Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 22 Nr. 2 m. Lloev's Mocdenscvrm. Ansprüche. Damit wollten sie eine patriotische Pflicht erfüllen. Die Angernfeuen erfüllten ihrerseits das Recht, indem sie den Appell in allen ihren Blättern und Reden zurückwiesen.. Dagegen brachten die letzten Tage neuerliche Beweise einer anderen, weltumspannenden und staatsgefährlichen Solidarität gerade derjenigen, von welchen die Lüge der verräterischen jüdischen Solidarität ausgeht. In seiner bedrängten politischen Lage hat Oesterreich derzeit Deutschland zum unbezahlbaren Freunde, von dessen Treue vielleicht der Weltfrieden, vielleicht der Sieg abhäugt. Aber was liegt den Klerikalen am Kriege, was an Oesterreich? Das protestantische Deutschland soll nicht eineu für ewig verpflichteten Bundesgenossen bekommen, es muß als schismatischer Staat isoliert werden und so sind im klerikalen Interesse hüben und drüben Elemente an der Arbeit, um das Einverständnis mit Macht zu stören, die Freundschaft um jeden Preis zu zerreißen. Die beiderseitigen Regierungen weisen diesen Hochverrat mit Entrüstung zurück — aber am Ende wird es doch gelingen, daß Oesterreich isoliert und erdrückt wird, nur damit Deutschland isoliert bleibe. So verlangt es das Gebot des klerikalen Weltbundes, dem Patriotismus Hekuba ist. Die Lähmung der Armee, die revolutionären Störungen in Frankreich, die Staatswirren in Italien, die Krise in Deutschland und jetzt während der größten Gefahr in Oesterreich sind alles Werke des international verbündeten Klerikalismus. Aber das hindert durchaus nicht, daß im zweiten Leitartikel seiner Organe von der jüdischen Solidarität ungestört gelogen wird, während man im ersten im Sinne der wirklichen, der staatszerstörenden klerckalen Solidarität predigt. Das sollten unsere Politiker in der breitesten Oeffentlichkeit mit Wucht zum Ausdruck bringen. Das Gr-ke-ennnginck in Kn-itaiirn nnd -ie Wiener Klerikale» nn- Antisemiten. Das Wiener Hilfskomitee, das sich unter dem Ehrenpräsidium Sr. Exzellenz des Ministers des'Aeußeren Freiherrn von Aehrenthal gebildet hat, um in der namenlosen Not, von welcher die Unglücklichen in Messina heimgesucht werden, rasche Hilfe zu bringen, erluß vor wenigen Tagen einen Aufruf an die Bevölkerung. Man darf gewiß sein, daß der eindringliche Appell, der aus den Worten dieser Kundgebung spricht, überall in Stadt und Land mächtigen Widerhall finden wird. Der Aufruf des Wiener Hilfskomitees für Italien gibt in der Tat den allgemein herrschenden Empfindungen richtigen Ausdruck, wenn er davon spricht, daß jeder in diesem Reich von dem herzlichen Wunsche geleitet ist, sein Schärflein zuv Linderung dieses grenzenlosen Elends beizutragen. Einem Massenunglück gegenüber, wie es in solchen Dimensionen im Laufe der Geschichte noch niemals zu verzeichnen gewesen ist, ist der Wunsch nur allzu begreiflich, daß durch eine organisierte Aktion Sorge für die beste und wirkungsvollste Hilfeleistung getragen wird, daß die Spenden, die gewiß in reichlichstem Maße einlaufen werden, die denkbar beste und ausgiebigste Verwendung finden. An die Spitze der Spender haben sich oie Bankinstitute und hervorragende Persönlichkeiten des finanziellen Lebens gestellt. Nichts vermag die Größe des Unglückes, das über Süditalien hereingebrochen ist, besser zu illustrieren, als der Schmerzensruf, mit welchem König Viktor Emanuel das tragische Ereignis betrauert. „Dieses Unglück", sagte der König, der an der Seite seiner hohen Gemahlin der Samariterpflicht in bewunderungswerter. Weise obliegt, „dieses Unglück ist nie wieder gut zu machen wegen der ungeheuren Menschenopfer und wegen des Unterganges unersetzlicher künstlerischer und historischer Stätten, die man um alle Reichtümer der Welt nicht wieder herbeischaffen kann. Angesichts dieser Katastrophe ist alle menschliche Kraft zu schwach!" Die menschliche Kraft ist zu schwach, um wieder aufzurichten, was die Macht der Elemente in einem fürchterlichen Augenblicke zertrümmert und zerstört hat. Aber sie darf sich nicht als zu schwach erweisen, um den Hungernden rasch und schnell Brot und Kleidung zu bringen. In allen Teilen der Welt gibt sich rührende Teilnahme kund, angesichts eines furchtbaren Unglückes schweigen alle Stimmen des politischen Kampfes und inmitten der allgemeinen Trauer, von der heute die ganze Kulturwelt erfüllt ist, erhebt der Genius der Menschlichkeit machtvoll sein Haupt. Die Tatsache, daß Se. Exzellenz der Minister des Aeußern Freiherr von Aehrenthal sich an die Spitze der Aktion gestellt hat, darf wohl mit Recht als Beweis dafür angesehen werden, daß sich Oesterreich mit allem Nachdruck in die erste Reihe jener Staaten stellen will, die dem schwergeprüften Lande einen Beweis werktätiger Sympathie geben. Zu dem Wunsche, den jeder Gebildete empfindet, seine. Gesinnungsverwandtschaft mit dem Geiste des Klassizismus zu bekunden, der von den Stätten der hellenischen und italienischen Geschichte ausströmt, zu der Absicht, der Pflicht der Menschlichkeit zu genügen, gesellt sich bei uns auch die Freundschaft für den Dreibundstaat. Vor dem furchtbaren Dämon, der in einer unvergeßlichen Unglücksnacht ein Lanch das unter einem so herrlichen Himmelsstrich gelegen ist, verwüstete, waren Palast und Hütte gleich, Palast und Hütte werden jetzt auch miteinander wetteifern, um die Tränen der Unglücklichen zu. .trocknen, die aus den Trümmern ihrer Heimstätten, an den Gräbern der von ihnen heiß beweinten Lieben stehen und die nun hungernd und nackt durch die unheimliche Landschaft irren. Den Aufruf aber, den das konstituierte Hifskomitee an die Wiener Bevölkerung richtet, hat die gesamte klerikale und antisemitische Presse- Wiens unterschlagen; sie weigert sich, den Inhalt des schönen Aufrufes zur Kenntnis der Wiener Leser zu bringen. Die „Ostdeutsche Rundschau" vom 5. d. M. erklärt geradezu, daß „verständige Deutsche heute die Taschen zuhalten". Auch das ist ein Beitrag zur Psychologie des Antisemitismus und zur Wertung der antisemitischen Rasse. Ist die Erhaltung dre sogrnannten jüdische« Schulen <rotmr»dig? Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in Bisenz. Solange die Juden Oesterreichs allen bürgerlichen Gewerben ferne stehen mußten, so lange sie von allen öffentlichen Bildungsanstalten ausgeschlossen waren, solange konnte auch allgemeine Bildung nicht in ihrer Mitte Wurzel schlagen. Gebannt in die engsten Kreise der Tätigkeit und der Gesellschaft wurde die Notwendigkeit dieser Bildung nicht erkannt, und die Schwierigkeit, sie zu erwerben, erstickte zum Ueberfluß noch jedes emporstrebende Verlangen. Wohl ruhte dessen ungeachtet nicht der Geist, seine Kräfte feierten keineswegs, allein er schuf sich ein eigenes abgeschlossenes Gebiet; der jüdisch-theologischen Wissenschaft nämlich wandte sich der Geist zu und hier entwickelte er eine außerordentliche Tätigkeit, die ihre Grenzen nur in den Fähigkeiten der Individuen fand. Und dieser Zweig des Wissens war auch der einzige Gegenstand des Schulunterrichts; Bibel und Talmud waren die Bildungsmittel des jungen jüdischen Schülers, welche aber damals weniger mangelhaft erschienen, weil alle Lebensverhältniffe nur mitten unter den Glaübensgenosfen sich abspinnen konnten. 4 " Anders wurde dies plötzlich, als vor 60 Jahren das Werk der Befreiung an diesen Teil der Landeskinder erging. Die neuen Berührungspunkte mit den andersgläubigen Mit-