pentateuchs und einzelner Stellen aus den Propheten ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes ist, so ergibt sich von selbst, daß die bloße Teilnahme an dem Gottesdienste eine nicht unbedeutende Kenntnis des Hebräischen fordert. Wie soll aber das Kind, das den ganzen Tag mit völlig heterogenen Gedanken beschäftigt ist, in den zwei Stunden, die wöchentlich dafür bestimmt sind, diese Kenntnis erlangen, zumal ihm fast nie Muße bleibt, diesem Zweige den geringsten Privatfleiß zu widmen? Wer diese Sprache nur einigermaßen kennt, wird wohl einräumeu, daß in so weniger Zeit nur s e h r w e n i g erlernt werden kann. Die Erfahrung bestätigt auch dieses nur allzusehr. Aus dem ganzen Verlaufe dieser Betrachtung geht demnach hervor, daß die Hindernisse, welche einer wahrhaft religiösen Bildung der Kinder mosaischen Glaubens entgegenstehen, einzig und allein durch zweckmäßigen und ausreichenden Unterricht in der hebräischen Sprachwissenschaft beseitigt werden können. Dieser ausreichende Unterricht kann jedoch nur in den „jüdischen" Volksschulen erteilt werden, weil an ihnen, mit Hilfe des „jüdischen" Orts sch ulrates, die Möglichkeit geboten wird, die Zahl der hebräischen Unterrichtsstunden zu vermehren. Sollte aber die Schulbehörde diese Vermehrung der unobligaten hebräischen Stunden nicht gestatten — eine Tatsache, die durch den deutfchtümelnden Liberalismus so mancher „jüdischer" Ortsschulratspräsidenten leicht verursacht werden kann — dann müßten überall, auch in kleinen Gemeinden, Religions- oder Bibelschulen erstehen; denn darin sind wir heute alle einig, daß nur durch eine intensive Behandlung der hebräischen Sprache, als Sprache des Kultus, die Sache des Glaubens gefördert und Liebe und Anhänglichkeit an denselben geweckt wird. Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates, Von Dr. S. Gelbhaus. Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Diese Maßnahme hängt aufs engste mit dem ganzen Charakter und dem innersten Wesen des Persertums zusammen. Die früheren Weltreiche waren durchwegs semitischen Ursprunges. Die Herrschaft derselben ging von Semiten aus und erstreckte sich über alle semitischen Länder und Völker. Die damalige Kulturwelt war eine semitische.

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