Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. LLocd's Mocdensebrin. Nr. 1 Mutter Rahel diesen Namen.. „beygeleget Hat". Ruhen wagt eine Widerrede. Das ersehen wir . aus der 13. Strophe, in der „der Vatter" den ältesten Sohn mit den Worten anfährt: „Schweig Rüben dan ich mag dich nicht zum bürgen haben." In den folgenden Strophen macht Jakob den Söhnen Borwürfe, daß fie dem „Manne" in Egypten so viel von ihrem Vater und Bruder erzählt haben und sagt in der 19. Strophe schließlich: „Und also kann ich mich unmöglich recht entschlüßen, euch Kinder allerseitzs, Von mir entfernet zu wissen, ihr söhne deneket doch, das ich alleine bin, drum reyset aber last, mir nur den Benjamin. Und stehe, mit der 20. Strophe kommt der Umschwung, die Peripetie unseres Poems. Der Hunger tut weh, und der Jakob, der sich in der 19. Strophe nicht „entschlüßen" konnte, Benjamin ziehen zu lassen, er tut es doch, weiß er doch, daß ohne seinen Sohn kein „getreyde fehl" ist. Und nun erkennt man, wie der Dichter von dem einfachen Worte der Bibel sich weit entfernt. Diese sagt schlicht und ergreifend: „Und der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne . . . ich aber, sei ich denn kinderlos, wenn ich es sein soll." Der „Dichter" zerdehnt diese Worte in folgende, langatmige Strophen, in denen er seine Bibelstärke erweist: „Gott der den Noam frisch, auf seinen kästen brachte, Gott der auf Abraham, auch in Egypten dachte, Gott der den frommen loth, aus sodoms-schwefel rief, Gott der den Jsmael, Vor Durst nicht sterben ließ. Gott der den Isaak, auch in fremden ländern sbeiste Gott der mich segnete, da ich nach Haran reyste Ja meiner Väter Gott, bereite dir die bahn, und gebe das ich dich, einst wieder sehen kann. Wobei uns nur auffällig ist, daß gerade „Loth und Jsmael" als Kronzeugen gleichsam hingestellt werden und namentlich der erstere, dessen Frömmigkeit wohl mehr als zweifelhaft gelten muß, zu den „Frommen" gezählt wird. Im übrigen finden wir an dieser Stelle gewisse Anklänge an das 44. Kapitel des apokryphischen Buches „Sirach", „Lob der Väter.4 *) Wenn nach den angeführten Stellen, diese Bearbeitung eines Teiles der Josephs-Geschichte nicht gerade sehr geschmackvoll ist und des dichterischen Reizes entbehrt, kann man ihr eine gewisse Originalität nicht, absprechen. Eigentümlich allerdings spiegelt fich die einfache biblische Welt in dem Kopfe dieses „Dichters" wieder. Doch ich will die Leser dieses Blattes noch mit seiner zweiten „Joseph-Dichtung" behelligen, die fich betitelt: „Die Wiederkunft, und andeutung des annoch le b en d en Josephs"6) Dieses zweite Poem unseres Versemachers, gleichfalls in Alexandrinern geschrieben, knüpft an I. Mos, 45. Kap., V. 26—28 an. „Und sie berichteten ihm mit den Worten: Noch lebt Joseph, und daß er Herrscher ist über das ganze Land Mizrajim" rc. In der dritten Strophe des Gedichtes heißt es nun: „Dein Joseph lebet noch, was kannst du frölicher hören, und soll nicht diese Post die gröste quäl zerstöhren, 4) „Die Apokryphen", übersetzt von Dr. D. Cassel, S. 83. . -) Soff-, a. a. O. S. 75—76, Seite 7 ja, ja er lebt, er herrscht, er ist derjenige mann, der uns Versorgen will, und auch ernähren kann." Wie man steht, kommt in diesen Worten neben der Freude daß „Joseph noch lebt", auch das realistischere Moment der Versorgung und Ernährung zum Durchbruche. Aber ein psychologisches Moment, das die Bibel, die große Menschenkennerin, sehr weise betont, indem fie die Brüder in diesem Augenblicke nicht die Träume Josephs erwähnen läßt, welche in Erfüllung gegangen find, hat unser Verfifex übersehen, wenn bei ihm die Brüder sagen: „Nun ist sein träum erfüllt, jetzt neigen fich die garben Vor seiner, die gantz Voll, Da andere mufien darben . . . Oder wollte er eine „geistreiche" Bemerkung fich nicht entgehen lasten? Jntereffant ist auch, daß in unser, r Dichtung die Brüder ein reuiges Geständnis ablegen und dem Vater bekennen: „Ach frommes Vatershertz, Jetzt mus ich waß erwehnen, Doch bitte ich zu Vor, Verzeihe deinen söhnen, es hat kein wildes thirr den Joseph aufgezehrt, wir hatten es erdacht und sehr den trydt vermöhrt. Wir haben ihn verkauft umb 20 filberlinge, der nächsten Kaufmannschaft, so nach Aegypten ginge . . . Unser Bersemacher wird hier deutlicher, aber die Bibel ist ihm, um mit Onkel Bräfig zu reden, an Feinfühligkeit „über". — So geben uns auch die 11 Strophen dieses Gedichtes Einblick in das, was den „Dichter" des 18. Jahrhunderts bewegte und wie e r die Josephs-Geschichte erschaute. Und, wenn wir dem geehrten Herausgeber dieser „Dichtungen" beistimmen, daß ihre bombastische und gespreizte Sprache fie nicht natürlicher und genießbarer macht, so werden wir ihnen doch ein gewiffes Jntereste nicht absprechen, schon deshalb, weil wir sehen können, wie sehr die wahre Poefie der Bibel absteht von dieser gemachten und gekünstelten Dichtung, und wie weit die Naivität unserer Thora von der Sentimentalität einer barocken Zeit fich entfernt. Dr. Max Grünfeld. Vom Aabrmarkt des Lebens. D»e Forderungen der Tuniser Juden. Bekanntlich erscheint seit einiger Zeit in Tunis unter dem Titel „Le Defenseur" ein Wochenblatt, daß die Verteidigung der Rechte der Juden und die Herbeiführung ihrer vollständigen Gleichstellung vor dem Gesetze, vor Allem aber ihre Befteiung vom Drucke der Mohammedaner bezweckt. Die erste Nummer dieses Blattes formuliert die Forderungen der Tuniser Juden wie folgt: 1. Verlangen die Tuniser Juden, daß wenn ein Jude mit einem Mohammedaner einen Prozeß hat, so möge dieser nicht vor einem mohammedanischen Gerichte nach den Grundsätzen des Korans, sondern vor dem franzöfischen Gerichte auf Grund der allgemeinen franzöfischen Gesetze verhandelt und abgeurteilt werden. 2. Soll den Tuniser Juden die Möglichkeit gegeben werden, ftanzöfische Bürger zu werden. Zur Erklärung dieser Forderung sei darauf hingewiesen, daß laut den für Tunis geltenden Gesetzen jeder fremde Untertan ftanzöfischer Bürger werden kann, wenn er den Nachweis erbringt, daß er eine bestimmte Zeit hindurch in Tunis ununterbrochen gewohnt hat.