Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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e*& * Dr. Llocd's Mocdenscdrttt. 1 Mit den Tuniser Juden wird nun die Ausnahme gemacht, daß ihnen solche Seßhaftigkeitspapiere nur in dem Falle ausgefolgt werden, wenn sie Nachweisen, daß sie drei Jahre hindurch in der Tuniser Armee gedient haben. Die Juden würden nun sehr gerne dieser Forderung Nachkommen, wenn die Mohammedaner, aus denen fast ausschließlich die tunesischen Regimenter bestehen, sie zum Militärdienst zulafsen würden. Den Juden bleibt demnach nichts anderes übrig, als sich für den schweren Dienst in der „Fremdenlegion" anwerben zu lassen. Tatsächlich dienen auch zahlreiche zionistische Juden in der Fremdenlegion und auch Lu den ftanzöfischen Regimentern, die in Marokko gekämpft haben, Juden aus Tunis. 3. Verlangen die Juden daß sie zu den öffentlichen Stellen, welche ihnen heute noch fast ausnahmslos verschlossen find, zugelaffen werden. _ Die künstlerische Laufbahn eines Wiener Synagogensängers. lieber Ursprung und Karriere Hermann Jadlowkers schreibt das Wiener „Fremdenblatt" am 25. v. M.: Im Hofoperntheater hat es kürzlich einen besonders glücklichen Menschen gegeben, nämlich den bei uns schon seit Wochen gastierenden Tenor Hermann Jadlowker vom Karlsruher Hofcheater. Er erhielt ein Telegramm seines Chefs, des Intendanten Dr. B a s s e r m a n n, des Inhalts, er sei vom Großherzog von Baden zum Kammersänger ernannt worden. Daß solch eine Auszeichnung einem jungen Sänger zu großer Freude gereicht, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wie erst, wenn sie einem Künstler zuteil wird, der sich durch ungewöhnliche Energie aus Not und Entbehrung zu solch angesehener Stellung in der deutschen Bühnenwelt emporgerungen hat! Wenn solche Sänger auS der Fremde als gemachte Leute nach jenem Wien zurückkommen, das sie sozusagen mit dem Tornister am Rücken verlaffeu haben, so steht man erst, was in dieser Stadt jahraus jahrein von unseren ersten Gesangsmeistern an Kunstwerten geschaffen wird. Kammersänger Jadlowker ist ein solches Exempel. Er ist von Geburt Rigenser, aber der künstlerischen Heimat nach Wiener; denn hier hat er studiert und gehungert. Hier hat er auch die Förderer und Lehrer gefunden, die ihm den Weg zu seiner Zukunft bahnten, vor allem Prof. Dr. G ä n s b a ch e r, den gediegenen Meister und edlen Menschen, der dort, wo es nottut, nicht nur aus dem reichen Schatz seines Wiffens und seiner Kunst gibt . . . Herr Jadlowker ist heute dreißig Jahre alt; acht Jahre dieser Zeit gehören dem Theater — die vier vorhergehenden hat er in Wien lernend verbracht, seinen Unterhalt in der Mitwirkung beim Chorgesang in Wiener Synagogen findend. Nun allerdings find die schwarzen Zeiten vorüber, nun fröhnt Herr Jadlowker als Graf Almaviva eines üppigen Lebens, nun werden dem ehemaligen Chorsänger als Affad im Tempel zu Jerusalem königliche Ehren zuteil, wie ihm denn nicht nur vor Jehovah, sondern auch vor dem allmächtigen Phtah, der im Tempel zu Memphis waltet, besondere Gnaden zuteil werden. Die Karlsruher werden übrigens ihren trefflichen Tenor nicht lange behalten; nur noch zwei Jahre. Dann kommt der Künstler für ein Jahr zu uns, um von 19l2 an der Berliner Königlichen Oper zu wirken. Kaiser Wilhelm selbst war es, der bei einer Karlsruher Festvorstellung zu Ehren des achtzigsten Geburtstages der Großherzogin Luise von Baden den Künstler als Gerald in „Lakma" hörte und sein Engagement nach Berlin anregte. Die Juden auf der Balkankonferenz. London. Mr. Samuel Strauß richtete im Unterhause an den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes die Anfrage, ob, im Falle auf einer Konferenz die Aufrechchrhaltung der Bestimmungen des Berliner Vertrages zur Behandlung käme, die englische Regierung geneigt sein würde, auf der Erfüllung der Verpflichtungen zu bestehen, die die rumänische Regierung gegenüber ihren jüdischen Untertanen in diesem Vertrage übernommen habe. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes erwiderte, daß diese Frage außerhalb des Rahmens einer Konferenz liegen werde, die sich mit den durch die jüngsten Ereignisse im Balkan hervorgerufenen Schwierigkeiten zu befassen habe. Von dieser Antwort kann man sagen „made in Germany". Näheres beim Hilfsverein der Deutschen Juden. Ein anderes Mitglied, Mr. Hunt, richtete eine Anfrage an den Staatssekretär des Innern, ob der Staatssekretär angesichts der Armut, die durch die wachsende Zahl der Arbeitslosen hervorgerufen werde, einen Weg sehe, um eine strengere Anwendung des Fremdengesetzes zu ermöglichen. Mr. Gladstone erwiderte: „Ich bedauere, daß die Anregung des ehrenwerten Mitgliedes kein wirksames Heilmittel für die Beseitigung des Uebels der Arbeitslosigkeit in diesem Lande enthält." __ Die Stellung der jüdischen Lehrer in Deutschland. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt am Main wird geschrieben: Die zweite Lesung des Lehrerbesoldungsgesetzes in der Kommission hat einen überaus erfreulichen Erfolg zu Gunsten der jüdischen Lehrer, insbesondere der Religionslehrer gebracht. Es wurde innerhalb des unter Mitwirkung der Parteien geschlossenen Kompromisses bestimmt, daß den an den Privatschulen charitativen Charakters wirkenden Lehrern beim Uebertritt in den öffentlichen Volksschuldienst die volle Dienstzeit unter Erlaß jeder Nachzahlung in die Alterszulagekasse ungerechnet werden solle. Die gleiche Vergünstigung genießen die an israelitischen Religionsschulen wirkenden Lehrer beim Uebertritt in den öffentlichen Schuldienst. Auch diesen wird also die volle Dienstzeit angerechnet, ohne daß die als besonders drückend empfundene Nachzahlung in die Allerszulagekasse geleistet zu werden braucht... Diese Beschlüsse werden in allen beteiligten Kreisen mit großer Befriedigung begrüßt werden und es ist dringend zu wünschen, daß sie sowohl im Plenum des Abgeordnetenhauses, als auch seinerzeit im Herrenhause Bestätigung finden. Von der Judenmiffion. Es wird berichtet, daß die „Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter Juden", die jetzt auf eine 100 jährige Tätigkeit zurückblickt, in dieser Zeit 60 Millionen Mark für ihre Zwecke verausgabte. Es wurde berechnet, daß ein Renegat die Gesellschaft 1000 Pfund Sterling oder 20,500 Mark koste!! Wie viele von diesen teueren Kostkindern noch im Schoße der alleinseligmachendem Kirche geblieben sind, wie viele aber, nachdem sie die Mission gehörig ausgebeutet, wieder den Weg ins Freie gesucht haben, darüber fehlt es leider an statistischen Angaben. Wie es anderwärts darum bestellt ist, schildert in drastischer Weise Walter Freiherr von Rumel ip einem Artikel der „MünchenerNeuesten Nachrichten". Er schreibt unter anderem: „Da kann es leicht so kommen, wie es in einer unserer afrikanischen Kolonien gegangen ist: Dort hatten sich auch Missionare verschiedenster Bekenntnisse und Richtungen an demselben Ort angesiedelt und alle suchten sie möglichst viele Seelen zu gewinnen. Die garnicht so unschlauen Neger halfen ihnen dabei nach besten Kräften. Am 1. Sonntag nach seiner Geburt wurde so ein kleiner Negersprößling zur katholischen Kirche getragen und dort feierlichst getauft. Am zweiten Sonntag ging es, da keine zweite katholische Mission in der Nähe war, ebenso laut und feierlich in die evangelische Kirche und dann ebenso fromm und gläubig an jedem nächsten Sonntag zu einer anderen neuen Mission, so lange noch eine da war. — Und wäre auch noch ein Rabbiner vorhanden gewesen, so wäre am sechsten Sonntag das hoffnungsvolle, bereits vier oder fünf Konfessionen