Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtr. 1 Vr. Bloches WortzmAchrM» bezweigter Nadelholzstämmling erstanden, der alsbald, im stolzen Bewußtsein, zu solch unerwarteten Ehren gekommen zu sein, seinen Einzug in die Behausung der jüdischen FamÜie hält. Ja, du lieber Gott, haben denn solche jüdische Eltern keine Ahnung davon, was sie hier getan, oder haben sie für die Kindererziehung so wenig Verständnis, als daß sie befürchten müßten, daß sie mit dieser Handlung in das jugendliche Herz des Kindes einen Keim legen, der dann später eine verhängnisvolle Frucht zeitigen könnte! Wissen sie denn nicht, daß wir in einer Zeit leben, wo leider Assimilation und Renegatentum in der Blüte stehen und daß demnach alles streng vermieden werden muß, was der Jugend zu solchen verwerflichen Schritten die Wege ebnen könnte? „Ja, aber bei welchem festlichen Anlasse haben wir sonst Gelegenheit, auch unseren Kindern eine so harmlose Freude zu bereiten und sie in die richtige Festesstimmung zu verschen?" So hören wir diese zärtlichen Väter und Mütter ausrufen, so sie diese Mahnworte gelesen, oder von denselben erzählen gehört haben. Allerdings richtig. Aber, haben wir denn wirklich keinen anderen Ausweg? Mangelt es uns denn wirklich an solchen Gelegenheiten? Wozu denn überhaupt in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt! Kanu denn das, was bei der Feier des Purimfestes schon Jahrhunderte hindurch zur Anwendung gelangt, nicht etwa auch beim Chanukafeste Geltung erlangen? Heißt es ja doch in der denkwürdigen Megillas Esther ausdrücklich, daß die damaligen Juden anläßlich ihrer erfolgten wunderbaren Errettung vor dem Anschlag Hamans v'n fwv nHvv einander Liebesgaben und Geschenke sandten und gleichzeitig feststellteu, diesen Gabenaustausch, für alle Zeiten, am Purimfeste als religiöse Pflicht beizubehalten. Und wenn wir auch keine Megillas Chanuka besitzen, die uns eine solche Pflicht auferlegt, so können die Eltern diesem Feste, um das Interesse des Kindes für dasselbe zu erhöhen, solcherart die Weihe und das Gepräge eines wahren Familien- und Kinderfestes geben. Wie schön und wie herrlich wird es sein, wenn da unsere Kleinen beim Anzünden der Lichter sich um uns scharen, ernst und andächtig die üblichen Segenssprüche mitrezitieren, das schöne Chanukalied mitanstimmen und dann, als Lohn dafür, ihre Freude an den Geschenken haben würden, die für sie auf dem Chanukatische rings um die Menora ausgebreitet lägen! Daniel Skutezky _ Religionslehrer. Intet „Ioseph-Dichtmtgeu" an» dem 18. Jahrhunderte. Es gibt wohl wenige, welche nicht durch die uralte, ewig neue Geschichte des Lieblingssohnes Jakobs ergriffen, belehrt und getröstet worden wären; sie klingt wirklich, wie ein Märchen aus uralten Zeiten. Nun ist es intereffant zu sehen, wie diese biblische Erzählung, in der mit wenigen, schlichten Worten ein ganzes Menschenschicksal behandelt wird, das, nach Grillparzers wahrem Worte, mehr ist, als ein Menschenleben, immer und immer wieder zur musikalischen nicht nur, sondern auch dichterischen Behandlung reizte. So hat denn auch vor einiger Zeit M6huls „Joseph und seine Brüder" eine ftöhliche Auferstehung gefeiert. Wir aber wollen hetzte einen weiteren Leserkreis mit zwei Gedichten bekannt machen, welche Episoden aus der Patriarchengeschichte behandeln, zwei Gedichten, in Alexandrinern abgefaßt, die in einer Art Liederbuch enthalten sind, das ein Benediktiner niedergeschrieben hat. und zwar, wie er selbst sagt, im Jahre 1745. Das „8 i e b e 16 u ch", aus dem Kloster R a i g e r n bei Brünn stammend, wurde von dem Brünner Realschulprofessor, Schulrate Emil S o f f 6, herausgegeben.x) Sein Inhalt, der i) Emil Soff6 «Vermischte Schriften", Brünn 1909. Druck und Verlag von Friede. Jrrgang. uns hier weiter nicht interessiert, ist mannigfaltig genug. Es enthüll meist heitere, weltlich klingende Gedichte, darunter auch saftige Spottgedichte auf Luther. Der Schreiber des Liederbuches war der Benediktiner Paulus H a r l a ch e r, geboren am 24. August 1719 zu Brünn, gestorben 4. März 1782. Der Mann soll ein guter Kanzelredner gewesen sein und alle seine Obliegenheiten zur Zufriedenheit seiner Oberen ausgeführt haben. Ohne Kritik und Sichtung stellt er in seiner Sammlung unter dem Titel „Cantilenae diversae pro Distractione Animi adhibendae, descriptae Anno 1745“ („Verschiedene Gedichte für die Zerstreuung des Geistes, niedergeschrieben im Jahre 1745"), 15 deutsche und 8 lateinische Lieder zusammen und beginnt sein Büchlein mit dem Bruchstücke einer Art „Patriarchade". Dieses betitelt sich: »Der wegen der abreiß seines Sohneß Benjamin betrübte Ertz-Vatter Jacob." In 26 Strophen haben wir es hier mit einer länglichen Jammerrede Jakobs zu tun, der die Trennung von seinem Sohne beklagt; aber der in Aussicht stehende Hungertod belehrt ihn eines besseren und er läßt endlich Benjamin ziehen. Das Gedicht ist demnach eine Ausführung von I. Mos., Kap. 43, V. 11—14, und, was hier mit knappen, wenigen Worten gesagt wird, das tritt unser Dichter aus dem 18. Jahrhunderte sehr breit. Unwillkürlich fällt unser Blick auf den Midrasch zu der Stelle, welcher folgendes besagt: „Hier ist das Geld und hier find die Gaben und Geschenke und da ist Euer Bruder! Braucht Ihr sonst noch Eines?" „Wir brauchen deine Fürbitte." „Nun, so möge Gott Euch Erbarmen finden lassen und wo nicht — glücklich der Mann, den Gott gezüchtiget hat." Vergleichen wir das schöne Midrasch-Wort mit unserem, etwas ledernen Gedichte, dann wird es nicht zweifelhaft sein, zu wessen Vorteile der Vergleich ausfällt. 2) Und nun zu unserem Gedichte?) Es beginnt mit folgender Strophe: Ihr Söhne Kann euch nicht Des Vatters jammer rühren, Daß ihr bei meiner Qual Kein Kindtlichs Mitleid sbüren. Bricht euch das Hertze nicht, Wan euer Vatter weint; Und wan ihm ein Comet, Anstadt der Sonne scheindt. Schon diese astronomischen Kenntniffe Jakobs, die beweisen, wie gut er die „Cometen" von der Sonne zu unterscheiden weiß, zwingen uns ein Lächeln ab, das bei der folgenden jammervollen Rede, die sich der Dichter, ein zweiter Jvsephus, schön konstruiert hat, nicht schwinden will. In der zweiten Strophe nennt er Benjamin „sein augentrost" und er kann als „Vatter" den Söhnen ihre „Bitte nicht gewähren." In der dritten Strophe hat der Dichter die biblische Redeweise angewendet, die Jakob an einer anderen Stelle gebraucht, er läßt ihn sagen: „So muß ich Voller angst, mit meinen grauen haaren, hinunter in das grab und in die grübe fahren." Nachdem der Dichter diese scharfe Distinktion zwischen ..grab und grübe" gemacht, läßt er den „Vatter" klagen, daß er um Joseph und Simeon gebracht wurde. Er weiß wohl, so jammert er in der 6. und 7. Strophe, daß man ohne „Khorn" nicht leben kann. Aber — und jetzt kommt eine klassische Erwiderung — „wass hilfftes nuhn wan ihr, gleich Khorn und Vorath bringt, da euer Vatter tobt, Vor angst zur erden finkt." Alle mögen reisen, „Rüben, Neptholi", nur mögen fie ihm „den liebsten Benjamin" lassen. Es folgt ein Exkurs über die Geburt Benjamins, der ihm „ein rechter schmertzensohn" würde, wie ihm schon die 2) Unsere Prediger möchten wir bei dieser Gelegenheit auf die herrliche Predigt aufmerksam machen, die Mannheimer im Jahre 1830. über den Text und Midrasch gehalten hat. Vgl. Mannheimer, ..Gottesdienstliche Vorträge", gehalten im israelitischen Bethause zu Wien, I., Carl Gerolds Verlag 1835, S. 179—198. ') Soffö a. a. D. S. 71—74. Wir geben die vierzeilrgen Strophen des Originals in 8 Zeilen, '