Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Lölocb's MocbenscbrM. Rr. 1 Seite. 14. Wahrung des Amtsgeheimnisses zu einer richtigen Verteilung der Gemeindesteuer verwerten. Aber auch wenn man von diesem Momente ganz absieht, wird man den Masstab dort richtiger anlegen können, wo das Gemeindemitglied seinen Haushalt führt und seinen Aufwand treibt, als dort, wo er seine Einnahmsquelle hat, deren Ergiebigkeit dem Aussenstehenden ja doch zumeist verborgen bleibt. Dazu kommt noch, dass nicht die Firma die Steuer zu entrichten hat, sondern der Glaubensgenosse, weil für ihm der Kultus erhalten wird, nicht aber fürs Geschäft. Der Aufwand, die richtige. Grundlage zur Bemessung der Kultussteuer könnte aber auch aus den durch die Hausbesitzer gesammelten und dann der Steuerbehörde abgelieferten sogenannten Zinslisten am besten beurteilt werden. Man ersieht aus ihnen nicht nur, wie viel Mietzins eine Partei entrichtet, sondern auch wie viel Kinder, wie viel Verwandte, wie viel Afterparteien mit ihr die Wohnung teilen und wie viel Dienstboten sie hält. Sie gestatten also einen Rückschluss auf das Ausgabeetat des Steuerpflichtigen und dessen Einkommen. Dieselben sind mit dem Steuerbekenntnis nicht zu verwechseln. .Die Behörde hat keinen Rechtsgrund, deren Einsichtnahme zu verweigern. Im Gegenteile hätte der Staat die Pflicht, eine annähernd gerechte Anlegung der Kultussteuer durch Einblick in die Zinsliste zu ermöglichen. Wir schlagen hiemit höflichst vor: Der Vorstand der Kultusgemeinde wolle 1. jedes Gemeindemitglied in jenen Kultusbezirk einreihen, in welchem es wohnt, auch wenn es in einem anderen Bezirke seinen Beruf ausübt, 2. an kompetenter Stelle die Erlaubnis zur Einsichtnahme in die Zinslisten erwirken. Hochfchnlknrse für Palästinakunde, veranstaltet vom Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl". In der Zeit vom 20.—21. Februar 1909 finden an der Exportakademle Hocksschulkurse für Palästinakunde statt. Es sind bis heute folgende Vorträge von nachstehenden Herren zugesagt. Dr. Michael Beickowicz (Wien >: Palästina in der Volkskunde. Dr. C. Chllaidrti-Stavro (Konstantinope!): Türkisches Recht. Regiermrgsrat Dr. Josef Gruuzel (Professor an der k. k. Konsularakademie in Wien): Die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas. Ingenieur Josef Lau (k. k. Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen, Baden): Die Wasserkräfte Palästinas und ihre Ausnützung. Dr. Eugen Oberhummer (Profeffor an der k. k. Universitär, Wien) : Geographie Palästinas. Dr. K. Obermeyer (Professor an der orientalischen Lehranstalt, Wien): Die Kultusverbättniffe des Orients. Dr. Dauiel Pasmauik: Das zionistische Palästinaprogramm. Kais. Rat Wilhelm Schwarz (Wien): Export und Import deS Orients, mit besonderer Berücksichtigung Palästinas. Dr. Karl Ullmau« l Dozent an der k. k. Universität, Wien): Die Krankheiten Palästinas und ihre Prophylaxe. Dr. Hermann Bambery (Professor, Budapest): Die Verhältnisse des Orients und der Zionismus. Die übrigen Vortragenden werden demnächst bekannt gegeben. Die Jnskriptionsgebühr betrogt für alle Vorlesungen für Studenten 5 Kronen — für Nicht st udenten 10 Kronen. Die Vereiusleitung ersucht um vorherige baldige Anmeldung, da entsprechend den Vormerkungen der Vortragssaal gewählt wird. Anmeldungen sind an Adresse I. U« C. Leo Goldhammer, IX., Brünulgaffe 6 zu richten. Die Leitung ersucht alle Interessenten um Bekanntgabe von Adressen, an welche die ausführlichen Prospekte mit Erfolg zu versenden wären. Mündliche Auskünfte täglich von 7—9 Uhr abends im Vereinslokal, VIII., Alserstraße 7. Telephonische Auskünfte werden täglich erteilt. (Telephonnummer 1845 I. und 4167 IV., Vereinspräses Georg Weiner, IX., Bindergasse 6). Neuuuuddreißigster Jahres- und Rechenschaftsbericht der Administration des „fRstbolftmtm" ttt Wie« für die Zeit vom 1. Oktober 1907 bis 30. September 1908. Die Administration des „Rudolfinum" bestand in dem genannten Studienjahre aus folgenden Mitgliedern: dem Rechtsnachfolger und Sohne des Stifters, k. k. Kommerzialrat und Fabriksbesitzer Alfted Pollak Rttter von Rudin, dem k. k. Ministerialrat und o. ö. Profeffor der Wiener technischen Hochschule Dr. Wilhelm Tinter, dem k. k. Hofrat und o. ö. Professor der technischen Hochschule Doktor Josef Finger, dem k. k. Hofrat Heinrich Wagner Ritter v. Kremsthal, dem Bezirksvorsteher des Wiedener Gemeindebezirkes Franz Rienö'ßl, und dem k. k. Kommerzialrat und Fabriksbesitzer Julius Ritter Leon von Wernburg. MU der Hausinspektion war der Gymnasialprofeffor d. R. Vinzenz Gollob bettaut. Aus diesen Mitgliedern wurden gewählt: zum Präsidenten der Administration Ministerialrat Dr. Tinter, zu dessen Stellvertreter Hofrat Dr. Finger, zum Kassier Kommerzialrat Ritter Lson von Wernburg und zum Schriftführer Kommerzialrat Pollak Ritter von Rudin. Mit Schluß des Studienjahres 1906/1907 waren im Institute 69 Studierende verblieben. Von diesen wurden für das Studienjahr 1907/1906 wieder ausgenommen 30 und von neuen Petenten 40, so daß mit Beginn des Schuljahres 1907/1808 im Ganzen 70 Studierende im Institute waren. Während des Schuljahres traten 23 aus, 20 ein, so daß mit Ende des Schuljahres 67 verblieben. Die im Studienjahre 1907/1908 mit Stiftplätzen bedachten Studierenden verteilen sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Niederösterreich 8, Oberösterreich 2, Salzburg 1, Steiermark 2, Kärnten 6, Tirol 2, Küstenland 2. Böhmen 9, Mähren 18, Schlesien 20, Galizien li, Bukowina 7, Ungarn 3, Summe 91. Auf die verschiedenen Konfessionen entfallen: Katholisch 62, Evangelisch 2, Griechisch-orient. 4, Mosaisch 23, zusammen 91. Der Rechtsnachfolger des Stifters, Herr Alfred Pollak Ritter von Rudin. hat wie in früheren Jahren auch im abgelaufenen seiner Fürsorge für das Institut Ausdruck gegeben, indem er fast alle Räume desselben restaurieren und renovieren ließ und die Rechnungen der betreffenden Gewerbsleute im Betrage von 2434 K aus eigenem beglich. Die Ausgaben betrugen 5865 K. Hilfsverein der Deutschen Inden. Am 20. Dezember fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfvereins der Deutschen Juden statt. Der Vorsitzende , gab Auskunft über die Schritte, die im Interesse der rumänischen Juden im Hinblick auf eine eventuelle Konferenz der Signatarmächte des Berliner Vertrages unternommen wurden. Der Ausschuß billigte einstimmig die bisherigen Maßnahmen nach dieser Richtung. Dann machte Herr Dr. Nathan Mitteilungen über das Technikum in Haifa, für welches das Terrain bereits abgegrenzt ist und die Bauvorbereitungen schon getroffen sind. Mit großer Befriedigung nahm der Ausschuß Kenntnis von dem Fortschreiten des außerordentlich bedeutsamen Werkes für den Orient, dessen wirtschaftliches Aufblühen von der Einführung der technischen Fortschritte und der Erschließung neuer Verkehrsmittel abhängig ist. Neben diesem groß angelegten Projekte, für das dem Hilfsverein fortdauernd die lebhaftesten Sympathienbeweise aus der gesamten Judenheit zugehen, soll nach den Beschlüssen des Ausschusses das sonstige Schulwerk des Hilfsvcreins durch Bereitstellung ausreichender Mittel in zweckentsprechender Weise weiter ausgebaut werden. Für. die. - bestehenden Schulen des Hilfsvereins in der Türkei wurden erhebliche Bewilligungen vollzogen. Einen fernern wichtigen Gegenstand der Beratungen bildete das Hilfswerk in Galizien; es wurde beschlossen, die in Oesterreich auf diesem Gebiete in die Wege geleiteten verschiedenen Hilfsstationen wie bisher mit Geldmitteln zu unterstützen. Zum Schluffe wurde über die Tätigkeit des Hilfsvereins auf dem Gebiete des Auswanderungswesens berichtet, und es wurden die Modalitäten festgesetzt, nach denen die Arbeit für die jüdische Auswanderung fortzusetzen ist. Kunstgewerbe in Jerusalem. Der „Bezalel", Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern, erstattet soeben seinen dritten Tätigkeitsbericht. Eingeleitet wird der hübsch ausgestattete Bericht mit einem kleinen Porträt Samuel Hirszenbergs.des am 15. September dieses Jahres in Jerusalem verstorbenen Künstlers, der als Lehrer an der Jerusalemer Bezalelschule vortreffliches leistete. Der Verein will zum Andenken an den Verstorbenen ein Hirszenberg-Stipendium am „Bezalel" begründen. An der Jerusalemer Anstalt des „Bezalel", die im Berichtsjahre in zwei neue vom Jüdischen Nationalfonds dem „Bezalel" mietweise überlassene Häuser übersiedelte, bestehen gegenwärtig eine Teppichabteilung und Färberei, in der insgesamt 44 Arbeiterinnen beschäftigt sind, eine Abteilung für Holzschnitzerei Mit einem Meister und drei Gesellen, eine Rahmenabteilung mit einem Meister und neun Arbeitern, eine Abteilung für Filigran- Arbeiten mit einem Meister und drei Arbeitern, eine Abteilung für Steinhauerarbeilen, in der in einem dreimonatigen Kursus 29 Arbeiter ausgebildet wurden. Den Vorbereitungskursus der Kunstschule besuchten zehn Schüler im Alter von 16 bis 22 Jahren. Im Februar